Talbot

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Dieser Artikel befasst sich mit der Automobilmarke Talbot, zu weiteren Bedeutungen siehe Talbot (Begriffsklärung).

Talbot war eine von 1903 bis 1986 bestehende französische Automobilmarke mit britischen Ursprüngen. Die Marke Talbot durchlief in ihrer wechselvollen Geschichte mehrere Phasen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Aufbauphase (1903 bis 1919)

Eine in England gegründete Gesellschaft, deren Hauptbeteiligter Charles Chetwynd-Talbot war, importierte ab 1903 französische Autos der Marke Clément, die in England unter dem Namen Talbot verkauft wurden. 1904 begann die Montage von eigenen Automobilen mit Bauteilen, die Clément lieferte. 1906 wurde der erste ausschließlich in England hergestellte Talbot angeboten.

[Bearbeiten] Die Sunbeam-Talbot-Darracq-Phase (1919 bis 1935)

Im Oktober 1919 wurde ein Werk des britischen Unternehmens Talbot von A. Darracq & Co Ltd aus Frankreich übernommen. Die Modelle 1919/1920 erschienen nun als Talbot-Darracq. 1920 kaufte Darracq außerdem die Marke Sunbeam und gründete im Jahre 1920 die Gruppe STD (Sunbeam-Talbot-Darracq) als Zusammenschluss britischer und französischer Automobilhersteller mit den Markennamen Sunbeam, Darracq, Talbot-Darracq und Talbot Special. Für Frankreich bevorzugte man die Marke Talbot.

Zwischen 1919 und 1927 wurden Autos mit sehr unterschiedlicher Motorisierung gebaut: Der Talbot-Darracq von 1919 hatte einen 4,6-Liter-V8-Motor, 1922 kamen Vierzylindermodelle mit 1,6 und 2,1 Liter Hubraum hinzu und 1927 erschienen drei Motorvarianten eines Sechszylinders mit einem Hubraum von 2,8 bis 3 Liter.

Als 1935 die STD-Gruppe zahlungsunfähig wurde, übernahm der ehemalige Produktionsleiter Antonio Lago die französische Niederlassung in Suresnes. Den englischen Unternehmensteil übernahm die Rootes-Gruppe. Die englische Marke Talbot wurde 1938 eingestellt, Rootes nutzte jedoch die Marke Sunbeam-Talbot bis 1953.

[Bearbeiten] Die Talbot-Lago-Phase (1935 bis 1959)

1935 übernahm der Italiener Antonio Lago das Talbot-Werk in Suresnes. Unter seiner Leitung und dem neuen Unternehmensnamen (Firma) Talbot Lago wurden bis 1937 zwei völlig neue Automodelle mit Sechszylindermotoren (2,7 und 3 Liter Hubraum) entwickelt. In den folgenden Jahren entstanden in Kooperationen mit den namhaftesten Karosseuren Europas einige der aufregendsten Fahrzeuge der Vorkriegsgeschichte. Zu diesen Karosseriebauern gehörten: Figoni & Falaschi (T 150 SS Coupé von 1937 und das weltberühmte Teardrop Coupé von 1938), Chausson, Saoutchik, Partout und Henri Chapron. Es wurde sogar ein Cabriolet von dem Schweizer Karosseriehersteller Graber und eines von Ghia gefertigt. (Im Januar 2006 wechselte bei Gooding & Company in den USA eines der Teardrop-Coupés für 3.905.000 USD seinen Eigentümer.)

In der Rennsaison 1939 wurden in Suresnes zwei Grand-Prix-Fahrzeuge entwickelt. Bedingt durch die politische Situation dieser Zeit kamen die Wagen jedoch nicht zum Einsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte Lago den Talbot Lago Record und den Grand Sport mit einem 4,5-l-Motor und einem Wilson-Vorwählgetriebe vor und konnte damit sportliche Erfolge wie zum Beispiel den Le-Mans-Sieg 1950 mit Louis Rosier am Steuer erzielen. Ebenfalls 1950 erschien ein neues Modell namens Baby (Vierzylindermotor mit 2690 cm³ Hubraum). 400 Automobile wurden im Jahre 1950 produziert. Im darauf folgenden Jahr waren es weniger als 100 Automobile. Eine bedeutende Änderung in den Jahren ab 1953 bestand darin, dass anstelle des Wilson-Vorwählgetriebes ein konventionelles Getriebe mit 4-Gang-Schaltung von Pont-a-Mousson eingebaut wurde. Das Fahrgestell des Talbot Lago Babys konnte auch ohne Aufbau erworben werden. Diese Fahrgestelle kamen bis zum Produktionsende im Jahre 1955 bei den Grand-Sport-Coupés mit einem 4,5-Liter-Sechszylinder-Motor zum Einsatz.

Der letzte große Entwurf von Talbot Lago wurde 1955 vorgestellt. Es war der 2500 Sport. Antonio Lago entschied sich für einen Vierzylinder-Reihenmotor, der mit 2491 cm³ genau das Rennklassement der 2,5-Liter-Klasse ohne Kompressor erfüllte. Insgesamt wurden 54 Exemplare gefertigt. Zwei Fahrzeuge verließen das Werk ohne Aufbau, um später vermutlich als offene Sportwagen vollendet zu werden. Unter diesen 52 karossierten Exemplaren wird unterschieden zwischen den Varianten für Europa und für Amerika (15 von 52 Exemplaren). Die Amerika-Modelle wurden mit einem BMW-2,5-Liter-V8-Aggregat bestückt, bekannt aus dem BMW 502, und besitzen massivere Chromapplikationen als die Europamodelle. Aus den Werksproduktionslisten geht hervor, dass 1956 für das 24-Stunden-Rennen in Le Mans zwei Prototypen mit einem Sechszylinder-Maserati-Motor gebaut wurden. Der Verbleib ist heute unbekannt.

1959 waren die Absatzchancen für die Talbot-Lagos derart gesunken, dass Antonio Lago sein Unternehmen an Simca verkaufen musste.

[Bearbeiten] Modelle

[Bearbeiten] Die Simca-Chrysler-PSA-Phase (1957 bis 1986)

[Bearbeiten] Simca und Chrysler Europe

Weder bei Simca noch später bei Chrysler (Chrysler erwarb in der Zeit von 1957 bis 1970 stückweise alle Aktien von Simca und gründete das Unternehmen Chrysler France) dachten die Verantwortlichen darüber nach, den Namen TALBOT für einen Luxuswagen oder Sportwagen wiederzuverwenden.

[Bearbeiten] Talbot (PSA)

Aus der Übernahme der Mehrheit von Citroën durch Peugeot 1974 entstand im Jahr 1976 der PSA-Konzern. Noch weitreichender für den Wachstumskurs von Peugeot war die Übernahme von Chrysler Europa im Sommer 1978, wodurch PSA zum größten Automobilkonzern Europas wurde. Im Sommer 1979 erhielten die Chrysler-Filialen den Namen Talbot. Die unter Chrysler entwickelten Pkw-Modelle wurden nach der Übernahme durch PSA unter dem Namen Talbot bzw. Talbot-Simca (bis Anfang 1980) weitergebaut, Matra-Modelle unter dem Markennamen Talbot-Matra und der von Chrysler entwickelte Sunbeam unter dem Modellnamen Talbot Sunbeam weitergeführt. Unter dem Dach des PSA-Konzerns waren somit zu diesem Zeitpunkt drei französische Automarken mit großer Geschichte vereint.

Unterdessen entwickelte sich die Übernahme der europäischen Chrysler-Werke in Frankreich, Spanien und Großbritannien für PSA zu einer harten wirtschaftlichen Prüfung. Im Jahr 1980 schrieb der Konzern einen Verlust von 1,5 Milliarden Franc, worauf im April 1981 die Produktion der in Großbritannien gebauten Modelle Sunbeam und Avenger eingestellt wurde.

Im Herbst 1980 übernahm Peugeot die Talbot-Organisation und beide Unternehmen beschlossen rückwirkend zum 1. Januar 1980 ihre Fusion. Es begann die Entwicklung eines Formel-1-Wagens mit dem Namen Talbot-Ligier unter Mitwirkung des Rennwagenkonstrukteurs Guy Ligier und mit Einsatz eines V12-Motors von Matra.

Peugeot musste weitere wirtschaftliche Probleme bewältigen. Für 1982 beispielsweise wies Peugeot einen Verlust von über 2 Milliarden Franc aus. PSA verkaufte seine Anteile an Matra, die Produktion von Rancho und Murena wurde bis Anfang 1984 eingestellt.

Um für den Konkurs von Talbot nicht haftbar gemacht zu werden, gliederte PSA im Jahr 1984 die Gesellschaft Talbot wieder aus. PSA entschied, die Marke Talbot zugunsten der Entwicklung neuer Peugeot-Modelle endgültig einzustellen, was das Aus der Marke Talbot bedeutete. Aus den bereits produzierten Teilebeständen wurden noch bis Anfang 1987 in den Werken Talbot-Fahrzeuge produziert und verkauft.

Bereits im Juni 1986 endete der Talbot-Verkauf in Deutschland als auch in Frankreich. In Großbritannien wurde jedoch seit Anfang 1984 der bei Sevel (Gemeinschaftsunternehmen von PSA und Fiat) gebaute Talbot Express – ein leichtes Nutzfahrzeug – bis Ende 1993 weiterverkauft. Auf dem Festland war dieses Fahrzeug als Peugeot J5 und Citroën C25 oder Fiat Ducato bekannt.

Das letzte von Talbot selbst entwickelte Fahrzeug, das als Nachfolger des Horizon entwickelt wurde, war der im Oktober 1985 vorgestellte Peugeot 309, dessen Markteinführung ursprünglich unter dem Namen Talbot Arizona vorgesehen war.

Ende der 1980er Jahre prüfte Peugeot, ob der mit Fiat gemeinsam entwickelte Minivan nicht als Talbot verkauft werden sollte. Das Auto kam letztendlich Mitte 1994 aber als Peugeot 806 bzw. Citroën Evasion auf den Markt.

Ende 1993 wurden bei allen Filialen und Vertragshändlern die Talbot-Schilder entfernt.

[Bearbeiten] Modelle

[Bearbeiten] Britische Talbot-Modelle

Modell Bauzeitraum Zylinder Hubraum Radstand
6 hp 1904 1
11 hp 1904 2 Reihe 1526 cm³
14 hp 1904 4 Reihe 2413 cm³
20 hp 1904 4 Reihe 3052 cm³
7 hp 1905 2 Reihe 1005 cm³ 1778 mm
10/12 hp 1905–1908 2 Reihe 1885 cm³ 2362–2781 mm
12/16 hp 1905–1907 4 Reihe 2724 cm³ 2235–2591 mm
20/24 hp 1905–1907 4 Reihe 3770 cm³ 2337–2781 mm
24/30 hp 1905–1907 4 Reihe 4398 cm³ 2896 mm
35/40 hp 1905–1911 4 Reihe 4398–6335 cm³ 2997–3175 mm
8/10 hp 1906–1908 2 Reihe 1248 cm³ 2007–2438 mm
10/16 hp 1907–1908 4 Reihe 1590 cm³
15 hp 1907–1908 4 Reihe 2978 cm³ 2489–2946 mm
50/60 hp 1907–1908 4 Reihe 9240 cm³ 3251 mm
9/11 hp 1908 2 Reihe
12 hp 1908–1915 4 Reihe 2409 cm³ 2845 mm
25 hp 1908–1909 4 Reihe 4562 cm³ 2972 mm
35 hp 1908–1910 4 Reihe 5429 cm³ 2997 mm
20/40 hp 1910–1914 6 Reihe 3614 cm³ 3048–3353 mm
25 hp 1910–1913 4 Reihe 4576 cm³ 3048 mm
15 hp 1911–1913 4 Reihe 3563 cm³ 2946 mm
35 hp 1911 4 Reihe 6082 cm³ 2997 mm
15/20 hp 1914–1915 4 Reihe 2610 cm³ 2845–3073 mm
20/30 hp 1914–1915 4 Reihe 3563 cm³ 3226 mm
25/50 hp 1914–1922 4 Reihe 4447 cm³ 3226–3378 mm
25/50 hp 1915 6 Reihe 3912 cm³ 3531 mm
14 hp 1921 4 Reihe 1955 cm³ 2997 mm
16 hp 1921 4 Reihe 2514 cm³ 3073 mm
36 hp 1921 6 Reihe 3922 cm³ 3531 mm
12/30 hp 1922–1924 6 Reihe 1454 cm³ 3048 mm
8/18 hp 1922–1926 4 Reihe 970 cm³ 2464 mm
10/23 hp 1923–1926 4 Reihe 1074 cm³ 2858–3048 mm
12/30 hp 1924 6 Reihe 1612 cm³ 3175 mm
16/50 hp 1924–1925 6 Reihe 2540 cm³ 3289 mm
18/55 hp 1905–1908 6 Reihe 2540 cm³ 3277 mm
14/45 hp 1926–1935 6 Reihe 1666 cm³ 2819–3061 mm
20/60 hp 1926–1928 6 Reihe 2916 cm³ 3277–3448 mm
18/70 hp 1930 6 Reihe 2276 cm³ 3048 mm
90 hp 1930–1937 6 Reihe 2276 cm³ 2896–3061 mm
75 hp 1931–1937 6 Reihe 2276 cm³ 2896 mm
105 hp 1931–1937 6 Reihe 2969 cm³ 2896 mm
95 hp 1933–1936 6 Reihe 2969 cm³ 3061 mm
110 hp 1935–1937 6 Reihe 3378 cm³ 3061 mm
8 1936 8 Reihe 4504 cm³ 3150 mm
10 hp 1936–1939 4 Reihe 1185 cm³ 2362 mm
3 litre 1937–1938 6 Reihe 3181 cm³ 2997 mm

[Bearbeiten] Zeitleiste

Zeitleiste der Talbot/Chrysler Europe/Simca/Rootes/Matra-Modelle von 1945 bis 1986
Typ SIMCA bis 1957,
Rootes Group bis 1967 unabhängig
Einstieg von Chrysler, Bildung von Chrysler Europe Ab Ende 1978 Teil von PSA (Peugeot)
40er 50er 60er 70er 80er
5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Kleinwagen Imp / Imp Californian / Husky4 Sunbeam5 Sunbeam5
Chamois4
Stiletto4
5 / 6 1000/900/1005/1006 Samba8
Kompaktklasse Avenger5 Avenger5 Avenger5
8 / 8/1200 11007 11007
Horizon7 Horizon7 Horizon7 Arizona
Mittelklasse Minx (Mk I-Mk VII) / Husky Mk I Minx / Husky (SI-SIII)1 Super Minx2 New Minx3 Hunter3 Hunter3
SM 1500 Hunter Gazelle1 Vogue2 New Gazelle/Vogue3
Ten/2L 80/90 (MkI) 90 (MkII) Mk III Rapier (SI–V)1 New Rapier / Rapier H1203
Sceptre I+II2 New Sceptre3 Solara6
Hawk (Mk I–III) Hawk (Mk IV–VI) Hawk (SI–IV) Alpine6 Alpine6
9 Aronde Aronde Aronde (P60) 1300/1500 1301/1501 1301/1501 1307/13086 15106 15106
Obere Mittelklasse Snipe / Super Snipe (I–III) Super Snipe (VI) Super Snipe (SI–V)
Baby Ariane 160/180 160/180/2L 1610/2L 1610/2L Tagora9
Oberklasse Pullman / Imperial (Mk I IV) Imperial
Record Vedette
Coupé / Cabrio Imp Sport4
1000 Coupé 1200 S
Alpine MkI/III Alpine SI–IV / Tiger New Alpine3
Comète America
Sportwagen T26 Grand Sport / Saoutchik Sport DJET JET 530 Bagheera Bagheera Bagheera Murena
SUV Rancho Rancho
Kastenwagen 1100 VF2/VF3 Citylaster Citylaster
Talbot-Lago, 1959 an Simca verkauft SIMCA: Lizenz- produktion von Fiat SIMCA: 1954 von Ford France SA hinzugekauft SIMCA: teilweise auf Basis von Fiat oder Ford weiterentwickelt Chrysler- Simca Humber, Marke der Rootes- Gruppe, wird 1975 eingestellt Sunbeam- Talbot, Marke der Rootes- Gruppe bis 1953 Sunbeam, Marke der Rootes- Gruppe ab 1953, wird 1975 eingestellt Singer, Marke der Rootes- Gruppe seit 1954, wird 1975 eingestellt Hillman, Marke der Rootes- Gruppe Chrysler Automobiles René Bonnet Sportwagen Matra Matra- Simca Talbot- Matra Talbot- Simca Talbot, Marke wird 1986 eingestellt

1gemeinsame Plattform der Rootes-Gruppe auf Basis des Hillman Minx 1956
2gemeinsame Plattform Audax der Rootes-Gruppe auf Bais des Hillman Super Minx
3gemeinsame Plattform Arrow der Rootes-Gruppe
4gemeinsame Plattform der Rootes-Gruppe auf Basis des Hillman Imp
5gemeinsame Plattform – Chrysler Avenger, Projekt 424
6gemeinsame Plattform – Chrysler Projekt C6
7gemeinsame Plattform – Chrysler Projekt C2
8gemeinsame PSA-Plattform mit Peugeot 104 und Citroën LN
9Chrysler Projekt C9, viele Teile mit Peugeot 604 gleich

[Bearbeiten] Literatur

  • Jacques Borgé, Nicolas Viasnoff: Talbot-Automobile. Geschichte einer großen europäischen Marke. Schrader & Partner, München 1981, ISBN 3-922617-02-6.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Talbot vehicles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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