Hattstedt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hattstedt
Hattstedt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hattstedt hervorgehoben
54.5280555555569.02472222222229Koordinaten: 54° 32′ N, 9° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Nordsee-Treene
Höhe: 9 m ü. NHN
Fläche: 7 km²
Einwohner: 2551 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 364 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25856
Vorwahl: 04846
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 042
Adresse der Amtsverwaltung: Schulweg 19
25866 Mildstedt
Webpräsenz: www.hattstedt.de
Bürgermeister: Ralf Heßmann (SPD)
Lage der Gemeinde Hattstedt im Kreis Nordfriesland
Karte
Marienkirche in Hattstedt
Luftbild des südlichen Teils von Hattstedt, August 2014
Luftaufnahme des Ortes (Blickrichtung Süd)

Hattstedt (dänisch Hatsted, nordfriesisch Haatst) ist eine Gemeinde in der Nähe von Husum auf der Schleswigschen Geest im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.

Die Novelle Zur Chronik von Grieshuus von Theodor Storm spielt in Hattstedt.

Geschichte[Bearbeiten]

Hattstedt wurde erstmals 1231 im Waldemar-Erdbuch als Hattastath erwähnt.[2] Der Name bezieht sich wohl auf einen Mann namens Hatto. Die Marienkirche im Ort wurde um 1240 erstmals erwähnt. Die ältesten Teile des Baus entstanden vermutlich um 1200. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie erheblich erweitert. Ihren markanten, weithin sichtbaren Turm erhielt sie um 1500.[3] Die Kirche besitzt einen vorreformatorischen Flügelaltar.[4]

Während der Zweiten Marcellusflut von 1362 stand auch das flache Land vor dem Geestrücken unter Wasser, obwohl es relativ weit landeinwärts gelegen ist. 1460 wurde die Hattstedtermarsch, die bis 1803 Hattstedter Alter Koog hieß, eingedeicht. Hattstedt ist der Geburtsort des Humanisten Johannes Saxonius († 1561).

1864 wurde ein Armenhaus errichtet, dessen Gebäude noch erhalten ist. Es befindet sich heute in Privatbesitz und wurde liebevoll restauriert.

Theodor Storm heiratete 1866 in Hattstedt seine zweite Frau Dorothea Jensen. Gefeiert wurde auf dem Grundstück Lindenweg 1 unter den „Storm-Linden“, die heute noch stehen.

Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen wurde aus dem Gebiet des Kirchspiels Hattstedt eine Kirchspielslandgemeinde gebildet. Sie umfasste die vier Dorfschaften Hattstedt, Hattstedtermarsch, Horstedt und Wobbenbüll. Am 1. April 1934 wurden die Kirchspielslandgemeinden aufgelöst und aus den Dorfschaften Hattstedts wurden die vier gleichnamigen Landgemeinden gebildet.[5]

1933 bis 1934 wurde für den Bau des Dammes nach Nordstrand zwischen Hattstedt und Wobbenbüll Erde entnommen. Die Entnahmestelle ist auch heute noch als sogenannter Späthing erhalten und wird als Weideland und im Winter zum Rodeln genutzt. Ein Teil davon gehört zum Landschaftsschutzgebiet Schobüller Berg.

In den letzten Jahrzehnten ist Hattstedt stark gewachsen und hat sich von einem kleinen Bauerndorf mit wenigen Einwohnern und Strohdachhäusern zu einem Dorf mit großen Einfamilienhausgebieten gewandelt. Die Bevölkerungszahl ist stark gestiegen, was primär an der Lage zum benachbarten Husum liegt. Raumordnerisch zählt die Gemeinde zum Stadt-Umlandbereich der nordfriesischen Kreisstadt. Der hinzugewonnene Siedlungsbereich liegt vor allem am westlichen Dorfrand in Richtung der Gemeinde Wobbenbüll im niedrigeren Geestrandbereich.

Politik[Bearbeiten]

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die SPD seit der Kommunwahl 2013 fünf Sitze, die CDU drei, die Wählergemeinschaft WGH zwei, der SSW zwei Sitze und die FDP einen Sitz.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Von Rot und Blau durch einen breiten goldenen Balken, belegt mit drei roten goldgeflammten Heiderosen, schräglinks geteilt. Oben ein silberner Pferdekopf, unten ein silberner Hut.“[6]

Durch den Pferdekopf wird im Wappen angezeigt, das nach einer Sage, ein Mann namens „Hatte“ die Feldmark dieses Kirchspieles erwerben sollte, nachdem es ihm gelang, mit einem Pferd an einem Tage diese Fläche umzupflügen. Auf dem Friedhof in Hattstedt stehen alte Grabsteine, einer gehört zum Deichgrafen Iwersen-Schmidt, der ein sehr guter Freund Storms war und dem er in der Novelle Schimmelreiter in der Person des alten Deichgraf ein Denkmal setzte. Dieses begründet den weißen Pferdekopf des Schimmels im Wappenvorschlag.

Die Ausdeutung der Hügelform des Geestrückens der Topographie Hattstedts lässt auf eine Hutform schließen. Der Hut im Wappenvorschlag wurde aus dem Habitus eines Mannes der Hattstedter Familie nachempfunden.[7]

Eine ehemals vorherrschende Wildpflanze der Gegend war das Heidekraut. Die stilisierte Blütenform in der Hand der weiblichen Person wurde im übertragenem Sinne ins Goldband des Wappens überführt.[7]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der ursprünglich überwiegend landwirtschaftlich genutzten Gemeinde wird die Wohnnutzung immer wichtiger. Durch die Lage am Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist auch der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle. Industrie gibt es kaum noch. Zwar kam es mit der Eröffnung der Marschbahn zur Ansiedelung von mehreren Industriebetrieben (z. B. Holzschuhfabrik und Betonwerk). Diese sind allerdings längst geschlossen. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Neubaugebiet, für das die Gemeinde vor der Ausweisung erst viele Kubikmeter Erdreich abtragen musste, da der Boden während der Betriebszeit mit vielen Chemikalien verseucht worden war.

Verkehr[Bearbeiten]

Hattstedt liegt an der Marschbahn HamburgWesterland. Züge halten dort jedoch seit Mitte der 1980er nicht mehr. Der nächste Bahnhof liegt etwa sechs Kilometer südlich in Husum. Dorthin verkehren die Busse der Linie 1020 (Niebüll – Bredstedt – Husum). Außerdem fährt die Husumer Stadtverkehrslinie 1051 durch Hattstedt.

Durch die Gemeinde verläuft die Bundesstraße 5, die von der dänischen Grenze zur Bundesautobahn 23 bei Heide führt. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Schleswig/Schuby an der A 7, die man über die Bundesstraßen 5 und im weiteren Verlauf die 201 erreicht (etwa 35 Kilometer Fahrstrecke).

Aktuelles verkehrspolitisches Thema ist der seit Jahren geplante Weiterausbau der Bundesstraße 5 zwischen Hattstedt und Bredstedt. Die Ausbaustrecke endet bisher in der östlichen Nachbargemeinde Horstedt und beginnt wieder nördlich von Bredstedt. Ein Argument für den Ausbau der Strecke ist die Verkehrsentlastung des Ortskerns der Gemeinde. Gegenargument betonen wirtschaftliche und ökologische Sachverhalte. So ist anzunehmen, dass die Verkehrsentlastung auch zu Einkommenseinbußen beim örtlichen Einzelhandel führen könnte, und Investoren könnten eventuell vor einer Neuansiedelung zurückschrecken. Zudem sei auch die mittlerweile planfestgestellte Route nordöstlich des Ortskerns mit Mängeln behaftet, da der überplante Außenbereich ökologisch wertvolle Flächen des sogenannten Jelstroms einbezieht. Aus diesem Grund ist der Bau vorerst zurückgestellt.

Vereine[Bearbeiten]

Größter Verein im Ort ist der TSV Hattstedt. Dieser bietet größten Teils Breitensport (Fußball, etc.), aber auch Jiu Jitsu oder Rücken- und Wirbelsäulengymnastik an.

Ebenfalls prägend ist der Spielmannszug Hattstedt. Dieser Verein zeichnet sich durch viele Turniersiege aus. Er richtet regelmäßig ein internationales Musikfestival in Hattstedt aus.

Auf dem Mikkelberg befindet sich das Nordisk center for kunst og cricket, das sowohl den Husum Cricket Klub mit einem größeren Cricketfeld als auch den Sydslesvigsk Museumforening beheimatet. Das Center ist in die Reste einer früheren Holländermühle von 1710 integriert. Der Mikkelberg war früher der Mühlenberg des Ortes.

Nahe dem Mikkelberg befindet sich ein Tennisplatz des örtlichen Tennisclubs, sowie das Schützenheim des Hattstedter Schützenvereins von 1962.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Apotheke in historischem Reetdachhaus
  • Marienkirche aus Feldstein
  • Amtsgebäude im historischen Reetdachhaus
  • Sparkasse im historischen Reetdachhaus

Theodor Storm[Bearbeiten]

Die Novelle Der Schimmelreiter von Theodor Storm spielte im Raum Hattstedt, welche die Bodenständigkeit und Gegebenheiten von Land und Leute dieser Gegend widerspiegelt und über die Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Theodor Storm war sehr häufig in Hattstedt zu Gast, der Sohn des Hattstedter Pastors besuchte mit ihm gemeinsam die Gelehrtenschule in Husum.

Die besondere Verbundenheit Storms mit Hattstedt fand in verschiedenen Werken Storms seinen Niederschlag. So könnte der Hattstedter Kirchturm in der Erzählung „Aquis submersus” als Vorbild gedient haben, wo es heißt: „Der graue spitze Kirchturm” „bis an das Schindeldach… aus Granitquadern aufgebaut”. Gleiches soll auch gelten für Beschreibungen in „Der Schimmelreiter” und dem Fragment „Die Armesünderglocke”.

Die Beziehung Storms zu Hattstedt war auch durch persönliche Erlebnisse des Dichters geprägt. So heiratete Storm in Hattstedt im Juni 1866 seine zweite Frau Dorothea, allerdings nicht in der Kirche, sondern im Kompastorat „Unter den Linden” im Lindenweg 1. Die dortige Örtlichkeit findet sich ebenfalls in „Aqius submersus”; das Epitaph zu dieser Novelle aber hängt in der Kirche in Drelsdorf.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hattstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hattsetdts Geschichte
  3. Marienkirche Hattstedt
  4. Altarraum
  5.  Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 251.
  6. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  7. a b siehe: Trachten im 16. Jahrhundert, Nordfriesischer Bildverlag E. Winter KG, Garding