Sami Khedira

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sami Khedira

Khedira (2011)

Spielerinformationen
Geburtstag 4. April 1987
Geburtsort StuttgartDeutschland
Größe 189 cm
Position Mittelfeld
Vereine in der Jugend
1992–1995
1995–2006
TV Oeffingen
VfB Stuttgart
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
2004–2006
2006–2010
2010–
VfB Stuttgart Amateure/II
VfB Stuttgart
Real Madrid
21 0(1)
98 (14)
92 0(6)
Nationalmannschaft2
2000–2003
2007–2009
2009–
Deutschland U-16
Deutschland U-21
Deutschland
10 0(3)
15 0(5)
51 0(5)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: 25. August 2014
2 Stand: 8. Juli 2014

Sami Khedira [ˈsaːmi xeˈdiːra] (* 4. April 1987 in Stuttgart) ist ein deutscher Fußballspieler, der seit 2010 bei Real Madrid unter Vertrag steht. Er spielt seit 2009 für die deutsche Fußballnationalmannschaft und wurde mit dieser 2014 in Brasilien Weltmeister. Neben der deutschen besitzt Khedira auch die tunesische Staatsangehörigkeit.[1]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Sami Khedira ist Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers, die sich in Hammamet kennen gelernt hatten.[2] Er wuchs mit zwei Brüdern in Fellbach-Oeffingen auf, von denen einer ebenfalls Karriere als Profifußballer macht.[3] Nach der mittleren Reife[2] begann Khedira eine Ausbildung zum Industriekaufmann in Winnenden. Diese gab er nach eineinhalb Jahren auf, nachdem ihn der Trainer Rainer Adrion aus dem A-Junioren-Bereich in die Amateurmannschaft des VfB Stuttgart aufgenommen hatte.[3]

Vereinskarriere[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Sami Khedira, der die Fußballspieler Zinédine Zidane und Patrick Vieira zu seinen Vorbildern zählte,[3] war in der Jugend des TV Oeffingen in Fellbach aktiv, als er 1995 als Achtjähriger auf einem Turnier in Wernau von Talentspähern des VfB Stuttgart beobachtet wurde und daraufhin nach Stuttgart wechselte. Er durchlief die Jugendteams des VfB Stuttgart und wurde als Mannschaftskapitän Deutscher B- und A-Jugendmeister.[4] An der Seite der späteren Nationalspieler Andreas Beck und Serdar Taşçı spielte er in der B-Junioren-Regionalliga. Als Meister der Regionalliga Süd nahm Khedira mit der Mannschaft des VfB Stuttgart an der Endrunde zur Deutschen B-Jugendmeisterschaft 2003 teil und unterlag im Finale mit 1:4 gegen Hertha BSC. Nach wiederholter Regionalligameisterschaft führte Khedira die Schwaben als Mannschaftskapitän im darauffolgenden Jahr erneut ins Endspiel um die Deutsche B-Jugendmeisterschaft. Dort traf man vor 2.000 Zuschauern im Stadion der Freundschaft auf den Gastgeber Energie Cottbus. Durch ein 2:1, bei dem Sami Khedira in der 12. Minute den 1:0-Führungstreffer erzielte, wurden die Stuttgarter Deutscher B-Jugendmeister 2004.

Nach dem Wechsel zu den A-Junioren des Vereins spielte er in der U-19-Bundesliga. Am 28. März 2005 kam er als A-Jugendlicher zu seinem ersten Einsatz für die in der damals drittklassigen Regionalliga Süd spielenden Amateurmannschaft des VfB, als er bei der 2:4-Auswärtsniederlage beim SC Pfullendorf in der Startelf stand. Auch in der Folgezeit lief er regelmäßig für die A-Junioren sowie die Regionalligamannschaft auf. Im weiteren Saisonverlauf musste Khedira aufgrund von Knieproblemen am Außenmeniskus operiert werden, wodurch er beim Gewinn der Deutschen A-Jugendmeisterschaft 2005 nicht auf dem Platz stand. Nach erfolgter Operation und Rückkehr in die Mannschaft trainierte Khedira unter Stuttgarts Trainer Trapattoni erstmals bei den Profis des Vereins. Als die Beschwerden im Knie jedoch bald zurückkehrten, wurde eine weitere Operation und eine dreimonatige Rehabilitation in Donaustauf notwendig, wodurch er die gesamte Rückrunde der Saison 2005/06 ausfiel.[5] Die Ärzte rieten Khedira, mit dem Leistungssport aufzuhören, jedoch fand er mit Dr. Müller-Wohlfahrt und Dr. Boenisch zwei Mediziner, die ihm halfen, seine Verletzung zu überwinden.[6]

VfB Stuttgart[Bearbeiten]

Khedira (2007) mit der Deutschen Meisterschale

Zur Saison 2006/2007 bestritt der nun endgültig den Junioren entwachsene Khedira eine schmerzfreie Saisonvorbereitung mit der von Amateurtrainer Rainer Adrion betreuten zweiten Mannschaft des VfB. In den ersten neun Saisonspielen in der Regionalliga Süd kam er jeweils 90 Minuten zum Einsatz und erzielte beim 4:1-Auswärtssieg gegen 1860 München II auch ein Tor. Nach sechs Siegen und drei Unentschieden stand die VfB-Reserve Ende September an der Tabellenspitze und Sami Khedira wurde aufgrund seiner überzeugenden Leistungen von Trainer Armin Veh in den Profikader der Schwaben berufen. Sein Bundesligadebüt gab er am 1. Oktober 2006 im Berliner Olympiastadion. Khedira wurde beim 2:2-Unentschieden gegen Hertha BSC in der Nachspielzeit eingewechselt und blieb ohne Ballkontakt, da Schiedsrichter Kinhöfer das Spiel kurze Zeit später beendete. Bereits eine Woche später stand der damals 19-Jährige im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion in der Startformation im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen, welches der VfB mit 3:0 gewann und damit den ersten Heimsieg der Saison perfekt machte.[7] Von da an spielte Khedira regelmäßig. Er erzielte am 29. Oktober 2006 im Spiel gegen den FC Schalke 04 seine ersten beiden Bundesligatore.

Am 29. Januar 2007 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag beim VfB, der ihn bis zum Sommer 2009 an den Verein band. Am 19. Mai 2007, dem letzten Spieltag der Saison, köpfte er gegen Energie Cottbus das entscheidende 2:1-Siegtor, das den Gewinn der Deutschen Meisterschaft für den VfB Stuttgart perfekt machte.

Am 9. Juli 2008 verlängerte Khedira seinen Vertrag beim VfB bis Juni 2011.

Am 13. Dezember 2008 erzielte er gegen den FC Bayern München ein Tor in der Nachspielzeit und vereitelte damit die Herbstmeisterschaft der Münchner. Dieser Treffer wurde zum Tor des Monats im Dezember 2008 gewählt.

Real Madrid[Bearbeiten]

Khedira (2012) im Trikot von Real Madrid

Aufgrund seiner guten Leistungen bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wurde neben anderen europäischen Vereinen auch Real Madrid mit dem zum Beginn der Saison 2010/11 neu verpflichteten Trainer José Mourinho auf Khedira aufmerksam. Am 30. Juli 2010 wechselte Sami Khedira zum spanischen Klub[8][9] und unterschrieb einen Fünfjahresvertrag. Die geschätzte Ablösesumme betrug 14 Millionen Euro, wobei über die vertraglichen Inhalte sowie Transfermodalitäten offiziell Stillschweigen vereinbart wurde.[10]

Sein Debüt für seinen neuen Verein gab er am 13. August 2010 gegen den FC Bayern München in einem Testspiel. Sein erstes Pflichtspiel für Real Madrid absolvierte er am 29. August 2010 (1. Spieltag) beim torlosen Unentschieden im Auswärtsspiel gegen den RCD Mallorca, als er in der 70. Minute für Álvaro Arbeloa eingewechselt wurde. Sein erstes Tor für Real Madrid erzielte Khedira am 18. Oktober 2011 beim Champions-League-Gruppenspiel gegen Olympique Lyon. Am 4. März 2012 traf er beim 5:0-Sieg gegen Espanyol Barcelona erstmals auch in einem Spiel der Primera División. In allen 19 Hinrundenspielen in der Liga stand er im Aufgebot, davon 15 Mal in der Startaufstellung. In der Rückrunde kamen allerdings nur noch wenige Einsätze hinzu, da er zweimal wegen Muskelverletzungen einige Zeit ausfiel. Er war aber am 20. April 2011 dabei, als die Königlichen im Finale gegen den FC Barcelona die Copa del Rey gewannen, von Beginn an bis zu seiner Auswechslung direkt nach dem entscheidenden 1:0-Führungstreffer in der 104. Spielminute war er im Einsatz. Weder im Ligaendspurt noch im Champions-League-Halbfinale war er dabei, als Real gegen die Katalanen jeweils den Kürzeren zog.

In seinem zweiten Madrider Jahr kam Khedira erst am vierten Spieltag zum Einsatz und holte sich in dem Spiel den ersten Platzverweis (Gelb-Rot). Ab dem neunten Spieltag stand er aber wieder in der Stammmannschaft und spielte dann bis auf eine kurze Auszeit nach einer Bänderdehnung fast alle Partien bis zum Saisonende. Am 21. April 2012 erzielte er beim 2:1-Auswärtssieg im Clásico gegen den FC Barcelona im Camp Nou den ersten Treffer des Spiels. Durch diesen Sieg vergrößerte sich der Vorsprung Madrids auf den Tabellenzweiten aus Barcelona in der Primera División 2011/12 bei noch vier ausstehenden Spielen auf sieben Punkte. In den folgenden beiden Partien hielten Khedira und Real diesen Vorsprung, womit Sami Khedira erstmals mit Madrid Spanischer Meister wurde. Khedira und Real brachen mit 100 erreichten Punkten am Saisonende den Punkterekord der Primera División. In der Champions League kam er wie im Vorjahr achtmal zum Einsatz, bevor Real erneut im Halbfinale ausschied.

In der Nacht vom 29. auf den 30. August 2012 gewann Sami Khedira mit den Königlichen im Rückspiel gegen den FC Barcelona die Supercopa de España und war dabei in beiden Spielen gegen den Pokalsieger über die volle Spieldistanz für den spanischen Meister im Einsatz.

Im UEFA-Champions-League-Finale 2014 stand Khedira in der Startelf und gewann mit Real den Titel.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Khedira (2011) im Trikot der deutschen Nationalmannschaft
Sami Khedira (2. Reihe, 2. v. li.) nach dem Gewinn der WM 2014

Sami Khedira bestritt insgesamt 30 Länderspiele für verschiedene deutsche Junioren-Nationalmannschaften. Nachdem er wenige Monate zuvor erst U-21-Nationalspieler geworden war, wurde er am 16. August 2007 erstmals in das Aufgebot der deutschen A-Nationalmannschaft eingeladen. Allerdings musste er das bevorstehende Freundschaftsspiel gegen England am 22. August 2007 absagen, weil er wenige Tage zuvor in einem Bundesligaspiel gegen Hertha BSC einen Außenbandanriss am rechten Fuß erlitten hatte.

Mit der U 21 qualifizierte er sich im Jahr darauf für die U-21-Europameisterschaft 2009 in Schweden. Gegen die U 21 von Luxemburg gelangen ihm dabei drei Tore in einem Spiel. Im Turnier war Khedira Kapitän der deutschen Mannschaft von Bundestrainer Horst Hrubesch. In vier der fünf Partien spielte er bei der EM, auch beim 4:0-Finalsieg gegen England, mit dem Deutschland den Titel gewann.

Am 5. September 2009 gab Khedira gegen Südafrika (2:0) sein A-Nationalmannschaftsdebüt, als er in der 73. Minute für Simon Rolfes eingewechselt wurde. Am 6. Mai 2010 wurde er von Bundestrainer Joachim Löw in den erweiterten Kader und kurz vor der Abreise nach Südafrika in das endgültige Aufgebot für die Weltmeisterschaft 2010 berufen. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall Michael Ballacks spielte er in Löws 4-2-3-1-System zusammen mit Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld der Nationalelf. Am 10. Juli 2010 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay erzielte Khedira in der 82. Spielminute nicht nur sein erstes Länderspieltor, sondern auch den Siegtreffer zum 3:2. Er absolvierte alle sieben Weltmeisterschaftspartien.

Nach der WM blieb Khedira in der deutschen Mannschaft gesetzt und spielte zwischen September 2010 und Oktober 2011 in acht der zehn Qualifikationsspiele für die Fußball-Europameisterschaft 2012, die alle gewonnen wurden. Er stand im deutschen EM-Aufgebot in der Stammelf und bildete erneut mit Bastian Schweinsteiger in allen fünf Turnierpartien die „Doppelsechs“ im Mittelfeld. Im Viertelfinale brachte er nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Griechen die deutsche Mannschaft mit seinem Tor zum 2:1 wieder in Führung.

Bei einem Testspiel gegen die Nationalmannschaft Italiens am 15. November 2013 verletzte sich Khedira im Zuge eines selbst ausgeführten Foulspiels. Dabei erlitt er Schäden am vorderen Kreuzband sowie am Innenband[11], aufgrund derer er erst im Mai 2014 wieder ein Pflichtspiel absolvieren konnte.

Am 8. Mai 2014 wurde Khedira trotz seiner langen Verletzung von Bundestrainer Joachim Löw in den Kader der Weltmeisterschaft 2014 berufen.[12] Im zweiten Gruppenspiel gegen Ghana zog er sich eine Knie-Innenbandzerrung zu, wegen der er in der abschließenden Partie der Gruppe G gegen die USA erstmals pausieren musste. Beim 7:1-Halbfinalsieg gegen den Gastgeber Brasilien erzielte Khedira in der 29. Spielminute den Treffer zur zwischenzeitlichen 5:0-Führung Deutschlands. Nachdem er bereits für die offizielle Startaufstellung gemeldet war, verletzte sich Khedira vor dem WM-Finale gegen Argentinien, das die deutsche Mannschaft mit 1:0 nach Verlängerung gewann, beim Aufwärmen.[13] Khedira gelang es als zehntem Spieler in der Fußballgeschichte, im selben Jahr den WM-Titel und die Champions League zu gewinnen.[14]

Titel und Erfolge[Bearbeiten]

Nationalmannschaft

Verein

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Privates[Bearbeiten]

Seit 2011 ist Sami Khedira mit dem Model Lena Gercke, Gewinnerin der ersten Staffel von Germany’s Next Topmodel, liiert. Sein um sieben Jahre jüngerer Bruder Rani ist ebenfalls Fußballspieler; er steht bei RB Leipzig unter Vertrag.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Horeni: Der neue Boss: Sami Khedira drängt sich nicht auf. Er ist einfach da und will Ballack ersetzen. Wie viele andere deutsche Nationalspieler verkörpert er die Geschichte einer geglückten Integration. in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13. Juni 2010, S. 11

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sami Khedira – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im Fußball spielt die Herkunft keine Rolle (PDF; 95 kB) Qantara.de; 2009; zuletzt abgerufen am 20. Juli 2014
  2. a b Krusch, Hendrik: Elf deutsche WM-Spieler haben Wurzeln in acht Ländern. In: Stuttgarter Nachrichten, 17. Juni 2010, S. 31.
  3. a b c Sami Khedira. In: Internationales Sportarchiv 21/2010 vom 25. Mai 2010, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 18/2012 (abgerufen via Munzinger Online).
  4. Sami Khedira im Porträt: Der bessere Ballack. In: www.spox.com. Abgerufen am 11. August 2009.
  5. Sami Khedira: "Einmal habe ich fast die Hoffnung verloren" in: Stuttgarter Zeitung vom 28. August 2009
  6. Sami Khedira im Interview: „Habe von Zidane und Ballack gelernt“, www.spox.com vom 10. Juni 2009
  7. Sami Khedira: »Der VfB ist eine Herzenssache« (PDF; 2,3 MB), Stadion Aktuell, 11/2007, S. 12ff.
  8. Einigung mit Real Madrid vom 30. Juli 2010 auf der Homepage des VfB Stuttgart
  9. Comunicado Oficial: Sami Khedira, nuevo jugador del Real Madrid vom 30. Juli 2010 auf der Homepage von Real Madrid
  10. Vom VfB Stuttgart nach Madrid: Khedira wechselt für 14 Millionen Euro in: Stuttgarter Zeitung vom 30. Juli 2010
  11. Khediras Kreuzbandriss: "Ein bitterer Rückschlag für Sami und uns alle" Spiegel online vom 16. November 2013; abgerufen am 22. November 2013
  12. Khedira ist einfach unverzichtbar, Berliner Zeitung vom 8. Mai 2014; abgerufen am 9. Mai 2014
  13. Khedira und Kramer mit bittersüßem WM-Triumph. Meldung auf n-tv.de vom 13. Juli 2014 (abgerufen am 14. Juli 2014).
  14. Khedira gelingt Historisches Meldung auf sport1.de, abgerufen am 12. August 2014
  15. Fußball: Sami Khedira für Ansehen im Ausland ausgezeichnet. In: Focus.de, 13. Mai 2013