Saverne

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Saverne
Zabern
Wappen von Saverne
Saverne (Frankreich)
Saverne
Region Grand Est
Département Bas-Rhin
Arrondissement Saverne (Unterpräfektur)
Kanton Saverne (Hauptort)
Gemeindeverband Pays de Saverne
Koordinaten 48° 44′ N, 7° 22′ OKoordinaten: 48° 44′ N, 7° 22′ O
Höhe 177–463 m
Fläche 26,01 km2
Einwohner 11.238 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 432 Einw./km2
Postleitzahl 67700
INSEE-Code
Website http://www.saverne.fr/

Saverne [sa'vɛʀn] (deutsch (Elsass-)Zabern,[1] elsässisch Zàwere [ˈd̥sɒvəʀə])[2] ist eine Stadt im Niederelsass, an der Zorn und dem parallel dazu verlaufenden Rhein-Marne-Kanal gelegen. Die Siedlung ist seit spätrömischer Zeit bezeugt; in der Folge der Teilungen des Fränkischen Reichs kam der Ort 870 zum Ostfrankenreich, das später ins Römisch-Deutsche Reich überging. Seit 1680 gehört die Stadt mit Unterbrechungen zu Frankreich und ist seit 1790 dem Département Bas-Rhin zugeordnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saverne ist als römische Militärstation (Tribus) Tabernis ‚bei den (drei) Schenken‘ zur Sicherung der Zaberner Steige, eines Vogesenübergangs an der Römerstraße StraßburgMetz, seit dem 4. Jahrhundert bezeugt; als Hauptort einer Civitas der Provinz Germania superior wurde die Siedlung zum Verwaltungszentrum. Seit der Besiedlung durch die Alemannen ab dem 5. Jahrhundert gehörte Saverne zum deutschen Sprachraum; der Ortsname erscheint 841 bei Nithard (ad Zabarnam), er gelangte offenbar noch vor der Hochdeutschen Lautverschiebung ins Germanische, was den Anlaut sowohl der deutschen als der französischen Namensform erklärt.[2]

Zur Zeit der Franken gehörte Saverne zum Bistum Metz, das mit dem Vertrag von Verdun von 843 Teil des Mittelreichs Lothars I. ward und 870 im Vertrag von Meerssen 870 dem Ostfrankenreiche zugeschlagen wurde. Im 12. Jahrhundert gelangte die Stadt in den Besitz von Straßburg; im Zeitraum zwischen 1414 und dem Beginn der Französischen Revolution 1789 diente Saverne als Residenz der Straßburger Bischöfe. In der Zwischenzeit war die Stadt mehrfach im Blickpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen. Im 14. bzw. 15. Jahrhundert musste sich Saverne der Engländer und der Armagnaken erwehren. Im Bauernkrieg bezogen die aufständischen Bauern unter ihrem Anführer Erasmus Gerber 1525 dort ihr Hauptquartier. Nachdem sie ihre Waffen niedergelegt hatten, versprach ihnen der Herzog Anton von Lothringen freien Abzug. Landsknechte töteten jedoch gegen den Willen des Herzogs etwa 18.000 Bauern. Auch im Dreißigjährigen Krieg war die Stadt umkämpft und wechselte mehrfach den Besitzer. Im Westfälischen Frieden wurde Saverne erneut dem Straßburger Bischof zugesprochen. Im Zuge der Reunionspolitik Ludwigs XIV. gelangte die Stadt 1680 unter französische Herrschaft; ab 1704 residierten im Schloss die Fürstbischöfe aus dem Hause Rohan.

Eingangsseite des Schlosses während der Zabern-Affäre (1913), im Vordergrund eine Militärpatrouille mit aufgepflanztem Seitengewehr

Mit der administrativen Neuaufteilung des Landes währender Französischen Revolution ward die Stadt 1790 zum Hauptort des Kantons Saverne im Département Bas-Rhin und 1800 zudem Sitz der Unterpräfektur des Arrondissement Saverne; dieses kam nach dem Deutsch-Französischer Krieg 1871 als Kreis Zabern des Reichslandes Elsass-Lothringen zum Deutschen Kaiserreich, das nach dem Ersten Weltkrieg mit Inkrafttreten des Friedensvertrag von Versailles im Januar 1920 wieder zu Frankreich zurückkehrte. Von 1877 bis 1890 war Zabern der Standort des Rheinischen Jäger-Bataillons No. 8.[3] Von 1890 bis 1918 waren im Rohan-Schloss von Zabern zwei Bataillone des 2. Oberrheinischen Infanterie-Regiments Nr. 99 garnisoniert. Aus dieser Zeit stammen heute noch benutzte, wichtige Infrastrukturgebäude wie der Bahnhof Saverne und das Postgebäude. Ende 1913 kam es im Deutschen Reich zu einer Verfassungskrise, nachdem ein Offizier dieses Regiments die elsässische Ortsbevölkerung als „Wackes“ beschimpft hatte, was in der Folge zu Demonstrationen der einheimischen Bevölkerung und einer übertriebenen Gegenreaktion des Militärs führte („Zabern-Affäre“).

Im Januar 1945 versuchten Wehrmacht-Truppen in einer Winteroffensive namens Unternehmen Nordwind erfolglos, Saverne und andere Orte zurückzuerobern.

Seit 1945 hat die französische Amts- und Schulsprache die deutsche Sprache und damit auch die elsässische Mundart zurückgedrängt. Es gab und gibt aber Bestrebungen, sie zu bewahren.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2014
Einwohner 9.856 9.682 10.170 10.327 10.278 11.201 11.966 11.433

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parkseitenfassade des Rohan-Schlosses
Altstadt

Das herausragende Bauwerk der Stadt ist das 1790 erbaute Rohan-Schloss. Es hat auf der Parkseite eine 140 m lange monumentale Fassade aus rotem Sandstein. Es handelt sich um die längste klassizistische Schlossfassade in ganz Frankreich. Das mehrmals umfunktionierte Gebäude beherbergt unter anderem das Stadtmuseum mit einer reichen archäologischen Sammlung, einigen regionalen Kunstwerken aus dem Mittelalter und der Renaissance sowie der von Louise Weiss gestifteten Sammlung an Werken des 20. Jahrhunderts.

Die Altstadt von Saverne besitzt zahlreiche Fachwerkbauten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, u. a. das Haus des Landschreibers Katz in der Hauptstraße.

Die Pfarrkirche „Notre-Dame-de-la-Nativité“ (ehem. Stiftskirche) mit romanischem Westturm und spätgotischem Langhaus (Münster-Baumeister Hans Hammer) ist hochwertig ausgestattet: Kanzel (Hans Hammer, 1495), Figurengruppe „Die Beweinungs Christie“ (Hans Daucher, um 1500), Glasfenster (Peter Hemmel, Ende 15. Jahrhunderts).

Auch die ehemalige Stiftskirche der Steigerherren von 1303 mit ihrem freskenverzierten Kreuzgang ist sehenswert.

Eine technische Sehenswürdigkeit stellt das in der Nähe gelegene Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller (Plan incliné de Saint-Louis/Arzviller) im Rhein-Marne-Kanal dar.

Über der Stadt hat man von der Ruine Hohbarr (Château du Haut-Barr) eine gute Aussicht auf die Stadt, die Rheinebene und den Vogesenübergang. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zorntals liegt die Ruine Greifenstein (Griffon).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupterwerbsquellen in Saverne sind der Maschinenbau (Kuhn Landmaschinen), das Uhren-, Brauerei- (Brasserie Licorne S.A.S.) und Druckgewerbe sowie der Tourismus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saverne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Saverne – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herders Conversations-Lexikon (1854), Artikel Zabern; Topographia Alsatiae (1643/44), Artikel Zabern.
  2. a b Wulf Müller, Zabern, in: Manfred Niemeyer (Hrsg.), Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin 2012, p. 713.
  3. GenWiki: Rheinisches Jäger-Bataillon No. 8