Mertzwiller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mertzwiller
Wappen von Mertzwiller
Mertzwiller (Frankreich)
Mertzwiller
Region Elsass
Département Bas-Rhin
Arrondissement Haguenau-Wissembourg
Kanton Reichshoffen
Koordinaten 48° 52′ N, 7° 41′ OKoordinaten: 48° 52′ N, 7° 41′ O
Höhe 152–207 m
Fläche 6,96 km²
Einwohner 3.373 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 485 Einw./km²
Postleitzahl 67580
INSEE-Code
Website http://www.mertzwiller.fr/

Ortsmitte
St. Michael
Nördliche Zinsel bei Mertzwiller

Mertzwiller (deutsch: Merzweiler) ist eine Gemeinde mit 3373 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Kanton Reichshoffen im Département Bas-Rhin in der Region Elsass in Frankreich. Mertzwiller ist ein Mitglied der Communauté de communes du Pays de Niederbronn-les-Bains.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merzweiler gehörte seit 1350 zur Herrschaft Lichtenberg. Es war ein Reichslehen.[1] Durch Gebietserwerb im 14. Jahrhundert mussten zu Beginn des 15. Jahrhunderts die zu umfangreich gewordenen Ämter Ingweiler und Buchsweiler der Herrschaft Lichtenberg neu organisiert werden. Dabei wurde unter anderem das Amt Pfaffenhofen ausgegliedert und verselbständigt, zu dem auch Merzweiler gehörte.[2]

Anna von Lichtenberg (* 1442; † 1474), eine der beiden Erbtöchter Ludwigs V. von Lichtenberg (* 1417; † 1474) heiratete 1458 den Grafen Philipp I. den Älteren von Hanau-Babenhausen (* 1417; † 1480), der eine kleine Sekundogenitur aus dem Bestand der Grafschaft Hanau erhalten hatte, um heiraten zu können. Durch die Heirat entstand die Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers, Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Anna, erhielt Philipp I. d. Ä. 1480 die Hälfte der Herrschaft Lichtenberg. Zu dieser Hälfte gehörte auch das Amt Pfaffenhofen mit Merzweiler. In der Folgezeit gelangte das Dorf in die Hände der Grafen von Zweibrücken-Bitsch. Diese rechneten es ihrer Herrschaft Oberbronn zu.[3]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Zweibrücken-Bitsch gelangte die Herrschaft Oberbonn – und mit ihr Merzweiler – 1551 als Mitgift anlässlich der Heirat der Amelie von Zweibrücken-Bitsch mit Philipp I. von Leiningen-Westerburg an diese Familie. Spätestens zu diesem Zeitpunkt schied Merzweiler aus dem Einflussbereich der Grafschaft Hanau-Lichtenberg endgültig aus.[4]

In Nachfolge der Leininger wurden die Landgrafen von Hessen-Homburg und zu einem geringeren Teil die schwedische Adelsfamilie der Freiherren von Sinclair im 17. Jahrhundert Herren der Herrschaft Oberbronn. Durch die Reunionspolitik Frankreichs fielen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch die Herrschaft Oberbronn und das Dorf Merzweiler unter französische Oberhoheit. Der hessen-homburgische Teil ging in der Mitte des 18. Jahrhunderts an die Familie Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein über, der Sinclair’sche Anteil an die ebenfalls schwedischstämmige Familie derer von Lewenhaupt.[5] Hohenlohe musste die Herrschaft 1793 an Frankreich abtreten und wurde dafür später mit Gebieten des säkularisierten Bistums Würzburg abgefunden.[6] In den Verwaltungsreformen in Folge der Französischen Revolution wurde die Herrschaft Oberbronn aufgelöst. Merzweiler war nun französisch.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2013
2692 2948 3282 3408 3524 3507 3504 3382

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besitzt einen Bahnhof an der Strecke Haguenau–Niederbronn-les-Bains, die von Zügen des TER Alsace befahren wird.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die erste Synagoge ist auf das Jahr 1721 datiert. Sie wurde 1822 durch ein neues Gebäude ersetzt, das 1872 restauriert wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts = Schriften der Erwin von Steinbach-Stiftung 10. 2. Aufl. Bad Neustadt an der Saale 1985 [Nachdruck des Werks von 1938]. ISBN 3-922923-31-3
  • Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.
  • Peter Karl Weber: Lichtenberg. Eine elsässische Herrschaft auf dem Weg zum Territorialstaat. Soziale Kosten politischer Innovation. Heidelberg 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mertzwiller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eyer, S. 67.
  2. Eyer, S. 238.
  3. Weber, S. 37, Anm. 59.
  4. Matt, S. 7.
  5. Waltz und Rudolph.
  6. Oberbronn (Herrschaft). In: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7. Auflage. München 2007. ISBN 978-3-406-54986-1. S. 481.
  7. Streckentabelle 5 TER Alsace (PDF; 109 kB)