Afghanische Fußballnationalmannschaft

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Afghanistan
Spitzname(n) شیران خراسان, شیران افغانستان
Löwen von Khorasan[1], Löwen von Afghanistan[2]
Verband Afghanistan Football Federation
Konföderation AFC
Technischer Sponsor hummel
Trainer DeutschlandDeutschland Slaven Skeledzic, seit 2015
Co-Trainer AfghanistanAfghanistan Ali Askar Lali, seit 2015
Kapitän Djelaludin Sharityar, seit 2015
Rekordtorschütze Belal Arezou (9)
Rekordspieler Zohib Islam Amiri (43)
Heimstadion AFF-Stadion
FIFA-Code AFG
FIFA-Rang 151. (138 Punkte)
(Stand: 4. Juni 2015)[3]
Erstes Trikot
Zweites Trikot
Bilanz
82 Spiele
18 Siege
18 Unentschieden
46 Niederlagen
Statistik
Erstes Länderspiel
Afghanistan Königreich 1931Afghanistan Afghanistan 1:3 Britisch-IndienBritisch-Indien Britisch-Indien
(Kabul, Afghanistan; August 1941)
Höchster Sieg
BhutanBhutan Bhutan 1:8 Afghanistan AfghanistanAfghanistan
(Neu-Delhi, Indien; 7. Dezember 2011)
Höchste Niederlage
TurkmenistanTurkmenistan Turkmenistan 11:0 Afghanistan Afghanistan 2002Afghanistan
(Aşgabat, Turkmenistan; 19. November 2003)
(Stand: 5. Februar 2015)

Die afghanische Fußballnationalmannschaft der Männer ( شیران افغانستان : „Die Löwen von Afghanistan“) ist eine Auswahl afghanischer Fußballspieler, die den Afghanischen Fußballverband (AFF) auf internationaler Ebene repräsentiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge (1941–1984)[Bearbeiten]

Bereits 1922 wurde die Afghanistan Football Federation gegründet, jedoch existierten lange Zeit keine Vereine oder gar eine Nationalmannschaft. Der erste Verein, der Mahmoudiyeh FC, wurde 1934 gegründet, der Ariana Kabul FC 1941.

19 Jahre nach der Gründung der AFF wurde im August 1941 erstmals ein Fußballländerspiel in der Geschichte des afghanischen Fußballs ausgetragen. Im Rahmen des Afghanistan Independence Tournament wurden im August 1941 zwei Länderspiele ausgetragen.[4] Lange Zeit galt das 0:0 gegen Iran am 25. August 1941 als das erste Länderspiel Afghanistans, jedoch bestritt die Nationalmannschaft kurz zuvor bereits ein Länderspiel gegen Britisch-Indien.[5] Im Ghazi-Stadion in der Hauptstadt Kabul verlor die Mannschaft das Spiel mit 1:3. Die erste Nationalmannschaft, die ausschließlich aus Spielern von Ariana Kabul bestand, spielte mit folgenden Spielern: Sayed Karim Gholam-Ali, Mohammad Hakim, Hassan Karimi, Khan Mohammad, Molavi Mohammad Seddiq, Aziz Seraj, Karim Seraj, Ahmad Shah, Abdul Ghafoor Tajer.[6]

In den folgenden Jahren stabilisierte sich der Vereinsfußball in Afghanistan, sodass 1946 eine afghanische Fußballliga, die Afghanistan Premier League, gegründet wurde. 1948 trat der Verband dem Weltfußballverband FIFA bei. Im selben Jahr nahm erstmals eine afghanische Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen teil. In der Vorrunde des olympischen Fußballturniers trat sie am 26. Juli 1948 gegen Luxemburg an; in Brighton verlor man vor 5000 Zuschauern mit 0:6. Dieses Spiel war somit das erste offizielle Länderspiel Afghanistans. Die Aufstellung lautete: Abdul Ghafoor AssarMohamed Ibrahim Gharzai, Abdul Ghafoor YusufzaiAbdul Shakur Azimi, Yar Mohamed Barakzai, Abdul Ahat KharotMohamad Anwar Kharot, Anwar Afzal, Abdul Ghani Assar, Abdul Hamid Tajik, Mohammed Sarwar Yusufzai.[7][8]

Ihr erstes internationales Turnier spielte Afghanistan bei den ersten Asienspielen 1951. Nach Niederlagen im Halbfinale gegen Indien (0:3) und im Spiel um den dritten Platz gegen Japan (0:2) belegte man den vierten Platz unter sechs Teilnehmern. Auch die zweite Teilnahme 1954 verlief wenig erfolgreich; nach zwei Niederlagen gegen Südkorea (2:8) und Hong Kong (2:4) endete das Turnier bereits in der Gruppenphase.

Nach diesem Turnier verschwand die Nationalmannschaft von der Bildfläche. Das Spiel gegen Hong Kong war das vorerst letzte Länderspiel von Afghanistan für 21 Jahre, und auch ab 1955 wurde kein geregelter Vereinsfußball mehr gespielt.

Stagnierung der sportlichen Entwicklung (1984–2002)[Bearbeiten]

Das kommunistische Regime und noch mehr die Regierung der Taliban verhinderten 18 Jahre lang eine weitere Entwicklung: Von 1984 bis 2002 (bei den Asien-Spielen im koreanischen Busan) gab es kein internationales Pflichtspiel einer afghanischen Mannschaft.

Neubeginn und Chaos-Jahre (2002–2008)[Bearbeiten]

Den ersten Sieg überhaupt errang die Mannschaft im März 2003 gegen Kirgisistan in einem Qualifikationsspiel zur Asienmeisterschaft mit 2:1. Die A-Nationalmannschaft nahm auch an der WM-Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006 teil, scheiterte allerdings schon in der ersten Runde gegen Turkmenistan (0:11 und 0:2).

Die Ära Kargar (2008–2015)[Bearbeiten]

Eine Reihe afghanischer Nationalspieler spielt oder spielte im deutschen Amateurfußball, unter anderem Djelaludin Sharityar, Obaidulla Karimi, Yusuf Barak, Said Daftari, Harez Habib, Ata Yamrali, Milad Salem, Mansur Faqiryar, Saboor Khalili und Mustafa Hadid.

Der größte Erfolg der afghanischen Nationalmannnschaftsgeschichte bis 2013 war das Erreichen des Finales der Südasienmeisterschaft 2011, wo man im Gruppenspiel gegen Bhutan mit einem 8:1 auch den höchsten Sieg der Geschichte feierte.

Anfang 2013 gab der Sportdirektor der Afghanischen Fußballnationalmannschaft bekannt, dass sie den Aufbau von U-Mannschaften organisieren möchten. Dafür werden zum ersten Mal in der Geschichte Scoutingteams durch Europa reisen, gestartet wird in Hamburg.

Die Mannschaft belegt in der offiziellen FIFA-Weltrangliste mit dem 139. Rang derzeit ihre bisher beste Platzierung, wobei sie – ohne Spiele ausgetragen zu haben – zwei Plätze gegenüber dem Vormonat gutmachte (Stand: April 2013).[9]

Am 20. August 2013 fand im AFF-Stadion ein Länderspiel zwischen den Nationalmannschaften Afghanistans und Pakistans statt. Es war für die Afghanen das erste Heimspiel nach zehn Jahren. Sie gewannen es mit 3:0.[10]

Am 11. September 2013 gewann Afghanistan zum ersten Mal die Südasienmeisterschaft nach einem 2:0-Sieg im Finale gegen Indien, was der größte Erfolg der Geschichte ist.

Da der Cheftrainer Mohammad Yousef Kargar vom 2014 vom AFC gesperrt wurde, übernahm Erich Rutemöller die Mannschaft beim AFC Challenge Cup 2014. Im Herbst 2014 kehrte Kargar zur Nationalmannschaft als Trainer zurück und übte diesen Posten bis zu einem Anschlag auf ihn (Kargar) am 10. Januar 2015 aus.[11]

Gegenwart (seit 2015)[Bearbeiten]

Am 9. Februar 2015 ernannte der Afghanische Fußball Verband (AFF) den 43 Jahre alten deutsch-bosnier Slaven Skeledžić zum Nachfolger Kargars als neuen Chefcoach Afghanistans. [12]

Fair Play Award 2013[Bearbeiten]

Afghanistan Football Federation wurde mit dem Preis „Fair Play Award 2013“ gewürdigt. Afghanistan hat sich trotz Sicherheitsprobleme und finanzielle Engpässe hervorragend weiterentwickelt. 2005 nahm Afghanistan zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren wieder an der Fußball-Südasienmeisterschaft (SAFF Cup) teil. 2011 erreichte Afghanistan erstaunlicherweise den zweiten Platz. 2013 besiegte Afghanistan den sechsfachen amtierenden Südasienmeister Indien im Finale 2:0 und ist somit der aktuelle Südasienweltmeister. Eine beachtliche Leistung laut FIFA.

Im Juni 2014 wurde in São Paulo die Central Asian Football Federation (CAFF), der Zentralasiatische Fußballverband, gegründet. Afghanistan wird nun an der Zentralasienmeisterschaft teilnehmen.

Trainer[Bearbeiten]

Name Zeit
von bis
SowjetunionSowjetunion Georgy Semenovich 1953 1954
SowjetunionSowjetunion Salenko 1975 1976
SowjetunionSowjetunion Sergey Salnikov 1976 1977
SowjetunionSowjetunion Nikolai Efimov 1977 1979
Afghanistan 1978Afghanistan Islam Gul 1979 1979
Afghanistan Demokratische Republik 1980Afghanistan Sayed Ahmad Zia Muzafari 1980 1981
IndienIndien Khwaja Aziz 1981 1981
SowjetunionSowjetunion Gennady Sarychev 1982 20. Sep. 1984
Afghanistan 2002Afghanistan Mir Ali Asghar Akbarzada 6. Okt. 2002 April 2003
AfghanistanAfghanistan Ali Askar Lali April 2003 31. Aug. 2004
DeutschlandDeutschland Klaus Stärk 1. Sep. 2004 9. Juni 2008
AfghanistanAfghanistan Mohammad Yousef Kargar Juni 2008 12. Apr. 2014
DeutschlandDeutschland Erich Rutemöller 13. Apr. 2014 14. Mai 2014
AfghanistanAfghanistan Mohammad Yousef Kargar 15. Mai 2014 10. Jan. 2015
IranIran Hosein Saleh 11. Jan. 2015 8. Feb. 2015
DeutschlandDeutschland Slaven Skeledzic 9. Feb. 2015

Teilnahme Afghanistans an internationalen Turnieren[Bearbeiten]

Olympische Spiele[Bearbeiten]

  • 1948 in London Qualifikation
  • 19521956 nicht teilgenommen
  • 1960 in Rom nicht qualifiziert
  • 19641988 nicht teilgenommen

Fußball-Weltmeisterschaft[Bearbeiten]

Jahr Gastgeber Ergebnis S U N Tore Artikel Gegner
1930 bis 2002 nicht teilgenommen
2006 Deutschland Qualifikationsrunde 00 00 02 00:13 1. Qualifikationsrunde:
2010 Südafrika Qualifikationsrunde 00 00 02 01:05 1. Qualifikationsrunde:
  • Syrien
    Hinspiel: 0:3
    Rückspiel: 1:2
    Gesamt: 1:5
2014 Brasilien Qualifikationsrunde 00 01 01 01:3 1. Qualifikationsrunde:
2018 Russland 2. Qualifikationsrunde 00 00 00 00:0 2. Qualifikationsrunde:

Fußball-Asienmeisterschaft[Bearbeiten]

Südasienmeisterschaft[Bearbeiten]

AFC Challenge Cup[Bearbeiten]

  • 2006 – Vorrunde
  • 2008 – Vorrunde
  • 2010nicht teilgenommen
  • 2012nicht qualifiziert
  • 2014 – Vierter

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anupam Kant Verma: The Lions of Khorasan. LiveMint, 7. Dezember 2011.
  2. hummel.net: The Lions of Afghanistan and hummel continue their partnership, 8. März 2015 (englisch)
  3. Die FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. In: fifa.com, Juni 2015. Abgerufen am 4. Juni 2015
  4. Statistik zum Afghanistan Independence Tournament
  5. http://www.eloratings.net/Afghanistan.htm
  6. Die Nationalmannschaft Afghanistans 1941
  7. Bericht zum olympischen Fußballturnier 1948
  8. Die Nationalmannschaft Afghanistans Afghanistan.html 1948
  9. FIFA-Weltrangliste: Kroatien und Ecuador auf dem Vormarsch. FIFA.com, 11. April 2013.
  10. Afghanisches Duell mit Pakistan. Sport1.de, 19. August 2013.
    Aufbruchsstimmung in Afghanistan. Sport1.de, 20. August 2013.
  11. Attackers Stab Afghan National Soccer Team’s Coach In Back. RFE/RL’s Radio Free Afghanistan, 11. Januar 2015.
  12. Daniel Waldschik: Ein Bad Homburger wird Nationaltrainer. fnp.de, 9. Februar 2015.