Jérôme Boateng

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Jérôme Boateng

Jérôme Boateng (2013)

Spielerinformationen
Voller Name Jérôme Agyenim Boateng
Geburtstag 3. September 1988
Geburtsort BerlinDeutschland
Größe 192 cm
Position Abwehr
Vereine in der Jugend
1998–2002
2002–2006
Tennis Borussia Berlin
Hertha BSC
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
2005–2007
2007
2007–2010
2010–2011
2011–
Hertha BSC II
Hertha BSC
Hamburger SV
Manchester City
FC Bayern München
24 (1)
10 (0)
75 (0)
16 (0)
92 (3)
Nationalmannschaft2
2005
2005–2007
2007–2009
2009–
Deutschland U-17
Deutschland U-19
Deutschland U-21
Deutschland
4 (1)
17 (2)
15 (1)
50 (0)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: 19. Dezember 2014
2 Stand: 14. November 2014

Jérôme Agyenim Boateng (* 3. September 1988 in Berlin) ist ein deutscher Fußballspieler. Er steht beim FC Bayern München unter Vertrag und spielt in der Innenverteidigung, kann aber auch auf der rechten und linken Abwehrseite eingesetzt werden. 2013 gewann er mit den Münchnern das Triple. Mit der deutschen Nationalmannschaft gewann er die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Kindheit und Schulausbildung[Bearbeiten]

Der gebürtige Berliner Jérôme Boateng wuchs bei seiner deutschen Mutter, die als Flugbegleiterin bei British Airways und später beim Bodenpersonal von Lufthansa angestellt war, in Charlottenburg auf. Sein ghanaischer Vater aus dem Clan der Aduana der Akan-Ethnie, Prince Boateng, trennte sich von der Mutter, als sein Sohn fünf Jahre alt war.[1] Boateng hat eine jüngere Schwester, Avelina, die 2002/03 in den vier Episoden von Comedy Kids auftrat, und (über den gemeinsamen Vater) zwei ältere Halbbrüder: Kevin-Prince und George Boateng (nicht identisch mit dem gleichnamigen Niederländer), die ebenfalls Fußball spielen.[2] Kevin-Prince spielt als Profi beim FC Schalke 04, George als Amateur bei Hertha 06 in der Landesliga Berlin. Im Vergleich zu seinem extrovertierten Halbbruder Kevin-Prince gilt Jérôme Boateng als zurückhaltend und bescheiden.[1]

Boateng besuchte die Poelchau-Oberschule im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, eine sportbetonte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Er beendete die Schule nach der zehnten Klasse mit einem Hauptschulabschluss,[3] um sich mehr seiner Karriere als Profifußballspieler widmen zu können.[1]

Vereinskarriere[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Er spielte mit ungefähr sechs Jahren im Hof mit seinem Vater das erste Mal Fußball und trat erst mit zehn Jahren bei Tennis Borussia Berlin ein.[4] 2002 wechselte er im Alter von 13 Jahren in die Nachwuchsabteilung des Lokalrivalen Hertha BSC. Bei der Hertha durchlief er alle weiteren Altersklassen und gewann 2005 mit der U-17 die deutsche B-Jugend-Meisterschaft. Mit der U-19 des Vereins stand er zweimal in der Endrunde um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft, scheiterte aber beide Male im Halbfinale.

Hertha BSC[Bearbeiten]

In seinem zweiten U-19-Jahr gehörte er bereits dem Kader der U-23 an und spielte in der Saison 2005/06 neunmal in der Regionalliga Nord. Im Jahr darauf stand er dann fest im U-23-Aufgebot, wurde aber in der Winterpause auch in den Kader der ersten Mannschaft geholt.

Am 31. Januar 2007 (19. Spieltag) bestritt Boateng sein erstes Bundesligaspiel für die Profimannschaft von Hertha BSC, als er bei der 0:5-Auswärtsniederlage gegen Hannover 96 in der Startformation stand und die komplette Partie durchspielte.[5] In seiner Premierensaison wurde er insgesamt in zehn Ligaspielen eingesetzt, darunter zweimal an der Seite seines Halbbruders Kevin-Prince.

Hamburger SV[Bearbeiten]

Zur Saison 2007/08 verpflichtete ihn der Ligakonkurrent Hamburger SV.[6] Seinen ersten Einsatz hatte er am vierten Spieltag gleich in der Startaufstellung und danach war er Stammspieler. Mit den Hanseaten schaffte er Platz 4 und damit die Qualifikation für den UEFA-Pokal. In der darauffolgenden Spielzeit brauchte er nach einem Muskelfaserriss zu Saisonbeginn einige Zeit, bis er wieder Anschluss an die Stammmannschaft fand. In 21 Spielen half er jedoch mit, knapp die UEFA-Pokal-Teilnahme zu verteidigen. Dazu kam das Team jeweils ins Halbfinale des DFB-Pokals und des UEFA-Pokals, allerdings scheiterten sie dann in beiden Wettbewerben an Werder Bremen.

In seinem dritten Jahr erreichte er erneut das UEFA-Pokal-Halbfinale, diesmal scheiterte der HSV jedoch am FC Fulham. In diesem Wettbewerb schoss Boateng in der Qualifikationsrunde und im Achtelfinale die ersten beiden Pflichtspieltore seiner Profikarriere. In der Bundesliga gelang ihm kein Treffer, dafür bekam er im Nordderby gegen Werder Bremen nach einer Notbremse seine erste Rote Karte. Außerdem verpassten die Hamburger die Qualifikation für internationale Turniere.

Manchester City[Bearbeiten]

Nach drei Jahren in Hamburg wechselte Jérôme Boateng zur Saison 2010/11 zum englischen Erstligisten Manchester City, bei dem er einen Fünf-Jahres-Vertrag unterzeichnete.[7] Aufgrund einer Verletzung debütierte Boateng erst am 25. September 2010 (6. Spieltag) für die „Citizens“, als er beim 1:0-Heimsieg über den FC Chelsea in der 89. Spielminute für Dedryck Boyata eingewechselt wurde. Sein Startelfdebüt folgte fünf Tage darauf beim 1:1-Heimunentschieden im Europa-League-Spiel gegen Juventus Turin.

Er konnte sich jedoch nicht dauerhaft durchsetzen, zum Jahreswechsel wurde er nur noch unregelmäßig eingesetzt und nach einer Knieverletzung war für ihn die Saison auch noch vorzeitig beendet. So war er auch nicht in den entscheidenden Spielen vertreten, als sich Man City den Sieg im englischen Pokalwettbewerb holte.

FC Bayern München[Bearbeiten]

Jérôme Boateng
während der Triple-Feier 2013

Zur Saison 2011/12 wechselte Boateng zum FC Bayern München.[8] Er unterschrieb beim deutschen Rekordmeister einen Vier-Jahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2015.[9] Bei den Bayern war er sofort wieder Stammspieler und absolvierte 27 Saisonpartien, wobei er zwei Spiele nach seiner zweiten Rotsperre aussetzen musste, als er nach einer unübersichtlichen Rangelei im Auswärtsspiel bei Hannover 96 bereits in der 28. Minute des Feldes verwiesen worden war. Am Ende wurde er mit dem Verein Vizemeister und stand im DFB-Pokalfinale, das allerdings mit einer Niederlage endete. In der UEFA Champions League absolvierte er alle 15 Spiele des FCB von den beiden Qualifikationsspielen bis zum Finale über die volle Spielzeit. Das Finale, das in der heimischen Allianz Arena stattfand, wurde im Elfmeterschießen verloren.

In der nächsten Saison kam Boateng auf 26 Einsätze. Am 9. März 2013 (25. Spieltag) entschied er mit seinem ersten Bundesligator zum 3:2 in der 86. Minute die Begegnung gegen Fortuna Düsseldorf. Bereits vier Spieltage später folgte sein zweiter Bundesligatreffer. Am 28. Spieltag sicherte sich Boateng mit dem FC Bayern so früh wie noch nie in der Geschichte die Deutsche Meisterschaft. In der Champions League sah Boateng am letzten Gruppenspieltag die rote Karte und wurde für das Achtelfinale gesperrt. Doch im Viertelfinale kam er wieder zum Einsatz und bestritt auch die siegreichen Halbfinalpartien gegen den FC Barcelona über die volle Distanz. Am 25. Mai 2013 spielte Boateng 90 Minuten im Finale der UEFA Champions League als Innenverteidiger gegen Borussia Dortmund und feierte so mit den Bayern den Titelgewinn nach einem 2:1-Sieg. Am 1. Juni vervollständigten die Bayern den Gewinn des Triple mit einem 3:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart im Pokalfinale. Auch hier kam Boateng über 90 Minuten zum Einsatz.

Auch in der Saison 2013/14 blieb Boateng Stammspieler bei Bayern München. Mit 25 Saisoneinsätzen und einem Tor trug er dazu bei, dass Bayern den Vorjahresrekord der frühesten deutschen Meisterschaft noch einmal verbesserte. Auch im DFB-Pokal verteidigte die Mannschaft den Titel; im Endspiel kam Boateng gegen Borussia Dortmund über 120 Minuten zum Einsatz. Einzig in der Champions League blieb Bayern die Titelverteidigung verwehrt. Boateng kam hier zu neun Einsätzen, schied mit der Mannschaft aber im Halbfinale gegen Real Madrid aus. Am 11. Dezember 2013 verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig um drei Jahre bis zum 30. Juni 2018.[10]

Am 8. November 2014 beim 4:0-Auswärtssieg gegen Eintracht Frankfurt stellte Boateng mit seinem 50. Bundesligaspiel in Folge ohne Niederlage einen neuen Bundesliga-Rekord auf, den bis dahin sein Mannschaftskollege Franck Ribéry hielt.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Boateng (links) im Zweikampf mit Fred beim 7:1-Halbfinalsieg der deutschen Mannschaft gegen Brasilien bei der WM 2014

Jérôme Boateng spielte erstmals in der U 17 für eine deutsche Juniorenauswahl. Er wurde im März 2005 in der Eliterunde in Deutschland um die Qualifikation zur Junioren-Europameisterschaft eingesetzt, die aber nicht erreicht wurde[11]. Danach war er regelmäßig für die U-19-Nationalmannschaft im Einsatz, mit der er 2007 auch an der Junioren-Europameisterschaft in Österreich teilnahm. Im Halbfinale schied man jedoch gegen die Auswahl Griechenlands aus. Am 12. Oktober 2007 debütierte Boateng in Tel Aviv beim 2:2-Unentschieden der U-21-Nationalmannschaft gegen Israel. Er nahm vom 15. bis 29. Juni 2009 an der U-21-Europameisterschaft in Schweden teil, bestritt alle Spiele (über 90 Minuten) und gewann unter Bundestrainer Horst Hrubesch den Titel des Europameisters.

Am 3. Oktober 2009 wurde Boateng von Bundestrainer Joachim Löw erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert. Am 10. Oktober 2009 debütierte er dort im WM-Qualifikationsspiel in Moskau beim 1:0-Sieg gegen Russland. Seine Gelb-Rote Karte in der 69. Spielminute bedeutete den ersten Platzverweis eines Debütanten in der Geschichte der deutschen Fußballnationalmannschaft. Trotzdem wurde er danach auch zu den Vorbereitungsspielen für die Weltmeisterschaft geholt und stand dabei dreimal sogar in der Startaufstellung. Entsprechend wurde er am 1. Juni 2010 von Bundestrainer Joachim Löw in den Kader für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika berufen. Nachdem er in den ersten beiden Spielen nicht eingesetzt worden war, verdrängte er Holger Badstuber als Außenverteidiger und gab sein WM-Debüt im dritten Gruppenspiel gegen Ghana, das Heimatland seines Vaters. Dabei kam es zum Duell mit seinem Halbbruder Kevin-Prince. Boateng absolvierte die vier weiteren Turnierspiele bis zum Spiel um den dritten Platz, das man gegen Uruguay gewann.

Nach seinem Wechsel nach England spielte er dann allerdings nicht mehr oft für Deutschland, in der Qualifikation für die EM 2012 in Polen und der Ukraine kam er erst zu zwei Einsätzen, als er bereits wieder bei Bayern München spielte. In der EM-Vorbereitung setzte Löw dann aber wieder voll auf ihn und nahm ihn in das EM-Aufgebot auf. Mit Philipp Lahm war er als Außenverteidigerduo gesetzt und absolvierte die ersten beiden Spiele. Dann musste er allerdings wegen zwei gelben Karten aus den zwei Spielen pausieren, kehrte aber im Viertelfinale wieder in die Stammelf zurück und spielte die verbleibenden beiden Spiele bis zum Halbfinalaus wieder auf seiner Stammposition.

Am 15. August 2012 beim Freundschaftsspiel gegen Argentinien gab er nach Auswechslung von Sami Khedira sein Debüt als Kapitän der Nationalmannschaft.

Während der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 konnte sich Boateng in der Stammelf der Nationalmannschaft etablieren. So bestritt er sieben der zehn Spiele der erfolgreichen Qualifikation über die volle Spielzeit. Entsprechend wurde er von Joachim Löw auch in den endgültigen WM-Kader berufen.[12] Während der Weltmeisterschaft 2014 stand er bei allen Partien in der Startelf und wurde nur im zweiten Gruppenspiel gegen Ghana ausgewechselt. In der Gruppenphase als Außenverteidiger eingesetzt, wechselte Boateng zum Achtelfinalspiel gegen Algerien zurück in die Innenverteidigung. In seinem 46. Länderspiel gewann Boateng mit der Deutschen Nationalmannschaft das Endspiel der Weltmeisterschaft 2014 mit 1:0 gegen Argentinien. Seine außergewöhnliche Leistung mit 83 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und einer Rettungstat auf der Linie in der 40. Minute trug zum Finalsieg bei.[13]

Erfolge[Bearbeiten]

Nationalmannschaft

Verein

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Boateng wird von Michael Rummenigge und Nicolai Schwarzer über die Schwarzer & Rummenigge Sports Management GmbH & Co. KG, Berlin, betreut.[14][15]

Boateng ist in einer Beziehung mit der Modestudentin Sherin Sendler und sie haben zusammen Zwillingstöchter (* 8. März 2011 in Berlin).[16][17]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Michael Horeni: Die Brüder Boateng: Drei deutsche Karrieren. 1. Auflage. Tropen-Verlag bei Klett-Cotta, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-608-50308-1 (267 Seiten).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jérôme Boateng – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Jérôme Boateng. In: Internationales Sportarchiv 21/2012 vom 22. Mai 2012 (abgerufen via Munzinger Online).
  2. Simon Braasch: „Jerome ist doch immer noch mein Kleiner“ In: Hamburger Morgenpost vom 2. Oktober 2009
  3. Kruse, Jürn: Nationalspieler: Schüler Jerome Boateng, so schnell wie Usain Bolt bei welt.de, 25. Mai 2012 (abgerufen am 10. Juni 2012).
  4. „Ich bin kein schwieriger Typ“, www.11freunde.de vom 7. Juli 2009
  5. 96 überrollt die Hertha. kicker.de, 31. Januar 2007, abgerufen am 14. Juli 2011.
  6. HSV verpflichtet den Berliner Jerome Boateng. welt.de, 21. August 2007, abgerufen am 14. Juli 2011.
  7. Jerome Boateng agrees to five-year deal. mcfc.co.uk, 5. Juni 2010, abgerufen am 14. Juli 2011 (englisch).
  8. Jerome Boateng: FC Bayern einigt sich mit Manchester City. fcbayern.de, 14. Juli 2011, abgerufen am 14. Juli 2011.
  9. Erster Trainingstag: Boateng und Usami nehmen die Arbeit auf. fcbayern.de, 17. Juli 2011, abgerufen am 14. Juli 2011.
  10. Jérôme Boateng verlängert Vertrag. fcbayern.de, 11. Dezember 2013, abgerufen am 11. Dezember 2013.
  11. Deutscher Fußball-Bund: Spiele der deutschen U-17-Auswahl 2004/05, letztes Update 2. Februar 2008
  12. Germany Squad for 2014 FIFA World Cup
  13. Gigant Boateng - Das Spiel seines Lebens sportbild.bild.de abgerufen am 14. Juli 2014
  14. Das Profil von Jérôme Boateng. Transfermarkt.de, abgerufen am 24. Juni 2013.
  15. Rummenigge betreut Boateng. Abendzeitung, 19. Juni 2013, abgerufen am 24. Juni 2013.
  16. Unsere Spielerfrauen 2012 – Sherin
  17. Hertha inside, B.Z., Nr. 82, S. 35 vom 24. März 2011