Bordelum

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Bordelum führt kein Wappen
Bordelum
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bordelum hervorgehoben
54.6330555555568.929722222222211Koordinaten: 54° 38′ N, 8° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Mittleres Nordfriesland
Höhe: 11 m ü. NHN
Fläche: 34,71 km²
Einwohner: 2001 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 25852,
25821 (Bordelumsiel, Brommelund, Dörpum, Dörpumfeld),
25842 (Addebüll)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 04671
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 014
Adresse der Amtsverwaltung: Theodor-Storm-Str. 2
25821 Bredstedt
Webpräsenz: www.amnf.de
Bürgermeister: Peter Reinhold Petersen (CDU)
Lage der Gemeinde Bordelum im Kreis Nordfriesland
Karte

Bordelum (friesisch Boorlem) ist eine Gemeinde am Stollberg im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Sie liegt in der Landschaft Nordergoesharde.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Bordelum ist eine für Nordfriesland typische Geestrandsiedlung im mittleren Nordfriesland. Sie erstreckt sich nördlich der Stadt Bredstedt entlang einer 11 Kilometer langen Linie. In der Mitte wird die Gemeinde durch den Verlauf der Bundesstraße 5 sowie der östlich davon verlaufenden Trasse der Marschbahn zerschnitten. Auf dem Gemeindegebiet befindet sich mit dem Stollberg eine der höchsten Erhebungen Nordfrieslands. Der westlich und südlich dem Stollberg vorgelagerte Landstrich gehört dem Marschstreifen Nordfrieslands an.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst die folgenden Ortsteile:

  • Addebüll (dänisch Adebøl),
  • Büttjebüll (dänisch Byttebøl, nordfriesisch Bötjebel),
  • Dörpum (dänisch Dørpum, nordfriesisch Toorpem) mit Dörpumfeld,
  • Ebüll (dänisch Ebøl, nordfriesisch Äbel),
  • Margarethenberg,
  • Ost-Bordelum mit Ost-Bordelumfeld,
  • Sterdebüll (Sterdebøl),
  • Stollberg (Stolbjerg),
  • Uphusum und
  • West-Bordelum.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Langenhorn Lütjenholm
Langenhorn Nachbargemeinden Högel
Reußenköge Bredstedt Sönnebüll

Geologie[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet Bordelums gehört verschiedenen geologischen Formationen an. Der schmale im Gemeindegebiet liegende Marschstreifen wird gebildet durch vier Köge, welche überwiegend im 15. und 16. Jahrhundert eingedeicht wurden. Daran schließt sich mit dem Stollberg ein Teilbereich der Hohen Geest an. Der Stollberg ist eine Endmoräne aus der Saale-Eiszeit. An dessen nördliche Hänge schließen sich im Grenzbereich zur Gemeinde Langenhorn weiträumige Heideflächen an. Der östliche Gemeindebereich um den Ortsteil Dörpum ist aufgrund seiner Genese als Grundmoräne der Saale-Eiszeit nur schwach reliefiert. Dieser sogenannte Sanderstreifen ist Teil der Schleswigschen Geest.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche St. Nikolai zu Bordelum wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Der Bau des separat stehenden Glockenturms folgte erst 1793. Die Kirche liegt auf einem Feld außerhalb des Ortes − vermutlich an der Stelle eines älteren friesischen Heiligtums. Archäologische Untersuchungen im Jahr 1951 haben nachweisen können, dass in der Umgebung der Kirche die ersten Siedlungsplätze des 12./13. Jahrhunderts lagen, die im Verlauf des 15. Jahrhunderts von ihren Bewohnern verlassen wurden.[2]

Das Quellwasser, das auf der kircheneigenen „Brunnenkoppel“ am Fuß des Stollbergs entspringt, wurde um 1770 als heilend gelobt und zog besonders zwischen 1808 und 1810 viele Besucher an. Die erwarteten Heilerfolge stellten sich nicht ein und schon bald blieben die Besucher aus.[3]

Nach der Gründung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein im Jahr 1866 wurde aus dem Gebiet des Kirchspiels Bordelum eine Kirchspielslandgemeinde gebildet. Sie umfasste die sieben Dorfschaften Addebüll, Büttjebüll, Dörpum, Ebüll, Oster-Bordelum, Sterdebüll und Wester-Bordelum.

Im Jahr 1934 wurden die Kirchspielslandgemeinden aufgelöst und aus der Kirchspielslandgemeinde Bordelum sollten die Landgemeinden Bordelum, Büttjebüll, Dörpum und Sterdebüll gebildet werden. Doch mit Wirkung vom 1. Dezember 1934 verblieb es bei der Landgemeinde Bordelum.[4]

Die „Bordelumer Rotte“[Bearbeiten]

Bordelum, Dörpum und Bargum waren die Zentren der sogenannten Bordelumer Rotte, einer radikal-pietistischen Bewegung, die 1737 von zwei ehemaligen Theologiestudenten, dem Kandidaten Franz Barsonius und dem aus Frankenhausen stammenden Hauslehrer David Bähr,[5] ins Leben gerufen wurde. Ihre Mitglieder, etwa zwanzig Personen, nahmen nicht an den Gottesdiensten teil, weil sie ihnen zu „wüst“ waren, sondern versammelten sich in eigenen Konventikeln. Zudem blieben sie dem Abendmahl fern und verachteten die Taufe. Sich selbst sahen sie als Heilige, die von göttlichen Offenbarungen und einem inneren „Trieb“ geleitet wurden. Sie arbeiteten am heiligen Sonntag und hatten eigene Vorstellungen von der Ehe: Trat der Partner nicht zum richtigen Glauben über, sahen sie die Ehe als aufgelöst an. Stattdessen lebten sie oft in „wilder Ehe“. Die Prediger beschwerten sich bei der Obrigkeit, die daraufhin eine Untersuchung durchführte und die Sekte im Juni 1739 verbot. Die Anführer flohen, aber die Sekte soll in Dörpum bis ins 19. Jahrhundert Bestand gehabt haben.[6]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hatte die CDU seit der Kommunalwahl 2008 sechs, die Wählergemeinschaft BDW vier, die SPD zwei und die FDP einen. Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 erhielt die CDU 44,9 Prozent und damit sechs Sitze. Auf die BDW entfielen 35,2 Prozent und vier Sitze. Die SPD kam auf 19,9 Prozent und erhielt drei Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug 57,1 Prozent.[7]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Für die Wahlperiode 2013–2018 wurde Peter Reinhold Petersen (CDU) erneut zum Bürgermeister gewählt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaftsstruktur der Gemeinde Bordelum ist sehr ländlich und somit kleinteilig geprägt. Die Wirtschaftskraft wurde lange Zeit von der Landwirtschaft und dem dazugehörigen Nebengewerbe erbracht. So existieren in der Gemeinde heute zwei Betriebe für Verkauf, Wartung und Reparatur von Landmaschinen. Inzwischen spielen aber die erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle. In der Gemeinde gibt es mehrere Windparks und Biogasanlagen, so dass Bordelum als „umweltfreundliche Gemeinde“ ausgezeichnet wurde.

In Bordelum gibt es auch ein Mutter- und Kind-Kurheim des deutschen Arbeitskreises für Familienhilfe.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmale in Bordelum stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Bordelum ist über die Bundesstraße 5 und die Landesstraße 191 erreichbar. Die Bahnstrecke der Marschbahn verläuft östlich des Siedlungskerns Bordelum und westlich des Ortsteils Dörpum. Der nächstgelegene Bahnhof ist Bredstedt.

Naturerlebnisraum Stollberg[Bearbeiten]

Der 43,4 m hohe Stollberg, die vierthöchste Erhebung in Nordfriesland, wurde 2002 als Naturerlebnisraum anerkannt. Urnengräber deuten auf eine vorgeschichtliche Besiedlung des Bergs hin. Obwohl Raseneisenerz vorhanden ist, war es bis in die 1950er Jahre mit Sanddünen bedeckt, so dass seine Existenz erst sehr spät bekannt wurde. Die Stollbergquelle steht heute als heilige Quelle unter Denkmalschutz.

Personen, die mit Bordelum verbunden sind[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bordelum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Albert Panten: Der Stollberg - ein altes friesisches Zentralheiligtum? Irrwege der Forschung. In: Jahrbuch für die Schleswiger Geest, 41. Jahrgang 1993, S. 51-57
  3. Die heilige Quelle
  4.  Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 250.
  5. Willi Temme: Krise der Leiblichkeit, Vandenhoeck & Ruprecht (1998); S. 425
  6. Bordelumer Rotte
  7. Ergebnis Gemeindewahl Bordelum 2013. auf der Webseite Amt Mittleres Nordfriesland