Bahnhof Hamm (Westfalen)

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Bahnhof Hamm (Westfalen)
Bahnhof Hamm (Westfalen).jpg
Daten
Kategorie 2
Betriebsart Kreuzungsbahnhof
Bahnsteiggleise 12
Abkürzung EHM
IBNR 8000149
Eröffnung 2. Mai 1847 (Bahnhof)
14. Oktober 1920
(Neues Empfangsgebäude)
Architektonische Daten
Baustil Historismus
Lage
Stadt Hamm
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 40′ 42″ N, 7° 48′ 29″ O51.6783333333337.8080555555556Koordinaten: 51° 40′ 42″ N, 7° 48′ 29″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen
i3i7i12i13i15i16i16i18i20

Der Bahnhof Hamm (Westfalen) (Tarifbezeichnung Hamm (Westf), lokal auch Hamm Hauptbahnhof genannt) ist der wichtigste Bahnhof der nordrhein-westfälischen Stadt Hamm. Sein imposantes Empfangsgebäude ist ein Aushängeschild und markantes Entrée der Stadt. Die Anlage dient gleichzeitig als wichtiger Eisenbahnknoten in Nordrhein-Westfalen, besonders für das östliche Ruhrgebiet. Er ist Teil des Netzes der Deutschen Bahn AG.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bahnhof Hamm wurde im Zuge des Baus der Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft schon im Jahre 1847 eingeweiht. Der erste Zug erreichte am 15. Mai die Stadt an der Lippe über die Strecke von Dortmund. Fünf Monate später fuhren sie zum ersten Mal weiter über die Strecke nach Minden.

Von Anfang an war Hamm als Knotenbahnhof geplant. So wurde im Mai 1848 durch die Münster-Hammer Eisenbahn-Gesellschaft die Strecke nach Münster eröffnet und am 4. Oktober 1850 die Strecke nach Warburg über Soest und Paderborn durch die Königlich-Westfälische Eisenbahn-Gesellschaft. Schließlich eröffnete die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft im Jahre 1866 ihre Strecke von Hagen über Unna.

Infolge des starken Anwachsens des Zugverkehrs reichten die Kapazitäten der Gleisanlagen bald nicht mehr aus. So wurde ab dem Jahre 1911 ein großangelegter Umbau in Angriff genommen, der 1929 abgeschlossen war. In diesem Zusammenhang wurden die Gleise angehoben und der über 60 Jahre alte Bahnhof in Form eines Inselbahnhofs durch das heutige Gebäude ersetzt, das im Jahre 1920 fertiggestellt war.

Im Rahmen dieses Umbaus wurden auch zwei große Bahnbetriebswerke errichtet: Hamm P für den Personenbahnhof und Hamm G für den Rangierbahnhof, ferner ein Abstellbahnhof für Reisezüge und ein Ortsgüterbahnhof. Hamm entwickelte sich daher zu einer typischen sogenannten Eisenbahnerstadt.

Das alte Empfangsgebäude (1906)
Der schwer beschädigte Bahnhof wird am 6. April 1945 von US-Soldaten eingenommen.

Wegen der großen Bedeutung der Bahnanlagen, insbesondere des Rangierbahnhofs, waren diese im Zweiten Weltkrieg immer wieder Luftangriffen ausgesetzt und wurden schwer beschädigt. Dabei wurde die Stadt Hamm zu über 80 % zerstört. Am 18. Juni 1945 fuhren wieder die ersten Personenzüge zwischen Hamm, Dortmund und Duisburg, ab dem 20. Juni fuhren wieder Personenzüge nach Bielefeld, Münster und Soest.

Am 10. Mai 1957 wurde die erste elektrifizierte Strecke nach Düsseldorf in Betrieb genommen, im Dezember 1970 wurde mit der Strecke nach Paderborn die letzte von Hamm ausgehende Strecke elektrifiziert.

Im Jahre 1984 wurde Hamm InterCity-Bahnhof und Anfang der 1990er Jahre kam der ICE hinzu.

Vollständig stillgelegt ist infolge der Verlagerung der Postbeförderung auf den Straßenverkehr der Postbahnhof am Nordkopf des Bahnhofs, der auch mit einem Ablaufberg versehen war. Heute sind dessen Zufahrtsgleise entfernt und das Gelände wurde an private Investoren verkauft und dient nun der Stadt Hamm als Abstellhalle für Fahrzeuge.

Empfangsgebäude[Bearbeiten]

Das Empfangsgebäude in seiner heutigen Form wurde am 14. Oktober 1920 eröffnet. Es ist ein Beispiel für ein repräsentatives Bauwerk im Stil eines spätbarocke Formen zitierenden Historismus, das ein unbekannter Architekt entworfen hat. Im Zweiten Weltkrieg wurden Dach und Gewölbe beschädigt, aber sehr bald wieder hergerichtet.

Im Jahr 1985 wurde der Bahnhof im Stil der Zeit modernisiert, wobei die Stirnwände der Halle mit Metallpaneelen verkleidet und das Reisezentrum in Form einer Glashalle in die Bahnhofshalle eingebaut wurde.

Ende der 1990er Jahre wurde der Bahnhof saniert und dabei in den Ursprungszustand zurück versetzt. So ist die Halle wieder entstanden, wie sie heute zu sehen ist. Für die authentische Sanierung erhielt der Bahnhof 2001 den Europa-Nostra-Preis.

Seit 1990 steht das Empfangsgebäude unter Denkmalschutz.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten]

Der Bahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt Westfalens am östlichen Rand des Ruhrgebietes und gehört zur zweithöchsten Bahnhofskategorie. Hier treffen die Kursbuchstrecken 400, 410, 415, 430 und 455 aufeinander, die Richtung Bielefeld, Münster, Dortmund, Paderborn und Hagen führen. Hamm ist auch Endpunkt der Hamm-Osterfelder Bahn, deren Personenverkehr allerdings im Jahre 1983 eingestellt wurde. Sie ist aber weiterhin eine wichtige Güterverkehrsstrecke.

Im Schienenpersonenfernverkehr ist Hamm Systemhalt mehrerer Intercity-Express- und Intercity-Linien. Eine Besonderheit stellen die aus zwei ICE 2-Teilzügen bestehenden ICE-Züge aus Berlin dar, die in Hamm geflügelt werden und separat in Richtung mittleres Ruhrgebiet einerseits und Richtung Bergisches Land andererseits fahren.

Daneben verkehren zwei jeweils zweistündliche Intercity-Linien zwischen dem Ruhrgebiet und Halle (Saale), einerseits über Hannover nach Leipzig, andererseits als Mitte-Deutschland-Verbindung über Kassel nach Berlin.

Der Bahnhof verzeichnete 2008 täglich ca. 22.500 Ein-, Aus- und Umstiege im Personen-Nahverkehr, noch 1997 waren es nur ca. 10.000.[1] Täglich verkehren hier etwa 350 Züge im Fern- und Nahverkehr.

Linie Linienverlauf Takt
ICE 10 Berlin – Wolfsburg – Hannover – Bielefeld – Hamm (Westf) (Flügelung)
vorderer Triebzug:
Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf (– Köln Messe/Deutz – Köln/Bonn Flughafen)
hinterer Triebzug:
Hagen – Wuppertal – Köln (– Bonn – Koblenz)
60 min
ICE 41 München – Nürnberg – Würzburg – Frankfurt am Main – Köln Messe/Deutz – Düsseldorf – Duisburg – Essen – Bochum – Dortmund – Hamm (Westf) ICE 1226 Sa
ICE 41 Hamm (Westf) – Dortmund – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln Messe/Deutz– Frankfurt am Main – Würzburg – Nürnberg – München ICE 625 So
ICE 41 (Darmstadt Hbf – Frankfurt(Main)Hbf −) Köln Messe-Deutz/Köln Hbf – Düsseldorf Hbf – Essen Hbf – Hamm(Westf)Hbf –Paderborn Hbf – Kassel Wilhelmshöhe – Würzburg Hbf – Nürnberg Hbf – München Hbf  Ein Zugpaar
ICE 43 Hannover – Bielefeld – Hamm (Westf) – Dortmund – Hagen – Wuppertal – Solingen – Köln – Siegburg/Bonn – Frankfurt (Main) Flughafen Mannheim – Karlsruhe – Freiburg (Breisgau) – Basel Ein Zugpaar
IC/EC 32 Berlin – Hannover – Bielefeld – Hamm (Westf) – Dortmund – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln – Koblenz – Mannheim – Heidelberg – Stuttgart Fr/So
IC 51 (Ostseebad Binz – Stralsund –) Berlin – Halle (Saale) – Erfurt – Kassel-Wilhelmshöhe – Paderborn – Hamm (Westf) – Dortmund – Essen – Duisburg – Düsseldorf (– Köln) ein Zugpaar
IC 55 Leipzig – Halle (Saale) – Magdeburg – Braunschweig – Hannover – Bielefeld – Hamm (Westf) – Dortmund – (Essen – Duisburg – Düsseldorf) oder (Hagen – Wuppertal – Solingen) – Köln 120 min

Hamm ist weiterhin Halt zahlreicher Linien des Schienenpersonennahverkehrs, S-Bahnen verkehren nicht.

Linie Name Linienverlauf Takt Betreiber
RE 1 NRW-Express (Paderborn – Soest –) Hamm (Westf)* – Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln – Aachen 60 min DB Regio NRW
RE 3 Rhein-Emscher-Express Hamm (Westf) – Dortmund – Herne – Wanne-Eickel – Gelsenkirchen – Oberhausen – Duisburg – Düsseldorf 60 min eurobahn
RE 6 Westfalen-Express Minden (Westf) – Bielefeld – Gütersloh – Hamm (Westf) – Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf 60 min DB Regio NRW
RE 7 Rhein-Münsterland-Express Rheine – Münster (Westf) – Hamm (Westf) – Hagen – Wuppertal – Solingen – Köln – Neuss – Krefeld 60 min DB Regio NRW
RE 11 Rhein-Hellweg-Express Hamm (Westf) – Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Krefeld –Viersen – Mönchengladbach 60 min DB Regio NRW
RE 13 Maas-Wupper-Express Hamm (Westf) – Hagen – Wuppertal – Düsseldorf – Neuss – Mönchengladbach* – Viersen – Venlo 60 min eurobahn
RB 69 Ems-Börde-Bahn
(Flügelung in Hamm)
Münster (Westf) – Hamm (Westf)* – Gütersloh – Bielefeld 60 min eurobahn
RB 89 Münster (Westf) – Hamm (Westf) – Soest – Paderborn – Warburg (Westf) 30 min eurobahn
* mit Fahrtrichtungswechsel

Service im Bahnhof[Bearbeiten]

Die Bahnhofshalle

Der Bahnhof ist barrierefrei eingerichtet, alle Bahnsteige (außer Gleis 12/13) können über einen Aufzug erreicht werden. Außerdem gibt es Blindenleitlinien auf dem Boden.

Die Deutsche Bahn unterhält in Hamm ein Reisezentrum (geöffnet Mo-Fr 6:30–19:30 Uhr, Sa 8:30–17:00 Uhr und So 9:30–19:00 Uhr) und eine DB Information (geöffnet täglich 06:00-22:30 Uhr). Die Reisenden finden in der Bahnhofshalle ein Bistro, eine Bäckerei, eine Drogerie und einen Buch- und Zeitschriftenladen; außerdem ist eine Bahnhofsmission am Gleis 3 (Nordende) vorhanden.

Die Toilette ist nicht rund um die Uhr zugänglich (6:00-24:00 Uhr). Es existiert ein behindertengerechtes WC, der Euroschlüssel kann nicht verwendet werden.

Fahrradfahrer finden am Bahnhof ein Fahrradparkhaus (geöffnet montags-freitags 5:30-22:00 Uhr, samstags 7:00–15:00 Uhr, sonntags u. feiertags geschlossen, bei herausragenden Veranstaltungen gibt es Sonderöffnungszeiten) und zahlreiche Fahrradständer vor dem Haupt- und dem Westeingang.

Busse aller Linien (mit Ausnahme der Linien 7 und 17) halten direkt vor dem Bahnhofsgebäude, an der modernen Haltestelle "Hbf/Willy-Brandt-Platz" mit Touristen-Information. Die Linien 7 und 17 halten am Westausgang, Haltestelle "Bahnhof/A.-Thyssen-Str."

Rund um den Bahnhof gibt es zur Zeit circa 220 kostenlose Park&Ride-Plätze für Pendler, sowie etwa 800 Parkplätze in Parkhäusern und Tiefgaragen, 200 davon stehen in einem Parkhaus am Westausgang zur Verfügung.

An der Nordseite des Empfangsgebäudes befindet sich das Bundespolizeirevier Hamm der Bundespolizeiinspektion Münster.

Reminiszenz[Bearbeiten]

Im Jahr 1967 bedachte der deutsche Liedermacher Reinhard Mey den Bahnhof auf seiner ersten Studio-LP mit der Ballade "Hauptbahnhof Hamm".

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Borghaus/Rüdt: Die maschinentechnischen Anlagen des Bahnhofes Hamm i. Westf. In: Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens N° 12 vom 15. Juni 1929, Seiten 200...208, Tafel 9. (Enthält historischen Gleisplan).
  • Hanns Jürgen Buchholz: Der Eisenbahnverkehrsknoten Hamm (Westf.) – Entwicklung und Wandlung seiner Bedeutung. In: 750 Jahre Stadt Hamm, Seiten 325...356. Hamm (Westf.): Hrsg. im Auftrage der Stadt Hamm von Dr. Herbert ZINK, 1976.
  • Heinz Werner Kretschmann: Eisenbahnknotenpunkt Hamm. Entstehung und Entwicklung bis 1927. In: Jahrbuch für Eisenbahngeschichte 1987, Band 19, Seiten 5...54. Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, Karlsruhe. Lübbecke: Uhle & Kleimann 1987. ISBN 3-922657-59-1.
  • Markus Meinold: Bahnhof Hamm (Westf). Die Geschichte eines Eisenbahnknotens. Hövelhof: DGEG Medien GmbH 2004. ISBN 3-937189-07-6
  • Maria Perrefort (Hrsg.): „Alle Gleise führen nach Hamm“. Zur Geschichte des Hammer Bahnhofs. Hamm (Westf.): Westfälischer Anzeiger, 1997, ISBN 3-924966-12-5 (= Notizen zur Stadtgeschichte, Heft 2).
  • Erich Preuss (Hrsg.): Einzelblatt über den Bahnhof Hamm (Westf.) mit Gleisplan um 1980. In: Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe. (Sammelwerk als Loseblattausgabe.) München: GeraNova Zeitschriften-Verlag. ISSN 0949-2127

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hamm – ein wahrer Hauptbahnhof, Westfälischer Anzeiger 16. April 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Hamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Deutsche Bahn AG:

NRWbahnarchiv von André Joost:

(Luft-)Bilder der Bahnhofsanlagen:

weitere Belege:

Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 7. Oktober 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.