Sarrebourg

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Sarrebourg
Wappen von Sarrebourg
Sarrebourg (Frankreich)
Sarrebourg
Region Grand Est
Département Moselle
Arrondissement Sarrebourg-Château-Salins
Kanton Sarrebourg (Hauptort)
Gemeindeverband Sarrebourg Moselle Sud
Koordinaten 48° 44′ N, 7° 3′ OKoordinaten: 48° 44′ N, 7° 3′ O
Höhe 244–325 m
Fläche 16,40 km2
Einwohner 12.045 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 734 Einw./km2
Postleitzahl 57400
INSEE-Code
Website Sarrebourg

Rathaus Sarrebourg (Hôtel de ville)

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Sarrebourg (deutsch Saarburg, lothringisch Saarburch/Saarbuerj) ist eine französische Gemeinde mit 12.045 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen).

Sarrebourg ist eine Unterpräfektur (französisch sous-préfecture) des Départements Moselle und Verwaltungssitz des Gemeindeverbands Communauté de communes Sarrebourg Moselle Sud.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in einem weiten Becken am Oberlauf der Saar auf 315 m NHN. Die nächsten Großstädte sind Straßburg, Saarbrücken und Nancy.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor etwa 2000 Jahren entstand die römische Poststation Pons Saravi dort, wo die Römerstraße von Reims nach Straßburg die Saar an einer Furt überquerte. An der Kreuzung großer Straßen und inmitten eines fruchtbaren Beckens gelegen, entwickelte sich der Ort zum Handelszentrum. Die Villa Saint-Ulrich mit ihren 33 Einzelgebäuden zeugt von der damaligen Bedeutung des Ortes.

Mitte des 3. Jahrhunderts begann die Invasion der Germanen in die römischen Provinzen am Rhein. Die ersten Befestigungsanlagen entstanden. Im Jahre 259/260 fiel der Limes, um 455 die Rheingrenze. Damit begann die fränkische Besiedelung des Gebiets um Saarburg.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit der Merowinger war die Stadt wegen ihrer Lage an der Straße vom Oberrhein über die Salinen im Seille-Gebiet nach Metz ein wichtiges Zentrum und ist 713 als Münzstätte Sareburgo belegt, in der Zeit der Karolinger 818 als castrum. 713 hält hier ein Graf Willibert Gericht, 720/721 ein Graf Adalchard. Letzterer Name verweist auf den späteren karolingischen Seneschall Adalhard.

Im Vertrag von Meerssen im Jahre 870, in dem das östliche Lotharingien dem Ostfrankenreich zugeschlagen wird, wird das Gebiet um Sarrebourg als Oberer Saargau bezeichnet. 966 ist eine Grafschaft Sarrebourg (comitatus Saraburg) belegt, Graf ist Odacher, vermutlich ein Nachfahre des 893 im nördlich angrenzenden Bliesgau amtierenden Odaker aus dem Geschlecht der Wigeriche.

Sarrebourg wird in der Folgezeit greifbar als Lehen der Bischöfe von Metz an die Grafen von Metz.

Zur Zeit Kaiser Ottos (967–983) amtierte Folmar I., „Graff zu Sarburg“, welcher 982–995 zugleich Graf im Bliesgau war.[1] Dessen Nachfahren traten auf als Grafen von Metz, Herren von Lunéville und Hombourg-Haut und waren Vasallen des Bischofs von Metz.

1171 oder später, nach dem Tod von Folmar VII., dem letzten agnatischen Nachkommen Folmars I., wurde jener beerbt durch seinen Vetter Hugo X. von Dagsburg.[2]

Nach dem Tod von Gertrud von Dagsburg im Jahre 1225 zog das Bistum Metz die vergebenen Lehen (Grafschaft Metz, Herrenstein, Türkstein, die Saarburg und Saaralben) als erledigt ein und übte von da an unmittelbar die Kontrolle über die Gegend aus.[3]

1240 wurde die Stadtbefestigung erweitert. Eine wirtschaftliche Blüte setzte ein, die ihren Höhepunkt im 14. Jahrhundert hatte. Die Glas- und Keramikproduktion war eine der Grundlagen dieses Aufschwungs.

Die Beziehungen nach Metz verschlechterten sich. Am 2. November 1464 unterstellte sich Sarrebourg per Vertrag dem Herzogtum Lothringen.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt verwüstet. Es folgten Pest und Hungersnöte, so dass Herzog Leopold sich schließlich gezwungen sah, Immigranten aus Tirol, der Schweiz und Italien nach Lothringen zu rufen.

Im Frieden von Vincennes 1661 kam Sarrebourg zu Frankreich und gehörte nun zu dem Landstreifen, der Frankreich mit dem Elsass verband und Lothringen spaltete. Die zerstörte Stadt wurde wieder aufgebaut.

Im Jahr 1861 hatte die Stadt 2860 Einwohner. Seit dem Friedensvertrag von Frankfurt zwischen der Französischen Republik und dem Deutschen Reich vom 10. Mai 1871 gehörte Saarburg zum Reichsland Elsaß-Lothringen. Mit der neu geschaffenen Verwaltungsstruktur war Saarburg Verwaltungssitz des Landkreises und Kantons Saarburg im Bezirk Lothringen. Als Verkehrs- und Verwaltungsmittelpunkt sowie umfangreiche Garnison (Stab der 59. Infanterie- und 30. Kavalleriebrigade, ein Infanterieregiment Nr. 97, die Ulanen-Regimenter Nr. 11 und Nr. 15 und zwei Abteilungen Feldartillerie Nr. 15) erlebte die Stadt eine Zeit des Wohlstandes.

Im August 1914 kam es im Rahmen der Schlacht in Lothringen hier zur „Schlacht bei Saarburg“. Französische Truppen waren an diesem Frontabschnitt bis ins Reichsgebiet vorgedrungen und wurden unter schweren Opfern zurückgeschlagen. Daran erinnert u. A. das Kreuz von Saarburg, ein im benachbarten Ort Buhl-Lorraine stehendes Flurkreuz, von dem am 20. August 1914 durch eine Granate der Querbalken weggeschossen wurde, so dass die Skulptur des Gekreuzigten ihres Kreuzes entledigt in den Himmel ragt. Nach Ende des Ersten Weltkriegs kam Saarburg 1919 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags an Frankreich. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ortschaft von der deutschen Wehrmacht besetzt. Nach Kriegsende wurde sie wieder von Frankreich in Besitz genommen.

Die Stadt ist ein Handelszentrum mit Industrie in den Bereichen Metallverarbeitung, Druckerzeugnisse, Schuhproduktion (Mephisto) und Agrarerzeugnisse.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährliche Bevölkerungszahlen während der Zugehörigkeit zum Reichsland Elsaß-Lothringen (1871-1919)
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1871 2860 darunter 301 Protestanten, sechs Mennoniten und 374 Israeliten[4]
1872 3030 [5]
1890 5445 [6]
1905 9815 mit der Garnison (Stab der 59. Infanterie- und 30. Kavalleriebrigade, ein Infanterieregiment Nr. 97, zwei Ulanen regimenter Nr. 11 und 15, zwei Abteilungen Feldartillerie Nr. 15), meist katholische Einwohner,[7] nach anderen Angaben 9809 Einwohner[6]
1910 10.019 [6]
Anzahl Einwohner seit Mitte des 20. Jahrhunderts
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 11.080 11.413 12.615 12.699 13.311 13.330 12.786

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saar mit Casino und Kirche St. Bartholomäus
  • Kirche St. Bartholomäus
  • Franziskanerkapelle (Chapelle des Cordeliers) aus dem 13. und 16. Jahrhundert mit einem großen Glasfenster von Marc Chagall
  • Heimatmuseum (Musée du Pays de Sarrebourg)
  • Gallo-römische Villa Saint-Ulrich

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wirkten im Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Clemens Müller (1875–1920), Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Saarburg
  • Pierre Messmer (1916–2007), französischer Premierminister, Minister, Bürgermeister von Sarrebourg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sarrebourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Hoops, Heinrich Beck (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 26. Walter de Gruyter, 2004, S. 14 ([1])
  2. Andreas Schommer: Das Grafenhaus “Metz - Lunéville - Blieskastel”. Abgerufen am 16. September 2016.
  3. Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. Erste Section. A-G. In: J. S. Ersch, J. G. Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge von genannten Schriftstellern bearbeitet. 29. Theil. F. A. Brockhaus, Leipzig 1837, S. 19 (google.de).
  4. Georg Lang: Der Regierungs-Bezirk Lothringen. Statistisch-topographisches Handbuch, Verwaltungs-Schematismus und Adressbuch, Metz 1874, S. 154 (online)
  5. Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 53 (online)
  6. a b c M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  7. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1909, S. 351 (online);