Siedenbollentin

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Siedenbollentin führt kein Wappen
Siedenbollentin
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Siedenbollentin hervorgehoben
Koordinaten: 53° 44′ N, 13° 23′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Mecklenburgische Seenplatte
Amt: Treptower Tollensewinkel
Höhe: 29 m ü. NHN
Fläche: 18,82 km2
Einwohner: 609 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einwohner je km2
Postleitzahl: 17089
Vorwahl: 03969
Kfz-Kennzeichen: MSE, AT, DM, MC, MST, MÜR, NZ, RM, WRN
Gemeindeschlüssel: 13 0 71 135
Adresse der Amtsverwaltung: Rathausstraße 1
17087 Altentreptow
Webpräsenz: siedenbollentin.de
Bürgermeister: Thorsten Haker
Lage der Gemeinde Siedenbollentin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
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Siedenbollentin ist eine Gemeinde im Nordosten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. Die Gemeinde liegt etwa 20 km nördlich von Neubrandenburg. Bis zum 1. Januar 2004 war sie Teil des Amtes Tollensetal und ist seitdem Teil des Amtes Treptower Tollensewinkel mit Sitz in Altentreptow.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siedenbollentin liegt etwa 14 Kilometer westlich von Friedland und etwa zehn Kilometer östlich von Altentreptow. Dort befindet sich der nächstgelegene Bahnhof auf der Strecke Stralsund-Berlin. Die Autobahn 20 verläuft westlich der Gemeinde, die über die Anschlussstelle 30 Altentreptow zu erreichen ist. Die ehemalige Bundesstraße 96 (heute: L 35) quert Altentreptow westlich der A 20. Die südlich vorbeiführende Landesstraße L 273 verbindet Siedenbollentin in westlicher Richtung mit dem Ort Werder und in östlicher Richtung mit dem Ortsteil Schwanbeck der Stadt Friedland. Nordwestlich sind Kölln und Wodarg, Ortsteile der Gemeinde Werder, seit 1992 angebunden.

Die Gemeinde liegt auf dem Treptower Werder, einer Niederung zwischen Tollense, Großem Landgraben und Kleinem Landgraben. Im Westen von Siedenbollentin liegt der Große Siedenbollentiner See, im Süden grenzt das Naturschutzgebiet Hangquellmoor Binsenberg an den Ortsteil Schönkamp.[2] Im Nordosten wird die Gemeinde von einem der größten zusammenhängenden Forste des Landkreises von mehr als 7,5 km2 Ausdehnung eingefasst. Nördlich des Ortes liegt mit dem Osterberg die mit 35 m ü. NHN höchste Erhebung der Gemeinde.

Zur Gemeinde gehören der Ort Siedenbollentin sowie die Ausbauten Röpenack, Schönkamp und Silbermoor. Der Ort Siedenbollentin umfasst fünf Straßen und einen Platz: Schulstraße, Am See, Lange Straße, Poststraße, Fritz-Peters-Straße und Lindenplatz. Am östlichen Vorwerk Röpenack, einem ehemaligen Grenzpass, verläuft die historische Landesgrenze zwischen der Provinz Pommern und Mecklenburg-Strelitz.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1289–1799[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siedenbollentin wurde im Jahr 1289 erstmals in einer Schenkungsurkunde des pommerschen Herzogs Bogislaw IV. urkundlich erwähnt. In dieser wurde die Schenkung des Ortes an das Kloster Reinfeld bei Lübeck bestätigt. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs und könnte von bolotSumpf bzw. Sumpfwiese abgeleitet worden sein. Der Wortteil sieden für tief oder nieder kam erst später hinzu. In einigen historischen Quellen lassen sich seltener auch die Präfixe süd und süden sowie die vermutlich slawische Bezeichnung Solentyn finden.[4][5] Auf den Karten des 17. Jahrhunderts, wie z. B. im Atlas Blaeul (1665), findet sich regelmäßig der Name Bol(d)ennin.[6] Während der deutschen Ostkolonisation wurde das Dorf als Straßendorf neu angelegt. Die spätgotische Kirche Siedenbollentin stammt aus der Zeit um 1400. Im Kontext des Siebenjährigen Krieges fand 1761 nahes des Dorfes eine Schlacht zwischen preußischen Truppen unter Belling und schwedischen Truppen unter Wrangel statt, die südöstlich des Vorwerks Röpenack etwa dreihundert Gefallene zurückließ.[7] Eine jenseits des Kleinen Landgraben gelegene Anhöhe trägt seitdem den Namen Schwedenschanze.

1800–1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Jahr 1817 hatte das pommersche Dorf noch 327, gegen 1835 648 und 1862 schon 668 Einwohner.[8][9][10] Das angrenzende Rittergut Bollentin erwarb um 1859 Carl Friedrich Wilhelm Peters, ein enger Freund des niederdeutschen Schriftstellers Fritz Reuter, von Ludwig Heydemann.[11] Er verkaufte es 1897 an die königlich-preußische Klosterkammer Hannover. Das Gutshaus entstand Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts durch Umbau eines älteren Gebäudes. Nach 1945 war hier die Gaststätte, das Jugend-, Kultur- und Dorfzentrum; später wurde es als Schulgebäude und Bibliothek genutzt. Zwischen 1897 und 1945 war Siedenbollentin über die zwischen Demmin und Altentreptow verlaufende Oststrecke der Demminer Bahnen an den Personenschienenverkehr angebunden. 1945 wurden die Bahngleise im Zuge der Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert.

1969 wurde mit der Landesstraße L 273 eine für den Autoverkehr geeignete Verbindung nach Schwanbeck hergestellt.[12] Im Jahr 1989 feierte Siedenbollentin sein 700-jähriges Bestehen.

Seit 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wende erlebte die Gemeinde einen starken Umbruch, der sich u. a. demographisch auswirkte. So sank die Einwohnerzahl der Gemeinde zwischen 1990 und 2015 um knapp 23,5 % von 797 auf 609.[13] Gleichzeitig musste die Gemeinde die sukzessive Schließung der 1956 erbauten Fritz-Reuter-Schule hinnehmen, die bis ins Jahr 2003 als Realschule bestand, um 2006 endgültig geschlossen zu werden.[14] Bestehen bleibt eine Kindertagesstätte. Das ehemalige Schulgelände wird heute als Gemeindezentrum, Trainingsanlage des SV Siedenbollentin e. V. sowie zur Ausrichtung einer alljährlich stattfindenden, an Kinder adressierten Fußballschule genutzt.[15]

Heute zeichnet sich die bevölkerungsmäßig viertgrößte Gemeinde des Amtes Treptower Tollensewinkel durch ein aktives Vereinsleben – u. a. sind ein Anglerverein, Jugendclub, Theatergruppe und Fußballverein im Ort ansässig – aus. Seit der Saison 2017/18 tritt der örtliche Fußballverein SV Siedenbollentin in der Landesliga an. Am 1. Oktober 2017 richtete die Gemeinde das 27. Landeserntedankefest Mecklenburg-Vorpommerns aus.[16]

Soziales und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siedenbollentin verfügt über eine Kindertagesstätte, eine diakonisch getragene Sozialstation, eine allgemeinmedizinische Praxis, eine Zahnarztpraxis sowie einen lokalen Lebensmitteleinzelhändler, der auch Postdienstleistungen übernimmt.

Seit Juli 2017 ist die Gemeinde an das LTE-Netz der Telekom angebunden.[17]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche von Siedenbollentin

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Siedenbollentin

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Siedenbollentin durch den Gutsbesitzer Fritz Peters und dessen Freund Fritz Reuter, der öfter bei ihm auf dem Gut weilte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Siedenbollentin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2015 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. NSG Hangquellmoor Binsenberg. Stiftung Umwelt- und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern, 2017, abgerufen am 31. Juli 2017.
  3. Effenbart: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. In: Beschreibung des preußischen Vorpommern. Ludewig Wilhelm Brüggemann, 1779, abgerufen am 1. August 2017.
  4. Stenographische Berichte über die Verhandlungen der zur Vereinbarung der Preussischen Staats-Verfassung berufenen Versammlung. Band 1. Berlin 1848, S. 121, 637.
  5. Klaus Conrad ; Rodgero Prümers ; Georg Winte: Pommersches Urkundenbuch: 1326-1335. Band 2, Nr. 7, 1958.
  6. Atlas Blaeul Pommern. 1655, abgerufen am 1. August 2017.
  7. Wilhelm von Knobelsdorff: Zur Geschichte der Familie von Knobelsdorff. Band 3. Berlin 1857, S. 127.
  8. J.C. Müller: Handbuch zu dem Atlas von Preussen in 27 Karten. 1835, abgerufen am 1. August 2017.
  9. Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilung vom Jahre 1817. Carl Wilhelm Struck, 1817, abgerufen am 1. August 2017.
  10. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. In: Band 1. W. Dietze, 1865, abgerufen am 1. August 2017.
  11. Klempin, Robert, & Kratz, Gustab: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. 1863, abgerufen am 1. August 2017.
  12. Stadt Friedland. 2007, abgerufen am 1. August 2017.
  13. Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommern. Landesamt für innere Verwaltung Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern, abgerufen am 1. August 2017.
  14. Über Siedenbollentin Geschichte und andere Tatsachen. Gemeinde Siedenbollentin, abgerufen am 1. August 2017.
  15. Siedenbollentiner Fußballschule "Goli". Abgerufen am 1. August 2017.
  16. NDR: Siedenbollentin feiert Erntedankfest in MV. Abgerufen am 20. Oktober 2017.
  17. Telekom Netz: #Siedenbollentin hat jetzt Zugang zum mobilen. 27. Juli 2017, abgerufen am 1. August 2017.