Kraftshof

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Kraftshof
Statistischer Bezirk 76
Statistischer Distrikt 760Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/Alternativname falsch
Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 30′ 45″ N, 11° 2′ 48″ O
Höhe: 308 m ü. NN
Fläche: 2,4 km²
Einwohner: 815 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 339 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1930
Postleitzahl: 90427
Vorwahl: 0911
Karte
Lage des statistischen Bezirks 76 Kraftshof in Nürnberg
Kirche St. Georg in Kraftshof
Wehrkirche Kraftshof, Blick aus östlicher Richtung über die kleinteiligen Gemüseanbauflächen

Kraftshof ist seit dem 1. Januar 1930 ein Gemeindeteil von Nürnberg (Stadtbezirk 7 – Nordwestliche Außenstadt) und liegt im Knoblauchsland. Der Ort mit etwa 700 Einwohnern befindet sich nördlich der Stadt am Rande des Flughafens Nürnberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf befindet sich etwa sieben Kilometer nordwestlich der Nürnberger Altstadt und circa zehn Kilometer südlich des Stadtzentrums von Erlangen. Im Norden liegt Neunhof und die Ortsgrenze verläuft in der Feldflur. Im Osten stellt der Sebalder Reichswald die natürliche Grenze dar. Südlich von Kraftshof ist Buch unterhalb der Erlanger Straße gelegen. Im Südosten schließt sich das Gelände des Flughafens Nürnberg an. Im Westen verläuft die Bundesstraße 4 (Erlanger Straße), welche als Radialstraße die beiden Städte Nürnberg und Erlangen verbindet. An die Bundesstraße angrenzend befindet sich Boxdorf.

Statistische Nachbarbezirke
Neunhof
Boxdorf Nachbargemeinden
Buch Almoshof Flughafen

Fließgewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der regulierte Kothbrunngraben durchquert den nördlichen Teil des Dorfes in Ost-West-Richtung. Das Fließgewässer verbindet den Sebalder Reichswald mit dem nördlichen Ortskern von Kraftshof und mündet in Boxdorf in die Gründlach.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (gemäß Meynen/Schmithüsen et al.) befindet sich Kraftshof im Bereich der naturräumlichen Haupteinheit 113, dem Mittelfränkisches Becken, das in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Fränkisches Keuper-Lias-Land (nach Ssymank) eingebettet ist.[2] Im Arten- und Biotopschutzprogramm der Stadt Nürnberg wurden weitere naturräumliche Untereinheiten gebildet. Der Ortsteil liegt in der Naturraum-Untereinheit Knoblauchsland.[3]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landschaftsraum von Kraftshof ist bestimmt durch den Sandsteinkeuper des Nürnberger Beckens. Es treten Coburger Sandstein und Blasensandstein zutage. Der Blasensandstein lagert unter dem Coburger Sandstein und besteht meist aus fein- bis mittelkörnigen, hellen Sandstein. Der Coburger Sandstein bildet eine flache, maximal 14 Meter mächtige geologische Stufe aus. Zwischen den beiden geologischen Einheiten befinden sich dünne Zwischenlagen aus tonigen, oft rot gefärbten Basisletten (Keuperletten) der Hassberge-Formation.[3][4]

Das mesozoische und jungpaläozoische Deckgebirges wird in den Auenlagen des Kothbrunngrabens durch quartäre Talfüllungen überlagert.

Im Südosten des Ortsteils sind äolische Sedimente aus der Eiszeit in Form von pleistozänen Flugsanden verbreitet.[4]

Auf den Keuperschichten haben sich Braunerdeböden entwickelt. Die grundwassergeprägten Standorte, insbesondere in den Tallagen mit einem verstärkten Einfluss des Grundwasserbegleitstroms der Fließgewässer, weisen einen tonigen Boden auf. Die Bodentypen Gley- und Pseudogley- sowie Gley-Braunerde treten auf diesen feuchten Standorten auf.[5]

Nutzungsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsansicht von Nordosten, 2004

Die Nutzungsstruktur und Charakteristik von Kraftshof zeichnet sich durch eine gering bewegte Topographie und eine Mischung aus landwirtschaftlichen Hofstellen, dörflichen Wohnstrukturen und Kleingewerbe aus. Die seit Jahrhunderten betriebene landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung ist geprägt durch maßvolle Flurbereinigungsmaßnahmen, schmale Flurstücken, moderne Beregnungsanlagen und großflächige Gewächshausanlagen im Südosten des Ortes.[6][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1269 wurde der Rodungsort erstmals urkundlich als „Craphteshof“ erwähnt.[7] Die Urkunde wurde durch den Abt Mauritius aus dem Nürnberger Egidienkloster verfasst und beinhaltete einen Gütertausch. Die Priorin und Schwestern des Magdalenenklosters schenkten dem Egidienkloster ein Bauerngut in Craphteshof im Tausch für ein in Krottenbach gelegenes Gut.[8] Der Name kann als Hof eines Krafto gedeutet werden. Kraftshof war Teil eines Kranzes von Einzelhöfen und Dörfern um die Reichsstadt Nürnberg, welche den Wirtschaftsbedarf des Königshofes unter den Stauferkaisern decken mussten.[6]

Herrensitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort war ein altes Reichsgut und gehörte bis in das 14. Jahrhundert den Herren von Berg. Ein Bauernhof wurde als Afterlehen an die Patrizierfamilie Kreß von Kressenstein vergeben, welche die Grundherrschaft über die meisten Bauern im Ort sowie das Kirchenpatronat (bis 1969) innehatten.[7][9]

Brechtel Cresse veräußerte 1357 den Hof an seinen Schwager Konrad Ehinger, der das Anwesen zu einem befestigten Herrensitz entwickelte und im Jahre 1370 der Reichsstadt Nürnberg öffnete.[9] Das Öffnungsrecht räumte dem Nürnberger Rat das Recht ein, in Kriegszeiten seine städtischen Soldaten zu Verteidigungszwecken in den Ort zu entsenden.[6] Kraftshof galt als einer der ältesten befestigten Außenposten Nürnbergs. In den folgenden Jahren wechselten die Besitzer des Steinhauses mit Weiher, Graben und Garten und schließlich gelangte der Sitz im Jahre 1429 an die Familie Kreß (Gebrüder Konrad und Ulrich). Im Ersten Markgrafenkrieg (1449) wurde der Herrensitz zerstört und danach wurde ein Wasserschloss mit Sandsteinsockel und Fachwerksaufbau neu errichtet.[9][10]

Hochgericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Jahrhunderte herrschte zwischen den Markgrafen von Ansbach und der Reichsstadt Zwist hinsichtlich der Ausübung des dem bayerischen Oberamt Baiersdorf zustehende Hochgericht.[7][6]

Zugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1796 ging das Dorf an Preußen und bereits 16 Jahre später, 1810 erfolgte der Übergang an Bayern. Erst 1818 war Kraftshof eine eigenständige politische Gemeinde, welche jedoch am 1. Januar 1930 in die Stadt Nürnberg eingegliedert wurde.[11][7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Georg mit Wehrkirchhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Georg, 2011
Eingangsportal zum Irrhain

Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Ensemble des Wehrkirchhofs in den überlieferten Formen wiederaufgebaut. Die mittelalterliche Kirche St. Georg (ehem. auch St. Maria und Heilig-Kreuz) ist als Wehrkirche vollständig von einer Mauer mit Wehrgang und Ecktürmen umgeben. Eine reiche Ausstattung befindet sich im Innern.

Wohl 1305–1315 ließ Friedrich Kreß die Kirche als Filiale von Poppenreuth erbauen, von der noch heute Teile im Chorturm erhalten sind. Ein gutes Jahrhundert später wurde das Langhaus erweitert (1438). Die 1943 in vielen Teilen zerstörte Anlage wurde mit Mitteln der Brüder Samuel und Rush Kreß bis 1952 rekonstruiert. 2005 bis 2011 wurde das Kirchenensemble saniert.

Herrensitz, Bauernhäuser und Irrhain[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gasthaus Schwarzer Adler, 2011

Am Westrand des Ortes haben sich Reste des Herrensitzes der Freiherren Kreß von Kressenstein, des sogenannten "Kressensteins", erhalten.

In der Hauptstraße findet man Bauernhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts.

Ca. 500 m östlich des Ortes befindet sich der „Irrhain“ des Pegnesischen Blumenordens, der heute als literarische Gedenkstätte mit Irrwegen fungiert. Erhalten ist das Zugangsportal und die sich anschließende Eichenallee („Grüner Gang“) sowie einige Grab- bzw. Denkmale. Da der „Irrhain“ aber auch als Naturdenkmal dient, lässt man Bäume und sonstige Pflanzen ohne Eingriffe wachsen.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der offene Landschaftsraum um Kraftshof bietet einer Reihe von Brutvögeln wie Wachtel (Coturnix coturnix), Rebhuhn (Perdix perdix), Schafstelze (Motacilla flava), Feldlerche (Alauda arvensis) und Ortolan (Emberiza hortulana) geeignete Habitatbedingungen.[12]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftshof ist über die Kraftshofer Hauptstraße an die südwestlich des Ortes verlaufende Bundesstraße 4 (Erlanger Straße) angebunden.

Die Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt durch die Stadtbuslinie 31.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Fensel: Kraftshof. Haus- und Sozialgeschichte eines nürnbergischen Dorfes. Nürnberg 2001 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 9).
  • Dehio: Bayern I: Franken. 2. Aufl., München 1999, S. 537 ff.
  • Günther P. Fehring und Anton Ress (†): Die Stadt Nürnberg. Kurzinventar, 2. Auflage bearb. von Wilhelm Schwemmer, München: Dt. Kunstverl. 1977 [unver. Nachdruck 1982] (= Bayerische Kunstdenkmale; 10), S. 368–374.
  • Hermann Rusam: Die Wehrkirche St. Georg zu Kraftshof im Knoblauchsland bei Nürnberg. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken, 92. Jg. 1984/1985.
  • Hermann Rusam: Die Wehrkirche von Kraftshof – ein Kleinod unter den Kunst- und Kulturdenkmälern des Knoblauchlandes bei Nürnberg, in: Frankenland, 2004, S. 157–170 (PDF)
  • Werner Wilhelm Schnabel: Kirchweih in Kraftshof 1641. Volksbelustigung im Spiegel nichtakademischer und akademischer Dichtung. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 66 (2006) (= Festschrift Werner K. Blessing), S. 51–81.
  • Schulz, F. T.: Die St. Georgenkirche in Kraftshof. Straßburg 1909.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kraftshof – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kraftshof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 244–245, S. 245 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  2. Karte der Naturraum-Haupteinheiten und Naturraum-Einheiten in Bayern. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 22. Februar 2018.
  3. a b c WGF Landschaft: Grundlagenermittlung im Gründlachtal: Recherche, Auswertung und Zusammenführung der Datengrundlagen. Stadt Nürnberg, Umweltamt, Juli 2017, abgerufen am 22. Februar 2018.
  4. a b Andreas Otto: UmweltAtlas Bayern Geologie. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 22. Februar 2018.
  5. UmweltAtlas Bayern - Boden. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 22. Februar 2018.
  6. a b c d Vorbereitende Untersuchungen zur Entwicklung und Erneuerung des Ortsteils Kraftshof. Stadt Nürnberg, Februar 2014, abgerufen am 18. Februar 2018.
  7. a b c d Michael Diefenbacher,‎ Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2. Auflage. Tümmel Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 978-3-921590-69-0, S. 580 f.
  8. Dieter Piechullek: Kulturraum Knoblauchsland. A. Hofmann, Nürnberg 1995, ISBN 978-3-87191-199-6, S. 44.
  9. a b c Robert Giersch,‎ Andreas Schlunk,‎ Bertold von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Hrsg.: Altnürnberger Landschaft e.V:. 1. Auflage. W.Tümmels Buchdruckerei und Verlag GmbH & Co. KG, Nürnberg 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 236 ff.
  10. Bernd Schuldes: Kraftshof - im Knoblauchsland. Abgerufen am 18. Februar 2018.
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  12. Begründung zum Rahmenplan des Bebauungsplan Nr. 4628 „Knoblauchsland“ für ein Gebiet zwischen dem südwestlichen Ortsrand von Neunhof, südlich des Sooswegs, der Stadtgrenze, nördlich des Reuthwegs, dem nordöstlichen Ortsrand von Kraftshof und östlich der Kraftshofer Hauptstraße. Stadt Nürnberg, 11. November 2015, abgerufen am 18. Februar 2018.