Landkreis Tuttlingen
| Wappen | Deutschlandkarte |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg |
| Regierungsbezirk: | Freiburg |
| Region: | Schwarzwald-Baar-Heuberg |
| Verwaltungssitz: | Tuttlingen |
| Fläche: | 734,35 km² |
| Einwohner: |
134.204 (31. Dez. 2011)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 183 Einwohner je km² |
| Kfz-Kennzeichen: | TUT |
| Kreisschlüssel: | 08 3 27 |
| NUTS: | DE137 |
| Kreisgliederung: | 35 Gemeinden |
| Adresse der Kreisverwaltung: |
Bahnhofstraße 100 78532 Tuttlingen |
| Webpräsenz: | |
| Landrat: | Stefan Bär (Freie Wähler) |
| Lage des Landkreises Tuttlingen in Baden-Württemberg | |
Der Landkreis Tuttlingen ist ein Landkreis in Baden-Württemberg. Er gehört zur Region Schwarzwald-Baar-Heuberg im Regierungsbezirk Freiburg. Er grenzt im Norden an den Landkreis Rottweil und an den Zollernalbkreis, im Osten an den Landkreis Sigmaringen, im Süden an den Landkreis Konstanz und im Westen an den Schwarzwald-Baar-Kreis.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Der Landkreis Tuttlingen umfasst überwiegend Teile der Schwäbischen Alb (Heuberg, Baaralb und Hegaualb mit Übergang zum oberschwäbischen Alpenvorland) sowie der Gäulandschaft des Albvorlandes (Baar) im Westen. Die höchste Erhebung ist der Lemberg mit 1015 m, der tiefste Punkt befindet sich im Hattinger Tal mit 570 m über dem Meeresspiegel. Die größten Ausdehnungen des Landkreises betragen 31 km (Ost-West) bzw. 38 km (Nord-Süd).
Geschichte [Bearbeiten]
Das Gebiet des Landkreises Tuttlingen gehörte vor 1800 zu einer Vielzahl von Herrschaften, darunter Vorderösterreich und Württemberg. Schon im 15. Jahrhundert wurde das württembergische Oberamt Tuttlingen errichtet, das 1806 neu umschrieben und auch danach noch einige Male verändert wurde. So wurde 1842 die Gemeinde Schwenningen am Neckar an das Oberamt Rottweil abgegeben. Aus meist österreichischen Gebieten war 1806 das Oberamt Spaichingen gebildet worden. Beide Oberämter gehörten ab 1810 zur Landvogtei am obern Neckar und ab 1818 zum Schwarzwaldkreis, der 1924 aufgelöst wurde. 1934 wurden beide Oberämter in Landkreise umbenannt und 1938 wurde der Landkreis Spaichingen aufgelöst. Die meisten Gemeinden kamen dabei zum Landkreis Tuttlingen, einige zum Landkreis Balingen.
Nach 1945 gehörte der Landkreis Tuttlingen zum Land Württemberg-Hohenzollern, das 1952 im Land Baden-Württemberg aufging. Ab da gehörte der Landkreis zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern.
Bei der Kreisreform am 1. Januar 1973 erhielt der Landkreis Tuttlingen einige badische Gemeinden der aufgelösten Landkreise Donaueschingen und Stockach sowie die Gemeinde Bärenthal vom Landkreis Sigmaringen, er gab ferner die Gemeinde Tuningen an den Schwarzwald-Baar-Kreis ab. Seither gehört er zum Regierungsbezirk Freiburg.
Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Tuttlingen 35 Gemeinden, darunter sechs Städte und hiervon wiederum eine Große Kreisstadt (Tuttlingen). Größte Stadt ist Tuttlingen, kleinste Gemeinde ist Bärenthal.
Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
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Die Fertilitätsrate von 1,6 Kindern je Frau 2008 war die höchste in Baden-Württemberg,[2] außerdem gehört der Landkreis demographisch am besten aufgestellten in ganz Deutschland.[3]
Politik [Bearbeiten]
Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet. Der Kreistag wählt den Landrat für eine Amtszeit von 8 Jahren. Dieser ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse, hat aber in den Gremien kein Stimmrecht. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.
Kreistag [Bearbeiten]
Der Kreistag wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt. Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab folgende Sitzverteilung (47 Sitze, vorher 48):
| Partei | Wahlergebnis | Sitze | ||
|---|---|---|---|---|
| CDU | 42,2 % | − 5,4 | 21 Sitze | − 4 |
| Freie Wähler | 18,9 % | − 0,2 | 9 Sitze | ± 0 |
| SPD | 13,7 % | − 1,3 | 6 Sitze | ± 0 |
| FDP | 12,8 % | + 4,6 | 6 Sitze | + 2 |
| Offene Grüne Liste | 12,4 % | + 2,3 | 5 Sitze | + 1 |
Der Kreistag wählt den Landrat für eine Amtszeit von acht Jahren.
Landrat [Bearbeiten]
Die Oberamtmänner des ehemaligen Oberamts von 1807 bis 1934 sind unter Oberamt Tuttlingen dargestellt.
Die Landräte des Landkreises Tuttlingen seit 1934:
- 1933–1937: Hermann Rieger, NSDAP
- 1938–1946: Eduard Quintenz, NSDAP
- 1946–1947: Erich Schariry (Amtsverweser)
- 1947–1949: Fritz Erler, SPD
- 1950–1963: Kurt Geiger, CDU
- 1963–1978: Hans Köpf, CDU
- 1979–2003: Hans Volle, CDU
- 2003–2011: Guido Wolf, CDU
- seit 2012: Stefan Bär, Freie Wähler
Kreisfinanzen [Bearbeiten]
Der Schuldenstand des Landkreises betrug Ende 2008 34,7 Millionen Euro.[4]
Wappen [Bearbeiten]
Das Wappen des Landkreises Tuttlingen zeigt in geteiltem Schild oben in Gold eine liegende schwarze Hirschstange, unten in Blau ein unterhalbes vierspeichiges goldenes Rad. Das Wappen wurde am 28. Februar 1961 und nach der Kreisreform am 12. Oktober 1973 neu verliehen.
Die Hirschstange symbolisiert Württemberg, zu dem Tuttlingen, Trossingen und kleinere Orte seit 1444 gehörten. Das Rad steht für die vorderösterreichische Obere Grafschaft Hohenberg, zu der Spaichingen gehörte. Das Wappen zeigt also, dass der Landkreis 1938 aus den einstigen Oberämtern Tuttlingen und Spaichingen gebildet wurde.
Siehe auch: Liste der Wappen im Landkreis Tuttlingen
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Wirtschaft [Bearbeiten]
Der Landkreis Tuttlingen steht wirtschaftlich sehr gut da (18. von über 400 in Deutschland, Vierter in Baden-Württemberg, Erster außerhalb der Region Stuttgart) und hat eine geringe Arbeitslosigkeit, vor allem Jugendarbeitslosigkeit. Der Landkreis ist deutschlandweit der Landkreis mit der höchsten Arbeitsplatzversorgung [5]
Verkehr [Bearbeiten]
Der Verkehr des Landkreises Tuttlingen ist geprägt durch die Fernverbindungen Stuttgart – Zürich/Bodensee in Nord-Süd- und Ulm – Freiburg im Breisgau in Ost-West-Richtung. Eine Einschränkung für große Verkehrsachsen stellt die Mittelgebirgslandschaft dar, insbesondere der Große Heuberg.
Schiene [Bearbeiten]
Der Landkreis Tuttlingen wird durch insgesamt fünf aktive Eisenbahnstrecken erschlossen. Im Einzelnen sind dies:
- die Gäubahn von Stuttgart nach Singen (Hohentwiel) im Abschnitt Aldingen–Spaichingen–Tuttlingen
- die Donautalbahn von Donaueschingen nach Ulm im Abschnitt Geisingen–Immendingen–Tuttlingen–Fridingen
- die Wutachtalbahn von Immendingen nach Waldshut im Abschnitt Geisingen-Leipferdingen–Immendingen
- die Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz im Abschnitt Geisingen–Immendingen
- die Trossinger Eisenbahn
Im Fernverkehr ist Tuttlingen Halt der im 2-Stunden-Takt verkehrenden Intercity-Züge zwischen Stuttgart und Zürich. Direkt an den überregionalen Nahverkehr sind Aldingen, Spaichingen, Tuttlingen, Geisingen, Immendingen und Fridingen angeschlossen. Seit der Umsetzung des Ringzug-Konzepts 2003 hat sich insbesondere der Nahverkehr im Landkreis wesentlich verbessert. So besitzen heute eine Vielzahl der Gemeinden im Landkreis wieder einen eigenen Bahn-Haltepunkt und werktags wird in der Regel ein stündlicher Ringzug-Verkehr gefahren. Insgesamt gibt es so heute im Kreisgebiet 28 aktive Bahnhaltepunkte, davon alleine acht auf dem Gebiet der Stadt Tuttlingen. Für den Nahverkehr im Kreis ist der Verkehrsverbund TUTicket zuständig.
Straße [Bearbeiten]
Das Kreisgebiet wird im äußersten Südwesten von der Bundesautobahn 81 Stuttgart–Singen (Hohentwiel) berührt. Ferner erschließen rund 90 km Bundes-, über 200 km Landes- und ca. 150 km Kreisstraßen den Landkreis. Die B 14 Stuttgart – Stockach durchzieht das Kreisgebiet von Nordwesten nach Südosten. Die B 523 verbindet Tuttlingen mit dem Oberzentrum Villingen-Schwenningen. Die durch den Landkreis führenden Bundesstraßen 31 und 311 bilden eine bedeutende Ost-Westachse (Freiburg im Breisgau–Ulm) in Baden-Württemberg. Und die B 491 führt über Emmingen-Liptingen nach Engen im Hegau.
Kreiseinrichtungen [Bearbeiten]
Der Landkreis Tuttlingen ist Träger folgender Beruflicher Schulen: Ferdinand-von-Steinbeis-Schule (Gewerbliche Schulen) Tuttlingen, Kaufmännische und Hauswirtschaftliche Schulen Tuttlingen und Berufliche Schulen Spaichingen, ferner folgender Sonderschulen: Johann-Peter-Hebel-Schule für Geistigbehinderte mit Schulkindergarten Tuttlingen, Sprachheilkindergarten Tuttlingen und Sprachheilschule Balgheim.
Der Landkreis Tuttlingen ist auch Träger des Klinikums Landkreis Tuttlingen mit Gesundheitszentrum Tuttlingen und Gesundheitszentrum Spaichingen. Ferner unterhält er das Kreismedienzentrum Tuttlingen und den Sozialpsychiatrischer Dienst Tuttlingen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Der Landkreis betreibt ein eigenes regionales ländliches Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck. In diesem Museumsdorf wird die ländliche Geschichte des Landkreises und der Region anschaulich dargestellt.
Seit 2004 veranstaltet der Landkreis Tuttlingen in der Reihe KreisKunstKultur eigene Kulturveranstaltungen. Außerdem wird intensiver der Große Heuberg als „Donaubergland“ beworben (Naturpark Obere Donau, Donauberglandweg).[6] Damit soll entgegengewirkt werden, dass der Landkreis zu den unteren 15% aller deutschen Landkreise gehört, bezogen auf die Anzahl der Übernachtungen.[7]
Städte und Gemeinden [Bearbeiten]
(Einwohner am 31. Dezember 2011[8])
Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaften und Gemeindeverwaltungsverbände
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Der „alte“ Landkreis Tuttlingen [Bearbeiten]
Vor der Kreisreform am 1. Januar 1973 bzw. vor der Gemeindereform gehörten zum (alten) Landkreis Tuttlingen seit 1938 insgesamt 37 Gemeinden, darunter fünf Städte. Dabei war die Gemeinde Irrendorf vom eigentlichen Kreisgebiet räumlich getrennt. Dazwischen lag die zum Landkreis Sigmaringen gehörige Gemeinde Bärenthal.
Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im alten Landkreis Tuttlingen machte am 1. Dezember 1971 die Gemeinde Schura, die sich mit der Stadt Trossingen vereinigte. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig.
1972 wurde die Gemeinde Irrendorf in Irndorf umbenannt.
Die verbliebenen Gemeinden des alten Landkreises Tuttlingen gingen am 1. Januar 1973 im neuen vergrößerten Landkreis Tuttlingen auf, lediglich Tuningen wechselte in den Schwarzwald-Baar-Kreis.
Größte Gemeinde des alten Landkreises Tuttlingen war die Stadt Tuttlingen, die seit 1. April 1956 Große Kreisstadt war, kleinste Gemeinde war Reichenbach am Heuberg.
Der alte Landkreis Tuttlingen umfasste zuletzt eine Fläche von 455 km² und hatte bei der Volkszählung 1970 insgesamt 90.380 Einwohner.
Einwohnerentwicklung des alten Landkreises Tuttlingen bis 1970. Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse.
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Die Gemeinden des alten Landkreises Tuttlingen vor der Gemeindereform. Alle Gemeinden gehören auch heute noch zum Landkreis Tuttlingen, mit Ausnahme von Tuningen, das zum Schwarzwald-Baar-Kreis gehört.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2011 (Hilfe dazu)
- ↑ Landkreis Tuttlingen mit höchster Geburtenrate in Baden-Württemberg. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2. September 2009, abgerufen am 4. September 2009 (Pressemitteilung Nr. 277/2009).
- ↑ Das bundesweite Ranking, sortiert nach Demografie. INSM-Regionalranking 2009, abgerufen am 28. August 2012.
- ↑ Schwäbische Zeitung (Regionalausgabe „Gränzbote“) vom 18. Dezember 2008, Artikel: „Landkreis investiert 15 Millionen Euro“
- ↑ INSM-Regionalranking 2009: Das bundesweite Ranking, sortiert nach Arbeitsplatzversorgung
- ↑ donaubergland.de
- ↑ INSM-Regionalranking 2009: Das bundesweite Ranking, sortiert nach Gästeübernachtungen
- ↑ Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2011
Literatur [Bearbeiten]
- Das Land Baden-Württemberg - Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden (in acht Bänden); Hrsg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg; Band VI: Regierungsbezirk Freiburg; Stuttgart, 1982, ISBN 3-17-007174-2
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Internetseite des Landkreises
- Infos zum Tourismus im Landkreis Tuttlingen
- Literatur von Landkreis Tuttlingen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
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