Hörnum (Sylt)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hörnum (Sylt)
Hörnum (Sylt)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hörnum (Sylt) hervorgehoben
54.7605555555568.29138888888894Koordinaten: 54° 46′ N, 8° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Landschaft Sylt
Höhe: 4 m ü. NHN
Fläche: 5,64 km²
Einwohner: 863 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 153 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25997
Vorwahl: 04651
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 046
Adresse der Amtsverwaltung: Andreas-Nielsen-Str. 1
25980 Sylt/ OT Westerland
Webpräsenz: www.amtlandschaftsylt.de
Bürgermeister: Rolf Speth (AWGH)
Lage der Gemeinde Hörnum (Sylt) im Kreis Nordfriesland
Karte

Hörnum (Sylt) (friesisch: Hörnem, dänisch: Hørnum) in Schleswig-Holstein ist eine im Kreis Nordfriesland gelegene Gemeinde. Sie liegt an der Spitze des südlichen Nehrungshakens der Insel Sylt. Die Gemeinde Hörnum gehört dem Amt Landschaft Sylt an.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Besiedlung[Bearbeiten]

Obwohl sich bereits vor 1500 Fischer erstmals in der Gegend angesiedelt haben sollen, erfolgte die erste urkundliche Erwähnung 1649, damals noch unter dem Namen Hornum.

Die Ortsbezeichnung Hörnum kannte jedoch bereits der Chronist Muchel–Madis (* 11. November 1572 in Morsum; † 21. Januar 1651), der in seiner Chronik von einem Schiffsuntergang „1571 … vor Hörnum“ berichtete. 1648 wurde die Gegend um den heutigen Ort auch auf einer Karte von Johannes Mejer (1606–1674) als „Hörnum“ erwähnt.[2] Die Südspitze der Insel blieb aber noch lange Zeit unbesiedelt, denn problematisch waren für die Besiedlung des Ortes nicht nur Sturmfluten, sondern auch die Wanderdünen, die immer wieder Häuser unter dem feinen Sand verschwinden ließen. Erst Ende des 18. Jahrhunderts konnte dem durch gezielte Bepflanzung der Dünen mit Strandhafer weitgehend Einhalt geboten werden. „Auf Hörnum“, wie die gesamte Südhalbinsel Sylts genannt wurde, lebten zunächst nur einige Fischer. Von 1765 bis etwa 1785 stand ein Haus in den Dünen beim Budersand. Es diente zur Bergung von Strandgut, wurde aber bald darauf von Amrumern und Rantumern abgetragen. 1787 waren nur noch die Grundsteine zu sehen.[3] Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Hörnum dann unbewohnt. Bei Strandungsfällen, die in dieser Zeit vor Hörnum oft vorkamen, waren oft Amrumer als erste zur Stelle, um die lukrative Bergung durchzuführen. Der zuständige Strandvogt lebte im 14 Kilometer entfernten Rantum, so dass die Amrumer mit Segelschiffen oft vor den Syltern das gestrandete Schiff erreichten.[4]

Ab 1900[Bearbeiten]

Die ersten festen Gebäude entstanden erst mit dem Bau des HAPAG-Anlegers und der Inselbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es handelte sich um den mittlerweile abgerissenen Inselbahnhof und das ehemalige HAPAG-Haus, später „Hotel Bettina“ - zuletzt „Hörnumer Fischreuse“.

Lange Zeit bereits verfügte Hörnum über einen tidenunabhängigen Naturhafen östlich des Budersands, der jedoch nur wenig Beachtung fand. Erst nachdem eine hölzerne Anlegebrücke errichtet wurde, konnte am 29. Juni 1901 eine regelmäßige Verbindung ab Hamburg mit Zwischenstopp in Cuxhaven aufgenommen werden. Mit dieser neuen Anlegebrücke für den HAPAG-Seebäderdienst Hamburg-Helgoland-Hörnum entwickelte sich rasch eine kleine Siedlung auf die Landzunge Hörnum. Damit stieg auch die Bedeutung als Hafenort. Von nun an verkehrte auch die Inselbahn zwischen Hörnum und Westerland. Da die Insel erst 1927 durch den Bau des Hindenburgdamms mit dem Festland verbunden wurde, erfreute sich diese Verbindung allgemeiner Beliebtheit. Die Inselbahn war bis 1970 in Betrieb und führte über Westerland hinaus bis zum nördlichsten Ort Deutschlands, List, am Nordostende von Sylt. Die Schienentrasse wurde rückgebaut und ist seitdem Radweg.

1906 wurde der Hörnumer Wasserturm im damals populärem „Ruinendesign“ errichtet, nach dem Anschluss Hörnums an die insulare Wasserversorgung wurde er überflüssig und 1967 abgebrochen.

Betontetrapoden am Strand von Hörnum sollen dem Küstenschutz dienen.

Am 8. August 1907 erhielt Hörnum einen 33,5 Meter hohen Leuchtturm, der in so genannter Serienbauweise erstellt wurde. Westerhever und die Insel Pellworm erhielten einen Leuchtturm gleicher Bauart. Zwischen 1918 und 1933 diente der Leuchtturm Hörnum auch als Schule, der Unterricht fand in 30 Metern Höhe statt. Am Ende des Ersten Weltkrieges zählte Hörnum 21 Einwohner, die von Rantum mitverwaltet wurden. In beiden Weltkriegen galt Hörnum als strategisch wichtiges Ziel, das besonderer Verteidigung bedurfte.

Militärische Bedeutung in den Weltkriegen[Bearbeiten]

Für die Soldaten der so genannten Inselwache entstanden Anfang des Jahrs 1914 die ersten Baracken und Lager in den Dünen nördlich und westlich des Ortes. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurden auf den Inseln Sylt, Amrum und Röm Inselwachen aufgestellt, die sich telegrafisch untereinander verständigten. Vom Lister Ellenbogen bis zur Hörnumer Südspitze wurden Bunker und Unterstände in den Sylter Dünen errichtet und telefonisch miteinander verbunden. Zumeist ältere, einheimische Soldaten hatten die Aufgabe, den Horizont nach feindlichen Truppen abzusuchen, doch den Feind bekamen sie im Kriegsverlauf nie zu sehen. Die Insel blieb von unmittelbaren Kampfhandlungen verschont.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden im Ort erneut Soldaten stationiert. Der Hafen unterhalb des Budersands wurde erheblich erweitert und zu einem Schutzhafen ausgebaut. Auch wurde nördlich des Schutzhafens ein Landeplatz für Wasserflugzeuge eingerichtet. 1935 rüstete die Luftwaffe mit einem Seefliegerhorst und einer „militärischen Siedlung Hörnum“ weiter auf. Die Wohnsiedlung (Architekt: Ferdinand Keilmann) setzt sich stadtplanerisch betrachtet aus zwei Teilen zusammen: der so genannten „Roten Siedlung“, die in rotem Ziegelmauerwerk errichtet ist, und der „Weißen Siedlung“, deren Häuser aus weiß getünchten Ziegeln errichtet sind. Der Zweite Weltkrieg verhinderte, dass die Wohnsiedlungen entsprechend den Planungen der Nationalsozialisten fertiggestellt wurden. Lücken der im Stil der Gartenstadt angelegten Siedlungen sind daher durch Gebäude aus der Zeit nach dem Krieg gefüllt wurden.

Mit Errichtung des Seefliegerhorstes und der zugehörigen Siedlungen stieg die Bevölkerungszahl auf über 1000 an. Kurz darauf gab es den ersten Strom aus dem eigenen Kraftwerk und 1942 wurde Hörnum an die Trinkwasserversorgung Westerlands angeschlossen.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Jahr 1948 trennte sich Hörnum von der Nachbargemeinde Rantum ab und wurde eine eigenständige Gemeinde. Schon zwei Jahre später erhielt sie das Prädikat Nordseebad. Der Zustrom an Badegästen und „Neuhörnumern“ begann. 1947 bot Hörnum kurzfristig für über 2000 Heimatvertriebene der Ostgebiete in den zahlreichen leerstehenden Soldatenunterkünften Unterkunft und rund 40 Helgoländer Familien ließen sich nach der Evakuierung ihrer Insel in Hörnum nieder.

1948 wurde mit Hilfe von Spendengeldern der Norwegischen Europahilfe eine Holzhütte als Kirche eingerichtet. Sie bekam den Namen Sankt Martin. Nachdem 1970 die Sankt Thomas-Kirche eingeweiht worden war, diente Sankt Martin kurzzeitig als Kindergarten und Abstellraum für Strandkörbe. Seit 1974 ist dieses sogenannte Norwegerhaus Sitz der Hörnumer Niederlassung der Schutzstation Wattenmeer und seit 1989 auch des Jugendtreffs Hörnum. 1985 wurde die Holzhütte nach dem Hörnumer Lehrer und Naturschützer Kuno Ehlfeldt benannt.

1948 erhielt Hörnum Anschluss an das Straßennetz; die zunächst einspurige Betonplatten-Fahrbahn, auch als „Straße der Höflichkeit“ bekannt, wurde 1969 um eine zweite Spur erweitert.

Kirche St. Thomas

1960 errichtete man die heute wegen ihrer Reetdächer bekannte Kersigsiedlung in den Hörnumern Dünen. 1962 folgte die katholische Sankt-Josef-Kirche und 1969/1970 die markante evangelische Sankt-Thomas-Kirche, nach dem Entwurf des Niebüller Architekten Martin-Bernhard Christiansen. Bei letztgenannter handelt es sich um Schleswig-Holsteins jüngste denkmalgeschützte Kirche. Sie ist in Form eines weißen Segels gebaut. Eine weitere Besonderheit dieser Kirche ist das Votivschiff, welches im Kirchenraum hängt: Es handelt sich um ein Modell des Raddampfers „Cobra“, der ab 1901 auf der Linie Hamburg–Hörnum verkehrte und zusammen mit der Inselbahn einen wesentlichen Beitrag zur Erschließung des Raumes Hörnum leistete.

Hauptartikel: Hörnumer Kirche St. Thomas

Touristische Entwicklung seit den 1970er Jahren[Bearbeiten]

Mitte der 1970er Jahre wurde das Kurmittelhaus errichtet (Eröffnung: 1977), 2002 erhielt der Hörnumer Hafen eine kleine Verjüngungskur. Es entstanden der Hörnumer Yachtclub und eine neue Verkaufsstelle der Adler-Reederei. In den darauffolgenden Jahren wurden nach und nach verschiedene Straßenzüge saniert.

Im Jahr 1994 wurde die Pidder-Lüng-Kaserne, die aus dem Seefliegerhorst hervorgegangen war, endgültig geschlossen. Nach dem Abriss aller Kasernengebäude im Jahr 2003 entstand auf dem Gelände ein naturnah gestalteter Golfplatz mit Clubhaus und Golfhotel im Fünf-Sterne-Standard.

1999 schloss das alte Kurmittelhaus, das sogenannte Haus des Kurgastes, weil es einem zeitgemäßen Kurbetrieb nicht mehr entsprach und zudem defizitär arbeitete. An gleicher Stelle entstand ab Ende April 2007 eine Hotelanlage der Schweizer Hapimag-Gruppe. Das Hotel mit Restaurant wurde am 27. Februar 2009 eröffnet. Auf der Düne am Hauptstrandzugang wurde seither ein neues Restaurant eröffnet.

Blick auf Hörnum mit Leuchtturm

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Von zwölf Sitzen hatte die Wählergemeinschaft AWGH seit 2008 sechs, die CDU und die SPD je zwei und die Wählergemeinschaft FBGH und der SSW je einen Sitz.

Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 erhielt die AWGH 57,9 Prozent und sieben Sitze, die CDU 35,9 Prozent und vier Sitze. Vergeben wurden elf Sitze und die Wahlbeteiligung betrug 58,4 Prozent.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Über blauem Schildfuß, darin ein linksgewendetes goldenes Muschelhorn, in Gold ein roter Leuchtturm mit silbernem Mittelteil, von dessen Laterne beidseitig Blitzsignale in Form vierstrahliger roter Sterne ausgehen.“[6]

Tourismus und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kegelrobbe Willi im Hafenbecken

Wurde von Hörnum aus ursprünglich nur Fischerei, später auch Walfang betrieben, so ist heute der Tourismus Haupteinnahmequelle. Die Strände an der Ost- und Westseite des Ortes, sowie der Hafen und die Dünenlandschaft stellen das touristische Kapital des Ortes dar. Eine beliebte Route für Wattwanderungen führt entlang der Ostseite der Insel bis nach Rantum. Die Schutzstation Wattenmeer, die in Hörnum eine Niederlassung betreibt – seit 2013 Nationalpark-Ausstellung Arche Wattenmeer in der profanierten St.-Josefs-Kirche –, organisiert Informationsveranstaltungen über das Wattenmeer und die Salzwiesen und sensibilisiert die Touristen für den Schutz dieser Landschaft. Eine weitere Attraktion des Ortes ist die Rundwanderung um die Hörnum-Odde, die Südspitze der Insel Sylt, die durch Erosion ständig schrumpft. Nach dem Sturmtief Erwin im Winter/Frühjahr 2005 verlor die Hörnum-Odde erneut rund 20 Meter. Von der Südspitze bietet sich dem Besucher bei guter Sicht der Ausblick auf die südöstlich gelegenen Nachbarinseln Föhr und Amrum.

Im Hafenbecken findet sich seit 1991 regelmäßig die weibliche Kegelrobbe „Willi“ ein, die von Touristen mit Heringen gefüttert wird.

Auf der Station Hörnum liegt das Seenotrettungsboot Horst Heiner Kneten der DGzRS.

Sagen[Bearbeiten]

Die Chronik von Hörnum geht mit zahlreichen Sagen einher. So ist immer wieder die Rede von Hexen, die auf Dünen tanzten, aber auch von Geistern ehemaliger Schiffbrüchiger, die von See- und Strandräubern erschlagen worden waren, allen voran der so genannte Dikjendälmann.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hörnum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.wsv.de/wsa-toe/bauwerke/hafen_hoernum/index.html
  3. Hörnum. In: Nordfriesland-Datenbank.de. Nordfriisk Instituut, archiviert vom Original am 18. November 2010, abgerufen am 23. Juni 2013.
  4. Georg Quedens: Schiff auf Strand! Amrumer Strandungsfälle. 2. Auflage. Verlag Jens Quedens, Amrum 2002, ISBN 3-924422-69-9, S. 26–27
  5. Web-Redaktion: Ergebnis Gemeindewahl Hörnum 2013. In: www.gemeinde-sylt.de. Gemeinde Sylt, abgerufen am 23. Juni 2013.
  6. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein