Uelvesbüll

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Uelvesbüll
Uelvesbüll
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Uelvesbüll hervorgehoben
54.4152777777788.93527777777780Koordinaten: 54° 25′ N, 8° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Nordsee-Treene
Höhe: 0 m ü. NHN
Fläche: 10,23 km²
Einwohner: 284 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25889
Vorwahl: 04864
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 141
Adresse der Amtsverwaltung: Schulweg 19
25866 Mildstedt
Webpräsenz: www.uelvesbuell.de
Bürgermeisterin: Christel Zumach (SPD)
Lage der Gemeinde Uelvesbüll im Kreis Nordfriesland
Karte

Uelvesbüll (dänisch: Ylvesbøl) ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.

Geografie[Bearbeiten]

Seeseitige Elliensdeepwehle auf dem Adolfskoog.
Sandwehle auf der Mark.

Uelvesbüll ist eine ländliche Gemeinde, die aus der Marschhufendörfern Uelvesbüll und Barneckermoor gebildet wurde. Sie befindet sich etwa zehn Kilometer südwestlich von Husum auf der Halbinsel Eiderstedt am Heverstrom. Wenige Kilometer östlich verlaufen die Bundesstraße 5 und die Bahnlinie von Heide nach Husum. Zu Uelvesbüll gehören der Uelvesbüllkoog und Teil des Adolfskoogs, wo nordwestlich das Naturschutzgebiet Wester-Spätige liegt. Es existiert seit 1978 in einer Größe von 27 ha und wird vom NABU betreut. Schon im 16. Jahrhundert wurde hier Material für den Deichbau abgespatet.

Vier Wehlen prägen die unmittelbare Landschaft am Porrendeich. Hierbei handelt es sich um Gewässer, die bei Deichbrüchen im 16. Jahrhundert durch tiefe Auskolkungen entstanden sind. Diese Vertiefungen wurden nach dem neuen Deichbau nicht wieder aufgefüllt.
In Ost-West-Richtung tragen die Wehlen folgende Namen:[2]

  • Elliensdeepwehle
  • Sandwehle
  • Schluppwehle
  • Große Wehle.

Das Dorf Uelvesbüll war ein Kirchspiel mit den Ortschaften Barnekermoor, Bös-söwen, Porrendeich, Westerdeich, Norderfriedrichskoog und Schiedhörn (Stand: 1710).[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Zweite Marcellusflut[Bearbeiten]

Vor der zweiten Marcellusflut des Jahres 1362 gehörte der bei dieser Sturmflut untergegangene alte Ort Uelvesbüll zur strandischen Edomsharde. Viele damalige Häuser und Wirtschaftsflächen hatten ihren Standort weiter nördlicher und westlicher im heutigen Watt. Der Ortsteil Barneckermoor war ursprünglich ein eigenständiges Kirchspiel und hatte eine eigene Kirche. Zu dieser Zeit gehörte Barneckermoor bereits zur Everschop Harde. Später wurde Barneckermoor mit dem Kirchspiel Uelvesbüll zusammengelegt.

Infolge der Vergrößerung der Hever musste der neue Ort Uelvesbüll in das südliche Gebiet verlegt werden.[4] Nach der Flut, die auch die erste Kirche zerstörte, zählte Uelvesbüll dann zur Harde Everschop.[5]

St. Nikolai-Kirche

St. Nikolai-Kirche[Bearbeiten]

Die nach der Flut erbaute zweite Kirche musste 1854 wegen ihrer Baufälligkeit abgerissen werden. Die vom Friedhof umgebene protestantische St. Nikolai-Kirche konnte innerhalb eines halben Jahres im Stil eines klassizistisch-neugotischen Backsteinbau errichtet und am 6. Oktober 1854 ewerden. Weil der dänische König Friedrich VII. einen Baukostenzuschuss gewährte, trug die Kirche von 1854 bis 1964 den Namen Friedrichkirche. Im Kirchengebäude befindet sich ein holzgeschnitztes Epitaph von 1591, das als Volkmarsche Epitaph in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Am 3. Oktober 1867 wählte die Kirchengemeinde den jungen Theologen Christian Jensen (1839−1900) zu ihrem Pastor. 1873 ging Jensen nach Breklum und gründete 1876 die Schleswig-Holsteinische Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft.[6]

In der Kirche steht die einzige erhaltene und spielbare pneumatische Orgel Eiderstedts − erbaut 1910 von der Apenrader Orgelbaufirma Marcussen & Søn.[7]

Uelvesbüller Wrack

Uelvesbüller Wrack[Bearbeiten]

Bei Sielbauarbeiten im Uelvesbüller Koog kam es im Juli 1994 zum Fund des Wracks eines plattbodigen und glattbordigen Frachtseglers. Die dendrochronologische Untersuchungen des verbauten Eichenholzes ergaben für die Zeit der Kiellegung die Jahre um 1600. Etwa zwanzig Jahre später kam es vor dem Adolfskoog zu einer Havarie: Der Frachtsegler versank in einer Gezeitenrinne. Nach der Bergung und einer zweijährigen Stabilisierungsphase in einer Zuckerlösung ist das Wrack seit April 1998 im Schiffahrtsmuseum Nordfriesland ausgestellt.[8]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Von den neun Sitzen in der Gemeindevertretung hatten die CDU, die SPD und die Wählergemeinschaft WVUe seit der Kommunalwahl 2008 jeweils drei Sitze. Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 erhielt die SPD 24,7 Prozent und zwei Sitze. Die CDU kam mit 22,5 Prozent auf zwei Sitze. Die WVUe erreichte mit 19,5 Prozent ebenfalls zwei Sitze. Drei Sitze gingen an die neue Kommunale Wählergemeinschaft Uelvesbüll (KWUe), die 33,4 Prozent erreichte. Die Wahlbeteiligung betrug 77,2 Prozent.[9]

Bürgermeisterin[Bearbeiten]

Für die Wahlperiode 2013−2018 wurde Christel Zumach (SPD) erneut zur Bürgermeisterin gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Unter gebogenem, goldenen Schildhaupt von Grün und Blau durch zwei schmale silberne Wellenbalken geteilt, oben ein silberner Ochsenkopf, rechts und links begleitet von je einer goldenen Ähre, unten ein silbernes Krabbenfangnetz (Porrenglieb).“[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Grabstein Margarete Hans

In der Liste der Kulturdenkmale in Uelvesbüll stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale. Hierzu zählt auch der Grabstein Margareta Hans († 25. Dezember 1614) vor dem Haubarg Leutnantshof am Porrendeich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Hess: Chronik von Uelvesbüll. Gemeinde Uelvesbüll, 1985
  • Hans Joachim Kühn: Gestrandet bei Uelvesbüll. Wrackarchäologie in Nordfriesland. Husum Verlag, Husum 1999, ISBN 978-3-88042-917-8
  • Hans-Walter Wulf: Kirchen in Eiderstedt. Lühr & Dircks, St. Peter-Ording 1981, ISBN 3-921416-13-2

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Uelvesbüll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Eiderstedter Kultursaison e. V. (Hrsg.): Kulturreiseführer Eiderstedt. Kultursaison 2012. Tönning 2012, S. 144.
  3. Helmut Hess: Chronik von Uelvesbüll. Gemeinde Uelvesbüll 1985, S. 116.
  4. Helmut Hess: Chronik von Uelvesbüll. Gemeinde Uelvesbüll 1985, S. 18.
  5. Helmut Hess: Chronik von Uelvesbüll. Gemeinde Uelvesbüll 1985, Karte um 1250, S. 14.
  6. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Das neue Schleswig-Holstein Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2006, Lemma Jensen, Christian.
  7. Hans-Walter Wulf: Kirchen in Eiderstedt. Lühr & Dircks, St. Peter-Ording 1981, S. 71-74.
  8. Hans Joachim Kühn: Der friesische Frachtsegler im Husumer Schiffahrtsmuseum. (PDF; 221 kB)
  9. Ergebnis Uelvesbüll Kommunalwahl 2013
  10. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein