Wokuhl-Dabelow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Wokuhl-Dabelow führt kein Wappen
Wokuhl-Dabelow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wokuhl-Dabelow hervorgehoben
Koordinaten: 53° 16′ N, 13° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Mecklenburgische Seenplatte
Amt: Neustrelitz-Land
Höhe: 73 m ü. NHN
Fläche: 46,15 km2
Einwohner: 597 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 13 Einwohner je km2
Postleitzahl: 17237
Vorwahl: 039825
Kfz-Kennzeichen: MSE, AT, DM, MC, MST, MÜR, NZ, RM, WRN
Gemeindeschlüssel: 13 0 71 162
Adresse der Amtsverwaltung: Marienstraße 5
17235 Neustrelitz
Webpräsenz: www.amtneustrelitz-land.de
Bürgermeister: Manfred Marczok
Lage der Gemeinde Wokuhl-Dabelow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
Brandenburg Landkreis Rostock Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Ludwigslust-Parchim Beggerow Borrentin Hohenbollentin Hohenmocker Kentzlin Kletzin Lindenberg (Vorpommern) Meesiger Nossendorf Sarow Schönfeld (bei Demmin) Siedenbrünzow Sommersdorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) Utzedel Verchen Warrenzin Datzetal Friedland (Mecklenburg) Friedland (Mecklenburg) Friedland (Mecklenburg) Galenbeck Genzkow Basedow (Mecklenburg) Basedow (Mecklenburg) Duckow Faulenrost Gielow Kummerow (am See) Malchin Neukalen Alt Schwerin Fünfseen Göhren-Lebbin Malchow (Mecklenburg) Nossentiner Hütte Penkow Silz (Mecklenburg) Walow Zislow Mirow Priepert Peenehagen Wesenberg (Mecklenburg) Wustrow (Mecklenburgische Seenplatte) Blankensee (Mecklenburg) Blumenholz Carpin Godendorf Grünow (Mecklenburg) Hohenzieritz Klein Vielen Kratzeburg Möllenbeck (bei Neustrelitz) Schloen-Dratow Schloen-Dratow Userin Wokuhl-Dabelow Beseritz Blankenhof Brunn (Mecklenburg) Neddemin Neuenkirchen (bei Neubrandenburg) Neverin Sponholz Staven Trollenhagen Woggersin Wulkenzin Zirzow Ankershagen Kuckssee Penzlin Möllenhagen Altenhof (Mecklenburg) Bollewick Buchholz (bei Röbel) Bütow Fincken Gotthun Grabow-Below Groß Kelle Kieve Lärz Leizen Ludorf Massow Melz Priborn Rechlin Röbel/Müritz Schwarz (Mecklenburg) Sietow Stuer Vipperow Wredenhagen Zepkow Grabowhöfe Groß Plasten Hohen Wangelin Jabel Kargow Klink Klocksin Moltzow Moltzow Torgelow am See Varchentin Vollrathsruhe Burg Stargard Burg Stargard Cölpin Groß Nemerow Holldorf Lindetal Pragsdorf Bredenfelde Briggow Grammentin Gülzow (bei Stavenhagen) Ivenack Jürgenstorf Kittendorf Knorrendorf Mölln (Mecklenburg) Ritzerow Rosenow Stavenhagen Zettemin Altenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) Altentreptow Bartow (Vorpommern) Breesen Breest Burow Gnevkow Golchen Grapzow Grischow Groß Teetzleben Gültz Kriesow Pripsleben Röckwitz Siedenbollentin Tützpatz Werder (bei Altentreptow) Wildberg (Vorpommern) Wolde Groß Miltzow Kublank Neetzka Petersdorf (bei Woldegk) Schönbeck Schönhausen (Mecklenburg) Voigtsdorf Voigtsdorf Woldegk Dargun Demmin Feldberger Seenlandschaft Neubrandenburg Neustrelitz Waren (Müritz)Karte
Über dieses Bild
Kirche in Wokuhl
Kirche in Dabelow

Wokuhl-Dabelow ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte im Süden Mecklenburg-Vorpommerns (Deutschland). Die Gemeinde wird vom Amt Neustrelitz-Land mit Sitz in der nicht amtsangehörigen Stadt Neustrelitz verwaltet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet befindet sich im Müritz-Nationalpark und dem Naturpark Feldberger Seenlandschaft an der Grenze zum brandenburgischen Landkreis Oberhavel. Das Gebiet ist wald- und seenreich (u. a. Dabelowsee, Großer Brückentinsee und im Norden der Große Fürstenseer See) und weist ein starkes, eiszeitlich geprägtes Relief auf. Wokuhl ist etwa zwölf Kilometer von Neustrelitz entfernt, Dabelow etwa zwölf Kilometer von Fürstenberg/Havel. Die beiden Haupt-Gemeindeteile liegen fünf Kilometer voneinander getrennt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde entstand aus der Fusion der beiden bis zum 5. Mai 2001 eigenständigen Gemeinden Wokuhl und Dabelow.[2] Weiterhin gehören als Ortsteile Brückentin, Carolinenhof, Comthurey, Grammertin, Herzwolde, Neubrück und Wutschendorf zur Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die heutigen Ortsteile Wokuhl und Neubrück führte bereits im Mittelalter ein wichtiger Frachtweg, der später Poststraße wurde und bis heute über weite Strecken erhalten ist. Er verlief von Rostock nach Lychen – von hier aus in östlicher Richtung mit Anschluss nach Stettin und zum Oderknie sowie weitergehend zu Handelsstraßen in den Donau-Balkan-Raum; in westlicher Richtung nach Brandenburg, Magdeburg sowie zu Handelswegen an Rhein und Donau. Es steht zu vermuten, dass einst auch die Ortsteile der heutigen Gemeinde Wokuhl-Dabelow vom Warentransfer entlang dieser Frachtroute profitierten – dies besonders zu Hochzeiten der Hanse.

Im Ortsteil Brückentin befindet sich seit 1994 die Jugendnaturschutzakademie Brückentin mit Wohn- und Seminarhäusern, in Trägerschaft der Grünen Liga Berlin.[3]

Wokuhl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Wokuhl stammt aus dem Jahre 1285. [4] Der Ortsname ist slawischen (redarischen) Ursprungs. Die älteste bekannte Bezeichnung des Ortes Wokuhl (13. Jahrhundert) lautete Wokun. Daraus lässt sich die Bedeutung „Ort, wo Barsche leben“ ableiten.[5] Eine andere Deutung erklärt die Ableitung von okno bzw. okulu, was auf rund bzw. Brunnen hindeuten würde.[6]

Comthurey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des Ortsteiles Comthurey befand sich seit dem Ende des 13. Jahrhunderts die Komturei Gardow. Diese wurde erst im Jahr 1648 säkularisiert. Der Ort Gardow selbst wurde schon im Jahr 1548 wüst genannt.[7] In der Zeit des NS-Staates (1934–1944) befand sich in Comthurey ein Versuchsgut für "Dynamisch-biologische Landwirtschaft" unter der Leitung von Oswald Pohl. Dieses Konzept basiert vor allem auf dem Anbau "deutscher", in diesem Falle zu interpretieren als "regionaler" Obst-, Gemüse- und Kräutersorten, sowie die Haltung von "deutschrassigen" Nutztieren wie Schweinen, Kühen und Hühnern, die Deutschland vom Import aus dem Ausland unabhängig machen sollten. Pohl, der zugleich Leiter des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA) war, war ein starker Verfechter dieser Anbauweise, weshalb er das Gut nicht nur einrichtete, sondern auch samt Familie im dortigen Herrenhaus einzog und viel Geld hineinsteckte. Zwangsarbeiter aus dem KZ Ravensbrück, vor allem Zeugen Jehovas, die die Inhaftierung als Prüfung Gottes ansahen und deswegen keinerlei Flucht- oder Widerstandsversuche unternahmen, wurden dort eingesetzt. Im Vergleich zum KZ waren die Lebensbedingungen erträglicher, trotzdem wurden sie ausgebeutet, allerdings (aufgrund geringer Fluchtgefahr etc.) kaum bewacht. Pohls Kinder, insbesondere die in einem Lebensborn-Heim geborene Adoptivtochter Heilwig, betrachteten die meisten dort in Baracken untergebrachten Häftlinge sogar als Familienmitglieder und hatten ein relativ gutes Verhältnis zu ihnen. Pohl und seine Frau Eleonore wurden von ihnen jedoch als herrisch empfunden und nutzten die Häftlinge durchaus als billige Arbeitskräfte aus, auch für private Zwecke wie Reparaturen im Haus. Bei der Evakuierung wurden die Häftlinge mitgenommen, das Gut von der Roten Armee samt Familienschätzen der Pohls geplündert.[8]

Dabelow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes Dabelow stammt aus dem Jahre 1286.[9] Der Name „Dobelowe“ leitet sich vom slawischen Wort dobli für „stark“ und „edel“ ab.[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Wokuhl-Dabelow

  • Dorfkirche in Dabelow aus dem 19. Jahrhundert als Fachwerkbau und mit Dachreiter nach Plänen von Friedrich Wilhelm Buttel
  • Barocke Dorfkirche in Wokuhl von 1736 mit massivem Westturm, 1780 um zwei Fenster erweitert; barocke Ausstattung.
  • Pfarrhaus in Wokuhl als Backsteinbau mit Krüppelwalm.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wokuhl-Dabelow liegt etwa sechs Kilometer östlich der Bundesstraße 96 (BerlinStralsund) und der Bahnstrecke Berlin–Stralsund. Von Strelitz-Alt bzw. Godendorf-Düsterförde aus führen kleinere Landstraßen nach Wokuhl-Dabelow.

Die Anbindung an Neustrelitz bzw. Strelitz-Alt wird unter der Woche mit den Linienbussen der MVVG sichergestellt (Buslinie 639). In den Schulferien ist das Angebot auf einzelne Wochentage beschränkt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wokuhl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Blum (1864–1902), Kaufmann und plattdeutscher Schriftsteller

Grammertin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Curtius (1877–1948), Reichswirtschaftsminister und Reichsaußenminister der Weimarer Republik, war Besitzer des Erbpachtgutes
  • Hans Bernd von Haeften (1905–1944), deutscher Jurist und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime (Kreisauer Kreis), war Besitzer des Erbpachtgutes

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wokuhl-Dabelow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2015 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
  3. Jugendnaturschutzakademie Bruckentin (Memento vom 21. August 2014 im Webarchiv archive.is), abgerufen am 21. August 2014
  4. Mecklenburgisches Urkundenbuch (MUB), Nr. 1797
  5. Julius Bilek: Die slawischen Ortsnamen des Kreises Neustrelitz. In: Erwin Kasten, Erich Zimmermann (Hrsg.): Heimatbuch des Kreises Neustrelitz. Einzeldarstellungen aus der Geschichte unseres Kreises. Rat des Kreises Neustrelitz, Neustrelitz 1954, S. 71–80.
  6. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 160.
  7. Georg Christian Friedrich Lisch: Geschichte der Johanniter-Comthureien Nemerow und Gardow. In: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 9, 1844, S. 28–96, 249–288, (online; Anhang online).
  8. Dorothee Schmitz-Köster: Kind L 364: eine Lebensborn-Familiengeschichte. Rowohlt, Berlin 2007, ISBN 978-3-87134-564-7.
  9. Mecklenburgisches Urkundenbuch (MUB)
  10. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, S. 3–168, hier S. 35.