Hirtzbach

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Hirtzbach
Wappen von Hirtzbach
Hirtzbach (Frankreich)
Hirtzbach
Region Grand Est
Département Haut-Rhin
Arrondissement Altkirch
Kanton Altkirch
Gemeindeverband Sundgau
Koordinaten 47° 36′ N, 7° 13′ OKoordinaten: 47° 36′ N, 7° 13′ O
Höhe 298–417 m
Fläche 13,91 km2
Einwohner 1.442 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 104 Einw./km2
Postleitzahl 68118
INSEE-Code

Mairie Hirtzbach

Hirtzbach (dt. Hirzbach) ist eine französische Gemeinde mit 1442 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est. Sie gehört zum Arrondissement Altkirch, zum Kanton Altkirch und zum Gemeindeverband Sundgau.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Hirtzbach liegt im Tal des namengebenden Hirtzbaches, der am Nordende des Dorfkerns in die Ill mündet. Die Sundgau-Gemeinde ist drei Kilometer von Altkirch und 27 Kilometer von Basel entfernt.

Nachbargemeinden von Hirtzbach sind Altkirch im Nordosten, Hirsingue im Osten, Hagenthal-le-Bas im Süden, Largitzen und Hindlingen im Südwesten, Fulleren im Westen sowie Carspach im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name lässt sich vom Hirschbach ableiten, was sich auch am Redenden Wappen festmachen lässt.

Artefakte aus dem Jungpaläolithikum am Ufer des Hirtzbaches lassen auf eine sehr frühe Besiedlung des Gebietes an der Ill schließen. Aus gallorömischer Zeit lassen sich in den Feld- und Waldfluren um Hirtzbach noch Straßenzüge nachweisen.

Der Ortsname erschien 1274 erstmals in einer Urkunde der Grafen von Pfirt. Mit der Siedlung, die in ein Niederdorf (um die Kirche St. Mauritius) und ein Oberdorf mit der Kirche St. Afra am Berg unterteilt war, wurde ein Ministerialbeamter der Pfirter Grafschaft belehnt. Daraus entstand die Herrschaft Hirtzbach, die bis 1477 bestand.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf stark in Mitleidenschaft gezogen. Während des Sechsten Koalitionskrieges verbrachte eine Einheit Kosaken, die auf österreichisch-ungarischer Seite kämpften, den Winter 1813/14 im Dorf.

Mit dem Bau der Bahnlinie Altkirch-Ferrette im Jahr 1891 war auch Hirtzbach an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Strecke wurde 1968 stillgelegt.

Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts wurde mehrfach versucht, die um Hirtzbach vorkommenden Ölsande zu verwerten, was an der mangelnden Wirtschaftlichkeit scheiterte.

Im Ersten Weltkrieg verlief die festgefahrene Frontlinie lange Zeit unmittelbar westlich von Hirtzbach. Die Einwohner wurden nach Württemberg evakuiert. Auch während des Zweiten Weltkriegs gab es Evakuierungen nach Sachsen und Württemberg.[1]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2016
Einwohner 961 979 1106 1128 1143 1183 1259 1429

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hirtzbach ist eine der wenigen elsässischen Gemeinden, die das Label Village Fleuri – 4 fleurs (Blumenstadt – 4 Blumen) führen.

Kirche St. Mauritius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von 1834 bis 1837 in neoklassischem Stil errichtete Kirche St. Mauritius (Saint-Maurice) steht an der Stelle eines Vorgängerbaues. Sie ist gekennzeichnet durch ein massives Westwerk mit Glockenturm und ein fünfjochiges Schiff. Der Chor endet in einer Apsis, an deren Nordseite eine Sakristei vorgelagert ist.[2] In der Kirche befindet sich ein Gemälde von Sebastian Gutzwiller, das Martyrium des Heiligen Mauritius darstellend.

Kapelle St. Afra[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

m Mittelalter bestand das Dorf Hirtzbach aus zwei Teilen mit jeweils eigener Pfarrei: Hirtzbach-le-Haut (Oberhirzbach) mit der Mutterkirche Sainte-Afre (St. Afra) und Hirtzbach-le-Bas (Niederhirzbach) rund um die Kirche Saint-Maurice (St. Mauritius). Bereits 1303 erstmals erwähnt, blieb St. Afra bis zur Revolution eine Pfarrkirche. Der Name St. Afra könnte von römischen Soldaten mitgebracht worden sein. Dafür spräche die Nähe zu einer prähistorischen Ausgrabungsstätte, die auf die Römer im 2. Jahrhundert hinweist, wie die Historiker L. Pfleger und F.X. Kraus ausführten. Die heutige Kapelle wurde nach historischen Angaben 1741 neu gestaltet. Nach der Französischen Revolution verfiel das Gebäude allmählich. Zwischen 1973 und 1976 erfolgte eine grundlegende Sanierung: die Fenster wurden erneuert, die Holzarbeiten des Chores und alle Statuen wurden restauriert. Unter dem zur Zeit der Revolution weiß getünchten Hochaltar kam ein vergoldeter Tabernakel zum Vorschein. Auf dem Hochaltar findet man die Statuen des Hl. Josef rechts vom Tabernakel, den Hl. Antonius links sowie Engel und einen Pelikan. Auf dem linken Seitenaltar ist eine Pietà aus dem späten 15. Jahrhundert zu sehen. Sie ist 73 cm hoch, 48 cm breit und 20 cm tief und besteht aus Lindenholz. Nach einer weiteren Innensanierung 1987 wurde die Kapelle Sainte Afre von außen komplett erneuert, das Dach repariert, neuer Putz aufgetragen. Über der Tür und an der linken Seitenfassade des Schiffs befinden sich Skulpturen, die eine Windrose darstellen. Im Jahr 1997 wurden in der Kapelle Holzschutz-Maßnahmen durchgeführt. Der Brunnen vor der Kapelle – aus einem früheren Baptisterium hervorgegangen – war für sein wundertätiges Wasser bekannt: Kinder mit Hautkrankheiten wurden hier gebadet.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 574–578.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichtsabriss (Memento des Originals vom 15. April 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hirtzbach.fr auf hirtzbach.fr (französisch)
  2. Eintrag auf patrimoine-de-france.org@1@2Vorlage:Toter Link/www.patrimoine-de-france.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (französisch)
  3. Übersetzt von einer Infotafel ohne Autorenangaben am Eingang der Kapelle.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hirtzbach – Sammlung von Bildern