Buch (Nürnberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 29′ 48″ N, 11° 2′ 43″ O
Höhe: 305 (305–313) m ü. NHN
Fläche: 3,08 km²
Einwohner: 1606 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 521 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Mai 1924
Postleitzahl: 90427
Vorwahl: 0911
Karte
Gemarkung 3407 Buch in Nürnberg

Das ehemals eigenständige Dorf Buch ist seit 1924 ein Stadtteil von Nürnberg. Es bildet zusammen mit Höfles (Distrikt 732) und Schnepfenreuth (Distrikt 730) den Statistischen Bezirk 73.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buch liegt im Norden der Stadt im Knoblauchsland und wird vom Bucher Landgraben durchflossen, der den Ort früher in zwei Hälften teilte. Nachbarorte sind (dem Uhrzeigersinn folgend und im Norden beginnend) die Nürnberger Stadtteile Kraftshof, Almoshof, Schnepfenreuth und Höfles sowie der Fürther Stadtteil Braunsbach.[2]

Statistische Nachbarbezirke
Boxdorf Kraftshof
Nachbargemeinden Almoshof
Wetzendorf Thon

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bewässerungsanlagen im Knoblauchsland bei Buch
Bewässerungsanlagen im Knoblauchsland bei Buch (2013)

Die flache Keuperlandschaft von Buch ist durch Ablagerungen von Blasensandstein und Coburger Sandstein (Hassberge-Formation) geologisch geprägt. Der relativ weiche und ältere Blasensandstein mit zwischengeschalteten Tonlagen tritt im Westen auf. Im Osten überlagert der harte Coburger Sandstein diese geologische Schicht. Um den Bucher Landgraben kommen quartäre Talfüllungen vor, welche mit dem Grundwasserkörper des obersten Aquifers in enger hydraulischer Verbindung stehen.[3] Auf den grundwasserferneren Standorten haben sich Braunerdeböden entwickelt, die gute Voraussetzungen für den Gemüseanbau bieten. Nordwestlich von Buch sind Regosolböden zu beobachten. Die rezenten Auen des Bucher Landgrabens weisen aufgrund der Grundwassernähe Gleyböden auf.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Buch wurde von den Herren von Berg gegründet und 1273 erstmals urkundlich erwähnt, als der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg den Nürnberger Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg mit der Burggrafschaft auch Buch belehnte.[5] Im Jahr 1427 ging das Dorf in den Besitz der Reichsstadt Nürnberg über und wurde im Zweiten Markgrafenkrieg (1552) vollständig durch Brand zerstört.

Historischer Gasthof zum Goldenen Stern

Historische Karten (beispielsweise Bayerische Uraufnahme von 1821) zeigen, dass Buch durch den Landgraben in zwei getrennte Ortsteile gegliedert war. Der nördliche Ortsteil steht heute als Ensemble unter Denkmalschutz. Giebelständige, in Sandsteinquaderbauweise errichtete und teilweise erdgeschossige Bauernhäuser sowie zweigeschossige Massivbauten prägen den historischen Ortskern. Die Bucher Hauptstraße war Bestandteil einer alten Verkehrswegeverbindung zwischen Nürnberg und Leipzig. Am alten nördlichen Ortsrand befindet sich ein ehemaliges Straßenwirtshaus aus dem 17. Jahrhundert (1647). Der Gasthof zum Goldenen Stern profitierte von der Lagegunst vor den Toren der Reichsstadt. Der zweigeschossige Satteldachbau in Sandsteinquaderbauweise weist im Obergeschoss ein verputztes und reich verziertes Fachwerk auf.[6]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Buch 57 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Oberamt Baiersdorf aus, was aber von der Reichsstadt Nürnberg bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Amt der Vesten Nürnberg inne. Grundherren waren das brandenburg-ansbachische Cadolzburg (1 Gut, 1 Seldengut), das Amt der Vesten (4 Höfe, 13 Halbhöfe, 5 Güter, 12 Seldengüter, 1 Haus, 2 Wirtshäuser) und die Nürnberger Eigenherren von Holzschuher (2 Halbhöfe, 1 Gütlein), von Imhoff (4 Halbhöfe, 2 Viertelhöfe, 4 Güter, 1 Wirtshaus), von Kreß (1 Hof), Dr. Stürmer (1 Seldegut). Der Gemeinde unterstanden 2 Hirtenhäuser, die Schmiede und die Wagnerei.[7]

1796 wurde Buch wie das gesamte Knoblauchsland unter die Verwaltung Preußens gestellt und 1808 dem Königreich Bayern übergeben. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 das Steuerdistrikt Buch gebildet, zu dem Almoshof, Bislohe, Boxdorf, Braunsbach, Herboldshof, Höfles, Kronach, Ronhof, Sack, Schnepfenreuth und Steinach gehörten. Im selben Jahr wurde die Ruralgemeinde Buch gebildet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde aufgespalten in:

  • Ruralgemeinde Almoshof;
  • Ruralgemeinde Buch;
  • Ruralgemeinde Höfles;
  • Ruralgemeinde Ronhof mit Herboldshof und Steinach;
  • Ruralgemeinde Sack mit Bislohe und Braunsbach;
  • Ruralgemeinde Schnepfenreuth.

Die Ruralgemeinde Buch unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 2 Anwesen von 1822 bis 1834 dem Patrimonialgericht (PG) Almoshof, 12 Anwesen von 1822 bis 1840 dem PG Buch und 1 Anwesen von 1802 bis 1830 dem PG Neunhof. Ab 1862 wurde Buch vom Bezirksamt Fürth verwaltet. Die Gerichtsbarkeit ging 1862 an das Landgericht Fürth über, seit 1880 liegt sie beim Amtsgericht Fürth. Die Finanzverwaltung wurde 1871 vom Rentamt Fürth (1920 in Finanzamt Fürth umbenannt) übernommen.[8] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 4,665 km².[9] Am 1. Mai 1924 wurde Buch nach Nürnberg eingemeindet[10][6] und wurde vom Amtsgericht und Finanzamt Nürnberg verwaltet.[11]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diverse Wohnstallhäuser
  • Magazinbau
  • Ehemaliges Gasthaus Goldener Adler
  • Ehemaliges Gasthaus Zum goldnen Stern

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919
Einwohner 446 498 510 525 516 521 542 536 598 583 589 599 666 750 821 814
Häuser[12] 65 68 80 88 103
Quelle [13] [14] [15] [15] [16] [15] [17] [15] [15] [18] [15] [15] [9] [15] [15] [15]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Georg (Kraftshof) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Clemens (Nürnberg) gepfarrt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1855 wurde die Bast AG Preßhefe-Fabrik eröffnet, die heute als Deutsche Hefewerke firmiert. Am südöstlichen Ortsrand befindet sich eine Metro-Filiale.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ortskern verläuft von Süd nach Nord die Bucher Hauptstraße, die an beiden Enden in die Bundesstraße 4 mündet. Diese führt als vierspurige Schnellstraße am östlichen Ortsrand vorbei. Gemeindeverbindungsstraßen verlaufen westlich nach Braunsbach, südwestlich nach Höfles.

Buch wird mit den Stadtbuslinien 31 und 33 erschlossen sowie von den Linien 20, 29, 30, 30E und 290, die auf der B 4 verkehren, tangiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Buch – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 244–245, S. 245 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  2. Buch im BayernAtlas
  3. UmweltAtlas Bayern: Geologie. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 20. März 2018.
  4. UmweltAtlas Bayern: Boden. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 20. März 2018.
  5. Dieter Piechullek: Kulturraum Knoblauchsland. A. Hofmann, Nürnberg 1995, ISBN 978-3-87191-199-6, S. 80 ff.
  6. a b Denkmalliste - Regierungsbezirk Mittelfranken Nürnberg (Stadt) Nürnberg. (PDF) Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, 16. März 2018, abgerufen am 20. März 2018.
  7. H. H. Hofmann, S. 104.
  8. H. H. Hofmann, S. 236f; Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 31 (Digitalisat).
  9. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1191 (Digitalisat).
  10. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  11. W. Hofmann, S. 237.
  12. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1900 als Wohngebäude.
  13. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 13 (Digitalisat).
  14. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 88 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 483 Einwohner.
  15. a b c d e f g h i j Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 172, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  16. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1027, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  17. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1191, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  18. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1123 (Digitalisat).