Grignan

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Grignan
Wappen von Grignan
Grignan (Frankreich)
Grignan
Region Auvergne-Rhône-Alpes
Département Drôme
Arrondissement Nyons
Kanton Grignan (Hauptort)
Gemeindeverband Communauté de communes Enclave des Papes-Pays de Grignan
Koordinaten 44° 25′ N, 4° 54′ OKoordinaten: 44° 25′ N, 4° 54′ O
Höhe 130–471 m
Fläche 43,43 km2
Einwohner 1.562 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 36 Einw./km2
Postleitzahl 26230
INSEE-Code

Lavendelfelder und die Kulisse von Grignan

Grignan ist eine französische Gemeinde mit 1562 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) in Südfrankreich im Département Drôme in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Stadt verdankt ihre Berühmtheit ihrem prächtigen Renaissance-Schloss und den bekannten Briefen, welche Madame de Sévigné ihrer Tochter, Madame de Grignan, im 17. Jahrhundert geschrieben hat.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grignan liegt im Süden vom Département Drôme, nicht weit vom Département Vaucluse, in der Nähe des Berges Ventoux im Tricastin, welcher der höchste Berg in der Provence ist.

Über die Autobahn A7 ist Grignan an den Anschlussstellen Montélimar Süd oder Bollène zu erreichen.

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Anbauprodukte in dieser Gegend sind Lavendel, Trüffel, Weizen und Sonnenblumen. Die nahegelegene Stadt Nyons ist berühmt für ihre Oliven und Olivenöl mit appélation controlée.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass das felsige Vorgebirge von Grignan seit dem Eisenzeitalter bewohnt ist. Es gibt sowohl Beweise für eine ehemalige Bronzezeitgesellschaft, als auch für eine Römische Besatzung im fünften und sechsten Jahrhundert. Historiker haben festgestellt, dass im Jahre 1035 ein Chartular der Abtei von Saint-Caffre im Département Haute-Loire ein unbedeutendes castellum Gradignanum (castellum: lateinisch für "befestigtes Lager") erwähnt. Im Laufe des darauffolgenden Jahrhunderts entwickelte sich der Name über castrum Grainan (1105) zu Graigna, Grazinam...

Es ist nur wenig über die Entstehung des Schlosses, beziehungsweise über die, die es gebaut haben, bekannt. Ein gewisser Christoph de Grignan hat in der Zeit um 1030 gelebt, und im Jahre 1035 erwähnt das Chartular von Saint-Chaffre ein Rostagnus de castello Gradignano. Aufgrund gewisser Dokumente scheint es so, dass die Familie Grignan sich ein Jahrhundert später gut etabliert hat. Doch die Grignans verlieren den Besitz des Schlosses, welches ihren Namen trägt. Beginnend im Jahre 1239 zeigen die Aufzeichnungen, dass Grignan nicht mehr den Grignans gehört. Der neue Besitzer war vielmehr die Familie Adhémar de Monteil.

Die Erweiterung des Schlosses ging einher mit dem Aufstieg der Macht der Familie Adhémar von Grignan. Die Adhémars wurden mächtiger und so musste das Schloss notwendigerweise auch wachsen. Beginnend mit dem 13. Jahrhundert stiegen die Adhémars vom Baron zum Herzog auf und wurden endlich durch Heinrich II., König von Frankreich, in den Stand des Grafen erhoben. Das Schloss von Grignan wurde stufenweise zu einem imposanten Bollwerk ausgebaut. Die Linie der Adhémars endete, als Louis Adhémar ohne einen direkten Nachkommen 1559 starb. Die Titel und der Besitz von Louis Adhémar, Graf von Grignan, fielen auf seinen Neffen Gaspard de Castellane, Sohn von Louis' Schwester Blanche Adhémar. Obwohl die Adhémars eine erhabene Familie waren, wetteiferte der Castellane-Clan in Bezug auf den Ruhm mit ihnen.

Das Schloss wurde letztendlich von François von Castellano-Ornano-Adhémar von Monteil de Grignan, der neben seinen Titeln als Herzog von Termoli, Graf von Grignan, Graf von Campobasso und Baron von Entrecasteaux auch den des Ritters im Dienste des Königs trug.

François, der letzte Graf von Grignan war zweifacher Witwer (seine Frauen Angéliques-Glarisse d’Angiennes, Tochter vom Marquis de Rambouillet, und Marie-Angélique von Puy-du-Rou starben kurz hintereinander). Für seine dritte Ehe wählte er eine gewisse Françoise-Marguerite de Sévigné, Tochter der Marquise mit dem gleichen Namen, deren berühmten Briefe die Erinnerung an ihren Schwiegersohn und an sein Schloss bis heute verewigt haben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Seit 1960 steigt die Einwohnerzahl Grignans stetig an. Nach Taulignan hat die Gemeinde Grignan die zweitgrößte Einwohnerzahl.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss von Grignan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaissance-Fassade des Schlosses

Von der ursprünglich im elften Jahrhundert erbauten mittelalterlichen Burg ist nicht mehr viel erhalten. Erst im 13. Jahrhundert wurde sie von der Familie Adhémar zu einer Festung erweitert und von 1545 bis 1558 durch Louis Adhémar erneuert. Von 1668 bis 1690 hat François de Castellane-Adhémar die Burg zu einem Renaissance-Schloss umbauen lassen. Während der Französischen Revolution zu Ruinen zerstört, wurde es im 19. Jahrhundert teilweise rekonstruiert und erhielt nostalgische Anbauten wie das mittelalterliche Turmpaar Poivrières („Pfefferbüchsen“). Einen vollständigen Wiederaufbau erlebte das Schloss im frühen 20. Jahrhundert auf Ansinnen der reichen Bankierswitwe Madame Fontaine. Sie investierte ihr gesamtes Vermögen, um es in seinem alten Glanze neu entstehen zu lassen. Heutzutage gehört es dem Département Drôme und ist eine bedeutende Touristenattraktion. Neben der Möglichkeit, die Räumlichkeiten zu besichtigen, finden dort regelmäßig kulturelle Veranstaltungen, wie Konzerte und Ausstellungen, statt.

Die Stiftskirche Saint-Sauveur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Schlossterrasse gelegen, wurde die Stiftskirche zwischen 1535 und 1539 auf Anfrage von Louis Adhémar erbaut. Die Renaissance-Fassade wird von zwei viereckigen Türmen eingerahmt und besitzt eine Fensterrose im gotischen Stil. Im Innenraum befinden sich eine Orgelbühne und ein beeindruckender Altar aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Boden vor dem Altar ist ein marmorner Begräbnisstein, welcher den versiegelten Eingang zum Grab der Madame de Sévigné markiert.

Die Grotte von Rochecourbière[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese nicht sehr tief in den Felsen gehende, natürliche Grotte liegt etwa einen halben Kilometer von Grignan entfernt und war für Madame de Sévigné ein bevorzugter Ort zum Schreiben.

Das Buchdruck-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buchdruck-Museum ist in einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert mitten in dem kleinen, typisch provencalischen Dorf zu Füßen des Schlosses von Grignan. Früher war es das Haus des Burgvogten und oberster Gerichtshof der Gegend. Heute befindet sich in dem aufwändig restaurierten Gebäude eine aktive Buchdruckwerkstatt und ein Museum für Buchdruckmaschinen aus dem vorletzten Jahrhundert.

Le Village Provençal Miniature[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhand von Krippenfiguren (Santons) wird das provenzalische Dorfleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts dargestellt. Auf einer Fläche von rund 400 m² sind typische Szenen wie etwa das Leben auf dem Markt, auf dem Bauernhof und das Pétanque-Spiel auf dem Dorfplatz zu sehen. Das Miniaturdorf wird seit 1996 als „größte Krippenszene der Welt“ im Guinness-Buch der Rekorde geführt.[1][2]

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grignan ist die Hauptstadt der schwarzen Trüffel (tuber melanosporum).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Morton Beiser (* 1936), Professor für Psychiatrie an der Universität von Toronto
  • Roger Duchêne (1936–2006), auf die Briefe von Madame de Sévigné spezialisierter Biograph
  • Sérgio Ferro (* 1938), brasilianischer Maler, Architekt und Professor
  • J. Timothy Hunt (* 1959), amerikanisch-kanadischer Autor und Journalist
  • Philippe Jaccottet (* 1925), Schweizer Poet und Übersetzer, veröffentlicht auf französisch
  • Madame de Sévigné (1626–1696), französische Adlige, bekannt für die Briefe an ihre Tochter

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grignan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cony Ziegler: Provence mit Camargue. Reisebuchverlag Iwanowski. 2. aktualisierte Auflage. Dormagen 2009, ISBN 978-3-933041-54-8, S. 264–265.
  2. Le village miniature à Grignan en Drôme Provençale. Abgerufen am 9. Februar 2013 (französisch).