Emmelsbüll-Horsbüll

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll führt kein Wappen
Emmelsbüll-Horsbüll
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll hervorgehoben
54.8216666666678.68472222222220Koordinaten: 54° 49′ N, 8° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Südtondern
Höhe: 0 m ü. NHN
Fläche: 35,73 km²
Einwohner: 943 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 25924,
25899 (Gotteskoogdeich, Katzhörn, Kleinkoogsdeich)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 04665
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 166
Adresse der Amtsverwaltung: Marktstraße 12
25899 Niebüll
Webpräsenz: www.emmelsbuell-horsbuell.de
Bürgermeister: Walter Sieger (ADW)
Lage der Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll im Kreis Nordfriesland
Karte

Emmelsbüll-Horsbüll (dänisch: Emsbøl-Horsbøl, friesisch: Ämesbel-Hoorbel) ist eine Gemeinde an der Nordseeküste im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Sie entstand 1974 aus dem Zusammenschluss der beiden Gemeinden Emmelsbüll und Horsbüll.

Geographie[Bearbeiten]

Emmelsbüll-Horsbüll ist eine Streusiedlung, die neben den beiden Kirchspielen, dem Straßendorf Emmelsbüll und dem halligartig auf einer Großwarft liegenden Alt-Horsbüll, noch mehrere kleinere Orte umfasst.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Siedlungsspuren stammen aus der Völkerwanderungszeit.[2]

Horsbüll[Bearbeiten]

Horsbüll, heute der kleinere der beiden Orte, wurde 1231 erstmals im Waldemar-Erdbuch als Mittelpunkt der damaligen Horsbüllharde erwähnt. Die Kirche stammt aus dieser Zeit. Sturmfluten erzwangen wiederholt die Rückversetzung des Deichs. Auf diese Weise verschwand im Laufe der Jahrhunderte der westliche Teil der Horsbüllharde, so dass die Horsbüller Kirche seit 1805 direkt am Deich steht. Heute liegt dahinter allerdings nicht mehr die Nordsee, sondern der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Außer dem halligartigen alten Dorfkern rund um die Kirche gehören zu Horsbüll das Straßendorf Neu-Horsbüll, Humwerthusum und Diedersbüll.

Den Namen erklärt eine Sage, nach der bei einer großen Sturmflut an der Stelle, wo heute die Horsbüller Marienkirche steht, ein Landeigner von seinem Pferd (= Hors) aus den Fluten gerettet worden sein soll. Büll ist im friesischen Raum häufig vertreten und bedeutet Siedlung, Dorf. Bei J.A. Petersen finden sich weitere Versionen zur Entstehung des Ortsnamens.[3]

Emmelsbüll[Bearbeiten]

Emmelsbüll am südlichen Rand der Wiedingharde wurde ebenfalls erstmals im Waldemar-Erdbuch erwähnt. Es bestand außer dem Dorfkern mit der Kirche aus mehreren auf Warften liegenden Höfen, darunter dem ehemals adeligen Gut Toftum. Durch die Gewinnung des Kleinen Emmelsbüller Koogs 1554 und des Gotteskoogs 1566 erweiterte sich das zur Gemeinde gehörende Gebiet. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Dorf durch mehrere Neubaugebiete vergrößert. In Südwesthörn, wo heute ein Schöpfwerk das im Sielzug (Alter Sielzug) gesammelte Wasser aus dem Gotteskoog und dem Alten Wiedingharder Koog in die Nordsee entwässert, befand sich bis ins 20. Jahrhundert hinein ein kleiner Hafen.

Gemeindebildung[Bearbeiten]

Am 1. Februar 1974 wurden die damaligen Gemeinden Emmelsbüll und Horsbüll zur neuen Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll zusammengeschlossen.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1845 1885 1900 1925 1933 1939 1961 1970 2004 2008 2011
Horsbüll 0436 0418 0413 0410 0400 0646 0394 0449
Emmelsbüll 0797 0862 0792 0750 0819 1086 0957 0947
gesamt 1233 1280 1205 1160 1219 1732 1351 1396 1051 0984 0936

Quellen: 1845[5], 1900[6] , 1885, 1925, 1933 und 1939[7], 1961 und 1970[4], 2008[8]

Erläuterungen:

  • Die Zunahme zwischen 1933 und 1939 erklärt sich durch die Einrichtung von Lagern des RAD.[9]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Von elf Sitzen der Gemeindevertretung hatte die Wählergemeinschaft AAE-H seit der Kommunalwahl 2008 fünf, die Wählergemeinschaft ADW drei, die Wählergemeinschaft KWH zwei und die SPD einen Sitz. Die Wahl am 26. Mai 2013 hatte folgendes Ergebnis: die Wählergemeinschaften ADW, AAE-H und KWH erhielten jeweils drei und die SPD zwei Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug 55,7 Prozent.[10]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Für die Wahlperiode 2013–2018 wurde Walter Sieger (ADW) zum Bürgermeister gewählt. Er trat die Nachfolge von Günther Carstensen (AAE-H) an, der 15 Jahre im Amt war.[11]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnergemeinde ist seit 2000 Unteregg im Unterallgäu.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rimberti-Kirche[Bearbeiten]

Emmelsbüll besitzt eine sehenswerte Kirche von 1768, die auf einer langgestreckten, recht hohen Warft erbaut wurde. Der 1770 gemalte „Himmel“ des Tonnengewölbes wurde in den 1990er Jahren wieder freigelegt. Auch die Emporenbilder stammen aus der Erbauungszeit.

Das Interieur stammt größtenteils aus dem mittelalterlichen Vorgängerbau, der 1768 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Das älteste Stück ist der Taufstein aus gotländischem Kalkstein, wie Waldemar II. ihn in den von ihm neu gegründeten Kirchspielen aufstellen ließ. Das Becken ist mit Blei ausgekleidet. Vielleicht noch älter ist der im Vorraum aufbewahrte Türsturz aus der alten Kirche mit eingeritzten Tierdarstellungen. Es handelt sich dabei eher um die in der germanischen Mythologie wichtigen Tiere Eber und Lindwurm als um eine Darstellung einer Judensau.[12]

Kanzel und Altar entstanden in der Barockzeit und befanden sich ebenfalls schon in die alten Kirche. Sie ähneln der Ausstattung der Tonderner Kirche. Der auferstanden Christus oben auf dem Altar schwenkt eine blau-weiß-rote Schleswig-Holstein-Fahne. Die Siegesfahne, die ursprünglich dem Danebrog ähnelte, wurde im 19. Jahrhundert übermalt.[13] 1900 malte der „Friesenmaler“ Carl Ludwig Jessen zwei neue Bilder für den barocken Altar, von denen das größere, eine Himmelfahrtsdarstellung, allerdings in den 1950er Jahren gegen ein barockes Gemälde ausgetauscht wurde und nun an der Südwand hängt. Gegenüber befindet sich das ursprüngliche Altarbild, eine Kreuzigungsdarstellung. Die Kanzel zeigt sechs Szenen aus dem Leben Christi mit niederdeutschen Texten.

Die Marcussen-Orgel von 1874 war die erste Orgel der Wiedingharde.[14] Sie besitzt einen noch funktionstüchtigen Blasebalg. Die Kirche ist nach Rimbert, dem Erzbischof von Hamburg-Bremen, benannt.

Marienkirche[Bearbeiten]

Die Horsbüller Marienkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert ist die älteste Kirche der Wiedingharde. Aus der Entstehungszeit stammt noch der Taufstein. Die Gemeinde war recht wohlhabend. Vor der Reformation besaß sie drei gotische Schnitzaltäre. 1780 wurden diese abgerissen und durch den barocken Altar ersetzt. Mit den Apostelfiguren eines der alten Altäre wurde der Deckel der Taufe verziert. In der Kirche befindet sich noch das frühneuzeitliche Gestühl mit Türen und geschnitzten Wangen, die Kanzel aus dem 17. Jahrhundert und ein Triumphkreuz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist landwirtschaftlich geprägt, die Haupteinnahmequellen sind jedoch ein muschelverarbeitender Betrieb und Windenergieanlagen. Ähnlich wie in Galmsbüll gibt es ein Projekt Bürgerwindpark.

Viele Einwohner leben vom Tourismus, sei es durch die Vermietung von Ferienwohnungen, sei es durch Arbeitsplätze auf Sylt.

Bei der Deicherhöhung des Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koogs wurde Klei von Feldern entnommen, da das Naturschutzgesetz Kleientnahme, d.h. das Ausbaggern des Wattbodens, vor dem Deich nicht mehr erlaubt. Dort, wo Klei entnommen wurde, befindet sich heute eine Seenplatte, die zunehmend touristisch genutzt wird (Badestelle, Angelteich) und auch von Zugvögeln als Rastplatz angenommen wird.

Bis in die 1980er Jahre existierte ein Bahnhof der Marschbahn. Wie in vielen anderen Dörfern auch ist die Infrastruktur in den vergangenen Jahrzehnten stark beschnitten worden.

Bildung, Schulen[Bearbeiten]

Am 11. Mai 1967 wurde der Schulneubau, der die alte, gegenüber der Kirche gelegene Schule ablöste, als Dörfergemeinschaftsschule Emmelsbüll-Horsbüll-Marienkoog eingeweiht. Zum Neubau gehörten auch eine Turnhalle und ein Freibad sowie eine Hausmeisterwohnung. 1977 wurde aufgrund der zurückgegangenen Schülerzahlen der Hauptschulbetrieb nach Neukirchen verlegt. Dafür wurden die Grundschüler(innen) aus Klanxbüll und dem Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog hier eingeschult. 1983 wurde die letzte Hauptschulklasse entlassen. Die ab 1973 eingerichtete Vorklasse wurde 1998 aufgelöst.[15] Aufgrund weiter zurückgehender Schülerzahlen wurde die Schule mit Ablauf des Schuljahres 2009/2010 geschlossen.[16]

Die Grund- und Regionalschule befindet sich in Neukirchen. Weiterführende Schulen befinden sich in Niebüll.

Südwesthörn[Bearbeiten]

Südwesthörn

Am Außendeich südlich des Schöpfwerk Südwesthörn befindet sich die Badestelle Südwesthörn (54.7965848.6600373). Hier findet man eine Liegewiese mit Strandkörben, eine öffentliche Dusche und einen Steg in das Wattenmeer.
Ursprünglich befand sich an dieser Stelle ein kleiner Hafen, in den aktuellen Seekarten ist dieser noch verzeichnet. Bis 1977 befand sich an der Stelle des Schöpfwerkes Südwesthörn ein Siel in Form eines (geschlossenen) Ständersiels. Bei Niedrigwasser wurden die Sieltore zur Entwässerung des Binnenlandes geöffnet, bei Hochwasser wurden sie geschlossen. Das Schöpfwerkes Südwesthörn verfügt über 4 elektrisch betriebene Pumpen mit einer Gesamtförderleistung von 12.000 Litern/Sekunde.[17]
Von hier aus finden geführte Wanderungen in den Nationalpark Wattenmeer statt.[18]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mit Emmelsbüll-Horsbüll verbunden[Bearbeiten]

  • Christian A. Schwarz (* 1960), evangelischer Theologe und Publizist, lebt in der Gemeinde.
  • Friedhelm Rathjen (* 1958), Autor und Übersetzer, lebt und arbeitet in Emmelsbüll-Horsbüll.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Besiedlungsgeschichte
  3.  J.A.Petersen: Wanderungen durch die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg, Band 3. 1839, S. 426f.
  4. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 182.
  5.  W. Lesser: Topographie des herzogthums Schleswig, Band 1-2. C. Schröder & comp., 1853 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Gemeindeverzeichnis 1900. Abgerufen am 10. Juni 2010.
  7. Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 10. Juni 2010 (zusammengestellt von Michael Rademacher, Quellen siehe dort).
  8. Statistikamt Nord: Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein am 31. Dezember 2008 (PDF-Datei; 539 kB)
  9. Zeitzeuge
  10. Web-Redaktion: Ergebnisse der Gemeindewahl 2013 im Amt Südtondern. In: www.amt-suedtondern.de. Amt Südtondern, abgerufen am 22. Juni 2013.
  11. [1]Mit knapper Mehrheit im Amt] Husumer Nachrichten vom 13. Juli 2013, abgerufen am 14. Juli 2013
  12. Laut Hans Thomas Carstensen, Wolfgang Henningsen: Die Emmelsbüller „Judensau”. Zur Ikonographie einer Steinritzung. In: Nordelbingen. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte, Bd. 58, Heide in Holstein 1989, Seite 7ff, ist die Ritzzeichnung von ungefähr 1200 die älteste Judensau-Darstellung. Allerdings sind die von ihm festgestellten menschlichen Figuren so stilisiert, dass sie als solche nicht zu erkennen sind. Auch taucht der Lindwurm in keiner der anderen Judensau-Darstellungen auf.
  13. Hans Carstensen: Wiedingharder Kirchenführer; ISBN 978-3837031898; S. 33
  14. Hans Carstensen: Wiedingharder Kirchenführer; S. 30
  15. Schulportrait Schulportrait
  16. Aus für Grundschule Emmelsbüll-Horsbüll Nordfriesland Tageblatt v. 4. Februar 2010
  17. Festschrift zur Einweihung des Schöpfwerkes Südwesthörn, Dipl. Ing. Werner Kambeck, Hrsg. Nordfriisk Instituut Bredtstedt, ISBN 3-88007-066-0
  18. Meeresgrund trifft Horizont“De Wattenlöpers” Fachverband der Wattführerinnen und Wattführer im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer e.V.