Cluster (Wirtschaft)

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Cluster (engl. Traube, Schwarm) können aus ökonomischer Sicht als Netzwerke von Produzenten, Zulieferern, Forschungseinrichtungen (z. B. Hochschulen), Dienstleistern (z. B. Design- und Ingenieurbüros), Handwerkern und verbundenen Institutionen (z. B. Handelskammern) mit einer gewissen regionalen Nähe zueinander definiert werden, die über gemeinsame Austauschbeziehungen entlang einer Wertschöpfungskette (z. B. Automobilproduktion) entstehen oder die sich aufgrund gemeinsamer günstiger Standortfaktoren regional ballen. Die Mitglieder stehen dabei über Liefer- oder Wettbewerbsbeziehungen oder gemeinsame Interessen miteinander in Beziehung.

Definition und Allgemeines[Bearbeiten]

Wirtschaftliche Cluster sind Netzwerke von eng zusammen arbeitenden Unternehmen - heute immer stärker im Verbund mit Ausbildungseinrichtungen, Hochschulen oder anderen Kompetenzzentren.

Cluster entstehen vor allem aus der regionalen Ballung von Unternehmen und anderen Organisationen, die ein gemeinsames Tätigkeitsfeld verbindet. Man spricht erst dann von einem Cluster, wenn sich eine gewisse ("kritische") Anzahl von Unternehmen in räumlicher Nähe zueinander befindet, deren Aktivitäten sich entlang einer oder mehrerer Wertschöpfungsketten ergänzen oder miteinander verwandt sind. Erst unter dieser Bedingung kann ein Wachstumspool entstehen, der auch Zulieferer und spezialisierte Dienstleister anzieht und Wettbewerbsvorteile für alle beteiligten Unternehmen schafft.

Diese Wettbewerbsvorteile basieren in der Regel auf Gemeinsamkeiten, verbesserter Arbeitsteilung und positiven externen Effekten zwischen den Unternehmen und Institutionen im Cluster. Gemeinsamkeiten bestehen z. B. beim gemeinsamen Interesse an lokal verfügbarem Personal und seiner Qualifizierung. Eine verbesserte Arbeitsteilung wird durch Konzentration der einzelnen Unternehmen auf ihre Kernkompetenz bei Auslagerung von Sekundärfunktionen auf Zulieferer möglich. Als entscheidend für die gesteigerte Innovationskraft eines Clusters wird aber das Ausmaß des impliziten, wettbewerbsrelevanten Wissens, das die Akteure zusammengenommen haben, angenommen. Es wird über informelle Kontakte (das soziale Kapital eines Clusters[1]) und Arbeitsplatzwechsel ausgetauscht und schafft Innovationen. Demgegenüber können auch Nachteile durch Abwerbung und zu große Transparenz entstehen.

Die Überschaubarkeit des Wirtschaftsraums, die räumliche Nähe und oft persönliches Kennen der Beteiligten ermöglicht einem Regionalcluster schnelles und effizientes Handeln im Hinblick auf regionale Bedürfnisse. Viele Cluster haben eigene Kommunikations- und Koordinationsstrukturen organisiert.[2] So wird die Form der Kommunikation und Koordination von Clustern als zwischen Markt und Hierarchie stehend beschrieben. Ein entscheidendes Medium in diesem Zusammenhang ist Vertrauen.[3] Die Partnerschaft in einer Cluster- und Netzwerk-Initiative bietet eine Reihe von Vorteilen, vor allem die Möglichkeit zum Networking, das Knüpfen von neuen Kontakten. Auf Informations- und Kommunikationsplattformen können Partner sich über Entwicklungen und Trends der jeweiligen Branchen austauschen. Bei der Durchführung von Projekten werden sie ebenfalls unterstützt - durch die Suche von geeigneten Projektpartnern, durch die Unterstützung beim Einwerben von Fördermitteln und durch die Beratung während der Durchführung des Projekts. Weiter gibt es maßgeschneiderte Fortbildungsangebote für die verschiedenen Themengebiete. Bei Veranstaltungen, die von Fachveranstaltungen, Studienreisen, Erfahrungsaustauschrunden bis zu Workshops reichen, können sich Partnerunternehmen der Clusterinitiative spezifisches Know-how aneignen. Die Unterstützung der Cluster- und Netzwerkteams durch Realisierung von Technikpräsentationen, gemeinsamen Messeauftritten und die gemeinsame Teilnahme an geförderten Projekten kann den Zugang zu neuen Märkten erleichtern.

Saxenian (1994) unterscheidet zwischen innovativen Clustern des Typs Silicon Valley und innovativen Milieus des Typs der Route 128. Während erstere durch junge risikobereite Entrepreneurs mit ihren „Garagenbetrieben“ geprägt werden, die ihre Deals in informeller Atmosphäre miteinander aushandeln, spielt beim Erfolg der innovativen Region um Boston und Cambridge (Massachusetts) eine lange Tradition der akademischen, staatlich finanzierten und hierarchisch organisierten Grundlagenforschung eine wichtige Rolle, wobei die Wurzeln der Unternehmensgründungen z.T. 150 Jahre zurück reichen. Diese innovativen, aber zugleich konservativen Milieus mit ihrer geringeren Interaktionsdichte und ihrem weniger aufregenden Lifestyle haben freilich nicht so interessante unternehmerische Rollenmodelle geprägt wie dies an der Westküste der Fall war.

Mit dem Clusterbegriff verwandt ist der des kreativen Milieus. Es beschreibt einen raumgebundenen Komplex, der mit seinem Technologie- und Marktumfeld nach außen geöffnet ist und Know-how, Regeln, Normen und Werte sowie ein „Kapital“ an sozialen Beziehungen nach innen integriert und beherrscht. Geprägt wurde der Begriff des kreativen Milieus durch die sog. GREMI-Gruppe („Groupe de Recherche Européen sur les Milieux Innovateurs“). Seit 1984 forscht diese Gruppe französischer Soziologen und Regionalwissenschaftler nach den Ursachen für die Unterschiede in der Innovationsfähigkeit und -tätigkeit verschiedener Regionen. Die Gesamtheit der Beziehungen in einem Milieu soll, eingebunden in das soziokulturelle Umfeld (Embeddedness), zu einem kollektiven kreativen Lernprozess führen. Als Voraussetzung für die Realisierung gilt neben der räumlichen Nähe auch das Vorhandensein von gemeinsamen Wertvorstellungen und Vertrauen.[4]

In der Wirtschaftsförderung betrachtet man den Aufbau von Clustern als aktive Innovationsförderung. Ausgehend von einer Analyse der betreffenden Wertschöpfungskette im regionalen Kontext kann das Potential des Aufbaus und der Förderung eines bestimmten Clusters abgeschätzt und ein Clustermanagement eingesetzt werden. In der Regel dient der Zusammenschluss von Politik, Verwaltung, Forschung, Bildung und Wirtschaft dazu, Wirtschaftstätigkeit und Innovationen in der Region zu fördern und die Region zu profilieren. Fraglich ist jedoch, mit welchen Mitteln der Wirtschaftsförderung und Regionalpolitik die Entstehung von Clustern wirklich zielgerichtet und nachhaltig beeinflusst werden kann und welche Rolle soft factors wie das Bildungssystem dabei spielen. Neben Erfolgsbeispielen stehen auch viele Beispiele gescheiterter Clusterpolitik.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Wirtschaftscluster wurden bereits im 19. Jahrhundert von verschiedenen Richtungen der Volkswirtschaftslehre beschrieben, u. a. von Alfred Marshall (Scheuplein 2006). Die moderne Clustertheorie ist von dem US-amerikanischen Wissenschaftler Michael E. Porter ausgearbeitet worden, der das Cluster zunächst aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht als Resultat ähnlicher komparativer Standortvorteile von mehreren Unternehmen einer Region definierte. Porter unterscheidet dabei folgende Standortbedingungen:

  • Faktorbedingungen (z. B. spezialisierte Ausbildungs- und universitäre Forschungsprogramme; Infrastruktur)
  • Nachfragebedingungen (z. B. anspruchsvolle Kunden, die auf die Entwicklung hochwertiger Produkte drängen)
  • Unterstützende und verwandte Branchen (z. B. Informationsfluss und Kontakte, clusterspezifische Zulieferer und Dienstleister)
  • Strategie und Wettbewerb (z. B. staatliche Investitions- oder Exportförderung)

Lange Zeit dominierte die Vorstellung von marktgetriebenen Clustern. Noch 1998 lehnte die OECD die Subventionierung von Clustern und staatliche Eingriffe strikt ab. Doch seit Mitte der 1990er Jahre fördern Deutschland und andere Staaten verstärkt die Zwischenunternehmensvernetzung mit dem Ziel der Clusterbildung. Seit etwa 2002 wird die Möglichkeit und Notwendigkeit einer öffentlichen Förderung von Clustern in der Literatur fast allgemein akzeptiert.[5] Damit rückten konkretere Aspekte der Interaktions- und Netzwerkstrukturen innerhalb von Clustern und der Evaluierung der Clusterpolitik in den Vordergrund der wissenschaftlichen Diskussion.

Neben dem Clusterbegriff, der sich auf die Ansammlung von Unternehmen selbst bezieht, wird zunehmend der Begriff der Clusterinitiative verwendet, mit dem der institutionelle Rahmen des Clusters bezeichnet wird und in dem sich die Entwicklung von gemeinsamen Zielvorstellungen und förderpolitischen Strategien vollzieht. Professionell moderiert werden die Clusterinitiativen, die z. B. als eingetragene Vereine organisiert sind, durch Wirtschaftsförderungspolitik, Kammern, Verbände oder Technologiezentren.

Nach wie vor ist der Clusterbegriff mit erheblicher Unschärfe behaftet und umfasst sehr unterschiedliche Konglomerate.

Kritik[Bearbeiten]

Die Begeisterung der Politik für Clusterinitiativen eilt dem theoretischen Verständnis der Wirkungsweise von Netzwerken weit voraus. Viele Autoren betonen, dass dem Nutzen von Clustern aus regionalökonomischer Sicht potenzielle Kosten gegenüberstehen. Solche Nachteile werden als Folgen von Überspezialisierung, institutionellen Lock-in-Effekten (z. B. die infolge der gemeinsam genutzten regionalen Infrastruktur, umfangreicher Subventionierung und hoher Investitionen in die bestehende Technologie erschwerte Modernisierung von Clustern) oder des Anstiegs von Arbeits-, Lebenshaltungs- und Umweltkosten infolge des Zugriffs auf die gleichen, aber regional nur in beschränktem Umfang vorhandenen Produktionsfaktoren beschrieben.[6]

Reine Produktionscluster spielen heute insbesondere in der Hochtechnologie, die durch Minimierung der physischen Wertschöpfung im Verhältnis zur Wissensproduktion gekennzeichnet ist, eine immer geringere Rolle. Allem Anschein nach nimmt im Zuge der Globalisierung, vor allem durch neue Kommunikations- und Interaktionsstrukturen (Internet, soziale Netzwerke) sowie durch höhere Mobilität von Arbeitnehmern und anderen Marktakteuren die Bedeutung von homogenen Clustern ab. Neben den intraregionalen Kommunikationsbeziehungen werden die globalen Organisations- und Interaktionsformen der Wertschöpfungskette immer wichtiger. So sind im europäischen Vergleich heute altindustrielle Regionen eher stärker geclustert als dynamische Wachstumsregionen. Einen sehr hohen Clusterungsgrad weisen z. B. Lettland (Metall-, Elektro- und Agrarindustrie) sowie die altindustriellen Regionen im Vereinigten Königreich, aber auch viele Schwellenländer auf. Länder mit hoher Innovationsrate haben eher einen mittleren (z. B. Deutschland) bis niedrigen (z. B. Schweiz) Anteil geclusterter Unternehmen an der Gesamtheit der Unternehmen. So wird angenommen, dass die Zunahme überregionaler Interaktionen eine Stagnation der regionalen Innovationsdynamik infolge zu spezialisierter und lokal fixierter Unternehmen erfolgreich verhindert. Sie sind spezifischer und selektiver als die mehrdimensionale lokale Kommunikation ("globales Pfeifen" versus "lokales Rauschen").

Das zeigt z. B. die extreme räumliche Dislozierung der Wertschöpfungskette des iPhone. In dieser Kette entfällt der größte Teil der Wertschöpfung auf Entwicklung, Design, Marketing und Management.[7] So kann erwartet werden, dass die Fühlungsvorteile und Innovationsfunktionen der Produktionscluster künftig weitgehend durch die dynamischeren, weil zum großen Teil virtuellen Wissenscluster abgelöst wird.[8] Ein Problem für die Politik besteht dann also darin, hochsubventionierte Cluster ggf. wieder abzuwickeln. Auch sind Rückschläge in der Clusterförderung zu erwarten, wenn diese nicht mit den "weichen" Standortfaktoren einer Region kompatibel sind oder wenn die kritische Masse an Unternehmen bzw. der notwendige Innovationsgrad für eine erfolgreiche Clusterbildung nicht erreicht werden.

Historisch gewachsene Cluster[Bearbeiten]

Frühe Kristallisationspunkte von Clustern der Luxuswarenproduktion waren die fürstlichen Residenzen des 17. und 18. Jahrhunderts (z. B. Kunsttischlerei und Kunsthandwerk in Weimar).

Historisch gewachsene Cluster in Deutschland sind die montanindustriellen Cluster im Ruhrgebiet und Saarland, die historische Ansiedlung von Gerätebau, Feinmechanik und Optik rund um die Universität Göttingen, die der Wirk- und Trikotagenindustrie[9] und des Textilmaschinenbaus in Württemberg, die des Werkzeugmaschinenbaus und der Automobilindustrie in Baden-Württemberg, ferner z. B. die Autozulieferindustrie im Bergischen Land oder das mitteldeutsche Chemiedreieck; in der Schweiz das Cluster der Uhrenindustrie im Kanton Jura.

Viele Cluster erfuhren im Laufe der Zeit entscheidende Transformationen und Differenzierungen: Während zunächst einfache Aggregate und Konstruktionen wie die Dampfmaschine unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten in zahlreichen Branchen boten, entwickelten sich im Laufe der Zeit spezialisierte Zuliefercluster. So entstand aus dem großindustriellen Montancluster des Ruhrgebiets seit etwa 1870 ein spezialisiertes, überwiegend mittelständisches Bergbau-Zuliefercluster mit Schwerpunkten in den Bereichen Pumpen, Kompressoren, Rohrleitungsbau, Hydraulik, Lokomotiv- und Waggonbau und entwickelte sich zu einem exportorientierten allgemeinen Maschinenbaucluster weiter. Hingegen wurden die ursprünglich mit der Montanindustrie eng verbundenen Gießereien seit den 1980er Jahren zunehmend in das Zuliefersystem der Autoindustrie einbezogen.[10] Aus dem baden-württembergischen Maschinenbaucluster differenzierten sich ebenfalls spezialisierte Cluster aus (z. B. das Intralogistikcluster). Auch die auf Hafenwirtschaft und Schifffahrt basierenden Cluster wie z. B. Bremen (Verarbeitung sog. Kolonialwaren) oder Hamburg änderten häufiger ihre Struktur in Abhängigkeit vom Wandel der importierten Rohstoffe und der Art ihrer Weiterverarbeitung sowie von ihrer Anbindung an das Hinterland.

In den USA finden sich z. B. das Cluster der Automobilindustrie in und um Detroit und das High-Tech-Cluster des seit 1971 so bezeichneten Silicon Valley,[11] das aufgrund der Abspaltungen des Fairchild Semiconductor-Konzerns mit seinen zahlreichen Patenten sowie gestützt auf den Stanford Research Park[12] gegen Ende des Vietnamkrieges eine boomartige Entwicklung erfuhr.

Ein Beispiel für ein frühes „Biotechnologie"-Cluster ist die Impfstoffentwicklung und -herstellung in Philadelphia, die maßgeblich durch die hohe Impfbereitschaft der in Pennsylvania siedelnden Quäker angeregt wurde. Dies verdeutlicht die Rolle „weicher“ Faktoren für die Clusterentwicklung. Auch aus sozialen Einrichtungen oder rund um sie herum können sich Cluster entwickeln, so - so z. B. das Gesundheitscluster in Boston rund um das 1811 gegründete Massachusetts General Hospital mit seinen fast 20.000 Beschäftigten und das 1824 gegründete Massachusetts Eye and Ear Infirmary, zwei Kliniken, die auch als Forschungsstätten internationale Geltung erlangt haben.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Clusterbildung verstärkt als Instrument der nationalen, regionalen oder lokalen Wirtschafts- und Regionalförderung begriffen. Doch bilden seit den 1980er Jahren - wie schon oft in früheren Jahrhunderten - neu gegründete Hochschulen und Technologieparks wichtige Kristallisationspunkte der Clusterentwicklung vor allem in wissensbasierten Volkswirtschaften. Daneben sind in einer globalisierten Wirtschaft die Zentren des Luftverkehrs Mittelpunkte von Clustern geworden, so z. B. das Netzwerk Logistik Leipzig-Halle[13] oder die Unternehmensansiedlungen rund um den Rhein-Main-Flughafen.

Unterschieden werden Cluster mit einem einzigen fokalen Unternehmen (z. B. Flughafen Rhein-Main) und multifokale Cluster mit mehreren Kristallisationspunkten (z. B. IT-Cluster Darmstadt-Karlsruhe-Saarbrücken mit SAP, Software AG und anderen wichtigen Unternehmen).

Clusterpolitik[Bearbeiten]

Die Instrumente der Clusterpolitik sind sehr vielfältig und z.T. widersprüchlich. Sie umfassen eine Palette von Maßnahmen von der lokalen oder regionalen Ansiedlung und Konzentration von Unternehmen der gleichen Branche über die gezielte Diversifizierung, die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen, die F&E-Förderung, den Aufbau von Know-How-Trägern wie Hochschulen und Technologiezentren bis hin zur Förderung der grenzüberschreitenden und globalen Kooperation. Aber auch der Informationsaustausch, gemeinsame Messeauftritte, Mitarbeiterqualifizierung und PR-Maßnahmen von bisher konkurrierenden kleinen und mittelständischen Unternehmen gehören zu diesen Instrumenten und werden speziell in Deutschland und Österreich gefördert.

Länder mit rasch wachsender Wirtschaft wie China, Singapur oder Malaysia versuchen derzeit mit großen Ressourcen Kompetenzzentren im Bereich neuer Technologien aufzubauen und dabei Know-How aus dem Ausland zur Unterstützung einer raschen Clusterbildung einzuwerben. So entsteht in Changchun ein großes Zentrum für Biotechnologie und Impfstoffforschung. Allerdings besteht hier das Risiko, dass die Rahmenbedingungen in den Ansiedlungsregionen (Exzellenz der Ausbildung, Infrastruktur, Wohnqualität) nicht entsprechend mitwachsen und dass sich die geplanten High-Tech-Gründungen als nicht nachhaltig erweisen.

Clusterpolitik in Deutschland[Bearbeiten]

Nach Jahren der Akzentuierung der Grundlagenforschung wurde 1996 die Innovationsförderung durch Vernetzung explizit als Instrument der Förderpolitik aufgenommen. Als wesentliche Ziele der Forschungs-, Technologie- und Innovationsförderung werden dort aufgeführt:

  • Förderung des Entstehens grundlegender Innovationen
  • Wettbewerb der besten Lösungsideen zur Realisierung substantieller Innovationen
  • Sicherung und Stärkung des Produktionsstandortes Deutschland
  • Aufbau von innovativen Netzwerken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
  • Erarbeitung von Innovationen in interdisziplinären und branchenübergreifenden Projekten
  • kooperative Nutzung verteilten Know-hows
  • schnelle und breite Diffusion neuen Wissens.[14]

Das erste nach diesen Kriterien geförderte Clusterprogramm in Deutschland (1995) war die BioRegio-Initiative mit 25 regionalen Schwerpunkten. Darauf folgten bis heute noch elf weitere bundesweit angelegte Maßnahmen[15]:

Zeitliche Darstellung der bundesweiten Clustermaßnahmen in Deutschland von 1995 bis 2012
  • 1999: InnoRegio
  • 2000: Lernende Regionen
  • 2001: Unternehmen Region - Innovative regionale Wachstumskerne
  • 2002: NEMO
  • 2005: InnoProfile und GA-Förderung für Cluster
  • 2006: Clusterwettbewerb BioIndustrie 2021 und Strategische Partnerschaften
  • 2007: BioPharma-Wettbewerb und 1. Runde des Spitzencluster-Wettbewerbs
  • 2008: ZIM-Nemo und Unternehmen Region - Spitzenforschung und Innovation in den neuen Ländern
  • 2009: 2. Runde des Spitzencluster-Wettbewerbs
  • 2011: 3. Runde des Spitzencluster-Wettbewerbs
  • 2012: go-cluster: Exzellent vernetzt

Regionale Clusterpolitik - eine Auswahl
Neben den nationalen Clusterprogrammen legten nahezu alle Bundesländer, mit Ausnahme von Sachsen, auch regionale Programme auf. So haben sich in Baden-Württemberg bis heute 81 Cluster in 20 Innovationsfeldern formiert[16], unter ihnen z. B. das Future Aerospace Network (FAN) innerhalb des Innovationsfeldes Luft- und Raumfahrt. In Bayern führte die Cluster-Offensive Bayern zur Bildung von 23 Clustern unterteilt in 19 Kompetenzfeldern[17]. Beispiele hierfür sind der Cluster Biotechnologie oder der Umweltcluster Bayern. In den Ländern Berlin und Brandenburg wurden insgesamt neun Cluster gebildet, welche jeweils ein Innovationsfeld abdecken. Fünf dieser Cluster werden gemeinsam von beiden Bundesländern im Rahmen von innoBB[18] unterstützt, die weiteren vier Cluster allein von Brandenburg. Eines der gemeinsam geförderten Cluster ist der Cluster Kommunikation und Kreativwirtschaft in Berlin mit zahlreichen IT- und Medienunternehmen. Die Freie und Hansestadt Hamburg fördert in acht Kompetenzfeldern auch ebensoviele Clusterinitiativen[19]. Darunter befindet sich u. a. das Maritime Cluster mit dem Ausgangspunkt der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel. Niedersachsen fördert über die Initiative "Zukunft schmieden" in sieben Zukunftsfeldern insgesamt 99 Cluster[20], so z. B. das VerpackungsCluster Südniedersachsen oder das Automotive Cluster.

In den letzten Jahren wurden seitens des BMBF die Bestrebungen intensiviert, deutsche Cluster international zu öffnen, um die internationalen Kooperationschancen und damit die globale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Clusterpolitik in Österreich[Bearbeiten]

Die Clusterpolitik in Österreich gilt als noch wenig koordiniert. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Koordination von zentralen Aktivitäten mit solchen der Bundesländer.[21] Insbesondere Oberösterreich hat sich in den letzten Jahren als Kompetenzregion für Cluster- und Netzwerk-Initiativen positioniert und baut die vorhandenen wirtschaftlichen und technologischen Stärkefelder mit dem Ziel aus, die Innovationsfähigkeit der Unternehmen insbesondere durch kooperative Zusammenarbeit zu stärken. Das „Clusterland Oberösterreich“ umfasst mittlerweile 8 Cluster und 4 Netzwerke. In der 2006 gegründeten Clusterland Oberösterreich GmbH (Linz) sind davon sechs Cluster-Initiativen und drei Themennetzwerke unter einem Dach vereint. Beispiele für Clusterinitiativen sind der Automobil-Cluster (AC) - das größte österreichische Cluster mit ca. 90.000 Beschäftigten und 18 Milliarden Euro Umsatz - sowie der Lebensmittel-Cluster (LC) oder der Ökoenergie-Cluster Oberösterreich. Der Automobilcluster Styria (Automobilzulieferer-Cluster) ist in der Steiermark beheimatet, ein Holzcluster in Niederösterreich. Demgegenüber sind Cluster mit neuen Technologien noch schwach ausgeprägt. Viele Cluster zeichnen sich durch die Mitarbeit von Kleinstunternehmen unter 5 Mitarbeitern aus.

Clusterpolitik in der EU[Bearbeiten]

Relevante Clusterinitiativen der EU waren die Europäische Forschungsinitiative EUREKA, die im Rahmen des 6. Rahmenprogramms begründete Initiative Europe INNOVA[22] und die Initiativen der DG Enterprise and Industry PRO INNO und seit 2008 PRO INNO II, die die politischen Instrumente der Clusterentwicklung und Innovationssteuerung verbessern sollen.[23]

Eine Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2005 identifizierte fünf große, stagnierende bis schnell wachsende Industrie- und Servicecluster. Diese wurden rein statistisch anhand der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten aus EU 15 zwischen 1979 und 2001 bestimmt, sind also nicht notwendig eng vernetzt, sondern enthalten sehr heterogene Industriezweige. Diese Cluster sollen mit den fünf Technologiefeldern Nanoelektronik, Aeronautics und Luftfahrtmanagement, Wasserstoff- und Brennstoffzelle, Photovoltaik und Food for life zusammengeführt werden. Die Prognose zeigt, dass aus diesen Technologie-Branchen-Kombinationen ein hohes Produktivitäts-, aber nur geringes Beschäftigungswachstum zu erwarten ist, was die postulierte Kongruenz technologie-, industrie- und arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen in Frage stellt.

Clusterpolitik in der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz gibt es unter anderem

  • das (in der Schweiz: "den"!) Life-Science-Cluster Nordwestschweiz mit Basel und den Unternehmen Novartis und Hoffmann-La Roche als Zentrum
  • der Consulting Cluster, eine Plattform, um das persönliche Netzwerk von Beratern auszubauen. In 9 Fachgruppen organisiert, soll der Consulting Cluster die Wahrnehmung der Branche im Schweizer Wirtschaftsraum ausbauen.www.consultingcluster.ch
  • den Energie-Cluster [24]
  • den ICT Cluster Bern [2]
  • den Präzisionscluster. Es bietet eine Plattform für Unternehmen, Zulieferer, Schulungs- und Forschungsinstitutionen, die auf dem Gebiet der Präzisionsindustrie und Mikrotechnik tätig sind.www.cluster-precision.ch

Clusterpolitik in China[Bearbeiten]

Typisch für die Entwicklung in China sind die Häufung von verschiedenen arbeitsintensiven, teils Riesenclustern in Sonderwirtschaftszonen und großen Industrie- und Retortenstädten [25] sowie die Konzentration von High-Tech-Unternehmen, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen und Inkubatoren auf engstem Raum. Allein in der Provinz Zhejiang werden 12 Cluster mit Vorrang ausgebaut. Ähnlich schnell vollzieht sich der Ausbau der IT-Industrie und anderer Cluster in der Planstadt Shenzhen, wo 2.500 IT-Unternehmen in einer Sonderwirtschaftszone von knapp 2.000 Quadratkilometer tätig sind. Fraglich ist jedoch, ob die sogenannten Hochtechnologiecluster wirklich Innovationen hervorbringen oder ob ihr rasches Wachstum nicht primär auf steuerlichen Vorteilen und hohen Subventionen beruht.[26]

Grenzüberschreitende Cluster (Beispiele)[Bearbeiten]

Ein grenzüberschreitendes Cluster am mittleren Oberrhein ist das Netzwerk Biovalley, welches Chemie-, Biotechnik- und Pharmaunternehmen im Dreiländereck Deutschland - Frankreich - Schweiz vereint.[27] Weiter rheinaufwärts entwickelt sich ein Technologiecluster zwischen St. Gallen und Vorarlberg.

Das länderübergreifende Technologie-Dreieck Eindhoven-Leuven-Aachen mit den Hochschulkernen der RWTH Aachen, der Katholieke Universiteit Leuven und der Technische Hogeschool Eindhoven sowie der Philips N.V. genießt einen exzellenten Ruf als Forschungs- und Entwicklungsstandort für Life Sciences, Medizintechnologie, IT und Nanotechnologie.

Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet entwickelt sich ein Agro-Business-Cluster, das durch das Projekt SafeGuard [28] gefördert wird. Hierbei spielen insbesondere die Koordination organisatorischer Abläufe zur risikoorientierten Lebensmittelüberwachung, Tierseuchenbekämpfung und die Optimierung der Wertschöpfungsketten von Lebensmitteln tierischer Herkunft eine Rolle.

Im Dreiländereck Slowakei - Tschechische Republik - Polen produzieren mit VW, KIA, PSA Peugeot Citroën, Hyundai und Fiat fünf der weltweit größten Automobilkonzerne. Auf je 1000 Einwohner kommen in der Automobilregion der Westslowakei (mit dem Zentrum Bratislava) über 100 produzierte Autos pro Jahr. In der Nähe der Produktionsstätten haben sich zahlreiche Zulieferer angesiedelt. Die regionale Vernetzung der Standorte wird aktiv durch die EU gefördert. Die EU-finanzierten Förderprogramme AutoNet und Autoclusters stärken die Zusammenarbeit der Nachbarländer.[29]

Virtuelle Cluster[Bearbeiten]

Nur im Hochtechnologiebereich sind virtuelle Cluster erfolgreich. In Branchen, in denen Logistikkosten im Verhältnis zur Wertschöpfung eine untergeordnete Rolle spielen, reichen Flugverbindungen und das Internet aus, um stabile Kooperationsbeziehungen herzustellen.

Risiken einseitiger Clusterförderung[Bearbeiten]

Das Automobilcluster der Slowakei zeigt auch die Risiken der Förderung einer einseitigen Clusterstruktur auf. 99 % der Automobilproduktion der Slowakei werden exportiert. Die Wertschöpfung der Autoindustrie pro Kopf der Bevölkerung ist so hoch wie in keinem anderen Land der Welt. Bei einer Gesamtbevölkerung von gut 5,4 Millionen produzieren statistisch gesehen 1000 Einwohner rund 107 Fahrzeuge pro Jahr, womit die Slowakei 2008 weltweit führend war. Der Automobilsektor war 2008 mit 74.000 Angestellten für rund ein Viertel des slowakischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.[30] In der Krise 2008-2009 gingen die Automobilproduktion in der Region und damit die Autoexporte des Landes jedoch stark zurück. Sie konnten nur durch steigende Exporte von Samsung kompensiert werden, das die Exportanteile von VW, KIA und PSA überholte, aber nicht zum Cluster gehört. Die hohe Konjunkturabhängigkeit und die ökonomische Abhängigkeit von Deutschland setzt in der Krise die Region verstärkt unter Druck,[31] So beschleunigte sich die Abwanderungsbewegung aus den ländlichen Regionen, auch stieg die Arbeitslosigkeit in der Region stark an, die Dienstleistungsumsätze und Immobilienverkäufe brachen ein.[32]

Zahlreiche Versuche des Aufbaus grenzüberschreitender Cluster, die u. a. im Rahmen von EU-Projekten gefördert wurden, haben sich bereits nach kurzer Zeit als nicht nachhaltig erwiesen oder beschränken sich auf punktuelle Kooperationen. Offenbar ist eine gewisse Mindestinteraktionsdichte erforderlich, um nachhaltige Clusterstrukturen zu etablieren. Dazu gehört auch ein nicht zu großer räumlicher Abstand.

Die Schwächen homogener Cluster sollen vermieden werden durch Cross-Cluster-Politik. Deren Ziel ist es, verschiedene Cluster miteinander zu vernetzen und clusterübergreifende Kommunikationskanäle zu institutionalisieren. Als Beispiel kann die nordrhein-westfälische Initiative zur Vernetzung der Cluster Gesundheitswirtschaft, Energiewirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Logistik dienen.[33]

Je stärker ein Cluster wird und je mehr seine Akteure global tätig sind, desto mehr lockern sich in der Regel die Beziehungen zu der Region, weil diese in vielen Fällen nicht mehr in der Lage ist, die erforderlichen Vorleistungen (Ausbildung, Zulieferer, Logistik, Energieversorgung usw.) in der geforderten Qualität und Quantität zu erbringen. Eine Clusterpolitik muss also auch darauf achten, dass die Rahmenbedingungen mit der Leistungsfähigkeit des Clusters Schritt halten.

In den letzten Jahren hat sich dadurch die Dynamik der Clusterentwicklung verstärkt. Die Wachstumsfaktoren sind nur bedingt von der Politik zu beeinflussen. Im Zuge der Übernahme ganzer Geschäftsfelder durch internationale Konkurrenten können lokale Cluster erhebliche Bedeutungsverluste erleiden wie dies z. B. bei der Impfstoffforschung und -produktion in München und Paris der Fall war, die z.T. in die USA abwanderte.

Branchencluster (Beispiele)[Bearbeiten]

Nach Angaben von Acatech gibt es in Deutschland etwa 500 regionale Cluster-Initiativen und -Netzwerke.[34] Eine Clusterlandkarte und Porträts der wichtigsten internationalen Cluster finden sich im Clusterportal des BMBF.[35]

Biotechnologie[Bearbeiten]

Eines der größten Life-Science-Cluster ist in Basel rund um die Firma Novartis angesiedelt. Es erbringt ca. 18 % des schweizerischen Bruttoinlandsprodukts und wächst mit 9 bis 10 % pro Jahr im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2010.[36] Auch in Cambridge, Genf und Südkalifornien konzentrieren sich schnell wachsende Cluster von Biotechnologie-Unternehmen. Das Pharma- und Biotechnologiecluster Medicon Valley hat sich länderübergreifend auf beiden Seiten des Öresunds hinweg hinweg in Kopenhagen und Schonen angesiedelt. In Boston haben sich zahlreiche Biotechnologieunternehmen rund um die großen Hospitäler etabliert (Massachusetts General Hospital und Massachusetts Eyes and Ears Hospital). Das Hochtechnologiecluster von Oxfordshire ist wesentlich durch Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Biotechnologie geprägt, verliert jedoch gegenüber Cambridge an Bedeutung. Auch die Biotechnologie-Cluster in München und Paris schrumpften in den letzten Jahren.

In Martinsried (Gemeinde Planegg), südwestlich von München, siedelten sich 50 Biotechunternehmen an. Kern waren das Max-Planck-Institut für Biochemie, das Universitätsklinikum Großhadern, das Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München und ein Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB) (siehe Max-Planck-Institut für Neurobiologie).

Neuere Cluster finden sich vor allem in der Region Mitteldeutschland, wo heute ca. 300 Biotechfirmen zu Hause sind. In den vergangenen 15 Jahren siedelten sich hier zahlreiche Wissenschaftseinrichtungen an, die Kern für entstehende Biotechcluster sind. Während Clusteraktivitäten überregional organisiert werden (Cluster Life Sciences Mitteldeutschland), bildeten sich in der Region einzelne Standorte heraus wie etwa Halle (Weinberg Campus; 21,000 m² Fläche in vier Technologiezentren mit ca. 50 Unternehmen), Leipzig (BIO CITY; 17,000 m² mit ca. 30 Unternehmen) oder Jena (Center for Bioinstrumentation; 7,500 m² mit ca. 30 Unternehmen).

Seit Mitte der 1990er Jahre zählt die Region um die Städte Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen und Darmstadt zu den bekannten Biotech-Standorten in Deutschland. Dort haben sich zahlreiche kleine und mittlere Biotech-Unternehmen, Pharma- und Diagnostik-Hersteller angesiedelt. Die größte Ansammlung von Unternehmen befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Einrichtungen der akademischen Forschung und Ausbildung. Dazu zählen u. a. die Universität Heidelberg, die Hochschule Mannheim, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) und das Universitätsklinikum Heidelberg. Der Cluster richtet sich nicht nach Landesgrenzen, er entspricht einem historisch gewachsenen Raum. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf der medizinischen bzw. der roten Biotechnologie, speziell auf der personalisierten Medizin und im Bereich Krebs. Andere deutsche Biotechcluster bestehen in der Region Berlin (Wissenschaftsparks Berlin-Buch und Berlin-Adlershof) und in der Rhein-Main-Region.

Länderübergreifend entwickelte sich ein Biotechnologie-Cluster in Hamburg und Schleswig-Holstein (Cluster Life Science Nord) mit ca. 500 Unternehmen, darunter die Dräger Medical Deutschland GmbH, Philips Medizin Systeme GmbH, Olympus GmbH sowie zahlreiche mittelständische und kleine Unternehmen mit insgesamt 2,7 Milliarden € Umsatz.[37]

Im Rahmen des 2006 ausgeschriebenen "BioIndustrie 2021"-Wettbewerbs[38] des Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Förderung der Weißen Biotechnologie in Deutschland, wurden bundesweit mehrere Clusterinitiativen initiiert, von denen im Jahr 2007 fünf Cluster prämiert wurden, darunter bspw. der Cluster Biopolymere/Biowerkstoffe in Stuttgart innerhalb der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH, der die Entwicklung von Biokunststoffen und anderen Werkstoffen auf Basis nachwachsender Rohstoffe (Biosynthese), der Algenbiotechnologie (Photosynthese) oder von Traumreaktionen (künstliche Photosynthese) zum Ziel hat.

Die Degussa koordiniert in Marl ein Cluster Industrielle Biotechnologie 2021, dessen Ziel der Ersatz von petrochemischen durch nachwachsende Rohstoffe bei der Produktion von Polymeren ist.

Medizintechnik[Bearbeiten]

Seit 2010 gibt es das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Spitzenclusterwettbewerbs[39] geförderten Medizintechnik-Cluster Medical Valley EMN (Nürnberg) mit ca. 30 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, das aus dem 2001 gegründeten Innovationszentrum Medizintechnik Pharma in Erlangen hervorgegangen ist.[40]

Ein größerer Medizintechnik-Cluster hat sich seit 1867 in der baden-württembergischen Stadt Tuttlingen und der umgebenden Region herausgebildet. Tuttlingen nennt sich das Weltzentrum der Medizintechnik [41]. Dort sind mehr als 400 überwiegend kleine und mittelständische Medizintechnikunternehmen ansässig, die rund 8000 Mitarbeitende beschäftigen. Sie stellen vorwiegend chirurgische Instrumente und Geräte sowie diagnostische Geräte her. Rund 65 % der Produkte werden exportiert. Zu den namhaften Unternehmen dieses Clusters zählen z.B. der Endoskope-Hersteller Karl Storz GmbH & Co. KG und Aesculap AG, ein Betrieb der B. Braun Melsungen AG. Um die internationale Vernetzung auszubauen und den Transfer neuer Technologien zu fördern wurde 2011 die Cluster-Managementgesellschaft MedicalMountains AG gegründet. Diese richtet sich schwerpunktmäßig an kleine und mittlere Medizintechnikunternehmen und fokussiert die Aufgabengebiete Innovationsförderung, Qualifizierung, Dienstleistungen und Interessensvertretung. [42], [43].

Weitere Cluster der Medizintechnik sind in Hechingen zu finden sowie in Mannheim mit dem Centrum für Biomedizin und Medizintechnik Mannheim (CBTM), das zur Universität Heidelberg gehört.

Maschinen- und Anlagenbau[Bearbeiten]

Die Cluster der Maschinen- und Anlagenbaus haben sich teils an den Standorten ihrer Abnehmerbranchen oder einzelner bedeutender Abnehmer, teils in Abhängigkeit von lokalen Angebotsfaktoren (Material, spezielles Know-How, Ausbildungsstätten, besondere Erfindungen) entwickelt.

Aus der Schwarzwälder Uhrenindustrie ist z. B. das Getriebebaucluster in Eisenbach (Hochschwarzwald) hervorgegangen. Generell hat in den Alpen- und Bergregionen - entsprechende Materialverfügbarkeit vorausgesetzt - die lange erzwungene Winterpause der Bergbauern die Beschäftigung mit (fein-)mechanischen Arbeiten besonders gefördert. Das Strickmaschinencluster in Hechingen ist ein Beispiel für das Nachleben dieser Entwicklung, die auch durch die klimatischen Bedingungen der Hochalb und den dadurch hervorgerufenen Bedarf an Strick- und Wirkwaren gefördert wurde. Strick- und Wirkmaschinen weisen eine besonders filigrane Technik auf.[44]

Traditionelle Maschinenbaucluster existieren in Deutschland z. B. im Bergischen Land und in Ostwestfalen-Lippe, Anlagenbaucluster z. B. in Sachsen-Anhalt an den Standorten der chemischen Industrie und des früheren Bergbaus. Ein Cluster für Fördertechnik und Logistiksysteme hat sich rund um die Technische Universität Karlsruhe entwickelt. Dieses kann u.a. anknüpfen an die Tradition der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe, in der namhafte Ingenieure wie Emil Keßler, Niklaus Riggenbach, Carl Benz, Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach arbeiteten.

Ein Maschinenbau- und Mechatronik-Cluster mit einer entsprechend spezialisierten Hochschule besteht in Dunedin (Neuseeland).

Luft- und Raumfahrtindustrie[Bearbeiten]

Cluster der Luft- und Raumfahrtindustrie befinden sich in Oberbayern (gesamte Wertschöpfungskette der militärischen un zivilen Luftfahrt), im Raum Stuttgart/Backnang (Satellitenkommunikation) und in Bremen. In der Metropolregion Hamburg existiert mit Airbus, Lufthansa Technik und über 300 Zulieferern ein Cluster der Zivilluftfahrt. Es wird durch den Verein Hamburg Aviation vertreten und gefördert. In Nordrhein-Westfalen ist ein ABC-Cluster Luft- und Raumfahrt NRW ansässig.[45] Darin übernimmt das Technologiezentrum Dortmund die Koordination des Arbeitskreises Querschnittstechnologien.

Automobil- und Automobilzulieferindustrie[Bearbeiten]

Die Regionen Stuttgart und Karlsruhe gelten als Automobilclusterregionen.[46] Automotive-Cluster finden sich weiterhin im Bergischen Land sowie in Sachsen. Als länderübergreifende Initiative versteht sich das Automotive Cluster Ostdeutschland.[47]

Kunststoffindustrie[Bearbeiten]

Die EU, das Land Nordrhein-Westfalen, der Oberbergische Kreis und führende Unternehmen aus dem Kunststoffcluster im Kreis finanzieren ein Forschungsprojekt, das die Entwicklung einer vertikalen Suchmaschine für das Thema Kunststoff in Deutschland umfasst.[48]

MAI Carbon ist die Spitzenclusterinititative des Carbon Composites e.V. mit dem Ziel der Großserienfertigung. 70 Unternehmen und Forschungseinrichtungen (Stand 1. Dezember 2013) haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam die Carbon-Forschung sowie die Ausbildung von Spezialisten voranzutreiben. Das Bundesforschungsministerium zeichnete die in der Region München Augsburg Ingolstadt (MAI) angesiedelte Gruppe mit einem Preis aus. In dieser Region befinden sich Unternehmen wie SGL Carbon, BMW, Audi, die Airbus-Tochter Premium Aerotec und Eurocopter Deutschland GmbH sowie Forschungszentren des Fraunhofer-Instituts sowie des Deutsche Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Ventilatorenindustrie[49][Bearbeiten]

Manchmal reicht das Vorhandensein einer Firma, um einen Cluster wachsen zu lassen. In der Stadt Künzelsau in Hohenlohe siedelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf Einladung der Aufzugsfirma Stahl die Brüder Heinz und Günther Ziehl mit der Firma Ziehl-Abegg an, um Stahl mit Außenläufermotoren zu beliefern. Die R.Stahl AG hatte vor dem Krieg bis zur Zerstörung durch Bombenangriffe von der Firma Ziehl-Abegg in Berlin Außenläuferelektromotoren bezogen.

Da Außenläufermotoren sich besonders gut für verschleißarme Ventilatoren eignen, drängte der Konstruktionsleiter von Ziehl-Abegg, Wilhelm Gebhardt, den Eigner Heinz Ziehl dazu, auch Dachventilatoren herzustellen. Da dieser aber weiter auf Großkunden setzte, stattete er 1958 Gebhardt mit Geld aus, so dass dieser eine Ventilatorenfabrik gründen konnte, die er mit Elektromotoren belieferte. Wegen des außerordentlichen Erfolgs von Gebhardt begann auch Ziehl-Abegg mit dem Ventilatorenbau; man beschränkte sich auf Ventilatoren mit über 300 Millimeter Durchmesser.

Für Ventilatoren unter 300 Millimeter Schaufelraddurchmesser schickte Heinz Ziehl seinen Arbeitsvorbereitungsleiter Gerhard Sturm 1963 mit 35 Mann und Startkapital nach Mulfingen ins benachbarte Jagsttal, zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Damals bekam das Unternehmen zum Schutz der Landwirtschaft im Jagsttal die Auflage vom Land Baden-Württemberg, nie mehr als 85 Mitarbeiter zu beschäftigen. 2001 hatte EBM, Elektrobau Mulfingen, am Stammsitz 2000 Mitarbeiter (8000 weltweit) und stellte 13 Millionen Kleinventilatoren her. Seit 1992 ist EBM auch Mutterfirma der für Ventilatoren zur Kühlung von Computern bekannten Firma Papst Motoren in St. Georgen und seit 1997 der MVL in Landshut. 2003 erfolgte die Umfirmierung dieser drei Firmen in ebm-papst GmbH & Co. KG.

1981 machte sich der Vertriebsleiter von Ziehl-Abegg, Karl Rosenberg selbständig; die Rosenberg GmbH macht heute ebenfalls Millionenumsätze mit dem Vertrieb von Ventilatoren.

So wie Ziehl-Abbeg die Gründung von Firmen förderte, förderte EBM finanziell die Gründung von zahlreichen Zulieferfirmen (z. B. PVS) durch ehemalige Mitarbeiter:

  • ebm-papst GmbH & Co KG, ca. 10.000 Mitarbeiter, ca. 1 Milliarde Umsatz,
  • Ziehl-Abegg GmbH & Co KG, 3150 Mitarbeiter, 388 Millionen Euro Umsatz,
  • Gebhardt Ventilatoren, 330 Mitarbeiter, 50 Millionen Euro Umsatz,
  • Rosenberg GmbH, 1.400 Mitarbeiter weltweit, 150 Millionen Euro Umsatz in Deutschland (2012),
  • DLK Ventilatoren GmbH
  • GLT
  • WMB Ventilatoren GmbH

Optische und feinmechanische Industrie[Bearbeiten]

Optische und Feinmechanikcluster entstanden auf der Basis von Handwerksbetrieben bereits seit dem 18. Jahrhundert rund um die Universitäten wie z. B. Göttingen mit ihrem hohen Bedarf an geodätischen, physikalischen und astronomischen Messgeräten. Ein international bedeutendes Optikcluster wurde Jena mit den Firmen Carl Zeiss, Goertz, bereits im beginnenden 20. Jahrhundert. Heute setzen ca. 100 Optik- und Präzisisontechnikunternehmen im Jahr 1,3 Mrd. Euro um. Für die Stadt strukturbestimmend sind heute Zeiss, Jenoptik, Schott, Analytik Jena sowie eine Vielzahl kleiner Systemhersteller und Komponentenfertiger. Forschung und Entwicklung findet teils in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) statt. Ein ähnliches Cluster hat sich bei Wetzlar gebildet. Demgegenüber hat das im 19. Jahrhundert entstandene Optikcluster in Dresden mit Firmen wie Goltz & Breutmann, Pentacon oder Balda relativ an Bedeutung verloren.

Mikrosystemtechnik / Nanotechnik[Bearbeiten]

Grenoble ist Standort eines Mikro-Nanoclusters (Minalogic). Zusammen mit Lyon und dem dortigen Biotechnologiecluster (Lyonbiopôle) wird die Region in struktureller Hinsicht oft als Einheit wahrgenommen. Die Beschäftigtenstruktur im Cluster ist von einem für Frankreich überproportional hohen Anteil an Ingenieuren und hochqualifizierten ausländischen Mitarbeitern gekennzeichnet. In der Region lag 2007 der Anteil der Ingenieure an allen Beschäftigten bei 6,4 %. 10 % der Mitarbeiter waren ausländische Beschäftigte. Fasst man alle Kompetenzfelder zusammen, so waren 21.000 Beschäftigte in der Forschung tätig.[50]. Der Bereich Infektionskrankheiten weist allein 2500 Forscher auf, im Bereich Mikro- und Nanotechnologien sind 4000 Forscher tätig (Angaben Lyonbiopôle). In der Region wurden 2007 insgesamt 61.000 Studierende gezählt, davon ca. 9000 aus dem Ausland.

Auch in Dortmund hat sich ein Nanotechnologiecluster (Mikrosystem-/MST-Cluster) mit 2.300 Mitarbeitern in 45 Unternehmen gebildet.[51] Das TechnologieZentrumDortmund hat beim Best Science Based Incubator Award 2006 in der Kategorie support of cluster development den dritten Platz belegt.[52]

Sensorik[Bearbeiten]

Die 'Strategische Partnerschaft Sensorik e.V.' ist im Rahmen der Cluster-Offensive des Freistaats Bayern die Clusterplattform für den Bereich Sensorik. Dem Verein gehören mehr als 50 Mitgliedsfirmen und -institute aus Wirtschaft und Wissenschaft an sowie über 150 Partner. Er wurde 2009 als eines der bundesweit besten Netzwerke mit dem "Kompetenzpreis 2009" ausgezeichnet. Es besteht eine enge Kooperation mit Unternehmen in Niederösterreich.

Software und Computer[Bearbeiten]

Das größte europäische Software-Cluster hat sich in der Region Darmstadt-Karlsruhe-Kaiserslautern-Saarbrücken mit SAP in Walldorf und der Software AG in Darmstadt als Zentren entwickelt. Der Erfolg von SAP - ursprünglich eine Abspaltung aus dem IBM-Konzern in Weinheim (Bergstraße) - verdankte sich zunächst einer einzigen Innovation, nämlich der Dateneingabe über das Bildschirmterminal statt über Lochkarten. Inzwischen gibt es in Europa etwa 15 Ballungszentren für Softwareentwicklung. Dazu gehören u.a. London / Oxford, die Lombardei, Helsinki, Oberbayern und Stockholm. Das größte europäische Cluster in Südwestdeutschland verzeichnet jedoch wesentlich geringere Wachstumsraten als andere kleinere Cluster der Softwareentwicklung wie Berlin oder Warschau. Die Fraunhofer-Gesellschaft stellt in einer Studie 2013[53] fest, dass die großen europäischen Cluster kaum wachsen, während die wachsenden Cluster noch sehr klein sind. Dazu tragen 30 europäische Rechtssysteme und 27 Sprachen sowie die geringe Standardisierung bei öffentlichen Beschaffungen bei. Die gesamt europäische Softwareindustrie ist mit 41 Milliarden Euro (2013) immer noch kleiner als Microsoft (57 Milliarden Euro Umsatz), das auch mehr in die Forschung investiert.

Silicon Valley ist jedoch nicht das einzige US-amerikanische Softwarecluster. An der Route 128[54] bis hin zum Interstate 495 haben sich viele bedeutende IT-Unternehmen auf alten Industriebrachen angesiedelt. Rückgrat dieses Clusters waren Forschungseinrichtungen wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Harvard University und die Boston University. Aus dem Umfeld dieser Hochschulen entstanden viele Hightech-Unternehmen. Wegen des Angebots an hoch qualifiziertem Personal gründeten auch auswärtige Großkonzerne eine Niederlassung im Großraum Boston. Hierzu gehörten u.a. Intel, AMD, HP, IBM sowie deutsche Firmen wie Osram, Carl Zeiss oder TVM Capital. In den 1980er Jahren war der Begriff "Route 128" ähnlich belegt wie das Silicon Valley. Durch den Niedergang des Minicomputers, welcher hauptsächlich im Großraum Boston entwickelt und hergestellt wurde, verlor die Route 128 einen Großteil ihrer Anziehungskraft. Die Region musste sich auf andere Gebiete spezialisieren und startete erfolgreich Clusterinitiativen in den Bereichen Kommunikationstechnologie und Life Sciences (Biotechnologie und Medizintechnik). Seit 2007 wird außerdem der Cleantech-Sektor intensiver gefördert.[55]

Zum kanadischen IT-Cluster, das sich um die Universität von Waterloo, Ontario entwickelt hat, gehört BlackBerry. Auch um die Universität von Madison, Wisconsin haben sich etwa 600 High-Tech-Unternehmen angesiedelt.[56]

Typisch für Schwellenländer ist die Bildung von Hochtechnologie-Riesenclustern. Ein Beispiel ist die Softwareindustrie, die Indien in Bangalore ansiedeln und entwickeln konnte, vertreten durch Namen wie SAP, Infosys, Wipro und Motorola.

Consulting / Unternehmensberatung[Bearbeiten]

Die Consulting-Branche hat einen besonderen Schwerpunkt mit ca. 169.000 Beschäftigten in knapp 17.000 Unternehmen und einem Umsatz von fast 20 Milliarden Euro in der Wirtschaftsregion Rhein-Main und ist nach dem Finanzcluster das Cluster mit der stärksten regionalen Konzentration in der Region.[57] Die Anzahl der Consulting-Unternehmen in Rhein-Main ist seit 1980 um fast das Fünffache gestiegen. Allein in der Landeshauptstadt Wiesbaden entstanden seither 48 Prozent der neuen Arbeitsplätze in der Beratung.

Presse/Film/Medien[Bearbeiten]

Die Softwareindustrie und andere Dienstleistungen komplexer Art können von Clusterbildung stark profitieren, da hier permanent kreative Ressourcen ausgetauscht werden (müssen). Klassische Beispiele sind die Mediencluster in Hamburg, Köln und München sowie in den USA die Filmindustrie in Hollywood.[58]

Bauwirtschaft / Architektur[Bearbeiten]

Rund um die ETH Zürich hat sich ein Cluster Bauwirtschaft / Architektur gebildet.

Umwelttechnik[Bearbeiten]

In der Region Mülheim, Essen und Oberhausen wurde mit Unterstützung des Landes NRW ein Umwelttechnik-Cluster geschaffen.[59] Allerdings gibt es in NRW mehrere Initiativen, die für sich beanspruchen, Umwelttechnikanbieter regional oder überregional zu clustern.[60] Welche dieser Strukturen nachhaltig sind, wird sich erst nach Ablauf der Projektförderungen herausstellen.

Mode[Bearbeiten]

Räumliche Schwerpunkte der Modewirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sind Köln, der Mittlere Niederrhein mit den Städten Mönchengladbach, Neuss, Krefeld und vor allem Düsseldorf als Modehandelsstadt, die durch ihre zahlreichen Modemessen und Showrooms (ca. 850) auch international eine hohe Bedeutung erlangt hat. Ein weiterer innovativer und traditionsreicher Modestandort befindet sich in Ostwestfalen im Städtedreieck zwischen Bielefeld, Herford und Gütersloh.[61]

Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie[Bearbeiten]

Als Beispiel für erfolgreiche Clusterbildung in der Landwirtschaft gilt die nur 48 × 6,4 km große Weinbauregion Napa Valley in Kalifornien, in der 2001 23.000 Beschäftigte in 250 Winzereien und 666 Weinbauern gut 120 Millionen Flaschen Wein produzierten und vermarkteten.

Forst- und Holzwirtschaft[Bearbeiten]

Im Sommer 2006 vereinbarten der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) und der Deutsche Holzwirtschaftsrat, einen Verbandscluster „Plattform Forst & Holz“ für eine nachhaltige Entwicklung dieser beiden Wirtschaftsbereiche zu bilden. Die Vereinbarung wurde am 8. Mai 2007 in Fulda unterzeichnet.[62]

Das Beispiel der Holz- und Forstwirtschaft verdeutlicht zugleich die problematischen Folgen regionaler Clusterbildung. In einigen relativ homogen bis monokulturell strukturierten Regionen Österreichs wird Schnittholz von zahlreichen Produzenten erzeugt, von denen nur wenige in die nächsten Verarbeitungsstufen eingestiegen bzw. mit Unternehmen der folgenden Wertschöpfungsstufen wie z. B. der Möbelindustrie vernetzt sind. So wurden bei einer Wertschöpfung im Kernbereich der Holz- und Forstwirtschaft von 71,6 Mrd. ATS im Jahre 1999 nur 8,4 Mrd. ATS zusätzliche Wertschöpfung in nachgelagerten Bereichen induziert[63], weil immer noch viel Rohholz und Produkte mit geringer Wertschöpfung (gesägtes Holz und Spanplatten sowie Abfallprodukte wie Pallets) exportiert werden. Im Jahre 2000 wurden so von 10,4 Millionen m³ erzeugtem Nadelschnittholz über 6 Millionen m³ unverarbeitet exportiert, während gleichzeitig Holzprodukte etwa in der Höhe des halben Exportumgangs importiert wurden. Gleichzeitig wuchs die Produktion besonders auf der niedrigen Wertschöpfungsstufe weiter an, so dass die Preise tendenziell fallen.[64] Eine regionale Konzentration ähnlicher Unternehmen führt also keinesfalls automatisch zur Clusterbildung und Vernetzung, sondern eventuell zu verschärfter Konkurrenz und zum Preisverfall, gelegentlich auch zur Verknappung branchentypischer lokaler Produktionsfaktoren.

Vernetzungsmuster zwischen Clustern[Bearbeiten]

Einige Cluster wie Logistik, IT, Finanzwirtschaft und Consulting sind lokal stark mit anderen Clustern vernetzt und bilden mit ihren Netzwerktechnologien eine Interaktionsplattform für diese. Sie können dadurch deren Ansiedlung und Wachstum beschleunigen.[65] Eine zu starke Konzentration von Finanzwirtschaft und Consulting kann jedoch durch Konkurrenz um Mitarbeiter und Standorte auch Ressourcen aus dem produzierenden Gewerbe und anderen Dienstleistungsbranchen abziehen, so dass nicht automatisch Synergieeffekte zwischen den Clustern anzunehmen sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marshall, A.D.: Principles of Economics: An Introductory Volume. 8. Auflage, London: MacMillan 1977
  • Marshall, A.D.: Industry and Trade: A Study of Industrial Technique and Business Organization, and of their Influences on the Conditions of Various Classes and Nations. 4. Auflage, London: MacMillan 1923
  • Beck, Rasmus C.; R. G. Heinze; J. Schmid: Strategische Wirtschaftsförderung und die Gestaltung von High-Tech Clustern: Beiträge zu den Chancen und Restriktionen von Clusterpolitik. Nomos Verlag, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4193-2.
  • Porter, Michael E.: The Competitive Advantage of Nations. New York: The Free Press 1990.
  • Porter, Michael E.: Locations, Clusters and Company Strategy. In: Clark, G.L.; Feldman, M.P. und Gertler, M.S. (Hrsg.): The Oxford Handbook of Economic Geography, New York 2000, S. 253-274.
  • Porter, Michael E.: Clusters and the new economics of competition. Harvard Business Review, 76, 1998, S. 77-90.
  • Brenner, Th./Fornahl, D.: Theoretische Erkenntnisse zur Entstehung und Erzeugung branchenspezifischer Cluster. In: K. Dopfer (Hrsg.), Studien zur Evolutorischen Ökonomik VII. Berlin 2003, Duncker & Humblot , S. 133-162.
  • Bühler, Josef; Schubert, Dirk: Leitfaden Regionale Wertschöpfungspartnerschaften, Hrsg: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Bonn 2008
  • Bühler, Josef; Bürckmann, Hannes: Regionale Wirtschaftskooperationen in der Ernährungswirtschaft. In: Innovative regionale Wertschöpfungskooperationen im ländlichen Räum, Hrsg: Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V., Eschborn 2009
  • Denner, C.: Steuerungsinstrumente von High-Tech Clustern. Eine Analyse auf Grundlage der Komplexitätstheorie. VDM, Saarbrücken 2007.
  • Henn, S.: Regionale Cluster in der Nanotechnologie. Entstehung, Eigenschaften, Handlungsempfehlungen. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006 [u. a.].
  • Sautter, B.: Regionale Cluster - Konzept, Analyse und Strategie zur Wirtschaftsförderung. In: Standort - Zeitschrift für Angewandte Geographie, 2004, (28)2, S.66-72.
  • Saxenian, A.L.: Regional Advantage: Culture and Competition in Silicon Valley and Route 128. Cambridge, MA: Harvard University Press 1994.
  • Scheuplein, C.: Der Raum der Produktion. Wirtschaftliche Cluster in der Volkswirtschaftslehre des 19. Jahrhunderts. Duncker&Humblot, Berlin 2006.
  • Schiele, H.: Der Standort-Faktor. Wie Unternehmen durch regionale Cluster ihre Produktivität und Innovationskraft steigern. Mit einem Vorwort von Lothar Späth. Wiley-VCH, Weinheim 2003.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Huber, F. (2009) Social Capital of Economic Clusters: Towards a Network-based Conception of Social Resources. Journal of Economic and Social Geography (TESG) 100(2):160-170
  2. Siehe z. B. den ressort- und branchenübergreifenden Lenkungskreis für das gesamte Berlin Cluster Kommunikation und Kreativwirtschaft, http://www.berlin.de/projektzukunft/kreativwirtschaft/clusterstrategien/
  3. Mill, U.; Weißbach, H.-J., Vernetzungswirtschaft : Ursachen, Funktionsprinzipien, Funktionsprobleme, in: T. Malsch, U. Mill (Hrsg.): ArBYTE : Modernisierung der Industriesoziologie? Berlin: Sigma 1992, S. 315-342.
  4. Camagni, Roberto P., Local “Milieu”, Uncertainty and Innovation Networks: Toward a New Dynamic Theory of Economic Space, Unveröff. Manuskript 1991, zit. Erich Latniak, Dieter Rehfeld, Betriebliche Innovation und regionales Umfeld - Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen, ARBEIT H. 3, Jg. 3, S. 238 ff.
  5. Jappe-Heinze, A., u. a.:Clusterpolitik: Kriterien für die Evaluation von regionalen Clusterinitiativen. Arbeitspapiere Unternehmen und Region. FhG ISI Institut Karlsruhe 2008, S. 4 ff.
  6. Martin, R.; Sunley, P.: Deconstructing Clusters: Chaotic Concept or Policy Panacea? In: Journal of Economic Geography, 3. Jg. (2003), Nr. 1, S. 5-35
  7. Yuqing Xing, Neal Detert (2010): How the iPhone Widens the United States Trade Deficit with the People’s Republic of China. ADBI Working Paper Series No. 257, December 2010. Asian Development Bank http://www.adbi.org/files/2010.12.14.wp257.iphone.widens.us.trade.deficit.prc.pdf
  8. Lorenzen, M., Maskell, P. (2005): The cluster as a nexus of knowledge creation. In: Cooke, P. and Piccaluga, A. (Eds.): Regional Economies as Knowledge Laboratories, pp. 77-92. London: Edward Elgar
  9. Dieses Cluster entwickelte sich auf Basis der Rundwirkmaschine von Fouquet in Rottenburg.
  10. Lawerino, R.; Weißbach, H.-J.: Strukturwandel und Qualifizierungsbedarf von Bergbauzulieferern. Dortmund: AIQ 1990
  11. Rogers, E.M. and J.K. Larsen: Silicon Valley Fever, 1984, NY: Basic Books
  12. Dieser war während 1951 des Koreakriegs gegründet worden; http://www.silicon-valley-story.de/sv/stanford.html und entwickelte sich nach der Ansiedlung von Lockheed in Kalifornien zu einem wichtigen Wissensproduzenten der Luft- und Raumfahrtindustrie.
  13. Website des Netzwerks
  14. BMBF (1996): Bundesbericht Forschung 1996.Bonn
  15. Institut für Innovation und Technik in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH: Cluster: Zwischen hard facts und soft factors, Jahresbericht 2012. Berlin
  16. Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, Baden-Württemberg (2012): Regionaler Cluster-Atlas Baden-Württemberg 2012 (PDF; 12,1 MB). Stuttgart
  17. Bayerisches Wirtschaftsministerium (2012): Cluster-Offensive Bayern - Im Netzwerk zum Erfolg (PDF; 3,0 MB). München
  18. Senat von Berlin, Regierung des Landes Brandenburg (2011): Gemeinsame Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg (PDF; 964 kB). Berlin
  19. Freie und Hansestadt Hamburg (2001): Clusterpolitik in Hamburg - Gemeinsam an die Spitze (PDF; 8,5 MB). Hamburg
  20. Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (2012): Netzwerke in Niedersachsen - Zukunft schmieden (PDF; 4,3 MB). Hannover
  21. http://www.clusterplattform.at/fileadmin/user_upload/clusterbibliothek/75_Erfolgsgeschichte_15_Jahre_Clusterinitiativen_in_OE.pdf (2007), S. 225 Zugriff 30. August 2012
  22. http://www.europe-innova.eu/web/guest;jsessionid=D1D7A3AE81A51A87D0706BE3C945A0AB Zugriff 30. August 2012
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  26. Ulrike Steinbrenner, Innovationspolitik in der VR China: Der Shenzhen High-Tech Industrial Park (SHIP), China Analysis 76, 2010, http://www.chinapolitik.de/studien/china_analysis/no_76.pdf
  27. http://www.goodnews4.de/daily_news_detail.php?mid=2869
  28. http://safeguard.giqs.org/ueber-safeguard/
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  34. http://www.wiwo.de/erfolg/gruender/gruender-reise-durch-silicon-germany/6145176.html Jens Tönnesmann: Reise durch Silicon Germany, WirtschaftsWoche vom 6. Februar 2012
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  36. Sergio Aiolfi, Basel braucht die Pharma mehr als die Pharma Basel, in: Neue Zürcher Zeitung, 23. Mai 2012
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  43. http://www.medicalmountains.de/ueber-uns/
  44. Ute Fischer, Hans-Jürgen Weißbach, Der Wandel geschlechtsspezifischer Erwerbsmuster in der Textil- und Bekleidungsindustrie, Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim 1992
  45. http://www.abc-cluster.de/ueber-das-abc-cluster/arbeitskreise.html
  46. Dispan, Jürgen; Grammel, Ralf: Automobilcluster Region Stuttgart. Clusterreport 1998/99. Stuttgart, IMU-Informationsdienst Nr. 4/1999; Dispan, Jürgen; Stieler, Sylvia: Automotive-Clusterreport 2006. Fahrzeugbau in der Region Karlsruhe. Stuttgart, IMU-Informationsdienst Nr. 1/2006
  47. http://www.acod.de
  48. http://www.kunststoff-cluster.de
  49. McK Wissen, Nr. 1, 1.Jahrgang 2002, S. 10 bis 19
  50. http://www.kooperation-international.de/countries/themes/international/clusterlist/grenoble-lyon-high-tech-cluster/
  51. http://www.dortmund.de/media/downloads/pdf/studium_forschung/mikro_nanotechnologie_in_dortmund.pdf
  52. http://www.mikrotechnik-dortmund.de/de/standort
  53. EU Softwarecluster Benchmark 2013, zit. Was Europs Softwarebranche zum Silicon Valley fehlt, Neue Zürcher Zeitung 27. November 2012, internat. Ausgabe
  54. Rosegrant S., D. Lampe: Route 128 1992, NY: Basic Books
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  58. U. Mill / H.-J. Weißbach, Netzwerkwirtschaft, in: gdi impuls, Duttweiler Institut Rüschlikon, H. 1/93, S. 30-38
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  60. Z. B. http://www.umweltcluster-nrw.de/
  61. http://www.creative.nrw.de/branchen-und-maerkte/modewirtschaft/zahlen-und-fakten.html
  62. N.N.: Verbände der Forst- und Holzwirtschaft rücken zusammen. „Plattform Forst & Holz“ am 8. Mai gegründet. In: Holz-Zentralblatt, 133. Jahrgang 2007, S. 529, ISSN 0018-3792
  63. Asta Eder, Karl Hogl, Peter Schwarzbauer (2004), Wertschöpfung des österreichischen Holz- und Forstwirtschaft, Universität für Bodenkultur Wien, Paper
  64. http://www.lako.at/data/media/1225.pdf
  65. ClusterStudie FrankfurtRheinMain, Hg.: Regionalverband Rhein-Main, 2013, S. VI, (Online)