Genesis (Band)

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Genesis
Genesis live im Olympiastadion Berlin (2007)
Genesis live im Olympiastadion Berlin (2007)
Gründung 1967
Genre Progressive Rock, Artrock, Pop
Website http://www.genesis-music.com
Gründungsmitglieder
Gesang, Flöte Peter Gabriel (bis 1975)
Gitarre Anthony Phillips (bis 1970)
Keyboard Tony Banks
Bass, Gitarre Mike Rutherford
Schlagzeug Chris Stewart (bis 1967)
Aktuelle Besetzung
Bass, Gitarre Mike Rutherford
Keyboard Tony Banks
Schlagzeug, Gesang Phil Collins (1970–1996, seit 2006)
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug John Silver (1968)
Schlagzeug John Mayhew (1969–1970)
Gitarre Steve Hackett (1970–1977)
Gesang Ray Wilson (1997–1999)
Studio- und Live-Musiker

David Thomas, Mick Barnard, Bill Bruford, Chester Thompson, Daryl Stuermer, Nir Zidkyahu, Nick D’Virgilio, Anthony Drennan

Genesis ist eine 1967 gegründete britische Rockband, die gemeinhin für ihre sehr individualistischen Mitglieder und ihre beiden deutlich unterschiedlichen musikalischen Ären bekannt ist. Mit über 150 Mio. weltweit verkauften Alben[1] zählen Genesis zu den dreißig Bands mit den größten Plattenverkäufen.

Zu Beginn der Karriere der ursprünglich fünfköpfigen Band machten die komplexen Songstrukturen, durchdachten Instrumentierungen und theaterhaft-künstlerischen Live-Auftritte Genesis zu einer der wichtigsten und beliebtesten Bands des Progressive-Rock-Genres. Neben King Crimson, Emerson, Lake & Palmer und Yes zählt Genesis zu den „großen Vier“ dieser vor allem in den 1970er Jahren populären Gattung.

Nach Ausstieg des ursprünglichen Frontmanns Peter Gabriel 1975 und des Gitarristen Steve Hackett 1977 machte das verbliebene Trio, bestehend aus Tony Banks, Phil Collins und Mike Rutherford, ab den späten 1970ern eine stilistische Wandlung durch. Mit ihrem nun zumeist radiotauglichen Mainstream-Rock wurden Genesis zu einer der kommerziell erfolgreichsten Musikgruppen der 1980er und frühen 1990er Jahre.

Nach Collins’ vorläufigem Abschied von der Band wurde 1997 für ein Album samt nachfolgender Tournee Ray Wilson als Sänger engagiert. Anschließend trat die Band mit Anthologien ihrer bisherigen Stücke, Veröffentlichung von bislang nicht offiziell erhältlichem Archivmaterial und neuen SACD-Abmischungen ihrer Alben in Erscheinung. Im Sommer 2007 gingen Genesis in Europa und Nordamerika wieder mit Phil Collins auf Tournee.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Bandgeschichte

[Bearbeiten] Die Anfänge

Die Wurzeln von Genesis sind an der Charterhouse School in Godalming (Surrey) zu finden. 1963 traten zunächst Peter Gabriel und Tony Banks in die traditionsreiche, elitäre Privatschule ein. Beide waren frustriert von den damals sehr strengen und repressiven Regeln einer englischen Public School und nutzten ihre knapp bemessene Freizeit zum gemeinsamen Musizieren. Tony Banks spielte bereits seit seiner frühen Kindheit Klavier. Auch Peter Gabriel bekam in seiner Jugend Klavierunterricht, interessierte sich bald aber mehr für das Schlagzeug. Da beiden in der Schule nur ein Klavier zur Verfügung stand, einigte man sich darauf, dass Banks dieses spielte, während Gabriel dazu sang. So spielten beide zunächst bekannte Rock- und Popsongs ihrer Zeit nach, komponierten aber auch schnell erste eigene Stücke.

1964, ein Jahr nach Banks und Gabriel, kam Mike Rutherford an die Schule. Er spielte seit seinem siebten Lebensjahr Gitarre. Er freundete sich mit einem anderen Gitarristen, Anthony Phillips, an und musizierte in der Folge gemeinsam mit ihm. Zusammen mit ihren Mitschülern Richard Macphail, Rivers Job und Rob Tyrrell gründeten die beiden 1965 ihre eigene Band Anon. Phillips war Leadgitarrist der Gruppe, während Rutherford die Rhythmusgitarre übernahm. Macphail (später Roadmanager und Soundmixer der frühen Genesis bis April 1973) steuerte den Leadgesang bei. Anon beschränkte sich zunächst auf das Nachspielen von Titeln der Rolling Stones oder anderen bekannten Rock- und Popgrößen ihrer Zeit. Eine Zeitlang wurde Rutherford durch Mick Colman ersetzt, da er mit dem Schlagzeuger Chris Stewart auch ein anderes Bandprojekt namens Climax verfolgte.

Etwa zur selben Zeit traten Banks und Gabriel der Schulband The Garden Wall des Trompeters Johnny Trapman bei. Als Schlagzeuger stieß Chris Stewart hinzu, während Rivers Job auch hier den Part des Bassisten übernahm. Im Sommer 1966 traten die Bands Anon, The Garden Wall und Climax anlässlich eines Charterhouse-Schulkonzertes gemeinsam auf, wobei der Mangel an Mitgliedern sie teilweise fusionieren ließ. Wer genau mit wem spielte, ist unklar, da die späteren Genesis-Mitglieder zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Auskünfte darüber gaben. Fakt ist, dass das Konzert für alle Beteiligten ein wichtiges Ereignis darstellte, obwohl es von der Schulleitung kurz vor Ende abgebrochen wurde: Rebell Richard Macphail hatte es trotz ausdrücklichen Verbots gewagt, den letzten Song anzusagen.

Kurze Zeit später löste sich Anon auf und Mike Rutherford und Anthony Phillips zogen sich zurück, um gemeinsam Songs zu schreiben. Als sie 1967 einige ihrer Stücke aufnehmen wollten, baten sie Tony Banks um musikalische Unterstützung am Klavier. Banks überzeugte den gesanglich nur mäßig begabten Phillips davon, Peter Gabriel als Sänger dazuzunehmen. Rutherford wechselte seinerseits von der Rhythmusgitarre zum Bass, da Rivers Job mittlerweile die Schule hinter sich gebracht und sich der Bluesrock-Band Savoy Brown angeschlossen hatte. In dieser Besetzung nahmen sie in den Osterferien bei einem Freund die Phillips/Rutherford-Kompositionen Don’t Want You Back, Try a Little Sadness, That’s Me, Listen on Five und Patricia sowie das Banks/Gabriel-Stück She Is Beautiful auf. Im Anschluss wurde Chris Stewart als Schlagzeuger verpflichtet, der die Erstbesetzung der Band komplettierte.

[Bearbeiten] Die Peter-Gabriel-Ära

[Bearbeiten] Erste Singles und Debütalbum

Als im selben Jahr der ehemalige Charterhouse-Schüler Jonathan King, mittlerweile ein relativ erfolgreicher Musikproduzent, seine einstige Lehranstalt besuchen kam, ließ die Band ihm ihr Demoband zukommen. King war von den Aufnahmen begeistert und nahm die junge Band, nachdem sie noch ein weiteres Demo für ihn produziert hatte, bei seiner Plattenfirma Jonjo Music unter Vertrag. Er hatte genaue Vorstellungen davon, wie die Gruppe zu klingen habe, und bestand auf einfachen Arrangements mit ruhiger Instrumentierung aus akustischer Gitarre und Klavier. In diesem Stil nahmen sie ihre erste Single Where the Sour Turns to Sweet auf, die allerdings nicht veröffentlicht wurde. Im Hintergrund komponierte die Band bereits längere und komplexere Stücke, was King allerdings missfiel. So schrieben sie den einfach gestrickten Titel The Silent Sun, mit dem sie ihn wieder von sich überzeugten. Den Song produzierte King im Dezember 1967 prompt mit ihnen als Single, die am 22. Februar 1968 beim Decca-Label auf den Markt kam.

Für diese Single und ihr geplantes erstes Album brauchte die Band, die bis dahin halbherzig als New Anon firmiert hatte, einen zündenden Namen. Nach verschiedenen gleichermaßen schlechten Ideen wie Champagne Meadow oder Gabriel’s Angels schlug Jonathan King schließlich den Namen Genesis vor, der den Anfang von etwas Neuem suggerieren sollte und der allen Mitgliedern zusagte. Anschließend veröffentlichte man mit A Winter’s Tale eine weitere Single, die allerdings ebenso wie die vorhergehende erfolglos blieb. Danach verließ Schlagzeuger Chris Stewart die Band und wurde durch John Silver ersetzt. Mit ihm arbeiteten Genesis am ersten Album, das unter dem Titel From Genesis to Revelation erscheinen sollte. Es wurde im Sommer 1968 innerhalb von zehn Tagen in den Regent Studios in London aufgenommen.

Das Album erschien schließlich im März 1969, jedoch ohne explizite Nennung des Bandnamens, da zu der Zeit bereits eine US-Band existierte, die den Namen Genesis trug. Der Name des Albums veranlasste die Plattenläden dazu, das Album irrtümlich der Kategorie religiöse Musik zuzuordnen – mit der Folge, dass es mit nur etwa 600 verkauften Exemplaren vollkommen unterging. Auch die Singleauskopplung des Stücks Where the Sour Turns to Sweet im Juni 1969 konnte die Verkaufszahlen nicht steigern. Die ausnahmslos kurzen und eingängigen Stücke der Platte entsprachen noch nicht dem musikalischem Potential von Genesis, sondern waren eher an den Geschmack ihres Produzenten Jonathan King angepasst. Dessen nachträglich hinzugefügte Streicher- und Bläserpassagen stießen bei der Band – insbesondere Anthony Phillips – auf wenig Gegenliebe und aufgrund der immer größer werdenden künstlerischen Differenzen trennte man sich schließlich von King. Mittlerweile hatten alle Mitglieder ihren Schulabschluss und befanden sich in einer Findungsphase, was ihre zukünftige Entwicklung anging.

[Bearbeiten] Neuorientierung ("getting it together in the country")

Nach einer kurzen Pause traf die Band im Sommer 1969 wieder zusammen. Gabriel, Phillips, Banks und Rutherford entdeckten schnell ihre Freude an der Musik wieder und entschieden sich dazu, professionelle Musiker zu werden. John Silver, der die Band verlassen hatte, um in den USA zu studieren, wurde durch den neuen Schlagzeuger John Mayhew ersetzt. Am 20. August nahm die Gruppe ein Demoband mit den neuen Songs White Mountain, Family (eine frühe Version von Dusk), Going Out to Get You und Pacidy auf. In dieser Phase kauften sich die Bandmitglieder mit geliehenem Geld allesamt ihre ersten professionellen Instrumente und steigerten ihre instrumentalen Fähigkeiten weiter.

Von Oktober 1969 bis April 1970 bezog die Band ein abgeschiedenes Wochenendhaus, das "Christmas Cottage" der Eltern ihres Freundes Richard Macphail, um erstmals über einen langen Zeitraum intensiv an ihrer Musik zu arbeiten. Trotz einiger Differenzen zwischen den Bandmitgliedern machten die gemeinschaftlichen musikalischen Bemühungen hier einen Riesenschritt nach vorn. Während dieser Zeit nutzten Genesis zudem jede Gelegenheit, um die Titel live und vor Publikum zu testen, wodurch die erste kleine, aber treue Fangemeinde entstand. Auch zwei Aufnahme-Sessions fallen in diese Phase: Am 9. Januar 1970 nahm die Band vier Stücke für eine nie gesendete BBC-Fernsehdokumentation um den Maler Mick Jackson auf. Die von Paul Samwell-Smith produzierten Instrumentals Provocation, Frustration, Manipulation und Resignation sind in Fankreisen als "Jackson-Tapes" bekannt. Am 22. Februar spielte man live in den BBC Maida Vale Studios die Titel Shepherd, Pacidy, Let Us Now Make Love, Stagnation, Looking For Someone und Dusk für die BBC-Radiosendung "Nightride" ein.

Schließlich kam die Band beim Charisma-Label unter, für das sie im Juni und Juli ihr zweites Album aufnahm. Trespass wurde am 23. Oktober 1970 veröffentlicht und wird heute von vielen Fans als das erste „richtige“, unverfälschte Album der Gruppe angesehen. Im Vergleich zu ihrem ersten Album hatte sich die Musik von Genesis deutlich weiterentwickelt: An Stelle der kurzen Popsongs traten bis zu neun Minuten lange Titel mit ausgedehnten Instrumentalteilen. Trespass ist insgesamt eher akustisch gehalten und von zwölfsaitigen Gitarren, Orgel und Klavier dominiert. Einzig der frühe Live-Favorit The Knife ist als dynamische Rock-Nummer angelegt und durch aggressives E-Gitarren-Spiel gekennzeichnet. Dieser Titel erschien – in zwei Teile geteilt – im Mai des darauffolgenden Jahres auch als Single. Trotz einiger guter Kritiken war das Album kommerziell wenig erfolgreich.

Kurz nach den Aufnahmen zu Trespass kam es zu einem personellen Umbruch in der Band: Wegen künstlerischer Differenzen und aus Krankheitsgründen verließ Gitarrist Anthony Phillips die Gruppe. Er litt unter Lampenfieber, war von den mittlerweile zahlreichen Auftritten geschwächt und in musikalischen Fragen oft anderer Meinung als die anderen Bandmitglieder. Dieser Austritt stellte für Genesis einen großen Verlust dar, da sie neben ihrem Gitarristen auch einen wichtigen Songschreiber und die eigentliche frühe Schlüsselfigur der Band verloren. Die Folgezeit wird von den verbliebenen Mitgliedern noch heute als größte Krise der Bandgeschichte beschrieben. Im Zuge von Phillips’ Abschied trennte man sich auch von Schlagzeuger John Mayhew, der das mittlerweile hohe musikalische Niveau der Band nicht mehr halten konnte. Nach einer kurzen Phase der Ratlosigkeit, in der sogar das Ende der Band zur Diskussion stand, entschied man sich schließlich dazu, weiterzumachen und per Anzeige im Melody Maker nach einem neuen 12-Saiten-Gitarristen und einem fähigen Schlagzeuger zu suchen.

[Bearbeiten] Eintritt von Phil Collins und Steve Hackett

Auf die Anzeige meldete sich Phil Collins, der seit früher Kindheit Schlagzeug gespielt und schon als Jugendlicher durch eine Rolle im Musical Oliver! Bühnenerfahrungen gesammelt hatte. Zudem hatte er in einigen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, unter anderem als Statist im Beatles-Film Yeah Yeah Yeah (A Hard Day´s Night). Zusammen mit seinem Freund Ronnie Caryl spielte er in der relativ unbekannten Band Flaming Youth, die 1969 das Album Ark 2 veröffentlicht hatte. Er sah sich gerade nach einer neuen musikalischen Herausforderung um, als er davon erfuhr, dass Genesis nach neuen Musikern suchten. So meldete er sich im September 1970 zusammen mit Gitarrist Caryl auf die Anzeige und sie wurden im Haus von Peter Gabriels Eltern zum Vorspielen eingeladen. Dabei wurde schnell klar, dass Collins den Job als Schlagzeuger bekommen würde. Er spielte die Genesis-Stücke nicht nur überzeugend, sondern passte auch menschlich zur Band. Die Suche nach einem passenden Gitarristen gestaltete sich in der Folge schwieriger, da man nicht nur einen Musiker suchte, sondern auch einen Songschreiber, der zu der Band passte. Zudem waren die vor allem von Mike Rutherford gestellten instrumentalen Anforderungen an den neuen Gitarristen sehr hoch. So kam es, dass die Suche zunächst erfolglos blieb. Daher spielte man einige Monate als Quartett und Tony Banks übernahm die Gitarrenteile auf seinen Keyboards. Für kurze Zeit stieß der Gitarrist Mick Barnard zur Band, der allerdings das Niveau der restlichen Band nicht halten konnte.

Im Dezember 1970 entdeckte Peter Gabriel im Melody Maker eine Anzeige des Gitarristen Steve Hackett, der auf der Suche nach gleichgesinnten Musikern und Songschreibern war. Hackett spielte seit Mitte der 1960er Jahre elektrische und akustische Gitarre. Bereits im Alter von 16 Jahren hatte er die Schule verlassen und danach in verschiedenen Bands mitgewirkt. Dabei wurde er von den Blues-Gitarristen seiner Zeit wie beispielsweise Eric Clapton beeinflusst, ebenso von experimentierfreudigeren Gitarrenkünstlern wie Jeff Beck und später Robert Fripp. Bei seinem Spiel kam es ihm weniger auf Geschwindigkeit an, sondern vielmehr darauf, mit seiner Gitarre in neue melodische und harmonische Bereiche zu gelangen. Gabriel rief ihn an und riet ihm, sich das Stück Stagnation von Trespass anzuhören und sich wieder zu melden, wenn es ihm zusagte. Nach einem Freikonzert der Band im Londoner Lyceum, dem Hackett beiwohnte, wurde er zum Vorspielen in Tony Banks’ Wohnung eingeladen und bekam den Job. Zum Jahreswechsel 1970/71 war so die „klassische“ Besetzung von Genesis komplett.

Die ersten Monate des Jahres 1971 waren geprägt durch die "Charisma Package Tour", die aufgrund der geringen Ticket-Preise auch als "Six Bob Tour" bekannt wurde (six bob = sechs britische Schilling). Label-Boss Tony Stratton-Smith ließ seine drei vielversprechendsten Bands gemeinsam touren und Genesis eröffnete die Konzerte für Van der Graaf Generator und Lindisfarne. Das erste Album mit den beiden neuen Bandmitgliedern, Nursery Cryme, wurde im August 1971 aufgenommen und im November veröffentlicht. Es enthielt das Klassik-beeinflusste The Fountain of Salmacis und mit The Musical Box einen der größten Genesis-Klassiker, an dessen Entstehungsprozess auch Hacketts Vorgänger Phillips und Barnard Anteil gehabt hatten. Collins bereicherte den Gruppen-Sound mit seinem bisweilen jazzigen Stil und war beim kurzen Stück For Absent Friends erstmals auch als Leadsänger zu hören. Hackett fügte Aggression einerseits und eine größere atmosphärische Bandbreite andererseits hinzu.

[Bearbeiten] Internationale Bekanntheit

Nach Erfolgen in Belgien (Trespass an der Charts-Spitze) und Italien (Nursery Cryme auf Nr. 4) gaben Genesis Anfang 1972 ihre ersten Konzerte außerhalb Großbritanniens: nach einem Auftritt in Brüssel im Januar spielte die Band im April gleich sieben Mal in Italien. Die Single Happy the Man ging im Mai 1972 zwar noch sang- und klanglos unter, aber das im Oktober veröffentlichte Album Foxtrot mit dem epischen Supper’s Ready und dem von Arthur C. Clarke inspirierten Watcher of the Skies brachte der Band endlich auch den kommerziellen Durchbruch im eigenen Land (Platz 12). War die Band bis dahin zumeist als Vorgruppe anderer Acts bzw. als Bestandteil von Festival-Programmen in Erscheinung getreten, so stellte die auf dem Album Genesis Live dokumentierte Foxtrot-Tour von 1972/73 ihre erste Tournee als Hauptattraktion dar. Zu dieser Zeit begann Gabriel mit diversen Verkleidungen und Masken zu experimentieren, um die oft surrealistischen Texte der Band visuell zu unterstreichen. Seine exzentrische Bühnenshow sowie generell die Verknüpfung von Musik und Optik in den Konzerten verhalfen Genesis zu großer Popularität. Bis dahin von Tony Stratton-Smith und sich selbst mehr schlecht als recht gemanagt, verpflichtete die Band mit Tony Smith 1973 erstmals einen professionellen Manager, der fortan sämtliche Genesis-Werke vermarktete (ab 1977 mit seiner Firma Hit & Run Music Publishing).

Selling England by the Pound (seinerzeit ein Wahlkampfslogan der Labour Party)[2] zeigte die Band Ende 1973 mit wesentlich diesseitigeren Texten, feiner nuanciertem Klang und noch größerer Filigranität und Virtuosität an den Instrumenten. Das Album beinhaltete Klassiker wie Firth of Fifth, The Cinema Show und I Know What I Like (In Your Wardrobe), die fortan zum festen Live-Repertoire der Band gehörten. Steve Hackett war damals einer der ersten Gitarristen, der die Spieltechnik des Tapping und des Sweep Picking einführte, was oft fälschlicherweise Eddie Van Halen respektive Yngwie Malmsteen zugeschrieben wird. Beide Techniken sind im Song Dancing with the Moonlit Knight zu hören.[3] Die Auskopplung I Know What I Like wurde Anfang 1974 zum ersten kleineren Single-Hit der Band.

Das Konzept-Doppelalbum The Lamb Lies Down on Broadway und die anschließende Tour stellen nach Meinung vieler Fans den künstlerischen Höhepunkt der Schaffensperiode mit Peter Gabriel dar. Das Album wurde am 18. November 1974 veröffentlicht und handelt von der fantastischen und surrealen Reise des puertoricanischen Punks Rael in New York, der in einem Paralleluniversum seinen Bruder John retten muss. Insbesondere die erste Platte des Doppelalbums ist von kürzeren Stücken dominiert, was eine deutliche Abkehr von den eher längeren und ausgedehnten Songs bisheriger Alben darstellt. Der Gebrauch verzerrter Instrumente, neuer elektronischer Keyboardsounds und anderer synthetischer Klänge (wie etwa die Effekte auf Gabriels Stimme beim Song The Grand Parade of Lifeless Packaging) war merklich in den Vordergrund gerückt. Dies stand im auffälligen Kontrast zu den vorhergehenden Alben, was „alten“ Genesis-Fans nicht unbedingt gefiel, jedoch neue Hörerschichten erschloss. Auf The Lamb Lies Down on Broadway praktizierte die Band eine Art Arbeitsteilung: Gabriel schrieb die Story und die Songtexte (mit Ausnahme des Textes zu The Light Dies Down on Broadway, der von Banks und Rutherford stammte), die anderen Bandmitglieder komponierten die Musik (mit Ausnahme von Counting out Time und Carpet Crawlers, an denen Gabriel beteiligt war).

Am 12. November begaben sich Genesis mit ihrem Werk auf Welttournee, und da The Lamb ein Konzeptalbum war, wurde es komplett aufgeführt. Dabei machte die Gruppe extensiven Gebrauch von Licht- und Lasereffekten; die meisten der damals benutzten Effektgeräte waren Sonderanfertigungen des Niederländers Theo Botschuijver. Ein spezieller Handlaser erlaubte es Peter Gabriel, das Publikum mit verschiedenen Lichteffekten zu behelligen, während sein Slipperman-Kostüm den nicht von allen goutierten Höhepunkt seiner Maskeraden darstellte. Collins erinnerte sich später: „Er steckte in diesem ‚Slipperman‘-Kostüm und versuchte, das Mikrofon irgendwie in die Nähe seines Munds zu bekommen, verwickelte sich und geriet dabei völlig außer Atem. Gegen Ende fand ich, dass der Gesang nicht wirklich zu hören war.“[4] Bereits gegen Anfang der Tour, im Dezember 1974, hatte Peter Gabriel seinen Bandkollegen verkündet, dass er sie verlassen werde.

[Bearbeiten] Peter Gabriels Abschied

Die Gründe für Peter Gabriels Genesis-Ausstieg waren vielschichtig: Die Band wurde in der Öffentlichkeit immer mehr als "Gabriel und seine Mitspieler" wahrgenommen, was zu internen Spannungen geführt hatte, die sich noch verstärkten, als der Frontmann mitten im Schreibprozess zu The Lamb einem Angebot des Regisseurs William Friedkin für ein gemeinsames Filmprojekt nachkommen wollte. Als es Ende Juli, kurz vor den Album-Aufnahmen, dann noch zu Komplikationen bei der Geburt von Gabriels erster Tochter kam, war die gegenseitige Entfremdung perfekt: die anderen (kinderlosen) Bandmitglieder zeigten wenig Verständnis für Gabriels Wunsch, sich verstärkt um Frau und Kind zu kümmern, anstatt all seine Zeit in den Dienst der Band zu stellen, deren Durchbruch in den USA mit Händen zu greifen war.

Peter Gabriel als Solokünstler 2004

Gabriels Abschied erfolgte schließlich am 27. Mai 1975 mit dem letzten Konzert der The Lamb Lies Down on Broadway-Tour im französischen Besançon, wurde aber erst im August publik gemacht. Ursprünglich wollte der Musiker dem Rock-Geschäft für immer Lebewohl sagen, aber bereits 1976 nahm er schon wieder erste Demos mit Solomaterial auf. Der Song Solsbury Hill seines ersten Albums Peter Gabriel (1977) war eine Allegorie über seinen Abschied von Genesis, in der er seine Ex-Kollegen mit Zeilen wie „no-one taught them etiquette“ bedachte. Trotz der damals harten zwischenmenschlichen Konflikte sind sich Gabriel und Genesis bis heute in Freundschaft verbunden geblieben - in späteren Jahren äußerte die Band nachträglich vollstes Verständnis für seine Entscheidung, der Familie den Vorrang zu geben.

[Bearbeiten] Die Phil-Collins-Ära

[Bearbeiten] Bombast-Rock

Auf der Suche nach einem Nachfolger für Peter Gabriel probierten die verbliebenen Bandmitglieder zahlreiche Sänger aus, bevor sie erkannten, dass der passende Mann für den Job sich bereits in ihren eigenen Reihen befand: Schlagzeuger Phil Collins, der schon von Anfang an auch als Background-Sänger der Band überzeugt hatte, übernahm schließlich die Position des Lead-Sängers. Das von David Hentschel (vormals Toningenieur des Albums Nursery Cryme) produzierte erste Album der Nach-Gabriel-Ära, A Trick of the Tail, wurde 1976 von Fans und Kritikern freundlich aufgenommen und verkaufte sich besser als alle bisherigen Genesis-Alben. Am Ende des (fast) instrumentalen Stücks Los Endos war ein auf Peter Gabriel gemünztes Selbstzitat aus der Suite Supper's Ready zu hören: „There's an angel standing in the sun …freed to get back home“. Nach Meinung vieler klang Collins’ Stimme „mehr nach Gabriel als Gabriel selber“.[5] Bei den Liveauftritten der Trick-Tour übernahm der ehemalige Yes/King-Crimson-Schlagzeuger Bill Bruford den Posten von Collins, damit dieser sich auf das Singen konzentrieren konnte. Collins’ Ansatz als Frontmann bei Live-Auftritten unterschied sich von Gabriels theaterinspirierten Auftritten und seine Interpretationen der Gabriel-Stücke klangen beschwingter. Jahre später, beim Milton-Keynes-Reunion-Konzert von 1982, offenbarte Gabriel Collins, dass er die Lieder besser als er selbst sänge, jedoch nie wie er.[6]

Im Dezember 1976 wurde das Album Wind & Wuthering veröffentlicht. Es war das erste von zwei in den Hilvarenbeeker Relight Studios aufgenommenen Genesis-Alben.[7] Der Albentitel war Emily Brontës Roman Sturmhöhe (engl. Wuthering Heights) entlehnt, dessen letzte Zeilen „how anyone could ever imagine unquiet slumbers for the sleepers in that quiet earth“ auch die Titel des siebten und achten Stücks des Albums inspirierte. Das Album beinhaltete u.a. die komplexe mehrteilige Suite One for the Vine. Bei den Live-Auftritten sitzt seit 1977 der Jazz-Fusion-Musiker Chester Thompson am Schlagzeug, der zuvor unter anderem bei Weather Report und Frank Zappa gespielt hatte. Bei längeren Instrumentalparts nimmt Collins bis heute selbst hinter dem Schlagzeug Platz.

Die beiden unter der Viererbesetzung entstandenen Prog-Alben A Trick of the Tail und Wind & Wuthering trugen zum Image von Genesis als „Bombastrocker“ bei. Besonders der extrem voluminöse Klang des legendären Moog-Taurus-Basspedals durch Mike Rutherford trug maßgeblich zum unverwechselbaren, kraftvollen Sound von Genesis bei. Die zunehmende Popularität des Punk wird nicht selten als Gegenbewegung dazu angesehen.

[Bearbeiten] Ausstieg Steve Hacketts

Steve Hackett bei einem Konzert in Braunschweig (2005)

Gitarrist Steve Hackett fühlte sich in seiner künstlerischen Freiheit in der Band vor allem durch Tony Banks und einer zunehmenden Keyboard-Orientierung des Genesis-Sounds stark eingeschränkt. Hackett war auch das erste Bandmitglied, das mit Voyage of the Acolyte 1975 ein Solo-Album veröffentlicht hatte, mit dem er respektable Erfolge erzielen konnte. Bei den Aufnahmen zu Wind & Wuthering wollte er ein Viertel des Albums zugestanden haben, um sein Songmaterial unterbringen zu können, was laut Collins allerdings „eine blöde Art und Weise war, in einem Band-Kontext zu arbeiten“.[8] Banks, Collins und Rutherford versuchten ihn zu beschwichtigen, indem sie ihm bei den beiden Instrumentalstücken Unquiet Slumbers for the Sleepers… / …In That Quiet Earth (ursprünglich ein einzelner Song) zusätzlichen kompositorischen Spielraum überließen. Hacketts eigene Komposition Please Don’t Touch fand jedoch bei den Kollegen keinen Gefallen und wurde auf dem Album durch einen anderen Instrumentalsong, Wot Gorilla?, ersetzt, während das von Hackett gemeinsam mit Phil Collins geschriebene Blood on the Rooftops nie bei den Live-Auftritten der Band gespielt wurde. Nach der Veröffentlichung der Spot the Pigeon-EP (1977), die aus weiteren Stücken der Wind & Wuthering-Sessions bestand, verließ Hackett schließlich die Band, als sie gerade dabei war, das Live-Album Seconds Out abzumischen.

Daryl Stuermer bei einem Phil-Collins-Konzert in Düsseldorf (2005)

[Bearbeiten] Vom Prog-Rock zum Mainstream-Rock

Die Gruppe entschied sich, als Trio weiterzumachen, was durch den Titel ihres 1978er Albums And Then There Were Three reflektiert wurde. Mike Rutherford übernahm ab hier das Gitarrenspiel bei den Studioaufnahmen, um sich bei Live-Auftritten mit Daryl Stuermer an Gitarre und Bass abzuwechseln. Mit dem ersten Album in Trio-Besetzung begann auch eine Neuorientierung weg von zehnminütigen Prog-Epen hin zu kürzeren, radiofreundlicheren Songs. Mit Follow You, Follow Me landete die Band in den USA ihren ersten Hit, was entscheidend dazu beitrug, dass And Then There Were Three in den Vereinigten Staaten „vergoldet“ wurde.

Phil Collins bei einem Konzert in Düsseldorf (2005)

1979 kam es nach Aussage der Band zur größten Gefährdung des Fortbestehens von Genesis seit dem Weggang von Anthony Phillips neun Jahre zuvor: Phil Collins zog ins kanadische Vancouver, um seine in die Brüche gehende Ehe zu retten. Zwei Monate und eine Scheidung später kehrte er jedoch nach Großbritannien zurück und verarbeitete seine Erfahrungen im Album Duke (1980). Collins äußerte sich später, dass die gescheiterte Ehe seine Entwicklung als Songschreiber beschleunigt habe. Duke war tatsächlich das erste Genesis-Album, auf dem Banks, Collins und Rutherford gleichen Kompositionsanteil hatten. Während sie auf And Then There Were Three bemüht waren, kürzere und prägnantere Lieder zu schreiben, stellte Duke den eigentlichen Übergang Genesis’ vom Progressive Rock in Richtung des massenkompatiblen und überaus erfolgreichen Poprock der 1980er Jahre dar. Ihr progressiver Sound blieb nur noch in marginalen Ansätzen vorhanden; vollständig ignoriert wurde er aber nie, sondern höchstens dem moderneren Sound der Achtziger angepasst. Die Nutzung eines Drumcomputers war ein gleichbleibendes Merkmal künftiger Genesis- und Collins-Solo-Alben. Die kommerzieller gestaltete Musik erhielt bei den Massenmedien gute Kritiken. Duke war für Genesis der erste Nummer Eins-Erfolg in den BBC-Album-Charts, und die Auskopplungen Turn It On Again und Misunderstanding waren zwei von der Band gern und häufig gespielte Songs.

[Bearbeiten] Aufstieg zu Weltstars

Anfang der 1980er Jahre verfügte die Band erstmals in ihrer Geschichte über größere finanzielle Mittel und konnte so das eigene Tonstudio The Farm in Surrey aufbauen, in dem sämtliche weiteren Alben aufgenommen wurden. Den Anfang machte 1981 das minimalistisch anmutende Album Abacab, mit dem die Band versuchte, einen Großteil ihres Bombasts abzuwerfen und neue Wege bei den Arrangements zu beschreiten. Für den Song No Reply at All wurde die später als Phenix Horns auftretende Bläsersektion der Gruppe Earth, Wind and Fire engagiert. Bezeichnend für Abacab war der Einsatz des Collins-typischen gated-reverb-Drumsounds, der von Hall-, Lautstärke- und Kompressionseffekten gekennzeichnet ist und Anfang desselben Jahres bereits maßgeblich zum Erfolg von Collins’ Welthit In the Air Tonight sowie seines Debütalbums Face Value beigetragen hatte. Entwickelt wurde dieser besondere Sound ursprünglich von Peter Gabriel, Co-Produzent Hugh Padgham und Collins bei den Aufnahmen zu Intruder, dem ersten Song auf Gabriels 1980er Album. Der gated-Drumsound sollte auch zu dem Markenzeichen sämtlicher zukünftiger Genesis- und Collins-Alben schlechthin werden.

1982 veröffentlichte die Band das Live-Doppelalbum Three Sides Live. Die US-Version dieses Albums bestand aus drei (Schallplatten-)Seiten Live-Material (daher der Albumtitel) plus einer Seite mit Studioaufnahmen, darunter der Song Paperlate, auf dem erneut die „Earth, Wind and Fire“-Bläser zu hören sind. In Großbritannien waren drei der unveröffentlichten Titel der Studio-Seite bereits mit der EP 3 x 3 auf den Markt gekommen. Daher enthielt die britische Version von Three Sides Live weiteres Livematerial, das allerdings älter war und von früheren Tourneen stammte.

Am 2. Oktober 1982 fand in Milton Keynes unter dem Namen Six of the Best ein einmaliges Reunion-Konzert statt, an dem sowohl Peter Gabriel als auch (bei den Zugaben) Steve Hackett teilnahmen. Die Organisation fand unter großem Zeitdruck statt; die Konzerteinnahmen sollten dem finanziell angeschlagenen WOMAD-Projekt Gabriels zugute kommen.[9] Zum Leidwesen der Fans existieren von diesem Auftritt keine offiziellen Aufnahmen.

Das eponyme Album Genesis war 1983 das dritte Nummer-Eins-Album in Großbritannien. Es enthielt radiofreundliche Titel wie Mama und That’s All. Mit Home by the Sea, das aufgrund seiner Pentatonik in Asien besonders beliebt war, erfolgte eine Reminiszenz an die Zeiten langer und epischer Songs. Das Stück Just a Job to Do wurde zur Titelmelodie der ABC-Detektivserie The Insiders (1985). Zu dieser Zeit verlagerte sich das Interesse der Bandmitglieder mehr auf ihre jeweiligen Solo-Karrieren, was auch dadurch verdeutlicht wird, dass aus den damaligen Album-Sessions untypischerweise keinerlei zusätzliches Material in Form von Outtakes oder Single-B-Seiten hervorging.

1986, als die Popularität des Solokünstlers Phil Collins ihren Höhepunkt erreicht hatte, veröffentlichten Genesis ihr meistverkauftes Album Invisible Touch. Das Album brachte fünf US-Top-5-Singles hervor, Invisible Touch, In Too Deep, Land of Confusion, Tonight, Tonight, Tonight und Throwing it All Away. Trotz eines eher mageren Platz 15 in den britischen Charts erreichte der Titelsong als einziger Genesis-Titel überhaupt Platz Eins in den US-Single Charts. Anfang des Jahres hatte Collins eine Verulkung seiner Person auf Spitting Image, einer britischen Satiresendung gesehen und war so davon beeindruckt, dass die Macher der Sendung mit der Produktion des Musikvideos zu Land of Confusion beauftragt wurden. Das Video wurde ein beißend-sarkastischer Kommentar zum Kalten Krieg, in dem Banks, Collins und Rutherford und u. a. auch der als Superman verkleidete Ronald Reagan als Gummipuppen dargestellt wurden. Der Clip wurde für den MTV Video Music Award nominiert, der dann allerdings an Gabriels Sledgehammer ging. Anheuser-Busch nutzte Tonight, Tonight, Tonight (ebenso wie Collins' In the Air Tonight) für ihre Bierwerbung, während In Too Deep im Film Mona Lisa Eingang fand. Das Instrumentalstück The Brazilian wurde im Zeichentrickfilm Wenn der Wind weht verwendet. Auf der Tour zum Album war Genesis 1987 die erste Band, die im Wembley-Stadion vier Abende in Folge vor ausverkauftem Haus spielte.[10] Genesis war damals ebenfalls die erste Band, die Vari*Lite-Lichteffekte,[11] JumboTron-Videoschirme und das Prisma-Soundsystem zum Einsatz brachte, die heutzutage zum Standard bei Rockkonzerten in großen Arenen gehören.

Beim Prince’s Trust-Konzert in der Royal Albert Hall 1988 spielten Phil Collins und Peter Gabriel zum ersten und bislang letzten Mal seit 1982 wieder live zusammen. Collins war an diesem Abend Schlagzeuger der Hausband, die dann auch Gabriel zu seinem Hit Sledgehammer begleitete.

Nach einer von Soloaktivitäten ausgefüllten längeren Auszeit - neben Collins war seit Mitte der 1980er Jahre auch Mike Rutherford mit seinem Zweitprojekt Mike & the Mechanics erfolgreich - fand sich die Gruppe 1991 wieder zusammen, um We Can’t Dance zu veröffentlichen, Collins’ bislang letztes Studioalbum mit Genesis. Es beinhaltete erfolgreiche Singles wie No Son of Mine, I Can’t Dance, Hold on My Heart, Jesus He Knows Me, Tell Me Why und Never a Time, sowie längere Stücke wie Driving the Last Spike und Fading Lights. Den Song Since I Lost You schrieb Collins anlässlich des Todes von Eric Claptons Sohn Conor. Für das Album arbeitete die Band erstmals mit Nick Davis zusammen, der seither alle neuen Veröffentlichungen der Band produziert sowie das ältere Material remastert und remixt hat. Zuvor hatte er 1988 das Mike & the Mechanics-Album Living Years als Toningenieur betreut. Der Albenveröffentlichung folgte eine Tournee mit mittlerweile gewohnt gigantischen Ausmaßen. Sie wurde durch zwei The Way We Walk betitelte Live-Alben dokumentiert.

Phil Collins 1996

Im März 1996 gab Phil Collins seinen Abschied von der Band bekannt:

„Nach über 25 Jahren bei Genesis bin ich zu der Ansicht gekommen, dass es Zeit ist, die Richtung meines musikalisches Lebens zu verändern. Für mich zählen jetzt Filmmusik, einige Jazzprojekte und natürlich meine Solo-Karriere. Ich wünsche den Jungs von Genesis das Allerbeste für ihre Zukunft. Wir bleiben die besten Freunde.“

Phil Collins

[Bearbeiten] Album und Tournee mit Ray Wilson

Rutherford und Banks beschlossen weiterzumachen, benötigten nun aber mehr als nur ein neues Mitglied. Tatsächlich hatte Genesis nicht nur Phil Collins verloren, sondern auch die Live-Musiker Daryl Stuermer und Chester Thompson. Die Band fragte bei Stuermer an, der sich jedoch bereits zu einer Tournee mit Collins verpflichtet hatte. Thompson interessierte sich für die freie Position am Schlagzeug, allerdings machte er sein Engagement von einer Vollmitgliedschaft in der Band abhängig, was Banks und Rutherford ihm nicht einräumen wollten. Schließlich wurden gleich zwei Schlagzeuger verpflichtet, die sich dann die Arbeit auf dem neuen Album teilten: Nir Zidkyahu, ein israelischer Session-Schlagzeuger, der bei der Band Hidden Persuaders gespielt hatte, und Nick D’Virgilio von Spock’s Beard. Die beiden Schlagzeuger hatten durchaus unterschiedliche Spielweisen, D’Virgilio bevorzugte weichere, subtile Rhythmen im Gegensatz zu Zidkyahus dynamischen und Bombast-artigen Spiel.

Ray Wilson im Frühjahr 2006

Als neuen Lead-Sänger engagierten Banks und Rutherford nach wilden Spekulationen der Fans (über Paul Carrack von Rutherfords Nebenband Mike & the Mechanics, den Ex-Marillion-Sänger Fish, mit dem Banks bereits zusammengearbeitet hatte, und sogar eine Rückkehr Peter Gabriels[12]) den früheren Stiltskin-Sänger Ray Wilson. Dem Produzenten Nick Davis zufolge war der einzige andere ernsthaft in Erwägung gezogene Anwärter ein gewisser David Langdon gewesen, der aber noch nie in einer Band gesungen hatte. Kevin Gilbert wurde zum Vorsingen eingeladen, kam jedoch kurz davor auf tragische Weise ums Leben.[13]

Das Album Calling All Stations (1997) verkaufte sich in Europa ordentlich, die erfolgreichste Single-Auskopplung Congo kam in den britischen Charts auf Platz 29. Bei den Live-Konzerten übernahm Nir Zidkyahu das Schlagzeug, außerdem wurde Anthony Drennan, der bei Paul Brady und den Corrs tätig gewesen war, als Session-Gitarrist angeheuert. In den USA war das Album mit Wilson ein kommerzieller Misserfolg und erreichte nicht einmal die Top 50 der Billboard-Charts. Die geplante US-Tournee musste von Genesis aufgrund fehlender Nachfrage storniert werden. Weitere geplante Alben mit Ray Wilson wurden nicht mehr verwirklicht.

Zwischen der Europatour 1998 und dem Jahr 2006 war die Band bis auf Archiv-Veröffentlichungen und diverse Soloprojekte nicht mehr aktiv. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen tauchten immer wieder Gerüchte einer Reunion auf, die sich jedoch immer als falsch erwiesen. Mitte 1998 versammelten sich sämtliche verfügbaren Bandmitglieder der frühen Jahre (die "klassischen 5" plus Anthony Phillips und John Silver), um anlässlich der Veröffentlichung von Archive I – 1967–1975 Interviews zu geben und für Pressefotos zu posieren. Im Oktober 1999 beinhaltete die Zusammenstellung Turn It On Again – The Hits eine von Trevor Horn produzierte Neuaufnahme von Carpet Crawlers, die zwar von der gesamten Originalbesetzung des Stückes, jedoch getrennt eingespielt worden war. Im Jahr 2000 gab das Trio Banks/Collins/Rutherford im Londoner Hilton-Hotel ein Privatkonzert für Bandmanager Tony Smith in Form eines kurzen Akustiksets.

[Bearbeiten] Die Rückkehr von Phil Collins

Nach zahlreichen Spekulationen über eine Wiedervereinigung wurde im Oktober 2006 in der Presse verlautbart, dass für 2007 tatsächlich eine Tour durch Europa und die USA in der Besetzung Banks/Collins/Rutherford geplant sei. Der ursprüngliche Plan war gewesen, The Lamb Lies Down on Broadway mit Peter Gabriel und Steve Hackett erneut auf die Bühne zu bringen, jedoch stand Gabriel aufgrund eigener Aktivitäten für eine Neuauflage von Genesis in Fünferbesetzung vorerst nicht zur Verfügung. Da die Viererversion der Band 1976/77 nur eine kurze Übergangsphase gewesen war, entschieden sich Banks/Collins/Rutherford dazu, stattdessen als Trio aufzutreten. In einer kurzen Notiz auf seiner Webseite zeigte Steve Hackett Verständnis dafür und vermittelte seine besten Wünsche für die Reunion-Tournee.[14]

Phil Collins im Juni 2007 wieder mit Genesis auf Tour

Am 7. November 2006 wurde Turn it on Again – THE TOUR auf einer Pressekonferenz in London offiziell angekündigt, um am 11. Juni 2007, ziemlich genau vierzig Jahre nach Gründung der Band, in Helsinki zu starten. Die Tour umfasste insgesamt 22 Konzerte in Europa, neun davon in deutschen Stadien (Hamburg, Hannover, 2x Düsseldorf, Stuttgart, Berlin, Leipzig, Frankfurt und München). Innerhalb von neun Stunden wurden allein in Deutschland 200.000 Konzertkarten verkauft. Der Abschluss des Europaabschnitts der Tour erfolgte am 14. Juli in Rom, wo die Band im Circus Maximus bei freiem Eintritt von etwa einer halben Million Zuschauer gesehen wurde. Vom 7. September (Toronto) bis 13. Oktober (Los Angeles) ging es für 24 Konzerte nach Kanada und in die USA. Verstärkt wurde die Band wieder durch ihre alten Begleiter Daryl Stuermer und Chester Thompson. Die Setlist umfasste Stücke aus der Zeit von 1973 bis 1991. Das zweite der beiden Konzerte in der LTU-Arena in Düsseldorf wurde am 27. Juni 2007 live in Kinos in Großbritannien, Schweden und Spanien übertragen. Die Tour wurde mit dem Livealbum Live over Europe und der Live-Dvd When in Rome dokumentiert.

[Bearbeiten] Genesis Boxsets „1976–1982“ + „1983–1998“ + „1970–1975“

2007 brachte die Band zudem zwei Boxsets mit digital remasterten und neu abgemischten Original-Alben heraus. Die erste Box umfasst die Schaffensperiode von 1976 bis 1982 und enthält die Alben A Trick of the Tail, Wind & Wuthering, And Then There Were Three, Duke und Abacab, die zweite Box deckt die Jahre 1983 bis 1998 ab und enthält die Alben Genesis, Invisible Touch, We Can’t Dance und Calling All Stations.

Als Besonderheit wurden die Aufnahmen auf Hybrid-SACD und DVD-Audio veröffentlicht und liegen auf der DVD im 5.1-DTS- und Dolby-Digital-Sound vor. Die DVD enthält zusätzlich noch die Musik-Videos der entsprechenden Alben und entsprechende Live-Auftritte der Gruppe. Zusätzlich ist in beiden Boxsets jeweils eine Bonus-Hybrid-SACD und Bonus-DVD mit den Nicht-Album-Tracks der Periode, seltenen Videoaufnahmen, sowie aktuellen Interviews enthalten.

Im November 2008 folgte in der gleichen umfangreichen Ausstattung ein Boxset der Zeit von 1970 bis 1975, das die Alben Trespass bis The Lamb Lies Down on Broadway abdeckt. Als "Sahnehäubchen" enthalten sind unter anderem die "Jackson-Tapes" von 1970, in denen spätere Stücke der Band bereits embryonal enthalten waren, sowie auf DVD alle Original-Dias, die 1974/75 bei den The Lamb-Shows zu sehen waren.

[Bearbeiten] Aktuell

  • Für ein geplantes viertes Boxset remixt Nick Davis die Live-Aufnahmen der Band, inklusive Bonus-Material.
  • Ex-Schlagzeuger John Mayhew erlag am 26. März 2009 einem Herzinfarkt. Er ist das erste Genesis-Mitglied, dessen Tod zu beklagen ist.

[Bearbeiten] Inspiration und Einflüsse

Genesis waren durch ein breites Musikspektrum von der klassischen Musik bis hin zum Mainstream-Rock und Jazz beeinflusst. Die Arrangements ihres Mitte 1968 eingespielten ersten Albums From Genesis to Revelation orientierten sich noch an The Moody Blues und dem Family-Debütalbum sowie, im Falle der Single The Silent Sun, an den Bee Gees, deren ausgesprochener Fan Produzent Jonathan King war. 1969 war die gesamte damalige Band vom ersten King Crimson-Album fasziniert, das deutliche Spuren in ihrer Musik hinterließ. Als weitere wichtige frühe Einflüsse wurden von den Musikern Bands mit klassischen Anklängen wie Procol Harum und The Nice genannt, aber auch die Folkrock-Band Fairport Convention.

Banks bezeichnete Alan Price von den Animals als „die erste Person, die mich der Orgel im Rock-Kontext bewusst werden ließ“.[15] Zu seinen Einflüssen aus der Klassik zählt der Keyboarder Rachmaninow, Ravel, Mahler und Schostakowitsch. Collins war Buddy Rich und dem jazzigen Mahavishnu Orchestra zugetan, die Eingang in seinen Schlagzeugstil fanden. Gabriel ließ sich gesanglich von persönlichen Favoriten wie Nina Simone, Otis Redding und Familys Roger Chapman inspirieren. Alle Mitglieder der 5er-Besetzung waren zudem Fans der Beatles, auch wenn deren Einfluss eher selten zu erahnen ist (etwa bei I Know What I Like).

[Bearbeiten] Coverversionen von Genesis-Songs und Einfluss auf andere Bands

Die meisten (Ex-)Mitglieder der Band haben bei ihren Solo-Konzerten auch Genesis-Material gespielt, allen voran Hackett mit In That Quiet Earth, Los Endos, Horizons, Blood on the Rooftops, After the Ordeal und I Know What I Like (In Your Wardrobe), letzteres Stück auch mit seiner kurzlebigen Supergroup GTR. Zu Gabriels Live-Set am Anfang von dessen Karriere gehörten The Lamb Lies Down on Broadway und Back in NYC, während Collins seine Neuinterpretation von Behind The Lines spielte sowie später auch I Can't Dance, Turn It On Again, Misunderstanding und Invisible Touch. Etliche Genesis-Songs wurden von Ray Wilson live interpretiert und auf den beiden Alben Live und Live and Acoustic dokumentiert: Carpet Crawlers, Follow You, Follow me, I Can’t Dance, The Lamb Lies Down on Broadway, No Son of Mine, Shipwrecked und Mama, zudem In the Air Tonight (Collins solo) und Biko (Gabriel solo).

Der erste Künstler, der einen Genesis-Song im Studio coverte, war Phil Collins mit Behind the Lines auf seinem Debütalbum Face Value. 1993 versuchte sich Fish auf seinem Fremdkompositionen vorbehaltenen Werk Songs From The Mirror an I Know What I Like. Im selben Jahr war Carpet Crawlers in der Interpretation der deutschen Band M. Walking on the Water auf deren EP Pictures of an Exhibitionist zu hören. Das 1998 postum veröffentlichte Album Sketches for My Sweetheart the Drunk von Jeff Buckley enthielt eine Coverversion von Back in NYC. Die schwedische Death-Metal-Band In Flames coverte 2003 Land of Confusion auf ihrer EP Trigger, ebenso Disturbed 2005 auf ihrem Album Ten Thousand Fists. Zudem nutzte die schwedische Discopop-Gruppe Alcázar den Refrain des Songs für ihren Hit This is the World We Live In von 2004. 2009 sampelte der kanadische Rapper Classified No Reply At All für seine Single Anybody Listening.

Es existieren auch ganze "Tribute-Alben", auf denen diverse, zumeist unbekanntere Musiker Genesis-Stücke coverten. Die bekanntesten dieser Kompilationen sind The River of Constant Change (1995, unter anderem mit Galahad und der deutschen Tributband Seconds Out), Supper's Ready (1995, mit Annie Haslam, Kevin Gilbert, Richard Sinclair) und The Fox Lies Down (1998, mit John Wetton, Daevid Allen, The Flower Kings). Auch Steve Hackett zollte 1996 auf seinem Album Genesis Revisited (US-Titel: Watcher of the Skies) mit den Gästen John Wetton, Bill Bruford, Ian McDonald, Paul Carrack, Chester Thompson, Tony Levin, Colin Blunstone und dem Royal Philharmonic Orchestra seiner ehemaligen Band Tribut.

Des Weiteren wurden den Genesis-Werken Interpretationen von Klassik über Jazz bis zu (Pseudo-)Gregorianischem Gesang zuteil. Auf Phil Collins’ Live-Album A Hot Night In Paris von 1999 sind die Genesis-Stücke That’s All, Invisible Touch, Hold on My Heart und eine Endos Suite im Big Band-Gewand zu hören. Eine ebenfalls rein instrumentale Angelegenheit war das 2000 von Daryl Stuermer präsentierte Werk Another Side Of Genesis mit Smooth Jazz-Versionen einiger Hits der Band. Aus der Klassik-Abteilung können lediglich das von David Palmer (mittlerweile Dee Palmer) mit dem London Symphony Orchestra und Gastmusiker Steve Hackett eingespielte Album We Know What We Like (1987) sowie das ebenfalls von Hackett unterstützte zweiteilige Projekt Genesis for two Grand Pianos (2002/05) der Pianisten Yngve Guddal und Roger T. Matte überzeugen.

Der vor allem mit der Band Spock’s Beard in Erscheinung tretende kurzzeitige Session-Drummer von Genesis, Nick D’Virgilio, wagte sich 2008 in Zusammenarbeit mit Produzent Mark Hornsby an eine Neuinterpretation des kompletten Doppelalbums The Lamb Lies Down On Broadway. Das Rewiring Genesis: A Tribute To The Lamb Lies Down On Broadway genannte Werk wurde von ausgesuchten Musikern aus Nashville mit starken Jazz-Anklängen eingespielt.

Als Vorreiter des Progressive Rock-Genres werden Genesis von zahlreichen der seit den frühen 1980er Jahren aufgetauchten Neo-Progrock-Gruppen als Einfluss genannt: Marillion, IQ, Dream Theater, Echolyn, Spock’s Beard, The Flower Kings, Änglagård, Phish, Pendragon und Opeth, ebenso von älteren Bands wie Ange, Camel, Rush, Goblin, Kansas und Saga.

Tribute-Bands wie The Musical Box, ReGenesis oder Duke, [16] führen regelmäßig meist älteres Genesis-Material aus der Peter-Gabriel-Ära auf.

[Bearbeiten] Alben-Cover

Die Alben-Cover von Genesis reflektieren die Musik-Themen des jeweiligen Albums und sind meist aufwändig und komplex gestaltet. Das erste Album hatte ein ganz in schwarz gehaltenes Cover mit dem Schriftzug From Genesis to Revelation in goldener gebrochener Schriftart in der oberen linken Ecke. Der Name der Band wurde ansonsten nicht erwähnt. Das Cover dieses Albums änderte sich mit nahezu jeder der zahlreichen Wiederveröffentlichungen.

Die Cover der drei folgenden Alben stammten alle von Charisma-Records-Grafiker Paul Whitehead. Das Cover von Nursery Cryme war durch die Geschichte rund um den Song The Musical Box beeinflusst, das von Foxtrot zeigt eine weibliche Figur in einem roten Kleid mit dem Kopf eines Fuchses. Whitehead gab in einem Interview an, dass der Jimi-Hendrix-Song Foxy Lady ihn zu dieser Darstellung inspiriert hatte[17], die wiederum Gabriel zu einer seiner ersten Kostümierungen inspirierte.

Nachdem Whitehead nach Los Angeles gezogen war, verwendeten Genesis für das nächste Album Selling England by the Pound eine bereits bestehende Zeichnung von Betty Swanwick, zu der die Künstlerin lediglich noch den Rasenmäher hinzuzeichnete. Später engagierte die Band die renommierte Designer-Firma Hipgnosis, deren Künstler bereits die Cover für Dark Side of the Moon von Pink Floyd und Houses of the Holy von Led Zeppelin entworfen hatten. Das erste Hipgnosis-Album-Cover für Genesis wurde für The Lamb lies down on Broadway erstellt. Hier war zum ersten Mal auf einem Genesis-Album auch eine reale Person abgebildet, die laut dem Covertext den schlichten Namen Omar trug und den Protagonisten Rael darstellte.

Die übrigen Genesis-Alben-Cover der 1970er Jahre wurden von verschiedenen Hipgnosis-Künstlern, allen voran Colin Elgie, gestaltet. Auf dem Cover von A Trick of the Tail waren einige der Song-Charaktere abgebildet: Der Räuber von Robbery, Assault and Battery, der Squonk, das Untier vom Titelsong und von Ripples ein metaphorisches Bild eines alten Menschen, der in Erinnerungen an die Jugendzeit schwelgt. Duke wurde mit Karikaturen von Lionel Koechlin aus dessen Kinderbuch L'alphabet d'Albert illustriert. Abacab und Genesis gestaltete das Bill Smith Studio. Für das Cover des meistverkauften Genesis-Albums Invisible Touch zeichneten Assorted Images verantwortlich, die zuvor Cover für Duran Duran und Culture Club erstellt hatten. Das an Wind & Wuthering erinnernde We Can't Dance-Aquarell stammt von Felicity Bowers. Die Cover von Calling all Stations und der Kompilation Turn it on Again: The Hits wurden von Wherefore Art? entworfen.

[Bearbeiten] Kritik

Aufgrund ihrer „Progressive Rock“-Wurzeln und ihres Public School-Hintergrunds unterschieden sich Genesis von anderen Rock-Künstlern ihres Zeitalters wie Led Zeppelin oder Black Sabbath. Die meiste Kritik, der sich die Band in den 1970er Jahren ausgesetzt sah, richtete sich gegen den Progressive Rock im Allgemeinen, den viele als zu verkopft und protzig ablehnten. Fans konventionellerer Rockmusik und sogar etliche Genesis-Fans kamen zudem mit den künstlerisch-theatralischen Auftritten und den Maskeraden Gabriels nicht zurande.[7] 1977 beschrieb ein Artikel des Q-Magazins eine Ray Lowry-Karikatur, in der Fans einem Auftritt der Band GENESNOOZE (engl. snooze = Nickerchen) „entweder schlafend, sterbend [oder] komatös“ beiwohnten.[18]

Aber auch mit ihrem Wechsel von längeren und komplexeren zu überwiegend kompakteren und zugänglicheren Stücken konnten Genesis es vielen Kritikern nicht recht machen. Eine Plattenkritik zu And Then There Were Three äußerte sich folgendermaßen: „Kurz gesagt ist dieses verachtenswerte Werk nichts weiter als der bleiche Schatten früherer Leistungen der Gruppe. Der Schaden ist nicht nur unabänderlich, er wurde weithin bekräftigt: ‚And Then There Were Three‘ ist Genesis’ erste Goldene Schallplatte in den USA.“[19] Allerdings verließ die Band die Pfade des epischeren, ausgedehnten Rocks nie vollständig.

Vor allem Collins wurde häufig für Genesis’ Wandel von einer Progrock-Gruppe zu einer Mainstream-Poprock-Band, deren Musik sich kaum von der des Solokünstlers Collins unterscheide, kritisiert. „Ich denke nicht, dass wir uns selber verfälscht haben“, sagte Collins in einem Music Express-Interview. „Irgendwann mal werde ich die Schuld für die Veränderung auf mich nehmen, ich denke aber nur, dass wir älter geworden sind und uns anderen musikalischen Dingen zugewendet haben.“[20] Tatsächlich zeichneten alle drei Bandmitglieder seit 1978 gemeinsam für den Sound und die graduelle musikalische Weiterentwicklung verantwortlich, so dass die sich allein auf Collins richtende Kritik nur in Teilen zutrifft.

[Bearbeiten] Diskografie

[Bearbeiten] Studioalben

Jahr Titel Chartpositionen Anmerkungen
DE [21] AT [22] CH [23] UK [24] US [25]
1969 From Genesis to Revelation - - - - -
1970 Trespass - - - - -
1971 Nursery Cryme - - - 39 - chartete erst bei Wiederveröffentlichung 1974
1972 Foxtrot 45 - - 12 -
1973 Selling England by the Pound - - - 3 -
1974 The Lamb Lies Down on Broadway - - - 10 -
1976 A Trick of the Tail 43 - - 3 -
1977 Wind & Wuthering 19 - - 7 -
1978 And Then There Were Three 2 17 - 3 -
1980 Duke 2 14 - 1 -
1981 Abacab 6 - - 1 7
1983 Genesis 1 2 2 1 9
1986 Invisible Touch 2 5 4 1 3
1991 We Can’t Dance 1 1 1 1 4
1997 Calling All Stations 2 6 3 2 54

[Bearbeiten] Konzertalben

Jahr Titel Chartpositionen Anmerkungen
DE [21] AT [22] CH [23] UK [24] US [25]
1973 Genesis Live - - - 9 -
1977 Seconds Out 17 - - 4 -
1982 Three Sides Live 22 - - 2 -
1992 The Way We Walk Volume 1 (The Shorts) 2 8 4 3 35
1993 The Way We Walk Volume 2 (The Longs) 1 12 3 1 20
2007 Live Over Europe 16 47 62 - - Juni 2008: Wiedereinstieg in DE auf Platz 1 (als DVD/CD-Combo mit When in Rome)
2007/2008 Encore Series 2007 - - - - - alle Städte-Version für Europa und Nordamerika

[Bearbeiten] EPs

Jahr Titel Chartpositionen Anmerkungen
DE [21] AT [22] CH [23] UK [24] US [25]
1977 Spot The Pigeon - - - 14 -
1982 3 X 3 - - - 10 -

[Bearbeiten] Kompilationen

Jahr Titel Chartpositionen Anmerkungen
DE [21] AT [22] CH [23] UK [24] US [25]
1975 Rock Theatre – 1971–1973 - - - - - CD-Veröffentlichung: 1986
1976 Rock Roots – Genesis (LP) - - - - - erste (?) von zahlreichen Kompilationen, die das Debütalbum mit den 1968er Singles kombinierten
1992 Turn It On Again – Best Of '81 – '83 - - - - - mit sonst nicht auf CD erhältlichen Live-Versionen vom Turn It On Again-Medley und Firth of Fifth
1998 Archive I – 1967–1975 75 - - 35 -
1999 Turn It On Again – The Hits 1 6 10 4 65
2000 Archive II – 1976–1992 - - - - -
2004 The Platinum Collection 15 - 72 21 100
2007 Box Set 1976–1982 - - - - -
2007 Turn It On Again – The Hits: The Tour Edition 9 - 19 5 132
2007 Box Set 1983–1998 57 - - - -
2008 Box Set 1970–1975 22 - - - -

[Bearbeiten] Singles

Jahr Single D A CH UK US
02/1968 The Silent Sun/That’s Me -
05/1968 A Winter’s Tale/One-Eyed Hound -
06/1969 Where the Sour Turns to Sweet/In Hiding -
05/1971 The Knife, Pt. 1/The Knife, Pt. 2 -
05/1972 Happy the Man/Seven Stones
1973 Watcher of the Skies/Willow Farm (US)
02/1974 I Know What I Like (In Your Wardrobe)/Twilight Alehouse - 21
11/1974 Counting Out Time/Riding the Scree
04/1975 The Carpet Crawlers/Evil Jam (=The Waiting Room live)
1975 The Lamb Lies Down on Broadway/Counting Out Time (US)
1976 A Trick of the Tail/Ripples -
1976 Ripples/Entangled (US)
1977 Your Own Special Way/It's Yourself - 43 62
1977 Spot the Pigeon EP 14
1978 Follow You, Follow Me/Ballad of Big 8 15 6 7 23
1978 Many Too Many/The Day the Light Went Out/Vancouver 41 - - 43
1978 Go West Young Man (=Deep in the Motherlode)/Scenes From a Night’s Dream (US)
1980 Turn It on Again/Behind the Lines, Pt. 2 66 8 58
1980 Duchess/Open Door 46
1980 Misunderstanding/Evidence Of Autumn 42 14
1981 Abacab/Another Record 28 9 26
1981 Keep It Dark/Naminanu 33
1981 No Reply at All/Me and Sarah Jane (US) 29
1982 Man on the Corner/Submarine 41 40
1982 3 x 3 EP 36 10 32
1982 Paperlate/Turn It On Again (Live)/You Might Recall (US) - - -
1983 Mama/It's Gonna Get Better 4 10 2 4 73
1983 That’s All/Taking It All Too Hard 27 19 15 16 6
1984 Illegal Alien/Turn It On Again (Live, mit Medley) 46 44
1984 Taking It All Too Hard/Silver Rainbow (US) 50
1986 Invisible Touch/The Last Domino (=Domino, Pt. 2) 16 13 15 1
1986 In Too Deep/Do the Neurotic 55 19 3
1986 Land of Confusion/Feeding the Fire 7 27 8 14 4
1987 Tonight, Tonight, Tonight (Edit)/In the Glow of the Night (=Domino, Pt. 1) 23 18 3
1987 Throwing It All Away/I'd Rather Be You 22 4
1991 No Son of Mine/Living Forever 3 7 8 6 12
1991 I Can’t Dance/On the Shoreline 4 2 8 7 7
1992 Hold on My Heart/Way of the World 45 16 12
1991 Jesus He Knows Me/Hearts On Fire 13 26 20 23
1992 Invisible Touch (Live)/Abacab (Live)/The Brazilian (Live) 7
1992 Never a Time/Tonight, Tonight, Tonight (Live)/Invisible Touch (Live) (US) 56 21
1993 Tell Me Why/Dreaming While You Sleep 51 40
1997 Congo/Papa He Said/Banjo Man 31 35 32 29
1997 Shipwrecked/No Son Of Mine (Live, akustisch)/Lover’s Leap (Live, akustisch)/Turn It On Again (Live, akustisch) 82 54
1997 Not About Us/Anything Now/Sign Your Life Away/Run Out Of Time 81 66
1999 The Carpet Crawlers 1999/Turn it on Again/Follow You Follow Me 72

[Bearbeiten] VHS-Videos

Jahr Titel Chartpositionen Anmerkungen
DE [21] AT [22] CH [23] UK [24] US [25]
1982 Three Sides Live - - - - -
1987 Visible Touch - - - - - siehe The Video Show-DVD
1988 Videos Volume I - - - - - siehe The Video Show-DVD
1988 Invisible Touch Tour - - - - - siehe Live At Wembley Stadium-DVD
1988 Videos Volume II - - - - - siehe The Video Show-DVD
1991 Genesis - A History - - - - -
1994 The Way We Walk - - - - - siehe The Way We Walk-DVD

[Bearbeiten] DVDs

Jahr Titel Chartpositionen Anmerkungen
DE [21] AT [22] CH [23] UK [24] US [25]
2001 The Way We Walk – Live In Concert - - - - -
2001 The Genesis Songbook - - - - -
2003 Live At Wembley Stadium 93 - - - -
2004 The Video Show - - - - -
2008 When in Rome 2007 1 - - - -

[Bearbeiten] Preise

[Bearbeiten] Grammy Awards

[Bearbeiten] Auszeichnungen

  • 1988: Bestes Konzept-Musikvideo (Land of Confusion, 1986)

[Bearbeiten] Nominierungen

  • 1985:
    • Beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe mit Gesang – Rock (Genesis, 1983)
    • Beste Instrumentaldarbietung – Rock (Second Home by the Sea, 1983)
  • 1987: Beste Instrumentaldarbietung – Pop (The Brazilian, 1986)
  • 1993: Beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe mit Gesang – Pop (I Can’t Dance, 1991)

[Bearbeiten] American Music Awards

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Nominierungen

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Chris Welch: Genesis – The Complete Guide To Their Music.
  • Paul Russell: Genesis – Play Me My Song. A Live Guide 1969 to 1975.
  • Dave Thompson: Turn It on Again: Peter Gabriel, Phil Collins and Genesis.
  • Alan Hewitt: Opening the Musical Box – A Genesis Chronicle.
  • Armando Gallo: Genesis. 1981, ISBN 3-9800216-0-2 (engl. Original: Genesis – The Evolution of A Rock Band. 1979.)
  • Dave Bowler, Bryan Dray: Genesis: Die Biographie.
  • Robin Platts: Genesis – Inside & Out (1967–2000).
  • Tony Banks, Phil Collins, Peter Gabriel, Steve Hackett, Mike Rutherford: Genesis. Chapter and Verse (Weidenfeld and Nicholson), 2007, ISBN 0297844342

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Genesis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Hörbeispiele

[Bearbeiten] Quellenangaben

  1. atlanticrecords.com: Label-Biografie
  2. http://www.foxtrot.de/genesis_tmb_selling_england_tour.htm
  3. MSJ-Interview With Steve Hackett
  4. http://www.genesis-path.net/art82-03.html
  5. Golden Slumbers:: A Father's Love
  6. Genesis. Inside Genesis 1975–1980, Classic Rock Legends, 2004
  7. a b Chris Welch: The Complete Guide to the Music of Genesis, London, Omnibus Press, 1995
  8. G2 Definitive Genesis
  9. http://www.genesis-path.net/art-82RS.html
  10. The Waiting Room Online
  11. Vari-Lite – Express Yourself
  12. Interviews: Ray Wilson: 'I find George Bush quite frightening and capable of scary things.' – Sea of Tranquility – The Web Destination for Progressive Music!
  13. MetroActive Music | Kevin Gilbert
  14. Steve Hackett
  15. http://www.genesis-path.net/artMC7604.html
  16. http://www.dukeband.it
  17. Paul Whitehead Interview
  18. http://www.genesis-path.net/art94-12
  19. Genesis: And Then There Were Three: Music Reviews: Rolling Stone
  20. Phil Collins Interviews – MUSIC EXPRESS 1990
  21. a b c d e f Charts-Surfer
  22. a b c d e f austriancharts.at: Genesis in der österreichischen Hitparade
  23. a b c d e f hitparade.ch: in der Schweizer Hitparade
  24. a b c d e f everyhit.com
  25. a b c d e f allmusic.com: Artist Chart History

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