Garding

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Garding. Zur Gemeinde Kirchspiel Garding, die die Stadt Garding umschließt, siehe Kirchspiel Garding.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Garding
Garding
Deutschlandkarte, Position der Stadt Garding hervorgehoben
54.3216666666678.79138888888891Koordinaten: 54° 19′ N, 8° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Eiderstedt
Höhe: 1 m ü. NHN
Fläche: 3,06 km²
Einwohner: 2536 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 829 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25836
Vorwahl: 04862
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 036
Adresse der Amtsverwaltung: Welter Str. 1
25836 Garding
Webpräsenz: www.garding.de
Bürgermeister: Ranjet Biermann (CDU)
Lage der Stadt Garding im Kreis Nordfriesland
Karte

Garding (plattdeutsch: Garn, Gaarn) ist eine Stadt im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt, die als Luftkurort von der Gemeinde Kirchspiel Garding umschlossen wird, liegt auf einem Geestrücken im Zentrum der Halbinsel Eiderstedt. Garding ist der wirtschaftliche Mittelpunkt dieser Landschaft. Die Inbetriebnahme der Bahnstrecke Husum–Bad St. Peter-Ording bis Garding fand 1892 statt, die Verlängerung nach St. Peter folgte erst am 24. Juni 1932. Durch Garding führt als eine weitere Verkehrsverbindung die Bundesstraße 202.

Geschichte[Bearbeiten]

Garding existierte wahrscheinlich schon vor der Kirchgründung im Jahre 1109 mit ähnlichem Namen. Der Ort selbst wurde um 1187 in einer Urkunde des Erzbischofs von Lund erstmals namentlich genannt. 1231 erwähnt das Waldemar-Erdbuch Giaethningheret, die Gardingharde. 1300 wurde der Ort als Gherdinghe erwähnt, außerdem tauchten die Schreibweisen Gerdingen (1438) und Gardingk (1509) auf. Diese unterschiedlichen Schreibweisen können auch mit der Entwicklung der Umgangssprache in Garding und auf Eiderstedt zusammenhängen.

Seit 1575 gibt es einen Wochenmarkt, der bis heute jeden Dienstag abgehalten wird.

Das Stadtrecht erhielt Garding − verliehen von Johann Adolf (Schleswig-Holstein-Gottorf) − am 12. Oktober 1590, etwa zur selben Zeit wie Husum (1603) und Tönning (1590).

Jahrhundertelang besaß Garding einen Hafen, der das Stadtbild prägte und das Wirtschaftsleben bestimmte. Als Hafenstadt hatte Garding nach Fertigstellung der Norder- und Süderbootfahrt um 1612 über die Häfen Katingsiel und Tönning fast bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Handelsverbindungen nach England und anderen Ländern. Der Hafen selbst wurde 1912 zugeschüttet.

Von 1867 bis 1959 war Garding Sitz eines Amtsgerichts.

Zum 1. Januar 2006 gab die Stadt Garding ihre Amtsfreiheit auf und trat dem Amt Eiderstedt bei.

Politik[Bearbeiten]

Stadtvertretung[Bearbeiten]

  • Seit der Kommunalwahl 2008 hatte die CDU acht Sitze, die SPD fünf und die Wählergemeinschaft WI80 sowie der SSW je zwei Sitze in der 17-köpfigen Stadtvertretung.
  • Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 kam die CDU auf 44,9 % der abgegebenen Stimmen und auf acht Sitze. Die SPD erreichte mit 40,9 % sieben Sitze. Zwei Sitze entfielen auf den SSW mit 14,3 %. Die Wahlbeteiligung betrug 47,2 Prozent.[2]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Für die Wahlperiode 2013–2018 wurde Ranjet Biermann (CDU) erneut zum Bürgermeister gewählt.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau, unten begleitet von einem goldenen Abendmahlskelch, das golden nimbierte silberne Gotteslamm, mit dem rechten Vorderfuß die geschulterte Siegesfahne haltend: An goldener, oben in ein Kreuz auslaufender Stange ein silbernes, in zwei Zipfel endendes Banner mit rotem, durchgehendem Kreuz.“[4]

Stadtbild[Bearbeiten]

Die Altstadt ist um die Kirche herum gruppiert, auf die die Straßen sternförmig zulaufen. Die St.-Christians-/St.-Bartholomäus-Kirche steht in Gardings Ortsmitte auf einer elf Meter hohen Warft, der höchsten Erhebung Eiderstedts. Der Kirchturm ist noch heute der höchste Punkt Eiderstedts und diente lange als Seezeichen.

Die Kirche geht auf die 1117 errichtete einschiffige, kreuzförmige Backsteinkirche St. Christian zurück.[5] Sie war ursprünglich den Heiligen Maria Magdalena, Christian und Bartholomäus geweiht. Die Kirche wurde im Zeitraum von 1483 bis 1488 zu einer zweischiffigen gotischen Hallenkirche umgebaut,[6] wobei ein Schiff den männlichen und ein Schiff den weiblichen Gottesdienstbesuchern diente.

Das Gehäuse der Orgel, der gotische Orgelprospekt von 1512, ist der älteste Nordeuropas[7] oder Norddeutschlands.[8] Das ehemals gotische hohe, spitze Dach der Kirche wurde bei einer Renovierung 1854 durch ein besser in die Landschaft passendes und vor allem weniger windanfälliges, niedrigeres ersetzt .

Nachdem Hermann Tast 1524 noch auf dem Marktplatz die erste Reformationspredigt Eiderstedts gehalten hatte, setzte sich die Reformation durch Christian III. von Dänemark bis 1527 in der Region durch. Sichtbar ist dies in der Kirche an der zerschlagenen Altarplatte mit der Aufschrift „Hic sunt reliquiae reconditae“ (Hier sind die Reliquien aufbewahrt).

1563 baute die Gemeinde in der Kirche eine Kanzel. Sie ist heute die älteste Kanzel Eiderstedts und wurde mit ihrem sechseckigen Grundriss zum Vorbild fast aller anderen Kanzeln im Lande. Das älteste Uhrwerk Schleswig-Holsteins war früher mit einem Uhrschlagmännchen und einer St.-Georgs-Figur, die mit einem Drachen kämpft, verbunden. Der dreiflügelige Gemäldealtar, das „Hauptwerk des Manierismus in Schleswig-Holstein“[7], schuf der niederländisch-tönninger Maler Marten van Achten, der später Hofmaler am Schloss Gottorf wurde.

Am Platz neben der Kirche befinden sich das Theodor-Mommsen-Museum, das heute das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde ist, sowie das „Alte Rathaus“. Dieses Gebäude ließ Johann Ingwersen 1825 erbauen. Ingwersen war der letzte Staller Eiderstedts, ein dänischer Beamter, der sowohl die administrativen Geschäfte, das Steuerwesen aber auch die Judikative in seiner Person vereinigte und im Namen des Herzogtums ausübte. Ingwersen lebte in diesem Haus bis 1885, sieben Jahre später kaufte es die Stadt Garding und richtete dort ihr Rathaus ein. Mittlerweile steht es auch in dieser Funktion leer, weil der Sitz des Bürgermeisters in das Amt Eiderstedt in die Welter Straße verlegt wurde. Das Rathaus wurde 2005 zu einem Kulturzentrum umgebaut, in dem u.a. der Heimatbund mit Archiven und der Künstlerbund „Kunstklima“ mit Ausstellungsräumen untergebracht sind.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmale in Garding stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Kultur[Bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Seit 1975 findet jährlich Ende Juli ein Spezialitätenmarkt der Eiderstedter Landfrauen rund um die Kirche statt. Neben Delikatessen aus Eiderstedt runden kunsthandwerkliche Angebote den Markt ab.

Die „Musikantenbörse“, eine Musikveranstaltung, findet an insgesamt acht Dienstagabenden im Juli und August statt. Innerhalb der Konzertreihe „Musik in den Kirchen Eiderstedts“ finden während der Sommermonate in der St.-Christian-Kirche im Zentrum Gardings laufend Konzerte (Klassik und Jazz) auswärtiger Musiker statt.

Im „Alten Stallerhaus“ stellt die Künstlergruppe „Kunstklima“ permanent in wechselnden Ausstellungen Arbeiten ihrer Mitglieder vor.

Sport[Bearbeiten]

Der TSV Garding von 1865 e.V. bietet mit den Sparten Fußball, Handball, Tischtennis, Turnen, Herzsport, Nordic-Walking, Sportabzeichen und Schwimmen eine breite Palette für Aktivitäten an. Die Fußballsparte bildet gemeinsam mit dem Tönninger SV die Spielgemeinschaft (SG) Eiderstedt. Als Sportstätten werden die Dreilandenhalle, zwei Schulturnhallen, ein Sportplatz sowie zwei Übungsplätze genutzt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mommsen-Büste vor der Gardinger Kirche

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit Garding verbunden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • 400 Jahre Stadt Garding. Blick in die Geschichte. Lühr & Dircks, St. Peter-Ording 1990, ISBN 3-921416-51-5.
  • Hans-Walter Wulf: Kirchen in Eiderstedt. Lühr & Dircks, St. Peter-Ording 1981, ISBN 3-921416-13-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Garding – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Garding – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. [wahlen.amt-eiderstedt.de/2013/kommunal/garding/garding.htm] abgerufen am 27. Mai 2013
  3. Niederschrift über die Sitzung der Stadtvertretung vom 10. Juni 2013
  4. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  5. Kunsttopographie Schleswig Holstein, Neumünster 1969, S. 215 ff
  6. Richard Haupt: Die Bau-und Kunstdenkmäler in der Provinz Schleswig-Holstein, Heide 1924, S. 671 ff
  7. a b Michael Reiter: „Kirchen am Meer“, Kiel 2000, S. 43
  8. Wolfgang Teuchert in Heinz Rudolf Rosemann (Hrsg.): Niedersachsen, Hansestädte, Schleswig-Holstein, Baudenkmäler. Reclams Kunstführer, Deutschland, Band 5, 4. Auflage, Stuttgart 1971, S. 142
  9. Leader+ Projektantrag