Herbert Linge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Herbert Linge im Porsche 904

Herbert Linge (* 11. Juni 1928 in Weissach) ist ein deutscher Rennfahrer der Nachkriegszeit; er fuhr Porsche-Sportwagen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war einer der ersten Lehrlinge bei Porsche im Jahr 1943. Später war er maßgeblich am Aufbau des Porsche-Kundendienstnetzes im Ausland und besonders in den USA beteiligt.

1952 bis 1954 arbeitete er als Rennmechaniker für das Porsche-Werksteam. In dieser Mission wurde er bei dem berühmten Straßenrennen Carrera Panamericana als bester Mechaniker ausgezeichnet.

Den Durchbruch als Rennfahrer schaffte er 1954. Als Beifahrer von Hans Herrmann bei der Mille Miglia auf einem Spyder 550 erzielte er den ersten Klassensieg. Weitere Siege in Frankreich und zusammen mit Helmut Polensky bei der Rallye Lüttich-Rom-Lüttich folgten. Parallel dazu arbeitete er weiterhin als Mechaniker bei Porsche im Versuch. Linge war nie festangestellter Rennfahrer, wurde aber wegen seines hervorragenden Fahrkönnens oft dazu herangezogen. Dem standen gelegentliche Einsätze mit anderen Marken (Abarth) nicht entgegen.

Er war an der Entwicklung der ersten Formel-2- und Formel-1-Fahrzeuge von Porsche beteiligt, dennoch fuhr er nur Sportwagenrennen, unter anderem in Le Mans beim 24-Stunden-Rennen. Seine Rennfahrerkarriere beendete er 1969 bei diesem Rennen, nachdem sein Copilot John Woolfe in der ersten Runde tödlich verunglückt war.

1970 stieg er noch einmal in den Rennwagen, um beim Hollywood-Film „Le Mans“ den Schauspieler Steve McQueen zu doublen. Seither arbeitete Linge in leitender Position im Versuchszentrum Weissach bis zu seiner Pensionierung 1993. Zeit seines Lebens setzte sich Linge für die Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen im Rennsport ein.

Der Porsche Cup sowie die ONS-Sicherheitsstaffel, bei der Sportwagen mit Feuerlöschgeräten ausgerüstet wurden, um Ärzte und Hilfe schneller an ein Unfallfahrzeug heranzuschaffen, basieren auf Ideen von Herbert Linge.[1] Dafür erhielt er am 15. Juni 1982 das Bundesverdienstkreuz am Bande.[2]

Heute noch sieht man Herbert Linge an der Rennstrecke bei Oldtimer-Rallyes. 2016, im Alter von 87 Jahren, wirkte Herbert Linge in einem Kurzfilm zum neuen Porsche 718 Cayman S mit, in dem er über seine Zeit bei Porsche und auf der Rennstrecke berichtete.[3]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportliche Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Rennen Erfolg
2. Mai 1954 Mille Miglia Klassensieger
18.–22. August 1954 Lüttich-Rom-Lüttich Gesamtsieger
3.–12. September 1954 Tour de France Sportwagenklassensieger
November 1954 Speedweek Nassau Versch. Klassensiege
13. März 1955 12 Stunden von Sebring Seriensportwagenklassensieger
12. Mai 1957 Mille Miglia Klassensieger
22. März 1958 12 Stunden von Sebring Klassensieger
8. Mai 1960 Targa Florio Klassensieger GT
24.–25. Juni 1960 24 Stunden von Le Mans Klassensieger
4. September 1960 500 km Nürburgring Klassensieger
5.–6. November 1960 Tour de Korsika Gesamtsieger
19. März 1961 Pferdsfeld Flugplatzrennen Klassensieger GT 700
30. April 1961 Targa Florio Klassensieger
28. Mai 1961 1000 km Nürburgring Klassensieger Sport
10.–11. Juni 1961 24 h von Le Mans Klassensieger
8. Juli 1961 GP Silverstone Klassensieger
6. Mai 1962 Targa Florio Klassensieger
27. Mai 1962 1000 km Nürburgring Klassensieger
5. August 1962 Grand Prix von Deutschland Klassensieger
19. August 1962 Flugplatzrennen Trier Klassensieger
21. Oktober 1962 1000 km Paris Klassensieger 1600 GT
5. Mai 1963 Targa Florio Klassensieger
19. Mai 1963 1000 km Nürburgring Klassensieger
15.–16. Juni 1963 24h von Le Mans Klassensieger Prototypen 2000
23. Juni 1963 Rundstreckenrennen Hockenheim Klassensieger GT 2000
21. Juli 1963 Norisringrennen Nürnberg Klassensieger
28. Juli 1963 Solitude Rennen Klassensieger
4. August 1963 GP von Deutschland Klassensieger
8. September 1963 Herbstpokal Hockenheim Klassensieger
15. September 1963 Flugplatzrennen Achum Klassensieger
13. Oktober 1963 Flugplatzrennen Trier Klassensieger GT 2500
26. Februar 1964 Daytona 2000 km Klassensieger
6. Juni 1964 6 Stunden Brands Hatch Klassensieger 3000 cm³
5. Juli 1964 Norisringrennen Klassensieger GT 2500
11.–20. September 1964 Tour de France Klassensieger
27. März 1965 12 Stunden von Sebring Klassensieger
19.–20. Juni 1965 24 h von Le Mans Klassensieger
6. Januar 1966 24 h von Daytona Klassensieger
10.–11. Juni 1967 24 h von Le Mans Klassensieger
15. Oktober 1967 1000 km Paris Klassensieger
20.–25. August 1967 Marathon de la Route (Nürburgring) Gesamtsieger

Im Jahre 1963 gewann Herbert Linge den deutschen GT-Meistertitel. Viele zweite und dritte Plätze sind hier nicht erwähnt.

Le-Mans-Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1958 NiederlandeNiederlande Baron Carel Godin de Beaufort Porsche 550A RS NiederlandeNiederlande Carel Godin de Beaufort Rang 5
1960 DeutschlandDeutschland Porsche KG Porsche 356B Abarth GTL SchweizSchweiz Heini Walter Rang 10 und Klassensieg
1961 DeutschlandDeutschland Porsche System Engineering Porsche 356B Abarth GTL NiederlandeNiederlande Ben Pon Rang 10 und Klassensieg
1963 DeutschlandDeutschland Porsche System Engineering Porsche 718/8 WRS Spyder DeutschlandDeutschland Edgar Barth Rang 8 und Klassensieg
1964 DeutschlandDeutschland Porsche System Engineering Porsche 904/8 DeutschlandDeutschland Edgar Barth Ausfall Kupplungsschaden
1965 DeutschlandDeutschland Porsche System Engineering Porsche 904/6 DeutschlandDeutschland Peter Nöcker Rang 4 und Klassensieg
1966 DeutschlandDeutschland Porsche System Engineering Porsche 906/6L Carrera 6 DeutschlandDeutschland Hans Herrmann Rang 5
1967 FrankreichFrankreich Auguste Veuillet Porsche 911S FrankreichFrankreich Robert Buchet Rang 14
1968 FrankreichFrankreich Philippe Farjon Porsche 907/8 FrankreichFrankreich Robert Buchet Disqualifiziert
1969 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich John Woolfe Racing Porsche 917 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich John Woolfe Ausfall tödlicher Unfall von Woolfe
1970 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Solar Productions Porsche 908/2 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Jonathan Williams Rang 9, nicht klassiert (Kamerawagen)

Sebring-Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1955 DeutschlandDeutschland Porsche Co. & B. S. Cunningham Porsche 550 Spyder DeutschlandDeutschland Huschke von Hanstein Rang 8
1956 DeutschlandDeutschland Porsche KG Porsche 550 DeutschlandDeutschland Huschke von Hanstein Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Ed Crawford Ausfall Reifenschaden
1957 DeutschlandDeutschland Porsche Company Porsche 550 RS DeutschlandDeutschland Huschke von Hanstein Rang 31
1958 DeutschlandDeutschland Porsche K.G. Porsche 356A Carrera DeutschlandDeutschland Huschke von Hanstein Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten John Cuevas Rang 10 und Klassensieg
1963 DeutschlandDeutschland Porsche System Engineering Porsche 356B Carrera Abarth GTL DeutschlandDeutschland Edgar Barth Rang 10
1964 DeutschlandDeutschland Porsche System Engineering Porsche 718 RS Spyder DeutschlandDeutschland Edgar Barth Rang 19
1965 DeutschlandDeutschland Porsche Automobile Co. Porsche 904/8 DeutschlandDeutschland Gerhard Mitter Rang 9 und Klassensieg

Einzelergebnisse in der Sportwagen-Weltmeisterschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Team Rennwagen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
1954 Porsche
Dist. VW. Central S.A.
Porsche 550 ArgentinienArgentinien BUA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MIM FrankreichFrankreich LEM Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT MexikoMexiko CAP
6 12
1955 Porsche Co. & B. S. Cunningham Porsche 550 ArgentinienArgentinien BUA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MIM FrankreichFrankreich LEM Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT ItalienItalien TAR
8 16
1956 Porsche Porsche 550 ArgentinienArgentinien BUA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MIM DeutschlandDeutschland NÜR SchwedenSchweden KRI
DNF
1957 Porsche
Olof Persson
Porsche 356 ArgentinienArgentinien BUA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MIM DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM SchwedenSchweden KRI VenezuelaVenezuela CAR
31 14 26
1958 Porsche
Herbert Linge
Carel Godin de Beaufort
Porsche 356
Porsche 550
ArgentinienArgentinien BUA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT
10 13 5
1959 Porsche Porsche 550 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT
2 17
1960 Paul-Ernst Strähle
Porsche
Porsche 356 ArgentinienArgentinien BUA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM
6 7 10
1961 Porsche Porsche 356 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM ItalienItalien PES
7 8 10
1962 Scuderia Serenissima
Abarth
Gerhard Koch
Porsche 356
Fiat-Abarth 1000 Bialbero
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MAI ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland BER DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM FrankreichFrankreich TAV ItalienItalien CCA Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT DeutschlandDeutschland NÜR Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI FrankreichFrankreich PAR
6 6 DNF 7
1963 Porsche Porsche 356
Porsche 718
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA ItalienItalien MAI DeutschlandDeutschland NÜR ItalienItalien CON DeutschlandDeutschland ROS FrankreichFrankreich LEM ItalienItalien MON DeutschlandDeutschland WIS FrankreichFrankreich TAV DeutschlandDeutschland FRE ItalienItalien CCE Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT SchweizSchweiz OVI DeutschlandDeutschland NÜR ItalienItalien MON ItalienItalien MON FrankreichFrankreich TDF Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI
10 3 4 8 12
1964 Porsche
Claude Storez
Porsche 356
Porsche 718
Porsche 904
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien TAR ItalienItalien MON BelgienBelgien SPA ItalienItalien CON DeutschlandDeutschland NÜR DeutschlandDeutschland ROS FrankreichFrankreich LEM FrankreichFrankreich REI DeutschlandDeutschland FRE ItalienItalien CCE Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT SchweizSchweiz SIM DeutschlandDeutschland NÜR ItalienItalien MON FrankreichFrankreich TDF Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI FrankreichFrankreich PAR
6 19 2 12 DNF 3 DNF
1965 Porsche Porsche 904 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien BOL ItalienItalien MON ItalienItalien MON Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR ItalienItalien MUG DeutschlandDeutschland ROS FrankreichFrankreich LEM FrankreichFrankreich REI ItalienItalien BOZ DeutschlandDeutschland FRE ItalienItalien CCE SchweizSchweiz OVI DeutschlandDeutschland NÜR Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI
9 3 5 4
1966 Porsche
Gerhard Koch
Lufthansa
Porsche 906 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MON ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM ItalienItalien MUG ItalienItalien CCE DeutschlandDeutschland HOK SchweizSchweiz SIM DeutschlandDeutschland NÜR OsterreichÖsterreich ZEL
6 10 5 3
1967 Auguste Veuillet Porsche 911 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MON BelgienBelgien SPA ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM DeutschlandDeutschland HOK ItalienItalien MUG Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien CCE OsterreichÖsterreich ZEL SchweizSchweiz OVI DeutschlandDeutschland NÜR
14
1968 Philippe Farjon Porsche 907 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien MON ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR BelgienBelgien SPA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT OsterreichÖsterreich ZEL FrankreichFrankreich LEM
DNF
1969 Paul-Ernst Strähle
John Woolfe
Porsche 911
Porsche 917
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien MON ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT OsterreichÖsterreich ZEL
DNF DNF 16
1970 Solar Productions Porsche 908 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien MON ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT OsterreichÖsterreich ZEL
DNF

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Wiesner: Herbert Linge. Pionier in Pole-Position. Delius Klasing, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-7688-1916-9 (mit 387 Bildern).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herbert Linge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer Braun: Feuer & Flamme – über Herbert Linge und die Gründung der ONS-Rettungsstaffel in zwischengas.com. Abgerufen am 11. Oktober 2016.
  2. Bundespräsidialamt
  3. Porsche Leidenschaft verbindet - Porsche Live - Porsche Deutschland. In: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG - Porsche Deutschland. Abgerufen am 12. August 2016.