BMW 600

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BMW
BMW 600 Front.jpg
BMW 600
Produktionszeitraum: 1957–1959
Klasse: Kleinwagen
Karosserieversionen: Kabinenroller
Motoren: Ottomotor:
0,6 Liter (14 kW)
Länge: 2900 mm
Breite: 1400 mm
Höhe: 1375 mm
Radstand: 1700 mm
Leergewicht: 550–560 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: BMW 700
Der BMW 600 hat hinten nur eine Tür für die Fond-Passagiere.
Heckansicht des BMW 600
(Auspuff und Räder nicht serienmäßig)
Lenksäule bei offener Tür

Der BMW 600 war ein viersitziger Kleinwagen der Bayerischen Motoren Werke und nach dem Vorbild der BMW Isetta entwickelt. Bei diesem Modell war der vordere Einstieg durch eine Fronttür und hinten durch eine seitliche Tür auf der rechten Seite. Die Motorkonstruktion ging weitgehend auf die Motorrad-Boxermotoren von BMW zurück, jedoch waren die Wagenmotoren kurzhubiger ausgelegt und mit einem Drosselklappenvergaser ausgestattet. Gebaut wurde das Fahrzeug von Dezember 1957 bis November 1959. Ihn ersetzte der BMW 700 mit längerem Radstand, seitlichen Türen und selbsttragender Karosserie.

Geschichte[Bearbeiten]

Zwei Jahre nach der Einführung der Isetta stellte BMW den BMW 600 am 27. August 1957 in Feldafing am Starnberger See geladenen Pressevertretern vor.[1]

Fahrzeugdaten[Bearbeiten]

BMW 600 Daten
Motor: 2-Zylinder-Boxermotor (Viertakt) im Heck
Hubraum: 585 cm³
Bohrung × Hub: 74 × 68 mm
Leistung: 14,4 kW (19,5 PS) bei 4500/min
Maximales Drehmoment 38 Nm (3,9 mkp) bei 2800/min
Verdichtung: 6,8 : 1 (nach BMW Group Archiv zunächst: 6,5 : 1)
Ventilsteuerung: OHV (untenliegende Nockenwelle,
Stoßstangen und Kipphebel)
Kühlung: Luft (Gebläse)
Elektrische Anlage: 12 V
Kurbelwellen-Startgenerator (Bosch Dynastart)
Getriebe: Viergang mit Rückwärtsgang
Radaufhängung vorn: geschobene Längsschwingen
Radaufhängung hinten: breitgelagerte gezogene Längsschwingen, in Gummi gelagert
Federung: Schraubenfedern
Karosserie: Stahlrohrrahmen mit Ganzstahlkarosserie
Spurweite vorn/hinten: 1220/1160 mm
Radstand: 1700 mm
Reifengröße: 5.20–10“
Maße L × B × H: 2900 × 1400 × 1375 mm
Leergewicht (ohne Fahrer): 550 kg (Werksangabe: 560 kg)
Höchstgeschwindigkeit: 103 km/h (Werksangabe: 100 km/h)
Preis: 3985 DM

Das Fahrzeug („große Isetta“) zeichnete sich laut zeitgenössischen Testberichten durch gute Verarbeitung und eine hervorragende Straßenlage aus. Technisch fortschschrittlich waren das vollsynchronisierte Getriebe und das asymmetrische Abblendlicht – beides gab es an deutschen Kleinwagen bis dahin nicht.[2] Wegen seiner eigenwilligen, platzsparenden Konzeption mit Fronttür und nur einer Seitentür für die rückwärtigen Plätze fand der BMW 600 jedoch verhältnismäßig wenig Käufer. Ein weiterer Grund für die geringe Verkaufszahl lag wahrscheinlich darin, dass der Wagen mit 3985 DM (andere Angabe im BMW Group Archiv: 3890 DM) fast genau soviel kostete wie ein VW Standard. Dieser bot mehr Platz für Personen und Gepäck, der BMW 600 hatte nur eine kleine Ablagemulde hinter dem Rücksitz, die bis zur Fensterunterkante etwa 100 Liter groß war. 34.813 Exemplare wurden in der knapp zweijährigen Bauzeit hergestellt. Auf Wunsch war das Fahrzeug mit dem Kupplungsautomaten Saxomat lieferbar, einer Annehmlichkeit, die jedoch kaum Zuspruch beim Käufer fand.

4020 Fahrzeuge in einer Sonderausführung für den Export nach Übersee wurden mit Stoßfängerbügeln und Sealed-Beam-Scheinwerfern ausgerüstet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Oswald: BMW 600 [und BMW-Isetta]. (= Der Motor-Test, Heft 11). Motor-Presse-Verlag, Stuttgart 1959, 32 Seiten
  • Hans Stadlinger: Alles über den BMW 600. (= Schriftenreihe "Auto von heute", Heft 5) Ibera-Verlag, Wien [um 1959], 16 Blätter
  • Paul Simsa (mit Jan Friedrich Drkosch): Fünf deutsche Kleinwagen. BMW 600, Fiat 600, Goggomobil T. 600/T 700, Lloyd Alexander TS, NSU Prinz und Prinz 30 (= Der Motor-Test, Heft 12) Motor-Presse-Verlag, Stuttgart 1959, 32 Seiten
  • Georg Seeliger: Autos, die Geschichte machten - BMW-Kleinwagen Isetta, 600 & 700. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1993, 122 Seiten. ISBN 3-613-01500-5
  • Reinhard Lintelmann: Die Motorroller und Kleinwagen der fünfziger Jahre. Verlag Walter Podszun, Brilon 1995, ISBN 3-86133-136-5
  • Reinhard Lintelmann: BMW Isetta und BMW 600/700. Komet Verlag GmbH, Köln, ISBN 978-3-89836-903-9
  • Walter Zeichner: BMW Isetta und ihre Konkurrenten. Schrader-Motor-Chronik, Stuttgart 1996, ISBN 3-613-87010-X
  • Siegfried Martin Winter: Mit 600 Kubik durch beide Amerika. Brockhaus, Wiesbaden 1960

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: BMW 600 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • BMW 600. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 9. Februar 2014 (Dossier im BMW Group Archiv mit technischen Daten).
  • Betriebsanleitung BMW 600. In: BMW Geschichte. BMW AG, Mai 1958, abgerufen am 26. August 2015 (Dokument im BMW Group Archiv mit technischen Daten, 38 Seiten).
  • Ersatzteilliste BMW 600. In: BMW Geschichte. BMW AG, Mai 1963, abgerufen am 28. August 2015 (Dokument im BMW Group Archiv, 166 Seiten).
  • BMW 600 Klassensieger im Int. Caltex Economy Test 1959. In: BMW Geschichte. BMW AG, 24. März 1959, abgerufen am 26. August 2015 (Pressemitteilung im BMW Group Archiv).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemappe: Vorstellung des BMW 600. In: BMW Geschichte. BMW AG, 27. August 1957, abgerufen am 26. August 2015 (Dokument im BMW Group Archiv mit technischen Daten, 57 Seiten): „Bitte beachten Sie die Sperrfrist: Echte Morgenzeitungen 31. August 1957“
  2. Kraftfahrzeugtechnische Splitter - Einige Details vom Kleinwagen BMW 600. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1958, S. 267-268.