Riemannsche ζ-Funktion

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Die riemannsche Zeta-Funktion in der komplexen Ebene.
Die in obigem Bild verwendete Kolorierung der komplexen Funktionswerte: Positive reelle Werte sind rot gefärbt.

Die riemannsche ζ-Funktion (Zeta-Funktion nach Bernhard Riemann) ist eine spezielle mathematische Funktion, die in der analytischen Zahlentheorie, einem Teilgebiet der Mathematik, eine zentrale Rolle spielt. Ihre entscheidende Bedeutung erlangt die riemannschen ζ-Funktion durch den Zusammenhang zwischen der Lage ihrer komplexen Nullstellen und der Verteilung der Primzahlen. Die genaue Lage dieser Nullstellen ist Gegenstand der riemannschen Vermutung, eines der wichtigsten, ungelösten Probleme der Mathematik. Ausgehend von einer Definition als Dirichlet-Reihe, findet die riemannsche ζ-Funktion in zahlreichen mathematischen Disziplinen Anwendung:

Erstmals untersucht wurde die Zeta-Funktion im 18. Jahrhundert von Leonhard Euler, der bedeutende Aussagen bezüglich ihrer fundamentalen Eigenschaften treffen konnte. In der Zeit danach folgten viele weitere Entdeckungen, die bedeutendsten unter ihnen von Riemann, der den tiefgründigen Zusammenhang zwischen der Zeta-Funktion und Primzahlen aufzeigte.

Inhaltsverzeichnis

Definition[Bearbeiten]

Die Dirichlet-Reihe ist nur auf der um 1 verschobenen rechten Halbebene definiert. Der für sie undefinierte Bereich, in dem die Reihe divergiert, ist grau dargestellt. Das untere Bild zeigt die analytisch fortgesetzte Zeta-Funktion.
Im Vergleich: die analytische Fortsetzung. Ihre Werte stimmen innerhalb der um 1 verschobenen rechten Halbebene exakt mit denen der Dirichlet-Reihe überein. Jedoch besitzt sie generell Werte für alle  s mit  s \not= 1 .

Die Zeta-Funktion wird in der Literatur generell über ihre elementare Reihendarstellung definiert.

Für komplexe Zahlen s = \sigma + it \in\mathbb C, deren Realteil  \sigma größer als 1 ist, ist die Zeta-Funktion definiert durch die Dirichlet-Reihe

\zeta(s) = \sum_{n=1}^\infty\frac1{n^s}=1+\frac1{2^s}+\frac1{3^s}+\frac1{4^s}+\frac1{5^s}+\frac1{6^s}+\frac1{7^s}+\ldots

Die Beschränktheit der Definitionsmenge dieser Darstellung wird ersichtlich, wenn man zum Beispiel versuchte, die  \zeta -Funktion an der Stelle  s = -1 über die Dirichlet-Reihe auszuwerten. Man hätte dann

 \zeta(-1) = {1 + \frac{1}{2^{-1}} + \frac{1}{3^{-1}} + \frac{1}{4^{-1}} + \frac{1}{5^{-1}} + \frac{1}{6^{-1}} + \frac{1}{7^{-1}} + \ldots} = {1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + \ldots }

was ganz offensichtlich keinen endlichen Grenzwert besitzt. Daher ist der Definitionsbereich der Dirichlet-Reihe auf die um 1 verschobene rechte Hälfte der komplexen Zahlenebene, also auf alle  s \in \{z \in \mathbb{C} | \mathrm{Re} z > 1\} , beschränkt; somit kann die Dirichlet-Reihe auch nur in diesem Zahlenbereich für eine Berechnung der Zeta-Funktion herangezogen werden. Innerhalb ihres Definitionsbereiches ist die besagte Dirichlet-Reihe zudem absolut konvergent.

Trotz dieser Einschränkungen ist die Dirichlet-Reihe die Basis für alle anderen Darstellungen der Zeta-Funktion. Um die riemannsche Zeta-Funktion für alle Zahlen der komplexen Zahlenebene (mit Ausnahme der Zahl 1) berechnen zu können, bedient man sich des Konzepts der analytischen Fortsetzung. Eine analytische Fortsetzung stellt anschaulich einen alternativen Ausdruck für eine Funktion bereit, der den Definitionsbereich des ursprünglichen Ausdrucks verallgemeinert.

Beispiele für analytische Fortsetzungen befinden sich im Abschnitt Andere Ausdrücke für die Zeta-Funktion.

Euler-Produkt[Bearbeiten]

Eine wesentliche Eigenschaft der Zeta-Funktion ist ihre Verbindung zu den Primzahlen. Euler, der als erster diesen Zusammenhang entdeckte, betrachtete dafür das später nach ihm benannte Euler-Produkt:

 \zeta(s) = \prod_{p \ \text{prim}} \left( 1 + \frac{1}{p^s} + \frac{1}{p^{2s}} + \frac{1}{p^{3s}} + \ldots \right) = \prod_{p \ \text{prim}} \left( \sum_{n=0}^\infty \frac{1}{p^{ns}} \right)

Hierbei stellt jeder einzelne Faktor des Produktes eine geometrische Reihe gebildet über den Wert  q = p^{-s} dar, während sich das gesamte Produkt über alle Primzahlen  p erstreckt. Das Euler-Produkt ist deshalb so erstaunlich, da Primzahlen aufgrund ihrer chaotischen Verteilung sehr schwer in analytischen Ausdrücken unterzubringen sind. Jedoch stellt es eine überraschend einfache Identität zwischen den „chaotischen Primzahlen“ und einer wohl geordneten Reihe dar.

Um Eulers Gedankengang nachzuvollziehen, multipliziert man das obige Produkt komplett aus, wobei sich unter Anwendung der Regel über das Produkt (zweier, dreier, ... unendlich vieler) unendlicher geometrischer Reihen

 \left( \sum_{n_1=0}^\infty \frac{1}{2^{sn_1}}\right)\left( \sum_{n_2=0}^\infty \frac{1}{3^{sn_2}}\right) = \sum_{n_1=0}^\infty \sum_{n_2=0}^\infty \frac{1}{(2^{n_1} \cdot 3^{n_2})^s}
 \left( \sum_{n_1=0}^\infty \frac{1}{2^{sn_1}}\right)\left( \sum_{n_2=0}^\infty \frac{1}{3^{sn_2}}\right)\left( \sum_{n_3=0}^\infty \frac{1}{5^{sn_3}}\right)  = \sum_{n_1=0}^\infty \sum_{n_2=0}^\infty \sum_{n_3=0}^\infty \frac{1}{(2^{n_1} \cdot 3^{n_2} \cdot 5^{n_3})^s}
 \vdots
usw.
 \vdots

der folgende Ausdruck ergibt:

 \left( \sum_{n_1=0}^\infty \frac{1}{2^{sn_1}}\right)\left( \sum_{n_2=0}^\infty \frac{1}{3^{sn_2}}\right)\left( \sum_{n_3=0}^\infty \frac{1}{5^{sn_3}}\right)\cdots \left(\sum_{n_k=0}^\infty \frac{1}{p_k^{sn_k}} \right) \cdots = \sum_{n_1=0}^\infty \sum_{n_2=0}^\infty \sum_{n_3 = 0}^\infty \cdots \sum_{n_k=0}^\infty \cdots \frac{1}{(2^{n_1} \cdot 3^{n_2} \cdot 5^{n_3} \cdots p_k^{n_k} \cdots)^s},

wenn  p_k die  k -te Primzahl ist. Nun griff Euler auf den Fundamentalsatz der Arithmetik zurück, dass es für jede natürliche Zahl  N eine eindeutige Primfaktorzerlegung gibt, so dass für jede dieser Zahlen  N genau eine natürliche Folge  (n_k)_{k \in \mathbb{N}} = n_1, n_2, n_3, ... \in \mathbb{N} existiert, so dass

 N = 2^{n_1} \cdot 3^{n_2} \cdot 5^{n_3} \cdot 7^{n_4} \cdots p_k^{n_k} \cdots

gilt. Daraus folgt schließlich

 \sum_{n_1=0}^\infty \sum_{n_2=0}^\infty \cdots \sum_{n_k=0}^\infty \cdots \frac{1}{(2^{n_1} \cdot 3^{n_2} \cdot 5^{n_3} \cdots p_k^{n_k} \cdots)^s} = \sum_{N \in \mathbb{N}} \frac{1}{N^s} = 1 + \frac{1}{2^s} + \frac{1}{3^s} + \frac{1}{4^s} + \ldots

da die Summen jeweils unabhängig alle Folgeglieder über alle natürlichen Zahlen einschließlich 0 summieren. Somit wird jede erdenkliche Kombination der Primfaktorzerlegung genau einmal durchlaufen. Da die Dirichletreihe für die betrachteten Werte  s absolut konvergiert, spielt die Reihenfolge der Summanden keine Rolle, weshalb die Produktschreibweise gegen denselben Grenzwert konvergiert. Zusammen mit der Formel

 1 + q + q^2 + q^3 + \ldots = \frac{1}{1 - q} \Rightarrow 1 + \frac{1}{p^s} + \frac{1}{p^{2s}} + \frac{1}{p^{3s}} + \ldots = \frac{1}{1 - \frac{1}{p^s}}

für die geometrische Reihe ist es schließlich möglich, die im unendlichen Produkt befindlichen Summen  \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{p^{ns}} zu einem geschlossenen Ausdruck zu bringen, und man gelangt schließlich zu:

 \prod_{p \ \text{prim}} \frac{1}{1 - \frac{1}{p^s}} = \frac{1}{1-\frac{1}{2^s}} \cdot \frac{1}{1-\frac{1}{3^s}} \cdot \frac{1}{1- \frac{1}{5^s}} \cdot \frac{1}{1 - \frac{1}{7^s}} \cdots = \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^s} = \zeta(s). [1]

Diese auf den ersten Blick völlig harmlose Tatsache macht die Zeta-Funktion zu einem zentralen Gegenstand der modernen Zahlentheorie. Sie war ausschlaggebend für Bernhard Riemanns Arbeit Über die Anzahl der Primzahlen unter einer gegebenen Größe. Dort gelang es Riemann, aus dieser geschlossenen Formel konkrete Informationen über die Primzahlverteilung zu gewinnen.

Anmerkung: Da das Euler-Produkt äquivalent zur Dirichlet-Reihen-Darstellung der Zeta-Funktion ist, konvergiert es ebenfalls nur auf der um 1 verschobenen rechten Halbebene, also für alle komplexen Zahlen  s mit  \mathrm{Re} s > 1 .

Funktionalgleichung[Bearbeiten]

Auf ganz \mathbb C gilt als Identität zwischen meromorphen Funktionen

\zeta(1-s) = {2\over (2\pi)^s}\ \cos\frac{\pi s}2\ \Gamma(s)\ \zeta(s).

Aus dieser geht durch einfache Umformung die alternative Darstellung


\zeta(s) = 2^s\pi^{s-1}\ \sin\frac{\pi s}{2}\ \Gamma(1-s)\ \zeta(1-s)

für alle  s \in \mathbb{C} \setminus \lbrace{ 0,1 \rbrace} hervor. Hierbei bezeichnet  \Gamma(s) die Gammafunktion, die die Fakultät auf komplexe Zahlen verallgemeinert.[2][3]

Die Funktionalgleichung schafft einen eindeutigen Zusammenhang zwischen bedeutenden mathematischen Funktionen und war ein wichtiger Anhaltspunkt für Riemanns Arbeiten über Primzahlen. So bietet sie beispielsweise wertvolle Erkenntnisse über die Lage der Nullstellen der Zeta-Funktion.

Alternativ zu der obigen Funktionalgleichung definierte Riemann in seiner Arbeit die Funktion:

 \xi(s) = \frac{1}{2}s(s-1)\ \pi^{-s/2}\ \Gamma\left( \frac{s}{2} \right)\ \zeta(s)

für die

 \!\ \xi(s) = \xi(1 - s)

gilt. Sie wird auch als riemannsche Xi-Funktion bezeichnet.[4]

Ein Herleitungsansatz für die Funktionalgleichung befindet sich im Abschnitt Beziehung zur Thetafunktion.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den Primzahlen oder der euklidischen Geometrie ist die mathematische Entdeckungsgeschichte der riemannschen Zetafunktion sehr jung. So sind alle bis heute wesentlichen Entdeckungen zu dieser Funktion in den letzten 350 Jahren gemacht worden. Dies liegt zum einen daran, dass in der Zeit davor die notwendigen mathematischen Methoden noch nicht ausgereift waren. Die Zeta-Funktion besaß zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung noch keinerlei offensichtliche Anwendung in der Praxis. Ein Grund, weshalb sie trotzdem die Aufmerksamkeit vieler Mathematiker erhielt, war, dass sie trotz ihrer sehr simpel wirkenden Struktur nicht so triviale Eigenschaften besitzt wie beispielsweise die geometrische Reihe.

Leonhard Euler, 1735

Einer der ersten Mathematiker, der sich mit einem Vorläufer der heute definierten Zeta-Funktion intensiv und ausführlich auseinandersetzte, war Leonhard Euler. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts versuchten Mathematiker, den exakten Grenzwert der unendlichen Reihe

 1 + \frac{1}{2^2} + \frac{1}{3^2} + \frac{1}{4^2} + \frac{1}{5^2} + \ldots

zu bestimmen. Leonhard Euler, der im Jahre 1735 dieses schwierige Basler Problem mit Hilfe eigener neuartiger Techniken löste[5], untersuchte anschließend den verallgemeinerten Ausdruck

 \zeta(x) = 1 + \frac{1}{2^x} + \frac{1}{3^x} + \frac{1}{4^x} + \frac{1}{5^x} + \ldots

(Euler verwendete das „reelle  x “, die Schreibweise mit komplexer Variablen  s wurde erst über Riemann populär) in der Hoffnung, weitere und außerdem weit bedeutendere Aussagen über diese Reihe treffen zu können. Da die Methoden der komplexen Analysis Euler zu seinen Lebzeiten weitestgehend noch nicht bekannt waren, war er auch noch nicht im Stande, das Problem der Primzahlen in der Weise anzugehen wie später Riemann. Jedoch gelangen ihm einige wichtige Aussagen.

Bernhard Riemann, 1863

So fand er zum Beispiel die Formel

 \zeta(2n) = (-1)^{n-1}\frac{(2\pi)^{2n}\ B_{2n}}{2(2n)!} ,

(Euler selbst verwendete noch nicht das  \zeta als Funktionssymbol) und berechnete neben \zeta(2), \zeta(4), \zeta(6), ... per Hand[6] den Wert

 \zeta(26) = \frac{1.315.862}{11.094.481.976.030.578.125} \pi^{26}.

Auch entdeckte Euler das nach ihm benannte Euler-Produkt

 \zeta(x) = \frac{1}{\left( 1 - \frac{1}{2^x}\right)\left( 1 - \frac{1}{3^x}\right)\left( 1 - \frac{1}{5^x}\right)\left( 1 - \frac{1}{7^x}\right)\cdots}

und konnte mit seiner Hilfe die Divergenz der Reihe der Kehrwerte aller Primzahlen

 \frac{1}{2} + \frac{1}{3} + \frac{1}{5} + \frac{1}{7} + \frac{1}{11} + \ldots = \infty

nachweisen.[7] Diese Tatsache war für ihn ein Indikator dafür, dass Primzahlen wesentlich dichter liegen müssten als Quadratzahlen, da er im Basler Problem ja gezeigt hatte, dass die unendliche Summe der Kehrwerte aller Quadratzahlen gegen einen endlichen Grenzwert strebt. Auch die von Riemann später bewiesene Funktionalgleichung soll Euler schon bekannt gewesen sein.

Die erste Seite von Bernhard Riemanns Artikel über Primzahlen

Im Jahr 1859 setzte Bernhard Riemann in seiner Arbeit Über die Anzahl der Primzahlen unter einer gegebenen Größe die Zeta-Funktion in zentralen Zusammenhang zu den Primzahlen. Zwar hatte Euler schon ein Jahrhundert zuvor die Gültigkeit des Euler-Produktes aufgezeigt, jedoch war es erst mit Riemanns Herangehensweise möglich geworden, daraus konkrete Informationen über Primzahlen selbst zu gewinnen. Riemann, der selbst ein Schüler von Gauß war, schrieb in seiner achtseitigen Arbeit eine funktionentheoretische Interpretation und Auswertung des Euler-Produkts, die einen Zusammenhang zwischen Primzahlen und den nicht-trivialen Nullstellen der Zeta-Funktion schaffte. Damit war ihm ein völlig neuer Zugang zu dem Primzahl-Rätsel gelungen. In ihr führte er auch zum ersten Mal das griechische  \zeta (Zeta) als Funktionssymbol ein. In seiner Arbeit formulierte er außerdem seine bis heute unbewiesene berühmte riemannsche Vermutung, die eine wichtige Aussage über die genaue Lage der Nullstellen der Zeta-Funktion macht. Daher beschäftigte sich Riemann ebenfalls mit der numerischen Berechnung seiner Zeta-Funktion und fand sogar die ziemlich genaue Lage einiger nicht-trivialer Nullstellen in der komplexen Ebene, ohne dafür eine Rechenmaschine zu benutzen. Seine Formel wurde später von dem deutschen Mathematiker Carl Ludwig Siegel bei der Auswertung seiner Dokumente wiederentdeckt und wird seit diesem Zeitpunkt Riemann-Siegel-Formel genannt.

Da viele von Riemanns Aufzeichnungen nach seinem Ableben von seiner Haushälterin verbrannt wurden, kann bis heute nur spekuliert werden, wie weit seine Untersuchungen tatsächlich gingen. [8]

Im Jahre 1910 veröffentlichte der indische Mathematiker S. Ramanujan im Journal of the Indian Mathematical Society einen Artikel, in dem unter anderem die folgende Gleichung behauptet wurde:

 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + \ldots = -\frac{1}{12}.

Die meisten Mathematiker, die diese Gleichung zu Gesicht bekamen, hatten sie als offensichtlichen Schwachsinn gewertet. So kam es, dass Professor Hill vom University College in London schrieb:

„Mr. Ramanujan ist ein Opfer der Fallstricke des sehr schwierigen Gebietes der divergenten Reihen geworden.“

Als Ramanujan jedoch den britischen Mathematiker Godfrey Harold Hardy in Cambridge brieflich auf seine Theorie aufmerksam machte, wurde diesem in der Gleichung die korrekte Auswertung des Werts  \zeta(-1) bewusst, auch wenn sie bezüglich ihrer mathematischen Formalität natürlich inkorrekt war. Hardy war sich sicher, dass Ramanujan, trotz seiner fremden Art Mathematik zu betreiben, ein Genie sein müsse.[9]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Konvergenzverhalten der Dirichlet-Reihe[Bearbeiten]

Die elementare Darstellung der Zeta-Funktion über die Dirichlet-Reihe

 \zeta(s) = 1 + \frac{1}{2^s} + \frac{1}{3^s} + \frac{1}{4^s} + \frac{1}{5^s} + \frac{1}{6^s} + \ldots

ist nicht für alle beliebigen  s gültig. Das liegt daran, dass diese Reihe nur für bestimmte komplexe Zahlen  s konvergiert, das heißt in unendlicher Aufsummierung gegen einen endlichen Grenzwert strebt. Wählen wir ein  s = \sigma + it mit  \sigma > 0 (also mit positivem Realteil) können wir über die nun folgenden Betrachtungen auf das Konvergenzverhalten der Dirichlet-Reihe schließen.

Über das Majorantenkriterium[Bearbeiten]

Nutzt man das sogenannte Majorantenkriterium, so sucht man eine Majorante (in diesem Falle eine zweite Reihe), deren Konvergenz erstens einfach zu zeigen ist und die zweitens größere Summanden-Beträge und somit auch einen höheren Grenzwert besitzt als den der Dirichlet-Reihe. Anschaulich bedeutet dies, über einen Größenvergleich beider Reihen die Konvergenz (und somit Endlichkeit) der kleineren Dirichlet-Reihe zu beweisen, indem die Konvergenz der größeren Reihe bewiesen wird, denn etwas mit einem kleineren Absolutbetrag als eine endliche Zahl muss ebenfalls endlich sein.

Als Ansatz bietet es sich an, die Reihe  1 + \frac{1}{2^s} + \frac{1}{3^s} + \ldots in unendlich viele Teile aufzuspalten und all diesen Teilen jeweils eine einfache „Teilmajorante“ zuzuordnen. Es gilt

 { 1 + \underbrace{\frac{1}{2^\sigma} + \frac{1}{3^\sigma}}_{\frac{1}{2^\sigma} + \frac{1}{2^\sigma}>} + \underbrace{ \frac{1}{4^\sigma} + \frac{1}{5^\sigma} + \frac{1}{6^\sigma}+ \frac{1}{7^\sigma} }_{ \frac{1}{4^\sigma} + \frac{1}{4^\sigma} + \frac{1}{4^\sigma} + \frac{1}{4^\sigma} >} + \underbrace{ \frac{1}{8^\sigma} + \frac{1}{9^\sigma} + \frac{1}{10^\sigma}+ \frac{1}{11^\sigma} + \frac{1}{12^\sigma} + \frac{1}{13^\sigma} + \frac{1}{14^\sigma}+ \frac{1}{15^\sigma} }_{ \frac{1}{8^\sigma} + \frac{1}{8^\sigma} + \frac{1}{8^\sigma} + \frac{1}{8^\sigma} + \frac{1}{8^\sigma} + \frac{1}{8^\sigma} + \frac{1}{8^\sigma} + \frac{1}{8^\sigma} >}  + \ldots   }

Die Folge dieser „Teilmajoranten“ ist eine geometrische Folge, denn es gilt  a_0 = 1, a_1 = \frac{2}{2^\sigma}, a_2 = \frac{4}{4^\sigma}, a_3 = \frac{8}{8^\sigma}, \ldots, a_n = \left(\frac{1}{2^{\sigma - 1}}\right)^n, \ldots . Zu jedem Folgeglied kann genau ein Segment der Dirichlet-Reihe zugewiesen werden (wie in der oberen Darstellung gut zu erkennen ist). Da jedes einzelne dieser Folgeglieder größer ist als das zu ihm gehörende Segment, muss die aus der geometrischen Folge bestehende geometrische Reihe im Gesamten ebenfalls größer sein als die Zeta-Funktion. Man hat also

 \sum_{n=0}^\infty a_n = \sum_{n=0}^\infty \left( \frac{1}{2^{\sigma - 1}} \right)^n = \frac{1}{1 - 2^{1 - \sigma}} > \zeta(\sigma).

Der Ausdruck auf der linken Seite der Ungleichung ist für alle  \sigma > 1 konvergent und endlich, daher muss das gleiche auch für die Zeta-Funktion gelten. Bei  \sigma = 1 divergiert die geometrische Reihe (Majorante) jedoch. Es ist daher zu vermuten, dass das gleiche für die Zeta-Funktion gilt, was bedeuten würde, dass die Reihe

 \zeta(1) = 1 + \frac{1}{2} + \frac{1}{3} + \frac{1}{4} + \ldots

keinen Grenzwert besitzt. Das ist auch tatsächlich der Fall, für eine Beweisidee siehe auch harmonische Reihe. Folglich ist die Dirichlet-Reihe für alle  s = \sigma + it mit  \sigma \leq 1 ebenfalls divergent und darf hier nicht mehr zur Berechnung der Zeta-Funktion verwendet werden. Dafür kann man analog zum Majorantenkriterium das Minorantenkriterium mit der harmonischen Reihe als Minorante verwenden, um die Divergenz aller Reihen  1 + \frac{1}{2^\sigma} + \frac{1}{3^\sigma} + \ldots mit  \sigma < 1 zu beweisen.

Nicht zuletzt kann man als logische Konsequenz mit Hilfe von  \left|\frac{1}{n^{\sigma + it}}\right| = \frac{1}{n^\sigma} für alle reellen  t und  \sigma über

 \sum_{n=1}^\infty \left| \frac{1}{n^{\sigma + it}} \right| = \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^\sigma} < \frac{1}{1 - 2^{1 - \sigma}}

die absolute Konvergenz der Dirichlet-Reihe für alle  s = \sigma + it mit  \sigma > 1 folgern.

Über das Integralkriterium[Bearbeiten]

Auch das Integralkriterium bietet eine einfache Möglichkeit, auf den Konvergenzbereich der Dirichlet-Reihe zu schließen. Ist nämlich die Reihe

 \zeta(s) = \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^s}

für ein  s konvergent, so muss das dazugehörige Integral

 F(s) = \int \limits_1^\infty \frac{\mathrm{d}x}{x^s}

ebenfalls existieren. Dieses Integral ist aber im Vergleich zur Dirichlet-Reihe sehr einfach auszuwerten.

 F(s) = \int \limits_1^\infty \frac{\mathrm{d}x}{x^s}  = \left[ - \frac{1}{(s-1)x^{s-1}}\right]_1^\infty = \frac{1}{s - 1} \,\,\,\,\,\, \mathrm{falls} \, \,  \mathrm{Re} \, s > 1.

Das Integral existiert also, sofern der Realteil von  s weder 1 noch kleiner als 1 ist.

Das beweist die Konvergenz der Dirichlet-Reihe in der um 1 verschobenen rechten Halbebene  \{z \in \mathbb{C} | \mathrm{Re} \, z > 1 \}.

Verhalten in der komplexen Ebene[Bearbeiten]

Die  \zeta -Funktion ist eine in ganz  \mathbb{C} \setminus\{ 1 \} holomorphe Funktion, das bedeutet, dass sie an allen Stellen außer  s=1 ableitbar ist. Darüber hinaus ist sie in ganz  \mathbb{C} meromorph.

An der Stelle  s = 1 besitzt sie, aufgrund der Divergenz der harmonischen Reihe, einen Pol erster Ordnung mit Residuum 1, das heißt, es gilt:

 \lim_{s \to 1} \, (s -1) \cdot \zeta(s) = 1.

Weiter gilt:

 \lim_{\mathrm{Re}s \to \infty} \, \zeta(s) = \lim_{\sigma \to \infty} \zeta(\sigma + it) = 1.

Strebt also der Realteil des Arguments gegen unendlich, so tendiert der Funktionswert der Zeta-Funktion stets gegen 1, unabhängig vom Imaginärteil des Arguments.

Eine einfache Erklärung hierfür ist das Verhalten der Dirichlet-Reihe. Wird nämlich der Realteil des Arguments stark vergrößert, so liefern die Reihenglieder nach 1 nur noch verschwindend kleine Beiträge.

 \lim_{\sigma \to \infty} \zeta(\sigma + it) = \lim_{\sigma \to \infty} \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^{\sigma + it}} = 1 + \lim_{\sigma \to \infty} \left( \underbrace{ \frac{1}{2^{\sigma + it}}}_{\to 0} + \underbrace{\frac{1}{3^{\sigma + it}}}_{\to 0} + \underbrace{\frac{1}{4^{\sigma + it}}}_{\to 0} + \ldots   \right) = {1 + 0} = 1.

Vergleiche hierzu auch den komplexen Graph der Zeta-Funktion zu Beginn des Artikels, der in Richtung der positiven reellen Achse zunehmend konstant rot gefärbt ist.

Spiegelung konjugierter Argumente[Bearbeiten]

Zu einer komplexen Zahl  s = a + bi definiert man ihre Konjugation über  \bar s = a - bi . Es gilt nun für alle  s \in \mathbb{C} \setminus \{ 1 \} :

 \zeta(\bar s)  = \overline{\zeta(s)}.

Das bedeutet: Wenn für ein reelles Zahlenpaar  a, b \in \mathbb{R} mit  a + bi \not= 1

 \!\ \zeta(a + bi) = c + di

mit  c,d \in \mathbb{R} gilt, so gilt gleichzeitig

 \!\ \zeta(a - bi) = c - di.

Mit anderen Worten: Verändert man das Vorzeichen des Imaginärteils des Arguments, so verändert sich auch das Vorzeichen des Imaginärteils des Funktionswertes.

Beweisen lässt sich dies über die Dirichlet-Reihe:

 \zeta(\bar s) = \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^{\bar s}} = \sum_{n=1}^\infty \mathrm{e}^{-\bar{s} \log n} = \sum_{n=1}^\infty \overline{\mathrm{e}^{-s \log n}} = \overline{\sum_{n=1}^\infty \mathrm{e}^{-s \log n}} = \overline{\sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^s}} = \overline{\zeta(s)}.

Obwohl die Dirichlet-Reihe nicht global konvergiert, wird diese Eigenschaft in ganz  \mathbb{C} beibehalten. Auch die Tatsache, dass die Zeta-Funktion auf der reellen Achse nur reelle Werte annimmt und in ganz  \mathbb{C} \setminus \{ 1 \} holomorph ist, kann als Begründung herangezogen werden.

Jede auf dem kritischen Streifen  S definierte und in einem Gebiet  U nullstellenfreie holomorphe Funktion wird beliebig genau approximiert.

Universalitätssatz von Woronin[Bearbeiten]

Nach dem Universalitätssatz von Woronin ist die riemannsche  \zeta -Funktion imstande, jede beliebige (holomorphe) Funktion in einer nullstellenfreien Kreisscheibe mit Radius 1/4 beliebig genau zu approximieren.

Als anschaulichen Vergleich stelle man sich dafür vor, dass es für jede (holomorphe) Funktion eine Art „Landkarte“ gibt, die Höhen und Tiefen sowie Himmelsrichtung der Funktionswerte in der komplexen Ebene darstellt. Der Universalitätssatz besagt nun, dass man, wenn man die Landkarte der Zeta-Funktion in einem bestimmten unendlichen Bereich scannen würde, früher oder später auf Gebiete stieße, die Ausschnitten der Landkarten anderer Funktionen, also mit samt aller darin eingetragenen „Berge“ und „Täler“, sehr ähneln - ja, sogar beliebig genau ähneln. Als einzige Voraussetzung gelte hierbei jedoch, dass auf dem Kartenausschnitt der fremden Funktion nie der Wert 0 eingetragen sei.

Formal ausgedrückt: sei  U eine zusammenhängende, kompakte Teilmenge (Gebiet) des Streifens  S := \{s \in \mathbb{C} | \, 1/2 < \mathrm{Re}\;s < 1 \}  .

Sei  f \colon U \to \mathbb{C} nun eine in ganz  U holomorphe Funktion, die außerdem für kein  s \in U verschwinde. Es existiert dann für jedes  0 < \epsilon ein  0 \leq t , sodass

 |\zeta (s + i t) - f (s) | < \epsilon

für alle  s \in U .

Der Universalitätssatz ist insofern bemerkenswert, da sich seiner Aussage nach die  \zeta -Funktion im kritischen Streifen äußerst chaotisch verhalten muss, was zunächst widersprüchlich zu der (vermutlich) perfekt symmetrischen Lage ihrer Nullstellen zu sein scheint. Viele Mathematiker vermuten daher, dass sich hinter diesen abstrakten Eigenschaften eine fundamentale Theorie verbirgt.

Die Aussage, dass sich die  \zeta -Funktion selbst über den Universalitätssatz approximieren lässt, ist äquivalent zur riemannschen Vermutung.[10]

Spezielle Funktionswerte[Bearbeiten]

Funktionswerte für gerade natürliche Zahlen[Bearbeiten]

Die Funktionswerte der riemannschen Zeta-Funktion für positive gerade Zahlen haben eine enge Beziehung zur Kreiszahl  \pi . Für eine positive ganze Zahl n ist

\zeta(2n) = (-1)^{n-1}\,\frac{(2\pi)^{2n}}{2(2n)!}\,\mathrm{B}_{2n},

wobei \scriptstyle \mathrm{B}_{2n} die \scriptstyle 2n -te Bernoulli-Zahl bezeichnet. Somit lässt sich jeder Funktionswert  \zeta(2n) in der Form

 \zeta(2n) = \left( \frac{p}{q} \right) \pi^{2n}

schreiben, wobei  p und  q ganze Zahlen sind. Daraus folgt auch sofort, dass jeder Wert  \zeta(2n) für natürliche Zahlen  n irrational ist.

Beispielsweise ist

\zeta(2) = \frac1{1^2}+\frac1{2^2}+\frac1{3^2}+\frac1{4^2}+\ldots=\frac{\pi^2}6,\quad\zeta(4) = \frac{\pi^4}{90},\quad\zeta(6) = \frac{\pi^6}{945}.

Diese Formeln wurden von Euler entdeckt und 1735 in seiner Arbeit De Summis Serierum Reciprocarum erstmals veröffentlicht. Das Auffinden des Werts von \zeta(2) ist auch als das Basler Problem bekannt.

Daneben gibt es auch die bemerkenswerte Rekursionsformel

\zeta(2n) = \frac{1}{n+{1\over 2}} \cdot\sum_{k=1}^{n-1} \zeta(2k) \cdot \zeta(2(n-k))

für natürliche Zahlen \scriptstyle n > 1, die Euler noch nicht bekannt war.[11]

Funktionswerte für ungerade natürliche Zahlen[Bearbeiten]

Über den Wert der Zeta-Funktion für ungerade natürliche Zahlen ist nur sehr wenig bekannt. Beispielsweise weiß man, dass die Apéry-Konstante \zeta(3) irrational ist, was 1979 von dem französischen Mathematiker Roger Apéry bewiesen wurde.[12]

Um 1900 fand Matyáš Lerch[13] einen besonders eleganten Ausdruck für  \zeta(3) :

 \zeta(3) = \frac{7\pi^3}{180} - 2 \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^3(e^{2\pi n} - 1)}.

Durch Arbeiten von Lerch und S. Ramanujan inspiriert,[14] entwickelte der Kanadier Simon Plouffe ab 1995 weitere Ausdrücke dieser Art:

 \zeta(5) = \frac{\pi^5}{294} - \frac{72}{35} \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^5(e^{2\pi n} - 1)} - \frac{2}{35} \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^5(e^{2\pi n} + 1)},
 \zeta(7) = \frac{19\pi^7}{56\,700} - 2 \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^7(e^{2\pi n} - 1)}.

Eine allgemeine Formel für alle ungeraden positiven ganzen Zahlen der Form \scriptstyle n = 4m - 1 mit \scriptstyle m = 1,2,3,4,... ist:[15]

 \zeta(4m-1) = - \frac{1}{2}(2\pi)^{4m-1} \sum_{j=0}^{2m} (-1)^j \frac{\mathrm{B}_{2j}}{(2j)!} \frac{\mathrm{B}_{4m-2j}}{(4m-2j)!} - 2 \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^{4m-1}(e^{2\pi n} - 1)},

wobei \scriptstyle \mathrm{B}_{2j} die \scriptstyle 2j -te Bernoulli-Zahl ist. Dies vereinfacht sich zu einer alternativen Darstellung, die Zeta-Werte gerader Argumente mit einschließt:

 \zeta(4m - 1) = - \frac{1}{\pi} \sum_{n=0}^{2m} (-1)^n \zeta(2n) \zeta(4m - 2n) - 2\sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^{4m-1}(e^{2\pi n} - 1)}. [16]

Die Dezimalentwicklungen der ersten ungeraden Zeta-Werte sind:

\zeta(3) = 1{,}20205\ 69031\ 59594\ 28539\ 97381 \ldots   (Folge A002117 in OEIS)
\zeta(5) = 1{,}03692\ 77551\ 43369\ 92633\ 13654 \ldots    (Folge A013663 in OEIS)
 \zeta(7) = 1{,}00834\ 92773\ 81922\ 82683\ 97975 \ldots   (Folge A013665 in OEIS)
 \zeta(9) = 1{,}00200\ 83928\ 26082\ 21441\ 78527 \ldots   (Folge A013667 in OEIS)

Funktionswerte für nichtpositive ganze Zahlen[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den Zeta-Werten positiver ganzer Argumente, über die im Falle der ungeraden Werte bis heute nahezu nichts bekannt ist, sind die Funktionswerte für nichtpositive ganze Zahlen sämtlich bekannt. Insbesondere sind sie alle rational. Sie hängen, wie die Zeta-Werte gerader positiver Zahlen, sehr eng mit den Bernoulli-Zahlen zusammen.

Aus der Funktionalgleichung und Eulers Formel für gerade Zeta-Werte gelangt man für eine natürliche Zahl \scriptstyle n > 0 zu:

 \zeta(1 - 2n) = \frac{2}{(2\pi)^{2n}} \, \cos(\pi n) \, (2n-1)! \, (-1)^{n-1}\frac{(2\pi)^{2n}}{2(2n)!}\mathrm{B}_{2n} = - \frac{\mathrm{B}_{2n}}{2n}.

Aus \scriptstyle \mathrm{B}_{n} = 0 für ungerade n geht schließlich die für alle natürlichen Zahlen \scriptstyle k > 0 gültige Darstellung

\zeta(1-k)=-\frac{\mathrm{B}_k}k

hervor, mit deren Hilfe man insbesondere

\zeta(-2) = \zeta(-4) = \zeta(-6) = \ldots = 0

ableiten kann. Weitere Werte sind:

\zeta(0) = -\frac12,\quad\zeta(-1)=-\frac1{12},\quad\zeta(-3)=\frac1{120}.

Bezüglich des Wertes  \zeta(-1) schrieb der indische Mathematiker S. Ramanujan in einem seiner Artikel die (formal natürlich inkorrekte) Gleichung:

 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + \ldots = - \frac{1}{12},

siehe auch im Abschnitt Geschichte.

Mit Hilfe der Funktionalgleichung kann man auch die Ableitung im Nullpunkt bestimmen [17]:

 \zeta'(0)=-\frac 12 \log(2\pi)=-\log\sqrt{2\pi}

Funktionswerte für halbzahlige Argumente[Bearbeiten]

Für die Funktionswerte für halbzahlige Argumente gilt:

\zeta(1/2) = -1{,}46035\ 45088\ 09586\ 81288\ 94991 \ldots   (Folge A059750 in OEIS),
\zeta(3/2) = 2{,}61237\ 53486\ 85488\ 34334\ 85675 \ldots   (Folge A078434 in OEIS).

Dieser Wert wird u. a. in der Physik bei der Berechnung der kritischen Temperatur für die Ausbildung eines sogenannten Bose-Einstein-Kondensats und in der Spinwellen-Theorie bei magnetischen Systemen benötigt.

\zeta(5/2) = 1{,}34148\ 72572\ 50917\ 17975\ 67696 \ldots
\zeta(7/2) = 1{,}12673\ 38673\ 17056\ 64642\ 78124 \ldots

Nullstellen[Bearbeiten]

Die ersten "trivialen" Nullstellen der  \zeta -Funktion.
Blau ist der Realteil und rot der Imaginärteil der Funktion \zeta(1/2+ix) dargestellt, so dass man klar die ersten nichttrivialen Nullstellen erkennen kann.

Triviale Nullstellen[Bearbeiten]

Aus der Darstellung als Euler-Produkt kann man leicht folgern, dass \zeta(s)\not=0 für \mathrm{Re}\,s>1 gilt. Zusammen mit der Funktionalgleichung ergibt sich, dass die einzigen Nullstellen außerhalb des kritischen Streifens

\{ s\in\mathbb C\mid 0\leq\mathrm{Re}\,s\leq1\}

die „trivialen“ Nullstellen -2,-4,-6,\ldots sind.

Nicht-triviale Nullstellen[Bearbeiten]

Neben den trivialen Nullstellen besitzt die Zeta-Funktion weitere Nullstellen im kritischen Streifen  S = \{ s \in \mathbb{C} \mid 1 > \mathrm{Re} \, s > 0 \} . Diese werden auch als nicht-triviale Nullstellen bezeichnet. Das hat den Grund, dass bis heute nur sehr wenig über die genaue Lage dieser Nullstellen bekannt ist.

Asymptotische Verteilung[Bearbeiten]

Riemann gab in seiner Arbeit eine Formel zur asymptotischen Verteilung der nicht-trivialen Nullstellen an. Er behauptete, die Anzahl  N(T) der Nullstellen innerhalb des Rechtecks  R = \{s \in \mathbb{C} \mid 0 \leq \mathrm{Re} \, s \leq 1, 0 \leq \mathrm{Im} \, s \leq T\} erfülle die asymptotische Äquivalenz

 N(T) \sim \frac{T}{2\pi} \log \frac{T}{2\pi} - \frac{T}{2\pi}

wobei der Fehler die Größenordnung  \frac{1}{T} besitzt. Seinen Gedankengang begründete er über eine Auswertung des nullstellenzählenden Integrals

 N(T) = \frac{1}{2\pi i}\int_{\partial R} \frac{\xi'(s)}{\xi(s)} \mathrm{d}s = \frac{T}{2\pi} \log \frac{T}{2\pi} - \frac{T}{2\pi} + O(T^{-1}),

wobei  \xi(s) die riemannsche Xi-Funktion bezeichnet. Unglücklicherweise aber fand sich in seinen Aufzeichnungen kein einziger Hinweis, wie er dieses Integral berechnet hatte. Da Riemann selbst ein Genie auf dem Gebiet solcher Berechnungen war, ging man davon aus, dass er die Auswertung schlicht für zu trivial hielt, um sie detailliert zu behandeln. Riemann ging sogar so weit zu behaupten, dass die Anzahl der Nullstellen auf der kritischen Geraden ebenfalls ungefähr bei seiner Auswertung von  N(T) läge. Da er jedoch auch hierfür keinen formalen Beweis lieferte, kann bis heute nur spekuliert werden, wie er es schaffen konnte, solch eine starke Aussage mit seinen Mitteln herzuleiten. Erst über 50 Jahre später konnte Mangoldt beweisen, dass Riemann zumindest bei seiner Angabe der Nullstellen im Rechteck  R Recht gehabt hatte. [18]

Lage auf der kritischen Geraden[Bearbeiten]

Im Jahr 1914 konnte Hardy zeigen, dass unendlich viele nicht-triviale Nullstellen auf der kritischen Geraden  \mathrm{Re} \, s = \frac{1}{2} liegen. Unter anderem machte er sich in seinem Beweis zu nutze, dass  \Xi(t) = \xi(\frac{1}{2} + it) eine gerade Funktion ist. 1921 verbesserte er zusammen mit seinem Freund und Kollegen John Edensor Littlewood die Aussage auf das wesentlich stärkere Resultat, dass für ausreichend große Werte  T die Anzahl der Nullstellen im Rechteck  R = \{s \in \mathbb{C} \mid 0 \leq \mathrm{Re} \, s \leq 1, 0 \leq \mathrm{Im} \, s \leq T\} asymptotisch  KT beträgt, wobei  K eine positive Konstante bezeichnet. Selberg verbesserte dieses Ergebnis 1942 auf  KT \log T . [19]

Explizite Berechnung der Primzahlfunktion[Bearbeiten]

Über die nicht-trivialen Nullstellen kann der Wert der Primzahlfunktion  \pi(x) an der Stelle  x explizit bzw. exakt berechnet werden. Es gilt nach Riemann:

 J(x) = \mathrm{Li}(x) - \sum_{\rho} \mathrm{Li}(x^\rho) - \log 2 + \int \limits_x^\infty \frac{\mathrm{d}t}{t(t^2-1) \log t}

und weiterführend:

 \pi(x) = \sum_{n=1}^\infty \frac{\mu(n)}{n}J(x^{1/n}) = J(x) - \frac{1}{2} J(x^{1/2}) - \frac{1}{3} J(x^{1/3}) - \cdots

wobei  \mathrm{Li}(x) der Integrallogarithmus und  \mu(n) die Möbiusfunktion bezeichnet. Bezüglich Konvergenz ist zu beachten, dass die Summe  \sum_{\rho} die Nullstellen nach ihrer Konjugation paarweise addiert. Des Weiteren sind die Terme in der Summe als  \mathrm{Li}(x^\rho) = \mathrm{Ei}(\rho \log x) zu verstehen (denn: Verwechslungen können bei der Auswertung von  x^{\rho} über den Hauptzweig des komplexen Logarithmus entstehen.)

Die riemannsche Vermutung[Bearbeiten]

Hauptartikel: riemannsche Vermutung

Die Lage der Nullstellen im kritischen Streifen hängt eng mit Aussagen über die Verteilung der Primzahlen zusammen. Beispielsweise ist die Aussage, dass auf dem Rand des kritischen Streifens keine Nullstellen liegen, ein möglicher Zwischenschritt beim Beweis des Primzahlsatzes. Weitere Vergrößerungen des „nullstellenfreien Bereiches“ implizieren Restgliedabschätzungen im Primzahlsatz. Riemann vermutete im Jahr 1859, dass alle Nullstellen auf der parallel zur imaginären Achse verlaufenden Geraden \{s \in \mathbb{C} \mid\mathrm{Re}\,s=1/2\} liegen. Diese so genannte riemannsche Vermutung konnte bislang weder bewiesen noch widerlegt werden.

Der Verlauf der Zeta-Funktion in der komplexen Ebene, besonders entlang von parallel zur imaginären Achse verlaufenden Streifen, wird wegen des Zusammenhangs mit der Primzahlverteilung und des davon unmittelbar betroffenen sogenannten Faktorisierungsproblems seit kurzem auch gezielt mit physikalischen Methoden untersucht, und zwar mit Interferenz-Methoden analog zur Holographie. Man teilt dazu die definierende Summe in zwei Teile mit positiver bzw. negativer Phase auf, ψ bzw. ψ*, die man anschließend zur Interferenz bringt.[20]

Die Imaginärteile der „ersten“ Nullstellen sind beispielsweise [21]

±k ±Im ρk
1 14,134725141734693790…
2 21,022039638771554993…
3 25,010857580145688763…
4 30,424876125859513210…
5 32,935061587739189690…
6 37,586178158825671257…
7 40,918719012147495187…
8 43,327073280914999519…
9 48,005150881167159727…
10 49,773832477672302181…

Über die Eigenschaften dieser Imaginärteile (Irrationalität, Transzendenz, …) ist bis heute nichts bekannt.[22]

Anwendung und Auftreten[Bearbeiten]

Das prominenteste Anwendungsgebiet der riemannschen Zeta-Funktion ist die analytische Zahlentheorie. Ein Beispiel ist ihre Verbindung zum Primzahlsatz, der ein sehr wichtiges Resultat in der Primzahlforschung der Neuzeit darstellt. Aber darüber hinaus tritt sie auch im Kontext mit unendlichen Reihen und Wahrscheinlichkeitsrechnung auf. Es sind ebenfalls Anwendungsgebiete aus der Physik bekannt.

Zusammenhang zum Primzahlsatz[Bearbeiten]

Hauptartikel: Primzahlsatz

Wie bereits der 15-jährige Gauß vermutete, wächst die Anzahl aller Primzahlen  \pi(x) unter einer gegebenen Schranke  x asymptotisch gleich wie der Ausdruck  x / \log(x) . Es gilt also

 \lim_{x \to \infty} \frac{\pi(x)}{x / \log(x)} = 1

Dieser sogenannte Primzahlsatz wurde jedoch erst hundert Jahre später unabhängig von Hadamard und Poussin bewiesen.

Erstaunlicherweise ist der Primzahlsatz gleichbedeutend mit der Aussage, dass die Zeta-Funktion auf der Geraden  \mathrm{Re} s = 1 keine Nullstellen besitzt. Die Grundidee dieses nicht-trivialen Zusammenhangs findet sich in der Analyse der Dirichletreihe

 - \frac{\zeta'(s)}{\zeta(s)} = \sum_{n=1}^\infty \frac{\Lambda(n)}{n^s}

wobei  \Lambda hier die Mangoldt-Funktion bezeichnet, die sich durch

\Lambda(n)=\begin{cases}\log(p)&\text{falls }n\text{ sich als }n=p^k\text{ darstellen }\mathrm{l\ddot asst,}\text{ wobei }p\text{ prim und }k\in\N^+\\0&\text{sonst}\end{cases}

definiert. Für den Primzahlsatz ist das Wachstum der Mangoldt-Funktion von besonderem Interesse, weshalb Tschebyschow die beiden Funktionen

 \vartheta(x)=\sum_{p\le x}\operatorname{log}(p)

und

\psi(x)=\sum_{n \le x} \Lambda(n)=\sum_{p^k\le x}\operatorname{log}(p)

einführte und zeigte, dass die Aussagen

 \lim_{x \to \infty} \frac{\pi(x)}{x / \log(x)} = 1, \lim_{x \to \infty} \frac{\vartheta(x)}{x} = 1 \quad \text{und} \quad  \lim_{x \to \infty} \frac{\psi(x)}{x} = 1

äquivalent sind. Der Beweis, dass  \zeta(1 + it) \not= 0 für alle reellen  t ist sehr trickreich, und es kann aus ihm gefolgert werden, dass sich die Funktion  f(s) = - \frac{\zeta'(s)}{\zeta(s)} holomorph auf die gesamte abgeschlossene Halbebene  \mathbb{H}^* := \{ s \in \mathbb{C} \mid \Re s \geq 1 \} \setminus \{ 1\} fortsetzen lässt. Somit ist sie holomorph auf ganz  \mathbb{H}^* , da  \zeta(s) keine weiteren Nullstellen rechts der Gerade  \mathrm{Re} s = 1 besitzen kann (siehe Euler-Produkt). Da  - \frac{\zeta'(s)}{\zeta(s)} (wie man über viele Ausdrücke von  \zeta(s) leicht nachweist) bei  s=1 einen Pol erster Ordnung mit Residuum 1 besitzt, strebt der Ausdruck

 A(t) := - \frac{\zeta'(\sigma + it)/\zeta(\sigma + it)}{\sigma + it} - \frac{1}{\sigma + it -1}

für alle  t (also auch  t = 0 ) und  \sigma \to 1^{+} gleichmäßig gegen eine stetige Funktion. Daher lässt sich hier für die Koeffizienten der Dirichletreihe von  - \frac{\zeta'(s)}{\zeta(s)} ein Taubersatz anwenden, aus dem schließlich

 \lim_{x \to \infty} \frac{1}{x} \sum_{n \le x} \Lambda(n) =1

und somit auch der Primzahlsatz folgt.

Bereits hier ist (in schwacher Form) zu erkennen, dass es einen Zusammenhang zwischen Primzahlen und den Nullstellen der Zeta-Funktion gibt.

In Verbindung mit zahlentheoretischen Funktionen[Bearbeiten]

Es existieren Zusammenhänge zwischen einigen zahlentheoretischen Funktionen und der  \zeta -Funktion. Diese Verbindungen drücken sich in Dirichlet-Reihen aus, die über die betreffenden zahlentheoretischen Funktionen gebildet werden. Hierbei macht man sich zu Nutze, dass das Produkt zweier (oder generell mehrerer) konvergenter Dirichlet-Reihen eine wiederum konvergente Dirichlet-Reihe ergibt. Man spricht auch von der sogenannten Dirichlet-Faltung zweier (oder mehrerer) Dirichlet-Reihen. In diesem Zusammenhang kann man sich zum Beispiel die Dirichlet-Reihen von  \zeta(s)^{-2} ,  \zeta(s)^{-1} oder auch  \zeta(s)^{2} ansehen.

Teilerfunktionen[Bearbeiten]

Man findet beispielsweise die Relation:

 \zeta(s)^2 = \sum_{n=1}^\infty \frac{d(n)}{n^s} = 1 + \frac{2}{2^s} + \frac{2}{3^s} + \frac{3}{4^s} + \frac{2}{5^s} + \frac{4}{6^s} + \frac{2}{7^s} + \ldots,

wobei  d(n) die Teileranzahlfunktion darstellt, die zählt, wie viele natürliche Teiler eine Zahl  n besitzt. Zu diesem Ergebnis gelangt man durch systematisches Ausmultiplizieren des Quadrates der Dirichlet-Reihe der Zeta-Funktion. Da es sich dabei um das Produkt zweier (konvergenter) Dirichlet-Reihen handelt, kann es, wie oben beschrieben, wiederum über eine Dirichlet-Reihe dargestellt werden.

 \zeta(s)^2 = \left( \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^s} \right)^2 = \left( \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^s} \right) \cdot \left( \sum_{k=1}^\infty \frac{1}{k^s} \right) = \sum_{n=1}^\infty \sum_{k=1}^\infty \frac{1}{n^s} \cdot \frac{1}{k^s} = \sum_{n=1}^\infty \sum_{k=1}^\infty \frac{1}{(n \cdot k)^s} = \sum_{m=1}^\infty \frac{d(m)}{m^s}

Die aus dieser Faltung erzeugte Dirichlet-Reihe hat nun eine neue zahlentheoretische Funktion, die als  d(m) bezeichnet wird. Der Summenindex wird als  m gewählt, um Verwechslungen zu vermeiden. Der vorletzte Schritt der Auswertung zeigt nun, dass man den Wert von  d(m) über die Anzahl aller natürlichen Zahlenpaare  (n, k) gewinnen kann, für die  n \cdot k = m gilt. Somit reduziert sich die Frage nach dem Wert von  d(m) darauf, wie viele Teiler die betroffene Zahl  m besitzt.

Allgemeiner hat man:

 \zeta(s)\ \zeta(s - a) = \sum_{n=1}^\infty \frac{\sigma_a(n)}{n^s},

wobei  \sigma_a(n) die verallgemeinerte Teilerfunktion ist.[23]

Möbiusfunktion[Bearbeiten]

Mit der Möbiusfunktion erhält man eine Dirichlet-Reihe, die den Kehrwert der  \zeta -Funktion erzeugt. Es gilt dann:

 \frac{1}{\zeta(s)} = \sum_{n=1}^\infty \frac{\mu(n)}{n^s} = 1 - \frac{1}{2^s} - \frac{1}{3^s} - \frac{1}{5^s} + \frac{1}{6^s} - \frac{1}{7^s} + \ldots

Zur Erklärung dieses Zusammenhangs betrachtet man

 \frac{1}{\zeta(s)} = \left( 1 - \frac{1}{2^s} \right) \left( 1 - \frac{1}{3^s} \right) \left( 1 - \frac{1}{5^s} \right) \cdots,

also einfach den Kehrwert des Euler-Produkts, und bildet durch konsequentes Ausmultiplizieren die dazugehörige Dirichlet-Reihe, die sich dann definitionsgemäß über die Möbiusfunktion erstreckt.

Summe von Quadraten[Bearbeiten]

Die zahlentheoretische Frage, wie oft eine Zahl als Summe von Quadraten geschrieben werden kann, lässt sich ebenfalls auf die riemannsche Zetafunktion überleiten. So erhält man zusammen mit der dirichletschen Betafunktion:

 Q_2(s) := 4\zeta(s)\beta(s) = \sum_{n=1}^\infty \frac{a_2(n)}{n^s}

wobei  a_2(n) die Anzahl aller 2-Tupel  (x,y) ganzer Zahlen angibt, welche die Gleichung

 n = x^2 + y^2

erfüllen. Insbesondere lässt sich über diesen Ansatz zeigen, dass sich der Limes

 \lim_{n \to \infty} \left( \sum_{k=1}^n \frac{a_2(k)}{k} - \pi \log n\right)

einer festen Konstanten  K nähert. Diese Sierpiński-Konstante (benannt nach Wacław Sierpiński) lässt sich in Abhängigkeit von der Kreiszahl, der Euler-Mascheroni Konstante und logarithmierten Werten der Gammafunktion auch schreiben als:

 K = \pi (2 \gamma + 4 \log \Gamma(\tfrac{3}{4}) - \log \pi).

Ähnliche Ausdrücke finden sich für 4 bzw. 8 Quadrate:

 Q_4(s) = 8(1 - 2^{2-2s})\ \zeta(s)\ \zeta(s-1)
 Q_8(s) = 16(1 - 2^{1-s} + 2^{4-2s})\ \zeta(s)\ \zeta(s-3) . [24]

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

Weitere Beispiele sind

 \frac{\zeta(s-1)}{\zeta(s)} = \sum_{n=1}^\infty \frac{\varphi(n)}{n^s}

mit der eulerschen \varphi-Funktion[25] und

 - \frac{\zeta'(s)}{\zeta(s)} = \sum_{n=1}^\infty \frac{\Lambda(n)}{n^s}

mit der Mangoldt-Funktion.[26]

In der Analysis[Bearbeiten]

Taylor-Reihen[Bearbeiten]

In der Analysis tritt die Zeta-Funktion unter anderem als Koeffizientenfolge in den Taylor-Reihen des Kotangens und der Digamma-Funktion auf.

Die erzeugende Funktion der Folge  a_n = \zeta(n+1) mit  n = 1,2,3,4, \dotsc für alle  |z|<1 ist:

 \sum_{n=1}^\infty \zeta(n+1)z^{n} = - \gamma - \psi(1-z),

wobei  \psi(z) hier die Digamma-Funktion und  \gamma die Euler-Mascheroni-Konstante bezeichnet.[27]

Summiert man außerdem in einer Potenzreihe, die die Zetafunktionswerte als Koeffizienten hat, nur über die geradzahligen Exponenten bzw. Folgeglieder, so ergibt sich:

 \sum_{n=0}^\infty \zeta(2n)z^{2n} = -\frac{1}{2} + \frac{\pi^2}{6} z^2 + \frac{\pi^4}{90} z^4 + \frac{\pi^6}{945} z^6 + \ldots = -\frac{\pi z}{2} \cot (\pi z)

ebenfalls mit Konvergenzradius 1.[28]

Unendliche Reihen[Bearbeiten]

Weiter gibt es eine reichhaltige Fülle an unendlichen Reihen mit besonderen Grenzwerten, die die Zeta-Funktion beinhalten. Zwei Beispiele für Reihen mit rationalen Grenzwerten sind:

\sum_{n=2}^{\infty}(\zeta(n)-1) = 1

und

\sum_{n=1}^{\infty}(\zeta(2n+1)-1) = \frac14.

Zusammen mit der Euler-Mascheroni-Konstante  \gamma hat man:

 \sum_{n=2}^\infty \frac{\zeta(n)-1}{n} = 1 - \gamma
 \sum_{n=2}^\infty (-1)^n\frac{\zeta(n)}{n} = \gamma
 \sum_{n=2}^\infty (-1)^n \frac{\zeta(n)}{n2^{n-1}} = \gamma - \log \frac{4}{\pi}

und auch:

\sum_{n=1}^{\infty}\frac{\zeta(2n+1)-1}{(2n+1)\ 2^{2n}} = 1+\log \frac{2}{3}-\gamma.

Auch für die catalansche Konstante  G existieren solche Reihen:[29]

 \frac{1}{16}\sum_{n=1}^\infty (n+1)\ \frac{3^n-1}{4^n}\ \zeta(n+2) = G .

In der Wahrscheinlichkeitstheorie[Bearbeiten]

Die Zeta-Funktion spielt eine zentrale Rolle bei der sogenannten Zipf-Verteilung. Es gilt für eine Zufallsvariable  X :

P(X = k) = \frac{k^{-s}}{\zeta(s)}.

Auch einige Wahrscheinlichkeitsgesetze aus der Zahlentheorie stehen in engem Zusammenhang zu der Zeta-Funktion. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig gewählte Zahl quadratfrei ist, und ebenso die Wahrscheinlichkeit, dass zwei zufällig gewählte Zahlen teilerfremd sind, ist gleich

\frac{1}{\zeta(2)} = \frac{6}{\pi^2} = 0{,}60792\ 71018\ 54026\ 62866\ldots   (Folge A059956 in OEIS).

Allgemeiner ist 1/\zeta(n k) die Wahrscheinlichkeit, dass n positive ganze Zahlen keine k-te Potenz größer 1 als gemeinsamen Teiler haben.[30]

Als Funktionswert spezieller Funktionen[Bearbeiten]

Die riemannsche Zeta-Funktion taucht ebenfalls bei der Auswertung bestimmter Funktionswerte anderer spezieller Funktionen auf, was nicht zuletzt durch ihre Verbindung zur Gamma-Funktion (beispielsweise in der Funktionalgleichung) begründet werden kann. Zum Beispiel ergibt sich mit der Polygamma-Funktion:

 \psi_n(1) = (-1)^{n+1}\ n!\ \zeta(n+1)
 \psi_n \left( \frac{1}{2} \right) = (-1)^{n+1}\ n!\ (2^{n+1} - 1)\ \zeta(n+1).[31]

Andere Ausdrücke für die ζ-Funktion[Bearbeiten]

Neben ihrer elementaren Reihendarstellung besitzt die Zeta-Funktion eine reiche Fülle an weiteren Ausdrücken, von denen einige im Folgenden aufgeführt werden. Hierbei sei jedoch zu bemerken, dass sich die allermeisten dieser Formeln für eine effiziente numerische Berechnung eigentlich nicht eignen. Viele dieser Ausdrücke spielen jedoch in der reinen Mathematik eine wichtige Rolle, da mit ihrer Hilfe theoretische Resultate bewiesen werden können, die neben dem allgemeinen Erkenntnisgewinn auch für die spätere Anwendung entscheidende Auswirkung haben können. Weiter stellen einige dieser Formeln analytische Fortsetzungen dar, die die Zeta-Funktion auch außerhalb der um 1 verschobenen rechten Halbebene gültig darstellen.

Beziehung zur η-Funktion[Bearbeiten]

Eine Möglichkeit, den Definitionsbereich der  \zeta -Funktion auf die gesamte rechte Halbebene  \mathbb{H} = \{s \in \mathbb{C} | \mathrm{Re}s > 0 \} auszudehnen, ergibt sich über einen Bezug zur Dirichlet-Reihendarstellung der dirichletschen η-Funktion.

\eta(s) = \sum\limits_{n=1}^\infty\frac{(-1)^{n+1}}{n^s} = 1 - \frac{1}{2^s} + \frac{1}{3^s} - \frac{1}{4^s} + \frac{1}{5^s} - \frac{1}{6^s} + \frac{1}{7^s} -  \ldots

Man erhält über die nun folgende Umformung einen neuen Reihenausdruck für die Zeta-Funktion, der für alle  s > 0 bzw. allgemeiner  \mathrm{Re} s > 0 konvergiert. Hierbei summiert man die Reihe der Eta-Funktion mit der (mit dem Vorfaktor  \frac{2}{2^s} versehenen) Reihe der Zeta-Funktion zusammen.

 
\begin{align}
\eta(s) + \frac{2}{2^s} \zeta(s) & = \sum_{n=1}^\infty \frac{(-1)^{n+1}}{n^s} + \frac{2}{2^s} \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^s} \\ & = \sum_{n=1}^\infty \left(\frac{1}{(2n-1)^s} - \frac{1}{(2n)^s} + \frac{2}{(2n)^s}\right) \\ & = \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^s} = \zeta(s). 
\end{align}

Stellt man diese Gleichung um, so ergibt sich der Ausdruck für  \mathrm{Re} s > 0 :

\zeta(s) = \frac{1}{1 - 2^{1-s}} \sum_{n=1}^\infty \frac{(-1)^{n+1}}{n^s}.

Die Identität zwischen den Funktionen  \zeta(s) und  \eta(s) ,

 \zeta(s) = \frac{\eta(s)}{1-2^{1-s}},

ist zudem in ganz  \mathbb{C} \setminus \{ 1 \} gültig.[32]

Beziehung zur Primzetafunktion[Bearbeiten]

Es gilt für alle  s mit  \mathrm{Re} s > 0 :

 \log \zeta(s) = \sum_{n=1}^\infty \frac{P(ns)}{n},

wobei  P(s) mit

 P(s) = \sum_{p \ \mathrm{prim}} \frac{1}{p^s} = \frac{1}{2^s} + \frac{1}{3^s} + \frac{1}{5^s} + \ldots

die Primzetafunktion bezeichnet. Dieser Ausdruck kann durch Logarithmieren des Euler-Produktes und anschließendes Umformen gewonnen werden.[33]

Integraldarstellungen[Bearbeiten]

Die riemannsche Zeta-Funktion besitzt insbesondere zahlreiche Integraldarstellungen. Die nun folgenden Beispiele haben jedoch für die praktische Berechnung der Zeta-Funktion wenig Bedeutung, da sie erstens in ihrer Definitionsmenge beschränkt sind und zweitens nur langsam bis mittelmäßig schnell konvergieren. Jedoch sind sie für die theoretische Analyse der Zeta-Funktion und die Herleitung anderer Ausdrücke, die unter Umständen schneller konvergieren, von großer Bedeutung.

Über die Mellin-Transformation von \scriptstyle 1/(\mathrm{e}^x-1) gelangt man unter Ausnutzung der geometrischen Reihe zu:


\begin{align} 
\int\limits_0^\infty \frac{x^{s-1}}{\mathrm{e}^x-1} \mathrm dx 
& = \int\limits_0^\infty x^{s-1} \sum\limits_{n=1}^\infty \mathrm{e}^{-n\,x} \mathrm dx \\
& = \sum\limits_{n=1}^\infty n^{-s} \int\limits_0^\infty x^{s-1}\,\mathrm{e}^{-x}  \, \mathrm dx \\
& = \zeta(s) \int \limits_0^\infty x^{s-1} \mathrm{e}^{-x} \mathrm{d}x \\
& = \zeta(s)\Gamma(s).
\end{align}

Das ergibt sich mit Hilfe der Definition der Gamma-Funktion \Gamma. Nun lässt sich daraus für \scriptstyle\mathrm{Re}\,s > 1 die folgende Beziehung folgern:

\zeta (s)=\frac{1}{\Gamma (s)}\,\int\limits_0^\infty\frac{x^{s-1}}{\mathrm{e}^x-1} \, \mathrm dx.[34]

Diese Integraldarstellung kann auch für die Gewinnung weiterer Ausdrücke benutzt werden (siehe im nächsten Abschnitt Summenformeln).

Eine weitere Integraldarstellung, die sogar für \scriptstyle\mathrm{Re}\,s > 0 gilt, ist gegeben durch

 \zeta(s) = \frac{s}{s-1} - \frac{1}{\Gamma(s)}\int \limits_0^\infty\frac{\mathrm{e}^x-x-1}{\mathrm{e}^x-1} \, \frac{x^{s-2}}{\mathrm{e}^x} \, \mathrm dx.

Der Ausdruck

 \zeta(s) = \frac{s}{s-1} + s\int\limits_1^\infty \frac{[x]-x}{x^{s+1}}\,\mathrm{d}x

mit dem Ganzzahlwert \scriptstyle [x]=\max\{n\in\Z;\;n\le x\} ist ebenfalls für \scriptstyle\mathrm{Re}\,s > 0 gültig.[35] Diese Formel ergibt sich aus der letzten Summenformel im weiter unten stehenden Abschnitt bezüglich \scriptstyle \C für \scriptstyle q=1.

Insbesondere gibt es noch eine Multiintegraldarstellung für natürliche Argumente. Für alle \scriptstyle n\in\mathbb{N}\setminus\{1\} erhält man:

\zeta(n)=\underbrace{\int\limits_0^1 \dotsi\int\limits_0^1}_{n-\mathrm{mal}}\frac{1}{1-x_1\dotsm x_n}\,\mathrm{d}x_1\,\dotso\,\mathrm{d}x_n.

So bekommt man unter anderem:

 \zeta(2) = \int \limits_0^1 \int \limits_0^1 \frac{1}{1 - x_1x_2} \mathrm{d}x_1 \mathrm{d}x_2, \, \, \, \, \zeta(3) = \int \limits_0^1 \int \limits_0^1 \int \limits_0^1 \frac{1}{1 - x_1x_2x_3} \mathrm{d}x_1 \mathrm{d}x_2\mathrm{d}x_3

Dies beweist man leicht durch die Auffassung des Integranden als Grenzwert der geometrischen Reihe und Vertauschung von Integration und Summation.

Für eine praktische Berechnung der Zeta-Funktion sind die folgenden Integralausdrücke hingegen sehr gut geeignet. Für alle \scriptstyle s\in\mathbb{C}\setminus\{1\} erhält man die Integralrelation

\zeta(s) = \frac{2^{s-1}}{s-1}-2^s\int\limits_0^{\infty}\frac{\sin(s\arctan t)}{(1+t^2)^\frac{s}{2}\ (\mathrm{e}^{\pi\,t}+1)}\,\mathrm{d}t,

die zur numerischen Berechnung der Zeta-Funktion herangezogen werden kann, da sie sehr schnell konvergiert.[36] Ein ähnlicher Ausdruck ergibt sich über die Integraldarstellung der lerchschen Zeta-Funktion:

\zeta(s)= \frac{1}{s-1} + \frac12+2\int\limits_0^\infty\frac{\sin(s\arctan t)}{(1+t^2)^\frac{s}{2}\ (\mathrm{e}^{2\,\pi\,t}-1)}\,\mathrm{d}t.[37]

Summenformeln[Bearbeiten]

Zerlegt man die über die Mellin-Transformation gewonnene Integraldarstellung aus dem vorherigen Abschnitt in die beiden Intervalle \scriptstyle[0,\,1] und \scriptstyle[1,\,\infty], also

 \zeta(s) = \frac{1}{\Gamma(s)} \left( \int \limits_0^1 \frac{x^{s-1}}{\mathrm{e}^x - 1} \mathrm{d}x + \int \limits_1^\infty \frac{x^{s-1}}{\mathrm{e}^x - 1} \mathrm{d}x \right),

so erhält man unter Zuhilfenahme der Bernoulli-Zahlen \scriptstyle \mathrm{B}_\nu und deren Definition \frac{x}{\mathrm{e}^x-1} \equiv \sum\limits_{\nu=0}^\infty\frac{\mathrm{B}_\nu}{\nu!}x^\nu über die Transformation

 \zeta(s) = \frac{1}{\Gamma(s)} \left( \int \limits_0^1 \sum_{\nu=0}^\infty \frac{\mathrm{B}_\nu}{\nu!}x^{s+\nu-2} \mathrm{d}x + \int \limits_1^\infty \frac{x^{s-1}}{\mathrm{e}^x - 1} \mathrm{d}x  \right)

die Summenformel

\zeta (s)=\frac{1}{\Gamma (s)} \left(\frac{1}{s-1}-\frac{1}{2s}+\sum\limits_{\nu =2}^\infty
\frac{\mathrm{B}_\nu}{\nu !}\frac{1}{s+\nu-1}+\int\limits_1^\infty \frac{x^{s-1}}{\mathrm{e}^x-1} \, \mathrm dx \right).[34]

Die Bedeutung dieser Summenformel liegt vor allen Dingen darin, dass man durch sie auf einfache Weise die Formel  \zeta(1 - n) = - \frac{\mathrm{B}_{n}}{n} herleiten kann.

Einen anderen Weg, um zu einem Summenausdruck zu gelangen, stellt die Anwendung der Euler-MacLaurin-Summenformel,

\sum\limits_{n=2}^{N} f(n) = \int\limits_1^N f(x)\,\mathrm dx\,
+\,\sum\limits_{\nu=1}^q (-1)^\nu\,\frac{\mathrm{B}_\nu}{\nu!}\,\left(f^{(\nu-1)}(N)-f^{(\nu-1)}(1)\right)\,
-\,\frac{(-1)^q}{q!}\int\limits_1^N \mathrm{B}_q(x-[x])\,f^{(q)}(x)\,\mathrm dx,

dar, wobei f als Mindestvoraussetzung eine auf dem Intervall \scriptstyle[1,N] q-mal differenzierbare Funktion ist, \scriptstyle\mathrm{B}_\nu(x) die Bernoulli-Polynome sind und \scriptstyle[x] den ganzzahligen Anteil von x darstellt.[38]

Indem man \zeta(s) = 1+\lim_{N\to\infty}\sum\limits_{n=2}^N n^{-s} mit der Summenformel umwandelt, erhält man den Ausdruck

\zeta(s) =
\frac{1}{s-1}\,+\,\frac{1}{2}\,
+\,\sum\limits_{\nu=2}^q\frac{\mathrm{B}_\nu}{\nu!}\,\prod\limits_{k=0}^{\nu-2}(s+k)\,
-\,\frac{1}{q!}\,\prod\limits_{k=0}^{q-1}(s+k)\,\int\limits_1^\infty \mathrm{B}_q(x-[x])\,x^{-(s+q)}\,\mathrm dx.

Diese Formel gilt nicht nur für die Ebene \scriptstyle\mathrm{Re}\,s>1, sondern sogar für \scriptstyle\mathrm{Re}\,s>1-q (wobei natürlich wieder \scriptstyle s\neq 1 sei). Durch die freie Wahl von \scriptstyle q\in\mathbb{N} kann man den Definitionsbereich beliebig ausdehnen und hat damit einen Ausdruck für ganz \scriptstyle\mathbb C.[38]

Reihenentwicklungen[Bearbeiten]

Die Zeta-Funktion ist holomorph in ganz  \mathbb{C} \setminus \{ 1 \} und hat an der Stelle  s = 1 einen Pol erster Ordnung. Daher kann sie um  s = 1 in einer Laurentreihe entwickelt werden. Diese Laurentreihe hat die Form

\zeta(s) = \frac1{s-1} + \sum\limits_{\nu=0}^\infty\frac{(-1)^\nu}{\nu!}\,\gamma_\nu\,(s-1)^\nu.

Bei den Koeffizienten

\gamma_\nu=\lim_{n\to\infty}\left(\sum\limits_{k=1}^n\frac{\log^\nu k}{k}-\frac{\log^{\nu+1} n}{\nu+1}\right)

handelt es sich um die Stieltjes-Konstanten, wobei \gamma_0=\gamma die Euler-Mascheroni-Konstante ist,[34] für die sich daraus insbesondere der Ausdruck

 \gamma = \lim_{s \to 1} \left( \zeta(s) - \frac{1}{s-1} \right)

ergibt.

Helmut Hasse hat 1930 die von Konrad Knopp veröffentlichte und auf ganz \mathbb{C}\setminus\{2\,\pi\,i\,m/\log 2+1;\;m\in\Z\} definierte Reihenidentität

\zeta(s)=\frac{1}{1-2^{1-s}}\sum_{n=0}^\infty\frac{1}{2^{n+1}}\sum_{k=0}^n(-1)^k{n \choose k}(k+1)^{-s}

bewiesen.

Produktentwicklung[Bearbeiten]

Neben dem Euler-Produkt gibt es eine weitere Produktdarstellung der Zeta-Funktion, die erstmals ihre Nullstellen in eine mögliche Definition direkt mit einschließt. Diese ist deshalb so bedeutend, weil sie ein wichtiger Schlüssel für den Zusammenhang zwischen Primzahlen und Nullstellen ist. Der entscheidende Schritt in Bernhard Riemanns Arbeit war nämlich der „Vergleich“ dieser beiden Produkte, was schließlich ein enges Verhältnis zwischen den Produktelementen (in diesem Falle Primzahlen und Nullstellen) impliziert.

Aufgrund ihrer langsamen Konvergenzgeschwindigkeit ist die Produktdarstellung jedoch ebenfalls nicht für eine numerische Berechnung geeignet.

Über den Produktsatz von Weierstraß für holomorphe Funktionen ist es möglich, die Zeta-Funktion anhand ihrer Nullstellen über ein Produkt der Form

 \zeta(s) = f(s) \prod_{\zeta(\omega) = 0} \left(1 - \frac{s}{\omega} \right) \, \mathrm{e}^{s/\omega}

explizit zu rekonstruieren, wobei  f(s) eine auf das Produkt multiplizierte und meist elementare Funktion darstellt. Im Falle der Zeta-Funktion ergibt sich für  f die Funktion  f(s) = \frac{1}{2(s-1)} \left( \frac{2\pi}{\mathrm{e}} \right)^s und somit unter Verwendung der trivialen sowie nicht-trivialen Nullstellen:

 \zeta(s) = \frac{1}{2(s-1)} \left( \frac{2\pi}{\mathrm{e}} \right)^s \prod_{n=1}^\infty \left(1 + \frac{s}{2n} \right) \, \mathrm{e}^{- s/(2n)} \, \cdot \, \prod_{\rho} \left(1 - \frac{s}{\rho} \right) \, \mathrm{e}^{s/\rho}.

Unter Zuhilfenahme der Produktentwicklung der Gamma-Funktion  \frac{1}{\Gamma(1 + s)} = \mathrm{e}^{\gamma s} \prod_{n=1}^\infty \left(1 + \frac{s}{n} \right) \mathrm{e}^{-s/n} erhält man das Hadamard-Produkt[39], benannt nach seinem Entdecker Jacques Hadamard, das global in  \mathbb{C} \setminus\{1\} konvergiert:

 \zeta(s) = \frac{\mathrm{e}^{(\log (2\pi) - 1 - \gamma/2)s}}{2(s-1)\,\Gamma(1 + s/2)} \prod_{\rho} \left(1 - \frac{s}{\rho} \right)\mathrm{e}^{s/\rho}.

Eine etwas einfachere Form des Hadamard-Produktes ist:

 \zeta(s) = \frac{\pi^{s/2}}{2(s-1)\Gamma(1 + s/2)} \prod_{\rho} \left(1 - \frac{s}{\rho} \right).

Besonders diese letzte Darstellung verdeutlicht, dass sich die  \zeta -Funktion im Prinzip komplett aus ihren Nullstellen und ihrer Singularität bei  s=1 konstruieren lässt. Jedoch ist dieses Produkt auch nur bedingt konvergent. Um absolute Konvergenz zu erreichen, müssen die Nullstellen „paarweise“ ( \rho und  1 - \rho sind ein solches Paar) in das Produkt eingesetzt werden. Alternativ kann man daher

 
\begin{align}
\zeta(s) & = \frac{\pi^{s/2}}{2(s-1)\Gamma(1 + s/2)} \prod_{\mathrm{Im} \rho > 0} \left(1 - \frac{s}{\rho} \right)\left(1 - \frac{s}{1 - \rho} \right) \\
& = \frac{\pi^{s/2}}{2(s-1)\Gamma(1 + s/2)} \cdot \left(1 - \frac{s}{\frac{1}{2} + 14{,}134\dotso \mathrm i} \right)\left(1 - \frac{s}{\frac{1}{2} - 14{,}134\dotso \mathrm i} \right)\cdot\left(1 - \frac{s}{\frac{1}{2} + 21{,}022\dotso \mathrm i} \right)\left(1 - \frac{s}{\frac{1}{2} - 21{,}022\dotso \mathrm i} \right) \dotsm 
\end{align}

schreiben, um Konvergenz eindeutig herbeizuführen.

Beziehung zur Thetafunktion[Bearbeiten]

Eine weitere Möglichkeit, die riemannsche  \zeta -Funktion in analytischer Fortsetzung zu betrachten, ist die folgende Funktionalgleichung:

 \!\ \Gamma \left( \frac{s}{2} \right) \zeta(s)\ \pi^{-s/2}  = \Gamma \left( \frac{1 - s}{2} \right) \zeta(1 - s)\ \pi^{(s-1)/2}.

Diese kann über eine Umtransformation des Integrals

 \Gamma \left( \frac{s}{2} \right) = \int \limits_0^\infty x^{s/2 - 1}\mathrm{e}^{-x} \mathrm{d}x

mittels der jacobischen Theta-Reihe hergeleitet werden. Riemann griff in seiner Arbeit dafür auf Ergebnisse des deutschen Mathematikers Carl Gustav Jacob Jacobi zurück, der für den speziellen Theta-Nullwert

 \vartheta(\tau) :=  \sum_{n= -\infty}^\infty \mathrm{e}^{-\pi \tau n^2} = 1 + 2\sum_{n=1}^\infty \mathrm{e}^{-\pi \tau n^2}

seiner Theta-Reihe die nützliche Transformationsformel

 \vartheta\left( \frac{1}{\tau} \right) = \sqrt{\tau} \vartheta(\tau)

aufgezeigt hatte. Eine alternative und vereinfachende Schreibweise

 \omega(\tau) = \frac{\vartheta(\tau) - 1}{2} = \sum_{n=1}^\infty \mathrm{e}^{-\pi\tau n^2}

führt hierbei zu

 \omega\left( \frac{1}{\tau} \right) = \frac{1}{2} + \frac{\sqrt{\tau}}{2} + \sqrt{\tau}\omega(\tau).

Mit der Substitution  x = \pi t n^2 in das obere zu transformierende Integral erhält man vorerst

 \Gamma\left( \frac{s}{2} \right)n^{-s} = \pi^{s/2} \int \limits_0^\infty t^{s/2 - 1} \mathrm{e}^{-\pi t n^2} \mathrm{d}x,

was sich unter unendlicher Aufsummierung nach  n (Mellin-Transformation) und Multiplizierung mit  \pi^{-s/2} zu

 { \Gamma \left( \frac{s}{2} \right) \zeta(s) \pi^{-s/2} = \int \limits_0^\infty t^{s/2 - 1} \underbrace{\sum_{n=1}^\infty \mathrm{e}^{-\pi tn^2}}_{=\omega(t)} \mathrm{d}t = \int \limits_0^\infty t^{s/2} \omega(t)\frac{\mathrm{d}t}{t} }

ergibt. Dieses Integral lässt sich nun über die Intervalle  [0,1] und  [1,\infty) aufspalten.

 \int \limits_0^\infty t^{s/2} \omega(t) \frac{\mathrm{d}t}{t} = \int \limits_0^1 t^{s/2} \omega(t) \frac{\mathrm{d}t}{t} + \int \limits_1^\infty t^{s/2} \omega(t) \frac{\mathrm{d}t}{t}.

Mit Hilfe einer erneuten Substitution  t = 1/x in das erste Integral mit Integrationsgrenzen 0 und 1 und der Theta-Transformationsformel erhält man:

  
\begin{align}
\int \limits_0^1 t^{s/2} \omega(t) \frac{\mathrm{d}t}{t} 
& = \int \limits_{1}^\infty x^{-s/2} \omega\left( \frac{1}{x}\right) \frac{\mathrm{d}x}{x} \\
& = \int \limits_{1}^\infty x^{-s/2} \left( \frac{1}{2} + \frac{\sqrt{x}}{2} + \sqrt{x}\omega(x) \right) \frac{\mathrm{d}x}{x} \\
& = \frac{1}{s(s-1)} + \int \limits_1^\infty x^{(1-s)/2} \omega(x) \frac{\mathrm{d}x}{x}.  
\end{align}

Zusammengefasst ergibt dies:

  
\begin{align}
\Gamma \left( \frac{s}{2} \right) \zeta(s)\ \pi^{-s/2} & = \frac{1}{s(s-1)} + \int \limits_1^\infty x^{(1-s)/2} \omega(x) \frac{\mathrm{d}x}{x} + \int \limits_{1}^\infty t^{s/2} \omega(t) \frac{\mathrm{d}t}{t} \\
& = \frac{1}{s(s-1)} + \int \limits_1^\infty (t^{(1-s)/2} + t^{s/2}) \omega(t) \frac{\mathrm{d}t}{t}. 
\end{align}

Dieser Ausdruck ist in ganz  \mathbb{C} \setminus\{0, 1\} holomorph und unter der Abbildung  s \to 1 - s invariant (ändert man also  s zu  1 - s , ändert sich nichts), das heißt

 \!\ \Gamma \left( \frac{s}{2} \right) \zeta(s)\ \pi^{-s/2}  = \Gamma \left( \frac{1 - s}{2} \right)\ \zeta(1 - s)\ \pi^{(s-1)/2}.

Mit einigen Umformungen und Transformationen bezüglich der Gammafunktion kann man daraus die schon oben erwähnte Funktionalgleichung der  \zeta -Funktion gewinnen.[40]

Beziehung zur Polygammafunktion[Bearbeiten]

Espinosa und Moll haben 2003 die Relation

\left(\frac{\mathrm{d}}{\mathrm{d}s}+\psi(1-s)+\gamma\right)\zeta(s)=\Gamma(1-s)\ \psi_{s-1}(1)

mit der Digammafunktion \psi(z) und der auf komplexe Ordnungen s verallgemeinerten Polygammafunktion \psi_s(z) aufgezeigt.[41] Unter Ausnutzung der Beziehung

\zeta(s,{\scriptstyle\frac{1}{2}})=\left(2^s-1\right)\ \zeta(s)

zur hurwitzschen Zeta-Funktion und Einsetzen in die allgemeinere Relation

\left(\frac{\partial}{\partial s}+\psi(1-s)+\gamma\right)\zeta(s,z)=\Gamma(1-s)\ \psi_{s-1}(z)

gelangt man zu

\zeta(s)=\frac{\Gamma(1-s)}{2^s\log 2}\bigl(\psi_{s-1}({\scriptstyle\frac{1}{2}})-\left(2^s-1\right)\psi_{s-1}(1)\bigr).

Damit sind die Nullstellen der ζ-Funktion Lösungen ρ der Gleichung

\psi_{\rho-1}({\scriptstyle\frac{1}{2}})=\left(2^\rho-1\right)\ \psi_{\rho-1}(1).

Wegen der „Multiplikationsformel“

\sum\limits_{k=0}^{n-1}\psi_s\left(\frac{z+k}{n}\right)=
n^{s+1}\psi_s(z)+\frac{n^{s+1}\log n}{\Gamma(-s)}\zeta(s+1,z),

lässt sich für \scriptstyle n\in\N, \scriptstyle n > 1 sogar die allgemeinere Beziehung

\zeta(s)=\frac{\Gamma(1-s)}{n^s\log n}\left(\sum\limits_{k=1}^{n-1}\psi_{s-1}\left(\scriptstyle\frac{k}{n}\right)-\left(n^s-1\right)\psi_{s-1}(1)\right)

herleiten.

Numerische Berechnung[Bearbeiten]

Es gibt sehr effiziente Methoden, die Zeta-Funktion ohne großen Rechenaufwand numerisch anzunähern. Diese wurden in der Zeit, bevor es Rechenmaschinen oder gar Computer gab, dazu verwendet, bestimmte Funktionswerte der Zeta-Funktion auf viele Dezimalstellen genau zu bestimmen. Beispielsweise ermittelte Leonhard Euler 1735 den Wert von  \zeta(2) auf etwa 20 Stellen genau, bevor er das Basler Problem, das sich mit dem analytisch „exakten“ Wert von  \zeta(2) befasste, löste. Diese numerische Auswertung war für ihn die praktische Bestätigung für die Richtigkeit seines exakt ermittelten Wertes.[42]

Weiter fand der dänische Mathematiker Jørgen Pedersen Gram im Jahr 1903 numerische Werte der ersten 15 nicht-trivialen Nullstellen, wobei er die ersten zehn Nullstellen auf sechs und die weiteren fünf auf jeweils eine Stelle nach dem Komma ermittelte.[43]

Als effektive Methode erweist sich die „abgebrochene“ Summenformel, die mit Hilfe der Euler-MacLaurin-Summenformel hergeleitet wird (siehe auch im Abschnitt Summenformeln). Hierfür wird zunächst eine beliebige natürliche Zahl  N festgelegt, für die außerdem  N > |s| gelten sollte. Es gilt dann:

 {\zeta(s) = \sum_{n=1}^{N-1} n^{-s} + \frac{N^{1-s}}{s-1} + \frac{1}{2}N^{-s} + \frac{\mathrm{B}_2}{2}sN^{-s-1} + \frac{\mathrm{B}_4}{24}s(s+1)(s+2)N^{-s-3} + \ldots + \frac{\mathrm{B}_{2m}}{(2m)!}s(s+1)\cdots (s + 2m - 2)N^{-s-2m+1} + R_{2m}(s) }

wobei das Restglied  R_{2m} durch

 R_{2m}(s) = -\frac{s(s+1)\cdots (s+2m-1)}{(2m)!} \int \limits_N^\infty \mathrm{B}_{2m}(x - [x])x^{-s-2m} \mathrm{d}x

gegeben ist. Bei der (freien) Wahl von  m ist zu beachten, dass das Restglied nur auf der Halbebene  \mathrm{Re}(s + 2m - 1) > 1 konvergiert. Daher muss stets  m > - \mathrm{Re} \, \frac{s}{2} gelten. Für größer werdende Werte von  N verkleinert sich der Fehler  R_{2m} unabhängig von  m rapide.[44]

Beispiele[Bearbeiten]

Als ein Beispiel bietet sich die numerische Annäherung des Zahlenwertes von

 \zeta(2) = 1 + \frac{1}{2^2} + \frac{1}{3^2} + \ldots

an. Für eine sehr gute Approximation reichen die Werte  N = 5 und  m = 2 vollkommen aus. Einsetzen ergibt:


\begin{align} 
\zeta(2) & = \sum_{n=1}^4 n^{-2} + \frac{5^{-1}}{2-1} + \frac{1}{2}5^{-2} + \frac{\mathrm{B_2}}{2}\cdot2\cdot5^{-3} + \frac{\mathrm{B_4}}{24}\cdot2\cdot3\cdot4\cdot5^{-5} + R_4(2) \\
& \approx 1^{-2} + 2^{-2} + 3^{-2} + 4^{-2} + \frac{5^{-1}}{2-1} + \frac{1}{2}5^{-2} + \frac{\mathrm{B_2}}{2}\cdot2\cdot5^{-3} + \frac{\mathrm{B_4}}{24}\cdot2\cdot3\cdot4\cdot5^{-5}. \\
\end{align}

Die folgende Tabelle zeigt die numerische Auswertung dieser Rechnung.

Term Numerischer Wert
 1^{-2} =   1{,}00000000
 2^{-2} =  + \, 0{,}25000000
 3^{-2} =  + \, 0{,}11111111
 4^{-2} =  + \, 0{,}06250000
 \frac{5^{-1}}{2-1} =  + \, 0{,}20000000
 \frac{1}{2} 5^{-2} =  + \, 0{,}02000000
 \frac{\mathrm{B_2}}{2}\cdot2\cdot5^{-3} =  + \, 0{,}00133333
 \frac{\mathrm{B_4}}{24}\cdot2\cdot3\cdot4\cdot5^{-5} =  - \, 0{,}00001066
 \zeta(2) \approx  1{,}64493378

Diese mit wenig Aufwand gewonnene Approximation stimmt mit dem tatsächlichen Wert

 \zeta(2) = \frac{\pi^2}{6} = 1{,}644934067 \dotsc

bereits in sechs Dezimalstellen (gerundet) nach dem Komma überein.[45]

Analog kann der Dezimalwert von  \zeta(1/2) angenähert werden. Hier reicht die Wahl von  N = 4 und  m = 2 .

Term Numerischer Wert
 1^{-1/2} =  1{,}00000000
 2^{-1/2} =  + \, 0{,}70710678
 3^{-1/2} =  + \, 0{,}57735027
 \frac{4^{1/2}}{\frac{1}{2} - 1} =  - \, 4{,}00000000
 \frac{1}{2}4^{-1/2} =  + \, 0{,}25000000
 \frac{\mathrm{B_2}}{2}\cdot\frac{1}{2}\cdot4^{-3/2} =  + \, 0{,}00520833
 \frac{\mathrm{B_4}}{24}\cdot\frac{1}{2}\cdot\frac{3}{2}\cdot\frac{5}{2}\cdot4^{-7/2} =  - \, 0{,}00002034
 \zeta(1/2) \approx  - \, 1{,}46035496

Auch dieser Wert stimmt auf sechs Dezimalstellen genau.[46]

Ableitung[Bearbeiten]

Ausdruck über Dirichlet-Reihen[Bearbeiten]

Alle Ableitungsfunktionen der riemannschen Zeta-Funktion (also die erste, zweite und höhere Ableitungen) lassen sich, wie die Zeta-Funktion selbst, für komplexe Zahlen  s = \sigma + it mit  \sigma > 1 als Dirichlet-Reihen ausdrücken.

Beispielsweise bietet sich für die erste Ableitung gliedweise Differenzierung der Dirichlet-Reihe der  \zeta -Funktion an. Man erhält:

 \zeta'(s) = \frac{\mathrm{d}}{\mathrm{d}s} \left(1 + \frac{1}{2^s} + \frac{1}{3^s} + \frac{1}{4^s} + \ldots \right) = - \left(\frac{\log 2}{2^s} + \frac{\log 3}{3^s} + \frac{\log 4}{4^s} + \ldots \right) = -\sum_{n=2}^\infty \frac{\log n}{n^s}.

Somit ist ihre Ableitung die Dirichlet-erzeugende Funktion der Folge  a_n = -\log n .

Für die  k -te Ableitung gilt allgemein:

 \zeta^{(k)}(s) = (-1)^k \, \sum_{n=2}^\infty \frac{(\log n)^k}{n^s}.

Dies folgert man leicht über den folgenden Rechenweg unter Ausnutzung der Ableitungseigenschaften der Exponentialfunktion:

 \zeta^{(k)}(s) = \frac{\mathrm{d}^k}{\mathrm{d}s^k} \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^s} = \sum_{n=1}^\infty \frac{\mathrm{d}^k}{\mathrm{d}s^k} e^{- s\log n} = \sum_{n=1}^\infty (- \log n)^k\ e^{- s\log n} = (-1)^k\sum_{n=2}^\infty \frac{(\log n)^k}{n^s}.

Die Eigenschaft der Holomorphie in ganz  \mathbb{C} \setminus \{1\} wird von der Zeta-Funktion auch auf ihre Ableitungen übertragen. Das bedeutet, dass sich für jede (auch höhere) Ableitungsfunktion der Zeta-Funktion auch eine analytische Fortsetzung finden lässt, die über den Definitionsbereich der Dirichlet-Reihen hinaus geht.

Weitere Ausdrücke[Bearbeiten]

Eine weitere Formel für die Ableitung der  \zeta -Funktion lässt sich mittels logarithmischer Ableitung gewinnen, also über die Identität:

 \frac{\left( \prod_k f_k\right)'}{\prod_k f_k} = \sum_k \frac{f'_k}{f_k}

Setzt man hier  f_k = \frac{1}{1 - \frac{1}{p_k^s}} für die  k -te Primzahl (Euler-Produkt), ergibt sich:

 \zeta'(s) = - \zeta(s) \sum_{p \ \mathrm{prim}} \frac{\log p}{p^s - 1} = - \zeta(s) \left( \frac{\log 2}{2^s - 1} + \frac{\log 3}{3^s - 1} + \frac{\log 5}{5^s - 1} + \frac{\log 7}{7^s - 1} + \ldots \right).

Für eine numerische Berechnung in ganz  \mathbb{C}\setminus \{ 1 \} eignet sich:

 {\zeta'(s) = 2^{s-1}\left(\frac{\log 2}{s-1} -\frac{1}{(s-1)^2} + \int \limits_0^\infty \frac{2 \arctan t \cdot \cos(s \arctan t) + \log \frac{4}{1 + t^2} \cdot \sin(
    s \arctan t)}{(1 + t^2)^{\frac{s}{2}} \cdot (e^{\pi t} + 1)} \mathrm{d}t\right). }

Spezielle Werte[Bearbeiten]

Für alle negativen ganzen Zahlen  -2n = -2, -4, -6, -8, \dotsc erhält man insbesondere:

 \zeta'(-2n) = (-1)^n \frac{\zeta(2n+1) (2n)!}{2^{2n+1}\ \pi^{2n}}.

Daraus ergeben sich unter anderem die Werte:

 \zeta'(-2) = - \frac{\zeta(3)}{4\pi^2}, \quad \zeta'(-4) = \frac{3 \zeta(5)}{4\pi^4}, \quad \zeta'(-6) = - \frac{45\zeta(7)}{8\pi^6}.

Andere Werte sind:

 \zeta'(0) = - \frac{1}{2} \log 2\pi, \quad \zeta'(-1) = \frac{1}{12} - \log A,

wobei  A hier die Glaisher-Kinkelin-Konstante bezeichnet.

Stammfunktion[Bearbeiten]

Eine Stammfunktion der  \zeta -Funktion ist gegeben durch:

 \int \zeta(s) \, \mathrm{d}s = s - \sum_{n=2}^\infty \frac{1}{n^s \log n} + C.

Verallgemeinerungen und andere Zeta-Funktionen[Bearbeiten]

Es wurden diverse Funktionen betrachtet, deren Definition der der riemannschen Zeta-Funktion ähnelt, diese wurden dann auch „Zeta-Funktion“ mit dem Namen ihres „Entdeckers“ genannt. Insbesondere sei hier auf die dedekindsche Zeta-Funktion, die hurwitzsche Zeta-Funktion und die lerchsche Zeta-Funktion verwiesen, siehe auch Liste aller Zeta-Funktionen. Ähnlich definierte „verallgemeinerte Zeta-Funktionen“ werden auch in der theoretischen Physik verwendet, und zwar im Zusammenhang mit der systematischen sogenannten semiklassischen Näherung quantenmechanischer Resultate.

Literatur[Bearbeiten]

Zur Mathematik:

Zur Geschichte:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Riemannsche ζ-Funktion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Die folgenden Arbeiten sind englisch, aktuell und verschaffen einen schnellen Überblick:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Holger Reeker: Eulerprodukte von zwei-variablen Zetafunktionen (PDF; 374 kB), 10. Oktober 2012, Seite 6 ff.
  2. Aleksandar Ivic: The Riemann Zeta-Function, Dover, ISBN 978-0-486-42813-0, Seite 4
  3. Julian Havil: Gamma. Springer-Verlag Berlin et al. 2007, ISBN 978-3-540-48495-0, Seite 290
  4. H. M. Edwards: Riemann's Zeta Function, Dover, ISBN 978-0-486-41740-0, Seite 16
  5. Julian Havil: Gamma. Springer-Verlag Berlin et al. 2007, ISBN 978-3-540-48495-0, Seite 50
  6. Julian Havil: Gamma. Springer-Verlag Berlin et al. 2007, ISBN 978-3-540-48495-0, Seite 53
  7. H. M. Edwards: Riemann's Zeta Function, Dover Verlag ISBN - 978-0-486-41740-0, Seite 1
  8. Marcus du Sautoy: Die Musik der Primzahlen. Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-34299-5, Seite 130
  9. Marcus du Sautoy: Die Musik der Primzahlen. Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-34299-5, Seite 170 ff.
  10. Jörn Steuding: On the Universality of the Riemann zeta-function (PDF; 456 kB), 11. Oktober 2012, Seite 54.
  11. Reinhold Remmert: Funktionentheorie I. Springer-Verlag Berlin et al. 1984, ISBN 3-540-12782-8, Seite 234.
  12. Roger Apéry: Irrationalité de \zeta(2) et \zeta(3). Astérisque 61, 1979, S. 11–13
  13. Matyáš Lerch: Sur la fonction ζ(s) pour les valeurs impaires de l’argument, Jornal de sciencias mathematicas e astronomicas 14, 1900, S. 65–69 (französisch; Jahrbuch-Zusammenfassung)
  14. Simon Plouffe: Identities inspired by Ramanujan Notebooks
  15. Linas Vepstas: On Plouffe’s Ramanujan Identities (PDF; 202 kB)
  16. Jonathan M. Borwein, David M. Bradley, Richard E. Crandall: Computational strategies for the Riemann zeta function (PDF; 310 kB), 11. Oktober 2012, Seite 270
  17. H. M. Edwards: Riemann's Zeta Function, Dover, ISBN 978-0-486-41740-0, Abschnitt 3.8
  18. H. M. Edwards: Riemann's Zeta Function, Dover, ISBN 978-0-486-41740-0, Seite 19
  19. H. M. Edwards: Riemann's Zeta Function, Dover, ISBN 978-0-486-41740-0, Seite 226
  20. siehe z. B. W. Merkel et al.: Factorization of Numbers with Physical Systems. In: W.P. Schleich und H. Walther (Hrsg.): Elements of Quantum Information. Wiley-VCH-Verlag, Weinheim 2007, Seite 339 bis 353
  21. Andrew Odlyzko: Table of zeros of the Riemann zeta function
  22. Julian Havil: Gamma. Springer-Verlag Berlin et al. 2007, ISBN 978-3-540-48495-0, Seite 226.
  23. Eric W. Weisstein: Divisor Function. In: MathWorld. (englisch)
  24. Holger Reeker: Eulerprodukte von zwei-variablen Zetafunktionen, S. 44-46
  25. G. H. Hardy und E. M. Wright: An Introduction to the Theory of Numbers, 5th ed. Oxford, ISBN 978-0-198-53171-5, 1979
  26. Springer: Encyclopedia of Mathematics: Mangoldt Function, 10. Oktober 2012
  27. Jonathan M. Borwein, David M. Bradley, Richard E. Crandall: Computational strategies for the Riemann zeta function (PDF; 310 kB), Seite 254.
  28. Jonathan M. Borwein, David M. Bradley, Richard E. Crandall: Computational strategies for the Riemann zeta function (PDF; 310 kB), Seite 254.
  29. Weisstein: Wolfram Mathworld: Catalan's Constant, 10. Oktober 2012
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  31. Weisstein: Wolfram Mathworld: Polygamma Function
  32. Aleksandar Ivic: The Riemann Zeta-Function, Dover, ISBN 978-0-486-42813-0, Seite 4
  33. Komaravolu Chandrasekharan: Einführung in die analytische Zahlentheorie. Springer Verlag, 1965/66, Kapitel XI, Seite 2
  34. a b c Dragan Miličić: Notes on Riemann's Zeta Function. (PDF; 121 kB)
  35. Jörn Steuding: On the Universality of the Riemann zeta-function (PDF; 456 kB), 11. Oktober 2012, Seite 3.
  36. Mathematik-Online-Kurs: Numerik - Numerische Integration der Riemannschen Zeta-Funktion
  37. Jonathan M. Borwein, David M. Bradley, Richard E. Crandall: Computational strategies for the Riemann zeta function (PDF; 310 kB), Seite 253
  38. a b Hans Rademacher: Topics in Analytic Number Theory. Springer-Verlag Berlin et al. 1973, ISBN 3-540-05447-2.
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  40. Otto Forster: Funktionalgleichung der Zeta-Funktion (PDF; 251 kB)
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