Nebel (Amrum)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Nebel führt kein Wappen
Nebel (Amrum)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nebel hervorgehoben
54.6530555555568.3556Koordinaten: 54° 39′ N, 8° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Föhr-Amrum
Höhe: 6 m ü. NHN
Fläche: 11,96 km²
Einwohner: 932 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25946
Vorwahl: 04682
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 085
Adresse der Amtsverwaltung: Hafenstr. 23
25938 Wyk auf Föhr
Webpräsenz: www.amt-foehr-amrum.de
Bürgermeister: Bernd Dell Missier
Lage der Gemeinde Nebel im Kreis Nordfriesland
Karte

Nebel (friesisch: Neebel) ist neben Wittdün auf Amrum und Norddorf auf Amrum eine der drei Gemeinden auf der nordfriesischen Nordseeinsel Amrum. Die Gemeinde gehört zum Kreis Nordfriesland im Bundesland Schleswig-Holstein. Zur Gemeinde Nebel gehören die Ortsteile Süddorf und Steenodde.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten]

Der historische Ortskern von Nebel liegt an der östlichen, dem Wattenmeer zugewandten Seite von Amrums Geestrücken, in Längsrichtung etwa in der Inselmitte. Knapp zwei Kilometer südlich davon liegen Süddorf und Steenodde, südlich von Süddorf der Wohnplatz Großdün. Der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene westliche Teil des Dorfes Nebel wird Westerheide genannt.

Die Ortsteile Nebel und Süddorf sind durch die Hauptstraße Amrums, die Landesstraße 215, mit den beiden anderen Inselgemeinden verbunden. Die Gemeinde Nebel ist mit vier Haltestellen an die einzige, auf der Hauptstraße verkehrende Buslinie der Insel angeschlossen. Steenodde hat jedoch keinen Busanschluss. Bis 1939 gab es in Nebel einen Kopfbahnhof der Amrumer Inselbahn. Ein Hafen mit Mole und einigen Liegeplätzen für kleinere Schiffe befindet sich in Steenodde.

Bis Ende 2006 war Nebel Verwaltungssitz des Amtes Amrum und war damit verwaltungsmäßig der Hauptort der Insel. Auf Nebeler Gemeindegebiet befinden sich der Leuchtturm Amrum, die Amrumer Windmühle sowie die St. Clemens-Kirche, die als Wahrzeichen der Insel gelten.

Geschichte[Bearbeiten]

Nebel wurde in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts als drittes Inseldorf nach Norddorf und Süddorf gegründet.[2] Der Ortsname leitet sich vermutlich von den Worten nei und bel ab, wobei ersteres „neu“ bedeutet und letzteres auf dem altdänischen Begriff boli (Siedlung) beruht (vergleiche Niebüll, Nieblum). Die ersten Häuser dieser neuen Siedlung gruppierten sich um die zuvor für zwei Jahrhunderte zwischen Norddorf und Süddorf auf freiem Feld stehende St. Clemens-Kirche.[2]

Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen 1867 gab es ab dem 27. Juni 1871 nur eine einzige, die ganze Insel umfassende Gemeinde namens Amrum.[3] Es wurden am 13. Oktober 1912 aus dem südlichen Teil die Gemeinde Wittdün und am 25. Juli 1925 aus dem nördlichen Teil der Insel die Gemeinde Norddorf gebildet. Die Restgemeinde benannte sich am 23. Februar 1926 in Nebel um.[4]

Ortsteile[Bearbeiten]

Steenodde[Bearbeiten]

Hauptartikel: Steenodde

Steenodde ist das kleinste Amrumer Dorf. Es liegt direkt am Wattenmeer. Sehenswert sind die Hünen- und Hügelgräber, die hier sehr zahlreich vorkommen; auch der Steenodder Dolmen gehört zu den Sehenswürdigkeiten. Steenodde hat eine eigene befahrbare Mole. Früher war Steenodde Fährhafen für die Fährlinie Amrum–HalligenSchlüttsiel (Festland). Heute befindet sich dort ein Hafen für kleine Frachtschiffe und Sportboote bis 12 Metern Länge. Das älteste noch erhaltene Amrumer Haus, die frühere Gastwirtschaft Lustiger Seehund, befindet sich in Steenodde. Es wurde 1721 erbaut.

Süddorf[Bearbeiten]

Hauptartikel: Süddorf (Amrum)

Süddorf wurde erstmals 1464 urkundlich erwähnt[5] und gilt damit zusammen mit Norddorf als ältestes Inseldorf. Berühmtheit erlangte im 18. Jahrhundert der Seefahrer Hark Olufs, der in Süddorf geboren wurde und auch starb.

In Süddorf steht die zweite, kleinere Windmühle Amrums, die heute als Wohnhaus genutzt wird. Sie wurde ursprünglich 1775 erbaut. Im Jahr 1882 kaufte der Amrumer Kapitän Volkert Quedens die Mühle und ließ sie in Süddorf für den Müller Heinrich Andresen wiedererrichten. 1893 wurde sie zu einer Holländerwindmühle mit Segelgatterflügeln umgebaut und war so bis 1939 in Betrieb.[6]

Von Süddorf Richtung Osten erstreckt sich das besterhaltene Stück des Krümwals, eines insgesamt rund 1800 Meter langen Erdwalls. Sein Zweck und seine Entstehungszeit sind unbekannt.

Am nordwestlichen Ortsrand von Süddorf liegt die Fachklinik Satteldüne, die auf die Behandlung von Atemwegserkrankungen von Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist. Die Klinik ist der größte Arbeitgeber auf Amrum. Außerdem befindet sich die 1968 gegründete Amrumer Schule in Süddorf. Sie heißt Öömrang skuul (öömrang; deutsch: „Amrumer Schule“) und ist eine Grund- und Regionalschule mit Förderzentrumsanteil.

Südlich von Süddorf, noch im Gebiet der Gemeinde Nebel, befindet sich der am 1. Januar 1875 in Betrieb genommene Amrumer Leuchtturm, der nach dem Leuchtturm Helgoland die zweithöchste Feuerhöhe aller Leuchtfeuer an der deutschen Nordseeküste hat. Er steht auf einer 27 m hohen Düne. Die Feuerhöhe beträgt 63 m ü. NN. Der Leuchtturm ist aufgrund seiner Größe und des charakteristischen rot-weißen Anstrichs das markanteste Gebäude der Insel Amrum.

Politik[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl 2013 haben die Wählergemeinschaft Nebeler Bürgerblock (NBB) sieben Sitze und die CDU und die SPD je zwei Sitze in der Gemeindevertretung.

Sehenswürdigkeiten im Ort Nebel[Bearbeiten]

St.-Clemens-Kirche in Nebel
St.-Clemens-Kirche in Nebel, Detailansicht der Apostelgruppe
Detail des Grabsteins eines Seemanns, Friedhof Nebel

St. Clemens-Kirche[Bearbeiten]

Hauptartikel: St. Clemens-Kirche (Nebel)

Am östlichen Rand des Ortskerns steht die 1236 erbaute St. Clemens-Kirche, 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Der romanische, einschiffige Bau mit Reetdach wurde seinerzeit aufgrund von Uneinigkeit über den Standort zwischen den Inseldörfern Norddorf und Süddorf errichtet und gab Anlass zur späteren Gründung des Ortes Nebel. Die Kirche wurde ohne Turm erbaut; der 36 Meter hohe, kupfergedeckte Kirchturm wurde erst im Jahr 1908 hinzugefügt.[7]

Die Kirche beherbergt eine Reihe von Kunstschätzen. Dazu gehört eine hölzerne, frühgotische Apostelgruppe (Das himmlische Abendmahl), die angeblich in einer Sturmflut auf Amrum angeschwemmt wurde. Die Figuren zeichnen sich durch strenge Frontalität, relativ große Köpfe und einfache Faltengebung aus. Die ausdrucksstarken Gesichter spiegeln Innigkeit und tiefen Ernst wider.[8] Der kelchförmige Taufstein stammt aus romanischer Zeit. Er wird etwa auf das gleiche Alter wie die Kirche geschätzt. Seine Kuppa und Wandung bestehen aus rötlich glitzerndem Granit, der Wulstring und Fuß sind aus gelblichem Muschelkalk gefertigt. Er steht in der Nordostecke des Kirchenschiffs, von Sitzbänken so umstellt, dass eine separate Taufecke entstand.[8] Das schmale Kirchenschiff, an der Längsseite und über dem Eingang in geringer Höhe von einer hölzernen Empore durchzogen, vermittelt den räumlichen Eindruck eines Schiffskörpers. Sehenswert ist auch der Friedhof vor der Kirche mit Grabsteinen aus der Zeit von 1670 bis 1830. Neben Schiffsdarstellungen und aufwändiger Ornamentik zeigen diese in Stein gemeißelte kurze Texte über das Leben der Verstorbenen.[9]

Die St.-Clemens-Kirchengemeinde ist im Besitz eines Exemplars des Missale Slesvicense, eines 1486 von Steffen Arndes gedrucktes Messbuchs, das in nur vier Exemplaren erhalten ist und als ältestes in Schleswig-Holstein bzw. zweitältestes in Dänemark gedrucktes Buch gilt. Das Buch befindet sich im Landeskirchlichen Archiv in Kiel und wird gelegentlich in der Kirche ausgestellt.

Windmühle[Bearbeiten]

Die Windmühle in Nebel, hier in der Stellung „in der Schere“

Die Amrumer Windmühle wurde 1771 vom Müller Erk Knudten in Nebel erbaut, und beherbergt heute ein Heimatmuseum und im Sommer Ausstellungen diverser Künstler. Die Mühle ist ein Erdholländer mit Graupengang, Jalousieklappenflügeln und Windrose, der noch bis 1962 in Betrieb war. Der damalige Pastor Erich Pörksen initiierte 1964 die Gründung des Verein zur Erhaltung der Amrumer Windmühle. Die Mühle ist heute noch betriebsfähig und kann besichtigt werden.

Mit der Nebeler Windmühle ist ein Amrum-spezifisches christliches Ritual verbunden: die vier Flügel der Mühle stehen in Ruhestellung üblicherweise diagonal ausgerichtet „in der Schere“. Bei einem Todesfall auf der Insel werden die Mühlenflügel bis zur Stunde nach der Beerdigung des Toten in horizontal-vertikale Stellung gebracht, um weithin sichtbar auf den Todesfall hinzuweisen – die Mühle steht dann „im Kreuz“.[10]

Heimatlosenfriedhof[Bearbeiten]

Gegenüber der Windmühle befindet sich der Amrumer Heimatlosenfriedhof, auf dem nicht identifizierbare Wasserleichen bestattet wurden. Laut Kirchenchronik wurde dieser 1905 angelegt. Ein Amrumer Kapitän trat freiwillig von seinem Landbesitz die Friedhofsfläche ab. Die meisten Gräber stammen vom Beginn des 20. Jahrhunderts, das letzte aus dem Jahr 1969. Seitdem konnten alle vor Amrum gefundenen Ertrunkenen aufgrund besserer Techniken identifiziert werden. Jedes Grab ist mit einem schlichten Holzkreuz mit eingeschnitztem Funddatum versehen. Der hölzerne Torbogen des Eingangsportals zum Friedhof trägt die Inschrift „Es ist noch eine Ruhe vorhanden“. Gleich hinter dem Eingang steht ein Feldstein aus der alten Westmauer der Kirche St. Clemens, mit den eingravierten Worten „Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“.[8]

Öömrang Hüs[Bearbeiten]

Öömrang Hüs

Das Öömrang Hüs in Nebel, Waaswai 1, ist ein weitgehend im Originalzustand belassenes, etwa 1751 gebautes Friesenhaus, das dem Öömrang Ferian gehört. Der ursprüngliche Besitzer war ein Kapitän, der sein Schiff in der Wohnstube („de Dörnsk“) auf einer Fliesenwand abbilden ließ. Das Haus kann besichtigt werden. In Küche, Wohnstube und weiteren Räumen wird die Wohnkultur vergangener Tage gezeigt. In einem Anbau finden wechselnde Ausstellungen statt, und in der Wohnstube des Öömrang Hüs werden standesamtliche Trauungen vollzogen.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hünenbett von Nebel

Der Ortskern von Nebel ist durch zahlreiche reetgedeckte Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie unasphaltierte Dorfgassen geprägt. Das Hünenbett von Nebel befindet sich etwa 500 Meter nordwestlich der Vogelkoje Meerum bzw. Meeram. In der Nähe befindet sich auch in einem vorgeschichtlichen Siedlungsgebiet der 2014 entstandene Nachbau eines eisenzeitlichen Hauses. Der 1981 errichtete Leuchtturm Nebel ist eine moderne, aus Aluminium bestehende, 9,6 m hohe Konstruktion. Durch die Lage hat das Leitfeuer für die Norderaue eine Feuerhöhe von 16 m über MThw (mittleres Tidehochwasser) und eine Tragweite von 15,6 bis 19,5 sm.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wichtigster Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. 2012 wurden in der Gemeinde Nebel 41.561 Übernachtungsgäste mit 447.808 Übernachtungen gezählt. Diese Zahl schließt Patienten und Begleitpersonen der Kinderklinik Satteldüne nicht mit ein.[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Mit der Gemeinde verbundenen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Nebel ist die Gemeinde mit dem höchsten Anteil an Zweitwohnsitzen in Schleswig-Holstein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Quedens: Amrum. 24. überarbeitete Auflage. Breklumer Verlag, Breklum 2010, ISBN 978-3-7793-1110-2
  • Georg Quedens, Hans Hingst, Gerhard Stück, Ommo Wilts: Amrum – Landschaft, Geschichte, Natur. Verlag Jens Quedens, Amrum 1991, ISBN 3-924422-24-9
  • Erich Pörksen: Die Wahrzeichen der Insel Amrum. 2. Auflage. Breklumer Verlag, Breklum 2002, ISBN 3-7793-1119-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nebel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Quedens: Amrum. S. 54 ff.: Die Inseldörfer – Nebel
  3.  Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 237.
  4.  Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, ISBN ohne, S. 96f und 104f.
  5. Website des Amtes Föhr-Amrum, abgerufen am 30. Mai 2010
  6. Pörksen: Die Wahrzeichen der Insel Amrum. S. 69 f.: Die Mühle in Süddorf
  7. Quedens/Hingst/Stück/Wilts: Amrum. S. 81 ff.: Die St. Clemens-Kirche
  8. a b c Pörksen: Die Wahrzeichen der Insel Amrum. S. 17–39
  9. Quedens: Amrum. S. 46 ff.: Kirche und Friedhof
  10. Quedens/Hingst/Stück/Wilts: Amrum. S. 158: Mühlen auf Amrum
  11. Georg Quedens: Amrum 2012. Quedens, Amrum 2013, ISBN 978-3-94330-710-8, S. 49.