Gœrsdorf

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Gœrsdorf
Wappen von Gœrsdorf
Gœrsdorf (Frankreich)
Gœrsdorf
Region Grand Est
Département Bas-Rhin
Arrondissement Haguenau-Wissembourg
Kanton Reichshoffen
Koordinaten 48° 57′ N, 7° 46′ OKoordinaten: 48° 57′ N, 7° 46′ O
Höhe 164–463 m
Fläche 13,14 km2
Einwohner 1.099 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 84 Einw./km2
Postleitzahl 67360
INSEE-Code
Im Mittelgrund: Woerth, hinten, auf dem Hügel vor dem Wald: Gœrsdorf
Synagoge von Gœrsdorf 1908

Gœrsdorf (deutsch: Görsdorf) ist eine französische Gemeinde mit 1099 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Bas-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Die Gemeinde ist Mitglied des Gemeindeverbandes Communauté de communes Sauer-Pechelbronn.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Preuschdorf und Wœrth. Der Wald, der im Norden das Gemeindegebiet flankiert, heißt Forêt de Gœrsdorf. Ansonsten wird die Landschaft vom Ackerland dominiert. Ein Teil des Gemeindegebietes gehört zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord, einem Naturpark im Pfälzerwald und den Nordvogesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herren von Lichtenberg kauften Görsdorf 1314 von Lambrecht von Brune zu ¾.[1] Es war ein Lehen des Bischofs von Straßburg.[2] In der Herrschaft Lichtenberg war es dem Amt Wörth zugeordnet[3], das im 13. Jahrhundert entstanden war. Um 1330 kam es zu einer ersten, 1335 zu einer zweiten Landesteilung zwischen den drei Linien des Hauses Lichtenberg. Gœrsdorf fiel je zur Hälfte an Johann II. von Lichtenberg, aus der älteren Linie des Hauses und Ludwig III. von Lichtenberg, der die jüngere Linie des Hauses begründete.[4]

1348 erwarben die Lichtenberger unter Hohen Kosten die Stadtrechte für den Ort und zwar das von Hagenau.[5] Görsdorf bildete zugleich eine eigene Büttelei.[6] Eine „Büttelei“ war die Untergliederung eines Amtes. Die Stadt war zugleich der Hauptort eines gleichnamigen Gerichtsbezirks, der auch die Dörfer Mitschdorf, Lampertsloch, Lobsann, Oberkutzenhausen, Merkweiler, Preuschdorf und die Höfe Weylenbach und Diefenbach einschloss.[7]

Als 1480 mit Jakob von Lichtenberg das letzte männliche Mitglied des Hauses verstarb, wurde das Erbe zwischen seinen beiden Nichten, Anna und Elisabeth, geteilt. Anna hatte Graf Philipp IV. von Hanau (1514–1590) geheiratet, Elisabeth von Lichtenberg (* 1444; † 1495) Simon IV. Wecker von Zweibrücken-Bitsch. Das Amt Wörth – und damit auch Görsdorf – kamen bei der Teilung zu Zweibrücken-Bitsch.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1570 kam es zu einem weiteren Erbfall, der das Amt Wörth zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg brachte: Graf Jakob von Zweibrücken-Bitsch (* 1510; † 1570) und sein schon 1540 verstorbener Bruder Simon V. Wecker hinterließen nur jeweils eine Tochter als Erbin. Die Tochter des Grafen Jakob, Margarethe (* 1540; † 1569), war mit Philipp V. von Hanau-Lichtenberg (* 1541; † 1599) verheiratet. Zu dem sich aus dieser Konstellation ergebenden Erbe zählte auch die zweite, nicht bereits durch Hanau-Lichtenberg regierte, Hälfte der ehemaligen Herrschaft Lichtenberg. Philipp V. von Hanau-Lichtenberg führte in den ererbten Gebieten sofort die Reformation durch, die wie sein übriges Herrschaftsgebiet nun lutherisch wurden.

Mit der Reunionspolitik Frankreichs unter König Ludwig XIV. kamen das Amt Wörth und Görsdorf unter französische Oberhoheit. Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel das Erbe – und damit auch Görsdorf – 1736 an den Sohn seiner einzigen Tochter, Charlotte, den Erbprinzen und späteren Landgrafen Ludwig (IX.) von Hessen-Darmstadt. Mit dem durch die Französische Revolution begonnenen Umbruch wurde das Amt Wörth Bestandteil Frankreichs und in den folgenden Verwaltungsreformen aufgelöst.

Die heutige Gemeinde entstand am 1. Januar 1973 durch die Fusion mit der Nachbargemeinde Mitschdorf.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1798[8] 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2013
Einwohner 553 914 833 937 969 942 984 1.098 1.110

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts = Schriften der Erwin von Steinbach-Stiftung 10. 2. Aufl. Bad Neustadt an der Saale 1985 [Nachdruck des Werks von 1938]. ISBN 3-922923-31-3
  • Friedrich Knöpp: Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstädtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden in Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6].
  • Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gœrsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eyer, S. 58, 149.
  2. Knöpp, S. 19; Eyer, S. 58, 141.
  3. Eyer, S. 238.
  4. Eyer, S. 78f.
  5. Eyer, S. 149, 228f.
  6. Eyer, S. 240.
  7. Eyer, S. 239f.
  8. Matt, S. 7.