Marco Pantani

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Marco Pantani Straßenradsport
Pantani beim Giro d’Italia 1998.
Pantani beim Giro d’Italia 1998.
zur Person
Spitzname Il Pirata
Geburtsdatum 13. Januar 1970 in Cesena
Nation ItalienItalien Italien
Disziplin Straße
Fahrertyp Bergspezialist
Team(s)
1992–1996
1997–2003
Carrera
Mercatone Uno
Wichtigste Erfolge
Grands Tours
Gelbes Trikot Gewinner Tour de France 1998
Rosa Trikot Gewinner Giro d’Italia 1998
Weißes Trikot Bester Jungprofi Tour de France, 1994–1995

Marco Pantani (* 13. Januar 1970 in Cesena; † 14. Februar 2004 in Rimini, Italien) war ein italienischer Profi-Radrennfahrer. 1998 gewann er die Tour de France und den Giro d’Italia.

Pantanis aggressive Fahrweise und sein attackierender Stil machten Marco Pantani zu einem der beliebtesten Radsportler der späten 90er Jahre. Mit einer Größe von 1,72 Metern und 52 Kilogramm hatte er die perfekte Voraussetzungen für einen Bergspezialisten.[1]

Sportliche Laufbahn[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Im Alter von elf Jahren trat Pantani dem GC Fausto Coppi in Cesenatico bei.[2] Seinen größten Erfolg als Amateur erlang er durch den Sieg des Baby Giro im Jahr 1992, nachdem er 1990 Dritter und 1991 Zweiter geworden war.

Profijahre[Bearbeiten]

Noch im selben Jahr unterschrieb Pantani seinen ersten Profivertrag beim Team Carrera Jeans-Vagabond und erreichte in seinem ersten Profirennen, dem Gran Premio Cittá di Camaiore, den zwölften Platz. Im Jahr darauf sammelte er erste Erfahrungen bei größeren Rundfahrten und wurde Gesamtfünfter der Bergwertung beim Giro del Trentino. Bei seinem ersten Start des Giro d’Italia musste er nach der 18. Etappe aufgeben.

1994 beendete Marco Pantani den Giro del Trentino und den Giro della Toscana jeweils auf dem vierten Platz, bevor er zum zweiten Mal beim Giro d’Italia startete. Da war er als Helfer für Claudio Chiappucci eingeteilt. Er errang auf der 14. Etappe seinen ersten Sieg als Profi und legte auf der folgenden Etappe seinen zweiten Sieg nach. Im Gesamtklassement belegte Pantani den zweiten Platz und hatte knapp drei Minuten Rückstand auf den Sieger Eugeni Berzin. Im selben Jahr startete er auch bei der Tour, beendete diese auf dem dritten Platz, wurde bester Jungprofi und Zweiter in der Bergwertung.

In der Saison 1995 kollidierte Pantani beim Training mit einem Auto und verletzte sich, so dass er nicht beim Giro starten konnte. Er fuhr aber die Tour und beendete diese auf dem 13. Platz. Dabei wurde er erneut bester Jungprofi und gewann zwei Bergetappen, die nach Alpe d’Huez sowie die nach Guzet-Neige. Außerdem gewann er eine Etappe bei der Tour de Suisse sowie die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften in Duitama, Kolumbien, hinter den Spaniern Abraham Llano und Miguel Indurain. Nach der WM verletzte er sich bei Mailand–Turin schwer, als er wiederum mit einem Auto kollidierte.

Marco Pantani erklimmt Alpe d’Huez 1997 mit neuer Bestzeit.

Nachdem sich Carrera Jeans im Jahr 1996 vom Sponsoring des gleichnamigen Teams zurückzog, wurde mit Pantani als Teamkapitän in Italien ein neues Profiradteam gebildet. Das Team Mercatone Uno wurde von Luciano Pezzi gegründet. Wie Pantani wurden auch noch zehn Fahrer des ehemaligen Teams Carrera übernommen.[3] Pantani startete im neuen Team beim Giro d’Italia 1997, stürzte allerdings auf einer der ersten Etappe, weil eine Katze die Straße überquerte, und schied frühzeitig aus.[4] Dabei brach eine alte Verletzung, welche er sich im Jahr 1995 zugezogen hatte, wieder auf.[5] Im selben Jahr bestritt Pantani aber die Tour de France und gewann dabei zwei Etappen in den Alpen. Dabei stellte er eine Bestzeit auf dem Weg Richtung Gipfel von Alpe d’Huez auf und siegte zwei Tage später auf der Bergetappe nach Morzine. In der Gesamtwertung belegte er hinter Jan Ullrich und Richard Virenque den dritten Platz.

In der Saison 1998 startete Pantani, im Kreise der Favoriten auf den Titel, beim Giro. Sein größter Konkurrent Alex Zülle gewann das Prolog-Zeitfahren und die sechste Etappe zum Lago Laceno. Pantani entschied wichtige Etappen in den Bergen für sich, um einen größtmöglichen zeitlichen Vorsprung auf Zülle aufbauen zu können.[6] Dabei konnte Pantani auf der 17. Etappe erstmals in seiner Karriere das Rosa Trikot erringen, als er die anderen Favoriten auf dem Weg über den Passo Fedaia nach Marmolada abhängen und somit die Führung im Gesamtklassement übernehmen konnte. Er kam mit einem Vorsprung von über vier Minuten auf Zülle und knapp 30 Sekunden vor Pawel Tonkow ins Ziel und beendete die Etappe hinter Giuseppe Guerini auf dem zweiten Platz.[7] Auf der 18.Etappe von Selva di Val Gardena nach Alpe Ampeago kam Pantani zeitgleich mit Tonkow ins Ziel, sodass es im Gesamtergebnis keine Veränderung gab.[8]

Auf der folgenden 19. Etappe nach Plan di Montecampione attackierte Pantani Tonkov auf den letzten Kilometern und gewann die Etappe mit einem Vorsprung von 57 Sekunden und baute so die Führung im Gesamtklassrment auf knapp 90 Sekunden aus, bevor es zum letzten Zeitfahren, Pantanis Schwäche, ging.[9] Auf der 21. Etappe, einem Zeitfahren von Mendrisio nach Lugano, überzeugte jedoch Pantani, belegte den dritten Platz und konnte somit Führung im Gesamtklassement verteidigen.[10] Auf der folgenden, letzten Etappe fuhr Pantani seinen ersten großen Titel sicher nach Hause. Zum Sieg in der Gesamtwertung gewann er auch die Bergwertung und wurde Zweiter bei der gesonderten Punktetabelle.[11]

Abstieg[Bearbeiten]

1999 setzte Pantani fast ein ganzes Jahr mit dem Radsport aus, bedingt durch einen Sturz im Herbst der Saison, und kehrte erst – nach einem kurzen Versuch in Spanien im März 2000 – anlässlich des Giro in den Radsport zurück. Bei der Tour de France 2000 gewann er zwei Etappen (hinauf zum Mont Ventoux und zwei Tage später die nach Courchevel). Im Rahmen einer Razzia anlässlich des Giro d’Italia 2001 wurde bei Pantani eine Spritze mit Insulin gefunden, was eine sechsmonatige Sperre sowie die Zahlung von 3000 Schweizer Franken Geldstrafe nach sich zog.[12] Im Jahr 2003 trainierte Pantani wieder und er nahm am Giro d’Italia teil. Nur ein Sturz verhinderte eine Platzierung unter den ersten Fünf. Nachdem er nicht zur Tour de France geladen wurde, wurde im Juni 2003 bekannt, dass sich Pantani zur Behandlung von Depressionen in einer Nervenklinik aufhielt.

Doping[Bearbeiten]

Aufgrund eines erhöhten Hämatokritwerts durfte Pantani nicht beim Giro d’Italia 1999 starten.[13] Pantanis Anwälte erklärten später, dieser hohe Wert sei Folge eines Höhentrainings, von Dehydration im Rennen selbst und dem Trauma in Folge des Unfalls. Außerdem sollen Fehler bei der Blutabnahme und Messung der Probe gemacht worden sein.[14]

1999 veröffentlichte die Italienische Zeitung La Repubblica Informationen über das gezielte Doping im italienischen Sport, auch über Marco Pantani und weitere Radsportler seines Teams Carrera. Der Sportwissenschaftler Francesco Conconi versorgte von 1993 bis 1998 die Sportler mit EPO.[15][16] Gestützt wurde dieser Verdacht durch die veröffentlichten Hämatokritwerte von Pantani während der Saisons von 1993 bis 1995. Seine Werte stiegen von 40,7 Prozent am 16. März auf 54,55 Prozent am 23. Mai, dem Tag, an dem die erste Etappe des Giro gestartet wurde. Dieser Wert erreichte am 8. Juni mit 58 Prozent seinen Höhepunkt, nachdem Pantani zwei Etappen des Giro gewonnen hatte und blieb bis nach der Beendigung der Tour de France gleich hoch.

In der folgenden Saison 1995 ging der Hämatokritwert von Pantani im März wieder auf 45 Prozent zurück, um im Juli während der Tour de France, nach dem Gewinn von zwei Etappen, wieder bei 56 Prozent zu liegen. Der höchste Wert betrug über 60 Prozent im Oktober nach dem Unfall bei Mailand–Turin.[17][18][19]

Tod[Bearbeiten]

Eine Statue zur Erinnerung an Marco Pantani in Cesenatico

Am 14. Februar 2004 wurde Marco Pantani tot in einem Hotelzimmer in Rimini aufgefunden.[20] Die Vermutung, er habe sich selbst getötet, nachdem man mehrere leere Packungen verschiedener Antidepressiva gefunden hatte, wurde vom ermittelnden Staatsanwalt zunächst ausgeschlossen.

Wie am 19. März 2004 durch den offiziellen Autopsie-Bericht bekannt wurde, starb Pantani an einer Überdosis Kokain. Er hatte die letzten Tage seines Lebens völlig isoliert von Freunden und Familie in dem Hotelzimmer verbracht, in dem er später tot aufgefunden wurde.[21] [22]

Pantanis Exfreundin berichtete später in einem Interview mit der Schweizer Zeitung L’Hebdo, dass Pantani nach seinem Ausschluss vom Giro 1999 begonnen habe, Kokain zu nehmen und an depressiven Zuständen gelitten habe.[23]

Erbe[Bearbeiten]

In Erinnerung an Marco Pantani wird seit 2004 ein Rennen durch seine Heimatstadt Cesenatico sowie durch seine Geburtsstadt Cesena ausgerichtet.

Die Ausrichter des Giros bauen seit 2004 auf jeder Rundfahrt eine Bergstrecke ein, die mit Pantanis Laufbahn in Verbindung steht. 2004 war dies der Mortirolopass, wo Pantani 1994 attackierte und das komplette Fahrerfeld hinter sich liße. Ebenfalls 2004 wurde zu Ehren Pantanis die 16. Etappe der Tour de France, ein Einzelzeitfahren, nach Alpe d’Huez ausgetragen, auf der Strecke, auf der Pantani 1995 und 1997 einen neuen Rekord für den Anstieg aufgestellt und die Etappe gewonnen hatte.

Erfolge[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Grand Tour Platzierungen[Bearbeiten]

Grand Tour 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003
Pink jersey Giro DNF 2 - - DNF 1 DNF 28 DNF DNF 14
Yellow jersey Tour - 3 13 - 3 1 - DNF - - -
red jersey Vuelta - - DNF - - - - - DNF - -

DNF= Aufgabe

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marco Pantani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGaul and Pantani, an Angel and a Pirate. Daily Peloton, 12. Dezember 2005, abgerufen am 6. April 2014 (englisch).
  2. Pantani Story – Official biography. Fondazione Marco Pantani. 2009. Abgerufen am 8. April 2014.
  3. Mercatone Uno, cyclingnews.com. Abgerufen am 7. September 2007. 
  4. Samuel Abt: Tour Champion Evokes Bygone Heroes in Italy. In: Sports, International Herald Tribune, 4. August 1998. Archiviert vom Original am 20. Februar 2008. Abgerufen am 19. Juli 2008.  „... bad luck struck him again in the Giro in June 1997, when a black cat – yes, really – crossed the road and caused a mass crash of riders trying to swerve around it. Pantani went down and was out until the Tour a month later.“ 
  5. Cat in Road Sparks Six-Cyclist Spill; Pantani Injured. In: The Seattle Times, 25. Mai 1997. 
  6. Giro d'Italia, Grand Tour. Italy, May 16 – June 7, 1998, cyclingnews.com. Abgerufen am 16. Dezember 2011. 
  7. Grand Tour Doubles – Marco Pantani, cyclesportmag.com. 
  8. Stage 18 Brief, Giro d'Italia, Grand Tour, cyclingnews.com. Abgerufen am 6. Dezember 2013. 
  9. Stage 19 Brief, Giro d'Italia, Grand Tour, cyclingnews.com. Abgerufen am 7. Dezember 2013. 
  10. Stage 21 Brief, Giro d'Italia, Grand Tour, cyclingnews.com. Abgerufen am 6. Dezember 2013. 
  11. Stage 22 Brief, Giro d'Italia, Grand Tour, cyclingnews.com. Abgerufen am 6. Dezember 2013. 
  12. Ralf Meutgens: Doping im Radsport. Delius Klasing, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-7688-5245-6, S. 275.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPantani cleared of fraud. BBC, 2. Oktober 2003, abgerufen am 6. April 2014 (englisch).
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPantani. Cyclingnews, 21. Oktober 2000, abgerufen am 6. April 2014 (englisch).
  15. Cycling News and Analysis, autobus.cyclingnews.com. 30 December 1999. Abgerufen am 20. Mai 2012. 
  16. la Repubblica/sport: 'Ecco il doping di Conconi' (Italian), Repubblica.it. Abgerufen am 20. Mai 2012. 
  17. la Repubblica/sport: Anche Pantani in quel computer. Repubblica.it. Abgerufen am 20. Mai 2012.
  18. Doping. Conconi accusato di associazione a delinquere (Version vom 26. April 2012 im Internet Archive)
  19. la Repubblica/sport: Conconi, la lista choc L’Epo a 22 campioni. Repubblica.it. Abgerufen am 20. Mai 2012.
  20. Jeff Jones & Tim Maloney: Pantani dead at 34. Cyclingnews.com. 15. Februar 2004. Abgerufen am 8. Oktober 2010.
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPantani lamented he had been left alone. theage.com.au, 17. Februar 2004, abgerufen am 6. April 2014 (englisch).
  22. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlasdair Fotheringham: Cycling: Pantani died of accidental cocaine overdose. 20. März 2004, abgerufen am 6. April 2014 (englisch).
  23. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatL’ex-fiancée du «Pirate» sort du silence. L’Hebdo, 22. April 2004, abgerufen am 6. April 2014 (französisch).