Herrlisheim

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Herrlisheim
Wappen von Herrlisheim
Herrlisheim (Frankreich)
Herrlisheim
Region Grand Est
Département Bas-Rhin
Arrondissement Haguenau-Wissembourg
Kanton Bischwiller
Gemeindeverband Pays Rhénan
Koordinaten 48° 44′ N, 7° 54′ OKoordinaten: 48° 44′ N, 7° 54′ O
Höhe 120–131 m
Fläche 14,38 km2
Einwohner 4.830 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 336 Einw./km2
Postleitzahl 67850
INSEE-Code
Website http://www.herrlisheim.fr/

Turm der Kirche St. Arbogast

Herrlisheim (deutsch Herlisheim) ist eine Gemeinde mit 4830 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Bas-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in der Oberrheinischen Tiefebene.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes findet sich in einer Schenkungsurkunde von 743 zu Gunsten des Klosters Weißenburg. Das Dorf wird Hariolfesvilla („Hariolds Hof“) genannt. Die Landgrafen von Unterelsass, die Grafen von Ötingen, verwalten 1251 das Dorf. 1342 wurde Herlisheim an die Herrschaft Lichtenberg verkauft. Von den Lichtenbergern wurde es zwischenzeitlich verpfändet, aber 1401 wieder ausgelöst.[1] Durch den Gebietserwerb im 14. Jahrhundert mussten zu Beginn des 15. Jahrhunderts die zu umfangreich gewordenen Ämter Ingweiler und Buchsweiler der Herrschaft Lichtenberg neu organisiert werden. Dabei wurde unter anderem das Amt Pfaffenhofen ausgegliedert und verselbständigt.[2] Als auch dieses durch weiteren Gebietszuwachs erneut geteilt werden musste, entstand das Amt Offendorf noch vor 1440.[3] Zu diesem Amt gehörte auch Herlisheim.

Elisabeth, eine der beiden Erbtöchter Ludwigs V. von Lichtenberg (* 1417; † 1474), heiratete Graf Simon IV. Wecker von Zweibrücken-Bitsch. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers, Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Elisabeth, erbte sie die Hälfte der Herrschaft Lichtenberg, zu der auch das Amt Offenheim – und damit Herlisheim – gehörte.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Jakob von Zweibrücken-Bitsch (* 1510; † 1570) und sein schon 1540 verstorbener Bruder Simon V. Wecker hinterließen nur jeweils eine Tochter als Erbin. Die Tochter des Grafen Jakob, Margarethe (* 1540; † 1569), war mit Philipp V. von Hanau-Lichtenberg (* 1541; † 1599) verheiratet. Zu dem sich aus dieser Konstellation ergebenden Erbe zählte auch die zweite, nicht bereits in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg liegende Hälfte der ehemaligen Herrschaft Lichtenberg und darin auch das Amt Offendorf mit Herlisheim.

Der zu diesem Zeitpunkt regierende Graf Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg (1514–1590) führte die Reformation in seiner Grafschaft und auch den durch die Erbschaft hinzu gewonnenen Gebieten konsequent durch, die nun lutherisch wurde.

Mit der Reunionspolitik Frankreichs unter König Ludwig XIV. kam das Amt Offendorf unter französische Oberhoheit. In diesem Prozess wurde in Herlisheim auch wieder eine römisch-katholische Pfarrei errichtet.[4]

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III. 1736, fiel Hanau-Lichtenberg – und damit auch das Amt Offendorf – an den Sohn seiner einzigen Tochter, Charlotte, Landgraf Ludwig (IX.) von Hessen-Darmstadt. Mit dem durch die Französische Revolution begonnenen Umbruch wurde Herlisheim französisch.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1798[5] 1910 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2005 2012
1.495 2.227[6] 2.461 3.108 3.780 3.941 3.877 4.198 4.438 4.808

Die jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand in Herrlisheim eine jüdische Gemeinde. Um 1780 lebten dort fünfzehn jüdische Familien. Die erste örtliche Synagoge wird um das Jahr 1805 vermutet. 1850 wurde sie neu erbaut. 1936 zählte die jüdische Gemeinde rund 80 Personen. 1940 wurden die als „jüdisch“ klassifizierten Menschen nach Südfrankreich deportiert und mindestens elf von ihnen ermordet. Im selben Jahr wurden die Synagoge und einige Nebengebäude durch ein Bombardement zerstört, in den Fünfzigerjahren aber wieder aufgebaut. Allerdings lebten nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch wenige Juden in Herrlisheim und so wurde die Synagoge 1969 geschlossen; sie ist aber als historisches Gebäude erhalten geblieben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts = Schriften der Erwin von Steinbach-Stiftung 10. 2. Auflage. Bad Neustadt an der Saale 1985, ISBN 3-922923-31-3 [Nachdruck des Werks von 1938].
  • Friedrich Knöpp: Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstädtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden in Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6].
  • Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480–1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herrlisheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eyer, S. 71.
  2. Eyer, S. 238.
  3. Vgl.: Eyer, S. 98.
  4. Knöpp, S. 15.
  5. Matt, S. 7.
  6. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Kreis Hagenau