Karl-Heinz Riedle

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Karl-Heinz Riedle

Karl-Heinz Riedle 2012 in der Sendung Markus Lanz

Spielerinformationen
Voller Name Karl-Heinz Riedle
Geburtstag 16. September 1965
Geburtsort Weiler im AllgäuDeutschland
Größe 179 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
TSV Ellhofen
SV Weiler
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1983–1986
1986–1987
1987–1990
1990–1993
1993–1997
1997–1999
1999–2001
FC Augsburg
Blau-Weiß 90 Berlin
Werder Bremen
Lazio Rom
Borussia Dortmund
FC Liverpool
FC Fulham

34 (10)
86 (38)
84 (30)
87 (24)
59 (11)
34 0(6)
Nationalmannschaft
1986–1987
1988
1988–1994
Deutschland U-21
Olympia-Auswahlmannschaft
Deutschland
4 0(1)
1 0(0)
42 (16)
Stationen als Trainer
2000 FC Fulham
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Karl-Heinz „Kalle“ Riedle (* 16. September 1965 in Weiler im Allgäu) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler (Stürmer). Er spielte in der Bundesliga, der italienischen Serie A und in England in der ersten und zweiten Liga. Insgesamt erzielte er in 207 Bundesligaspielen 72 Tore.

Karriere[Bearbeiten]

Verein[Bearbeiten]

Blau-Weiß 90 Berlin[Bearbeiten]

Karl-Heinz Riedle begann mit dem Fußballspielen bei seinem Heimatverein TSV Ellhofen. Mit einem Zwischenstopp beim SV Weiler (jetzt: FV Rot-Weiss Weiler) wechselte er 1983 zum FC Augsburg in die damalige Bayernliga, danach ging er 1986 für eine Saison zum Bundesligaaufsteiger Blau-Weiß 90 Berlin. Dort war er Stammspieler, absolvierte alle 34 Saisonspiele und schoss zehn der 36 Tore seines Teams in dieser Spielzeit. Damit war er bester Schütze der Blau-Weißen. Sein Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse hatte Riedle somit am 1. Spieltag der Saison 1986/87 am 9. August 1986 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Noch im gleichen Spiel erzielte er auch seinen ersten Bundesligatreffer, als er in der 24. Minute zum 1:1 ausgleichen konnte. Das Spiel endete 1:4 aus der Sicht der Berliner.[1] Seinen ersten Ligadoppelpack erzielte Riedle am 3. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach. Nachdem er erst in der 74. Minute beim Stand von 1:2 eingewechselt wurde, gelang es ihm mit einem Doppelschlag in der 82. und 90. Minute das Spiel zu drehen, er sicherte damit seinem Team den ersten Saisonsieg.[2] Die Berliner konnten nur noch zwei weitere Spiele während der gesamten Saison gewinnen und stiegen folgerichtig wieder in die 2. Fußball-Bundesliga ab.

Werder Bremen[Bearbeiten]

Im Sommer 1987 wurde Riedle dann von Otto Rehhagel an die Weser zu Werder Bremen geholt. Er schaffte es auf Anhieb in die Stammmannschaft, verpasste nur wegen fünf gelber Karten eines der 34 Saisonspiele. Zusammen mit dem gleichaltrigen Frank Ordenewitz schoss Riedle 33 Tore, 18 Treffer allein und war damit interner Schützenkönig. Nur Jürgen Klinsmann vom VfB Stuttgart war mit 19 Torerfolgen besser und sicherte sich die Torjägerkanone. Am Ende seines ersten Jahres bei Bremen wurde die Mannschaft Deutscher Meister. Im Folgejahr traf Riedle nur noch 13 Mal ins gegnerische Tor, war aber zusammen mit Frank Neubarth bester Schütze der Grün-Weißen. Im Europapokal der Landesmeister, für den Werder wegen der Meisterschaft 1988 qualifiziert war, gab der Angreifer im ersten Spiel der Vorrunde am 6. September 1988 sein internationales Debüt gegen den Berliner FC Dynamo, welches das Team 0:3 verlor.[3] Beim Rückspiel am 11. Oktober erzielte Riedle in der 62. Minute seinen ersten Treffer in diesem Wettbewerb, als er Dynamo-Torhüter Bodo Rudwaleit bezwingen konnte. Es war das Tor zum 3:0. Endstand war 5:0 für Bremen, so dass sich die Mannschaft trotz der Hinspielniederlage für das Achtelfinale qualifizieren konnte.[4] Im Viertelfinale schied Bremen dann gegen den AC Mailand aus. In der Saison 1989/90 kam Riedle wegen einer sich schon seit längerer Zeit abzeichnenden Leistenoperation nur auf 20 Ligaeinsätze und sieben Tore. Der im Sommer unter Vertrag genommene Stürmer Wynton Rufer vertrat Riedle und konnte die meisten Torerfolge in dieser Spielzeit feiern. Mit dem damaligen Talent Marco Bode und den erfahrenen Spielern wie Manfred Burgsmüller und Frank Neubarth stand Riedle weiterer Konkurrenz gegenüber.[5]

Lazio Rom[Bearbeiten]

Im Sommer 1990 entschied sich Riedle, der mit der Nationalmannschaft gerade den Weltmeistertitel geholt hatte (siehe unten), für einen Wechsel. Für eine Ablösesumme von 13 Millionen DM lockte Lazio Rom den Stürmer nach Italien in die Serie A. Dieser Transfer galt seinerzeit als Rekordtransfer, da nie zuvor so viel Geld für einen deutschen Spieler gezahlt worden war. Ein Jahr später folgte ihm Nationalmannschaftskollege Thomas Doll. In seinem ersten Jahr in der italienischen Hauptstadt setzte sich Riedle durch und war Stammspieler. Am Ende reichte es aber nur zu Platz 10. Im Folgejahr, dem besten, erzielte der Torjäger 13 Treffer in 29 Partien und war damit ein Garant für den Aufschwung seiner Mannschaft. Mit Platz fünf in der Liga war es für Lazio die beste Platzierung seit 1978. Ein Jahr später wurde sogar der vierte Platz erreicht. Riedle konnte dafür aber nur noch acht Treffer beisteuern.

Borussia Dortmund[Bearbeiten]

Es folgte die Rückkehr nach Deutschland. Als seinerzeit teuerster Transfer in der Geschichte der Bundesliga wechselte der Stürmer 1993 zu Borussia Dortmund, wo er vier Jahre lang spielte. Dort erlebte Riedle eher magere Stürmerjahre und kam nie über sieben Treffer in einer Saison hinaus. Seinen ersten Treffer für den BVB markierte er am 3. Spieltag gegen den SC Freiburg, als er zum 1:2-Anschlusstreffer traf. Die Partie konnte noch gedreht werden und die Schwarz-Gelben gewannen 3:2.[6] 1995 und 1996 gewann Riedle mit den Dortmundern noch zweimal die Deutsche Meisterschaft. Da Stéphane Chapuisat im Sturm meist für Trainer Ottmar Hitzfeld gesetzt war, musste Riedle in den vier Jahren bei Dortmund mit den Angreifern Flemming Povlsen, Heiko Herrlich und Ibrahim Tanko um den zweiten Platz neben Chapuisat konkurrieren. In der Saison 1995/96, als Chapuisat, wie der gesamte BVB-Sturm, schwächelte, viele Verletzte im Offensivbereich zu beklagen waren und kein Angreifer mehr als 18 Spiele bestritt, war Riedle mit sieben Treffern bester Stürmer der Dortmunder. Nur die Mittelfeldspieler Andreas Möller und Michael Zorc waren besser.[7] In der Liga wurde der BVB zwar nach zwei Titelgewinnen in der Saison 1997 vom FC Bayern München abgelöst, allerdings sorgte die Mannschaft international für Aufsehen. Die Dortmunder erreichten das Champions-League-Finale 1997. Dort war Juventus Turin der Gegner im Münchner Olympiastadion. Mit zwei Treffern avancierte Riedle zum Mann des Tages und sicherte somit den 3:1-Erfolg gegen die Italiener. Dritter Schütze der Dortmunder war Lars Ricken. Riedle, der die Tore in der 29. und 34. Minute erzielte, wurde in der 67. Minute für Heiko Herrlich ausgewechselt.

FC Liverpool[Bearbeiten]

Mit Ende der Bundesligaspielzeit 1996/97 entschied sich Riedle zu einem erneuten Transfer ins Ausland. Beim damaligen englischen Rekordmeister FC Liverpool spielte Riedle noch zwei Jahre. Dort wurde die Mannschaft Dritter in der Premier League. Riedle, der in 25 Spielen sechs Tore erzielte, stand dabei aber meistens im Schatten des damaligen Youngsters Michael Owen. Im Folgejahr reichte es unter dem neuen Trainer Gérard Houllier nicht einmal zur Teilnahme am UEFA-Pokal. Zwar kam Riedle in seinem zweiten Jahr bei den Reds auf 34 Spiele, war dabei aber meist Wechselspieler.

FC Fulham[Bearbeiten]

Im Sommer 1999 sortierte Houllier den Kader neu und siebte Spieler aus. Riedle suchte sich darauf einen neuen Verein und fand ihn mit dem FC Fulham, die damals in der zweiten englischen Liga spielten.[8] Zwar betreute er die Mannschaft 2000 kurzzeitig als Spielertrainer, stand dem Team aber meist nur als Stand-By zur Verfügung. Am Ende der Spielzeit 2000/01 stieg Fulham in die Premier League auf. Riedle gab aber bereits im November 2000 seine Karriereende zum Ende der Saison bekannt. Zwar dachte er nach dem Aufstieg nochmals über eine Vertragsverlängerung nach, diese fand dann aber nicht statt.[9]

Comebackversuch[Bearbeiten]

Anfang des Jahres 2002 versuchte Riedle nochmals ein Comeback und stieg in das Training des damals von Uwe Wegmann trainierten Liechtensteiner Fußballvereins FC Vaduz ein.[10] Nach drei Wochen entschied er sich allerdings gegen eine Vertragsbindung.[11]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 gewann Riedle mit dem deutschen Team die Bronzemedaille.

In der deutschen A-Nationalmannschaft spielte er von 1988 bis 1994. Dabei erzielte er in 42 Spielen 16 Tore. Riedle nahm an der WM 1990, der EM 1992 und der WM 1994 teil.

Sein Debüt gab er am 31. August 1988 im WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland. Beim Stand von 3:0 aus Sicht der Deutschen wurde Riedle für Dieter Eckstein eingewechselt und konnte in der 87. Minute auf 4:0 erhöhen.[12] In den kommenden Jahren spielte er sich immer mehr in die Mannschaft von Franz Beckenbauer und wurde folgerichtig für die Weltmeisterschaft 1990 in Italien nominiert. Dort kam er zu vier Einsätzen, war aber hinter Jürgen Klinsmann und Rudi Völler nur Stürmer Nummer 3. Einzig beim Spiel gegen die Tschechoslowakei stand Riedle die ganzen 90 Minuten auf dem Platz.[13] Im Halbfinalspiel gegen England musste das Elfmeterschießen über den Einzug in das Finale entscheiden. Dabei traf Riedle zum 4:4. Da die Engländer Stuart Pearce und Chris Waddle keine so guten Nerven hatten, zog die deutsche Mannschaft ins Endspiel ein.[14]

Auch zur Europameisterschaft in Schweden, im Jahr 1992, wurde er von Neu-Nationaltrainer Berti Vogts in den Kader der DFB-Auswahl berufen. In diesem Turnier war er als Stammspieler gesetzt und war in allen fünf möglichen Partien in der Startelf. Diesen Platz erkämpfte er sich von Jürgen Klinsmann. Vogts traf dabei intern, aber auch in der deutschen Pressewelt auf kritische Stimmen.[15] Im ganzen Turnier erzielte Riedle drei Tore und wurde gemeinsam mit drei anderen Spielern (Dennis Bergkamp, Henrik Larsen und Thomas Brolin) Schützenkönig des Turniers. Im Finale stand er über die 90 Minuten auf dem Platz, konnte aber auch die 0:2-Niederlage gegen das dänische Team nicht abwenden.

Beim Freundschaftsspiel gegen die USA am 13. Juni 1993 erzielte Riedle seinen einzigen Dreierpack in der Nationalmannschaft. Beim 4:3-Sieg traf der Angreifer in der 34., 40. und 59. Minute.[16]

Sein vorletztes Spiel im Dress des DFB machte Riedle in der Vorrundenpartie der Weltmeisterschaft 1994 in den USA gegen die Auswahl Südkoreas. In der 18. Minute desselben Spiels erzielte er auch seinen letzten Treffer für die Nationalmannschaft. Das Spiel endete mit einem 3:2-Erfolg.[17] Sein letztes Spiel für die Deutsche Nationalmannschaft absolvierte Riedle drei Monate später beim Freundschaftsspiel gegen Russland, als er in der 74. Minute für Stefan Kuntz eingewechselt wurde. [18]

Erfolge als Spieler[Bearbeiten]

  • 1988: Deutscher Meister
  • 1988: Bronze bei den Olympischen Spielen in Seoul
  • 1990: Weltmeister
  • 1992: Vize-Europameister
  • 1992: einer von vier Torschützenkönigen bei der Europameisterschaft (mit 3 Toren)
  • 1995: Deutscher Meister
  • 1996: Deutscher Meister
  • 1997: UEFA-Champions-League-Sieger

Nach dem Karriereende[Bearbeiten]

Bis zum Frühjahr 2007 arbeitete Riedle als Sportchef beim Schweizer Rekordmeister Grasshoppers Zürich.[19] Daneben besitzt der frühere Top-Stürmer ein 4-Sterne-Hotel und ein Fußball-Camp für Kinder in Oberstaufen im Allgäu sowie eine Sport- und Eventagentur.[20] Am 28. September 2014 loste er gemeinsam mit Melanie Winiger die Gruppen zur UEFA Champions League 2014/15 im Grimaldi Forum in Monaco aus.[21]

Seit November 2014 ist Riedle als „internationaler Markenbotschafter“ für seinen früheren Verein Borussia Dortmund tätig.[22]

Privat[Bearbeiten]

Riedle ist mit seiner Jugendliebe verheiratet. Sie haben drei Kinder, darunter Alessandro Riedle.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Riedle hatte, bevor er Profifußballer wurde, den Beruf des Metzgers erlernt .[23]

Obwohl mit 1,79 m nicht besonders groß, galt er aufgrund seiner Sprungkraft als ein kopfballstarker Spieler, was ihm den Spitznamen „Air Riedle“ einbrachte.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spielstatistik Blau-Weiß 90 Berlin - 1. FC K'lautern 1:4 (1:2) vom 9. August 1986 auf fussballdaten.de
  2. Spielstatistik Blau-Weiß 90 Berlin - Borussia M'gladbach 3:2 (1:2) vom 23. August 1986 auf fussballdaten.de
  3. Spielstatistik FC Berlin - SV Werder Bremen 3:0 (1:0) vom 6. September 1988 auf fussballdaten.de
  4. Spielstatistik SV Werder Bremen - FC Berlin 5:0 (1:0) vom 11. Oktober 1988 auf fussballdaten.de
  5. SV Werder Bremen: Der Kader 1989/1990 auf fussballdaten.de
  6. Spielstatistik Borussia Dortmund - SC Freiburg 3:2 (0:1) vom 21. August 1993 auf fussballdaten.de
  7. http://www.fussballdaten.de/vereine/borussiadortmund/1996/kader/ Borussia Dortmund: Der Kader 1995/1996] auf fussballdaten.de
  8. Karl-Heinz Riedle vor Wechsel nach Fulham vom 20. September 1999 auf spiegel.de
  9. "Fackeln am Karriereende" vom 17. April 2001 auf spiegel.de
  10. Karl-Heinz Riedle trainiert mit dem FC Vaduz vom 9. Januar 2002 auf news.ch
  11. Karlheinz Riedle geht nicht zum FC Vaduz vom 6. Februar 2002 auf news.ch
  12. Spielstatistik Finnland - Deutschland 0:4 (0:2) vom 31. August 1988 auf fussballdaten.de
  13. Spielstatistik Deutschland - Tschechoslowakei 1:0 (1:0) vom 1. Juli 1990 auf fussballdaten.de
  14. Spielstatistik Deutschland - England 5:4 n.E. vom 4. Juli 1990 auf fussballdaten.de
  15. Karlheinz Riedle: „Ein peinliches Finale“ auf tagesspiegel.de
  16. Spielstatistik USA - Deutschland 3:4 (1:3) vom 13. Juni 1993 auf fussballdaten.de
  17. Spielstatistik Deutschland - Südkorea 3:2 (3:0) vom 27. Juni 1994 auf fussballdaten.de
  18. Spielstatistik Russland - Deutschland 0:1 (0:1) vom 7. September 1994 auf bundesligachronik.de
  19. GC: Berbig und Vogel greifen ein vom 19. April 2007 auf blick.ch
  20. Hinweis in: RevierSport 10/2013, S. 25
  21. Die Welt: Riedle als Glücksfee bei der Gruppenauslosung vom 28. August 2014
  22. Borussia Dortmund holt Riedle zurück, kicker.de vom 22. November 2014.
  23. "Fußballstar mit einem Faible für Fleisch" vom 12. Oktober 2005 auf zsz.ch