Mauser (Waffenhersteller)

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Mauser Jagdwaffen GmbH
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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1811 als Königlich Württembergische Gewehrfabrik in Oberndorf
Auflösung 2000 (Zivil) & 2004 (Militär)
Auflösungsgrund Verkauf der Zivilwaffensparte an Lüke & Ortmeier Gruppe; Integration der Militärwaffensparte in Rheinmetall
Sitz Isny im Allgäu, Deutschland
Branche Waffenhersteller, Kraftfahrzeughersteller

Mauser war einer der ältesten und international bekanntesten deutschen Waffenhersteller, insbesondere von militärischen und zivilen Handfeuerwaffen. 1999 wurde der Zivilwaffenbereich in die Mauser Jagdwaffen GmbH mit Unternehmenssitz in Isny im Allgäu abgespalten und an die Lüke & Ortmeier Gruppe verkauft. Der Militärwaffenbereich ist seit 2004 als Rheinmetall Waffe Munition GmbH Niederlassung Mauser Oberndorf ein Tochterunternehmen von Rheinmetall Defence am Mauser-Stammsitz in Oberndorf am Neckar.

Bekannteste Erfindung der Unternehmung Mauser ist das 98er-System, das am 5. April 1898 von Kaiser Wilhelm II. mit ACO (Allerhöchster Cabinetts Ordre) als Versuchswaffe für Preußen angenommen wurde. Das Modell 98 (M98) war bis 1935 Ordonnanzgewehr des deutschen Heeres, der Reichswehr und als Karabiner 98k mit 15 cm kürzerem Lauf von 1935 bis 1945 der Wehrmacht. Dieses Gewehr findet auch heute noch beim Wachbataillon der Bundeswehr Verwendung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Infanterist des Ersten Weltkriegs mit seiner Ordonnanzwaffe Gewehr 98

Franz Andreas Mauser (* 1. August 1792; † 23. Juni 1861) kam 1805 als Schuhmacher in einer Handwerkerkompanie zur württembergischen Armee nach Ludwigsburg, 1812 wurde diese Kompanie in die kurz zuvor gegründete Königl. Württ. Gewehrfabrik nach Oberndorf am Neckar verlegt, wo Mauser zunächst lederne Säbelscheiden herstellte und dann zum Büchsenmacher ausgebildet wurde. 1818 wurde die Kompanie aufgelöst und der Betrieb von Arbeitern fortgeführt. Wie auch der Vater, so arbeiteten die beiden Brüder Wilhelm (1834–1882) und Peter-Paul Mauser (1838–1914) ab 1848 bzw. 1852 in der Gewehrfabrik. 1858 schied der Vater krankheitsbedingt aus der Fabrik aus. Seit Anfang der 1860er-Jahre beschäftigten sich die Söhne neben ihrer Arbeit in der Gewehrfabrik mit der Entwicklung einer Hinterlader-Konstruktion. Ein erstes Modell fand im Jahre 1867 nur wenig Beachtung. Der Remington-Agent Samuel Norris veranlasste die Brüder, mit ihm nach Lüttich zu kommen und dort für ihn zu arbeiten. In Lüttich entwickelten sie 1868 ein Patent, nach dem das französische Chassepotgewehr für die Verwendung einer Metallpatrone abgeändert werden konnte. Ein Mauser-Norris-Versuchsgewehr der Infanterieschießschule Spandau-Ruhleben zur Aptierung des württembergischen Infanteriegewehrs von 1857 auf Hinterladung ist bis heute erhalten. 1870 kehrten die Brüder nach Oberndorf zurück.

Gewehre für Preußen und der K98[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht der Gewehrfabrik (Bildmitte) in der Ortslage Oberndorf, am gegenüberliegenden Ufer - die Fabrikantenvilla Mauser (helles Gebäude)

Die Geschichte der Mauser-Gewehre begann, als das preußische Heer mit königlichem Befehl vom 22. März 1872 ein für Zentralfeuerpatronen eingerichtetes Zylinderverschlussgewehr erhielt, das hauptsächlich von der preußischen Gewehr-Prüfungskommission (GPK) in Zusammenarbeit mit den Brüdern Mauser entwickelt worden war. Die Brüder Mauser entwickelten das Verschlusssystem. Obwohl erst 1872 angenommen, erhielt die Konstruktion bereits am 2. Dezember 1871 die Bezeichnung Modell 71 (M/71), die dann beibehalten wurde. Lediglich 8.000 Taler erhielten die Brüder dafür, wegen des in Preußen herrschenden Patentverbots erhielten sie keine Lizenzgebühren. Erst das Repetiergewehr M71/84, das als erstes deutsches Gewehr über ein Röhrenmagazin (mit einer Kapazität von zehn Schuss) verfügte, war vollkommen von Paul Mauser konstruiert.

Als die direkten Vorläufer des 98er Systems können die Systeme 1894/95/96 gelten. Entscheidender Unterschied zu dem dann 1898 eingeführtem 98er System war die Art der Schlagbolzenspannung. Während die Vorläufer als Schliessspanner ausgeführt waren, war das 98er System ein Öffnungsspanner. Über eine Spannkurve wird bei der Aufwärtsbewegung des Kammerstengels der Schlagbolzen gespannt.

Zunächst lieferte Mauser 1895 2.000 Versuchsgewehre, basierend auf dem spanischen Gewehr 1895 im Kal. 7,9m die Gewehrprüfungskommission nach Spandau. Mauser selbst präferierte zu dieser Zeit für den militärischen Einsatz kleinere Kaliber wie z. B. das Kaliber 6x58 bzw. 59. Weitere 2.185 Versuchsgewehre in kleineren Kalibern folgten. Die militärischen Entscheidungsträger wollten jedoch im Hinblick auf die erfolgreiche Nutzung und die großen Munitionsreserven bei dem bewährten Kaliber 8x57 bleiben und orderten deshalb auch das Nachfolgeinfanteriegewehr im Kal. 8x57. (dieses Kaliber ist keine Mauserentwicklung, obwohl es im angloamerikanischen Raum gerne als 8mm Mauser bezeichnet wird).

Im April 1898 schließlich wurden die ersten 20 Versuchungsgewehre Mod. 1998  im Kal. 7,9 mm ausgeliefert, in der Version mit 36 mm Hülsenkopfdurchmesser und einem Laufgewinde von 28 mm Außendurchmesser.

Die Lizenzvereinbarung für das Gewehr 98 mit Preußen datiert vom 11. November 1895, das Königreich Bayern erhielt die Mauser-Lizenz erst am 17. September 1901 für die Königlich Bayerische Gewehrfabrik in Amberg. Erst am 2. Mai 1900 hatte Prinzregent Luitpold das Gewehr 98 für die bayerische Armee als Ordonnanzwaffe angenommen. Der Grund waren die schlechten Erfahrungen mit dem Vorgänger, dem Gewehr 88 (das nicht von Mauser stammte, sondern von der GPK entwickelt worden war und daher auch den Namen Kommissionsgewehr trug). Die ersten Exemplare wurden an die kaiserliche Marine und das ostasiatische Expeditionskorps ausgegeben, das gegen den sogenannten Boxeraufstand in Marsch gesetzt worden war.

Türkenbau und Schwedenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der preußische Staat für die Entwicklung des Gewehrs 71 keine Lizenzgebühren zahlen wollte, hätte dies für das Unternehmen nach 1872 beinahe den Ruin bedeutet. Es gelang jedoch, einen Staatsauftrag des osmanischen Reiches für Schwarzpulverordonnanzwaffen zu akquirieren, so dass die Zukunft der Unternehmung zunächst gesichert war. Reine Militärwaffen wurden durch spezielle Abnahmeoffiziere des auftraggebenden Staates geprüft und abgenommen. Die türkischen Abnahmeoffiziere nahmen die Kontrolle der einzelnen Teile direkt in der Fabrik vor. Ein Wohnhaus der türkischen Abnahmekommission im orientalischen Stil, der sogenannte „Türkenbau“, erinnerte noch viele Jahre später an die Lieferaufträge der osmanischen Armee.

Als 1894 ein Kontrakt mit Schweden über die Lieferung von Karabinern für die schwedische Armee im neuen Kaliber 6,5×55 geschlossen wurde, erweiterte der sogenannte „Schwedenbau“, in dem sich heute das Museum befindet, die Mauser-Fabrikanlage. Bis zum Jahre 1900, als Schweden schließlich die Produktion ganz übernahm, lieferte Mauser noch etwa 60.000 Infanteriegewehre mit diesem Kaliber. Diese Waffen werden auch als „Schweden-Mauser“ bezeichnet.

Mauser-Waffen aus Brünn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg durften die Mauserwerke gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages keine Militärwaffen mehr herstellen. Die Produktion musste vollständig auf Jagdwaffen umgestellt werden. Auf Vermittlung eines italienischen Mitglieds der Kontrollkommission konnten jedoch die gesamten Produktionsmaschinen des Gewehrs 98 an die Československá zbrojovka in Brünn verkauft und stattdessen Maschinen für die Herstellung von Jagdwaffen angeschafft werden. In Brünn entstanden dann auf den Mauser-Maschinen das Gewehr 98 und das Gewehr vz. 24.

Wiederaufnahme der Militärwaffenproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herstellercode und Baujahr auf der Systemhülse des 98k
Verschluss-System Mauser98

Ab 1934 war auch Mauser in die (zunächst heimliche) Aufrüstung der Wehrmacht integriert. Nun wurden wieder Militärwaffen produziert, und zwar der Karabiner 98k (K98k), der 1935 zur deutschen Ordonnanzwaffe angenommen wurde. Da die Produktion zunächst unbemerkt von den Alliierten geschehen sollte, wurde jetzt nicht mehr die volle Namensbezeichnung des Werkes auf die Systemhülse gestempelt, sondern eine wechselnde Codebezeichnung, die die Identifizierung erschweren oder unmöglich machen sollte. Für die Waffenfabrik Mauser/Oberndorf waren dies die Codes S/42 K, S/42 G, S/42, 42, byf und svw.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden mehr als 5000 Zwangsarbeiter eingesetzt, um die Produktion aufrechtzuerhalten.[1]

Demontage nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklungsabteilung von Mauser war nach der Kapitulation 1945 in einem Sonderzug in Richtung "Alpenfestung" unterwegs. Dieser wurde im Ötztal von amerikanischen Soldaten aufgehalten und das Material beschlagnahmt. Die Dokumente, Fertigungseinrichtungen und Waffenteile wurden zum amerikanischen Ordnance Depot in Paris verbracht. Wegen der Bedeutung der Waffenentwicklungen wurden später von Spitzenteams der Amerikaner in Oberndorf zusätzlich Material in erheblichem Umfang eingezogen. Ab Oktober 1945 wurden mit Restbeständen für zehn Monate die Produktion für die USA weitergeführt. In Berlin produzierte Mauser ab April 1946 für die britische Besatzung. Unter französischer Verwaltung wurden im August 1946 die Konstruktionsunterlagen, Maschinen und Werkzeuge nach Mülhausen verbracht. Weil als Waffentechniker gefragt, fanden etliche Mitarbeiter mit Zustimmung der Besatzungsmächte neue Wirkungsstätten. Allein bei französischen Firmen fanden 150 Fachkräfte neue Arbeit.[2]

Im Dezember 1946 wurden die endgültige Demontage der Mauserwerke von der Militärregierung beschlossen. Die Gemeinde Oberndorf einige Banken und von dem damaligen Besitzern der Familie Quandt wurde alles versucht um dies zu verhindern und langwierig mit dem Zwangsverwalter Raymond Bouysse verhandelt. Im weiteren Verlauf wurden 700 Arbeiter entlassen und weitere 750 mit der fortgesetzten Demontage beschäftigt. Zum Schluß waren es nur noch 160 von ehemals 9000 Beschäftigten. Unter anderem wegen erheblicher Folgekosten die für die öffentliche Hand entstanden wären wurde bis 1953 verhandelt bis ein Übernahme der Vorkriegsschulden durch den Weiterbestand der Mauserwerke möglich erschien.[2]

Herstellung von Jagdwaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mauser arbeitete zunächst die Rückläufer der ausgelieferten Versuchsgewehre zu den ersten zivilen Jagdwaffen um und brachte sie auf den Markt. Diese Waffen werden als Surplus-Modelle bezeichnet und sind sehr selten.

Mauser selbst nahm also neben der militärischen Waffenproduktion unmittelbar auch eine zivile Jagdwaffenproduktion auf.

Ab 1998 existieren Belegstücke für die ersten heute als Zivilmauser bezeichneten Jagdwaffen. Mauser verwendete dafür Rohsysteme aus der allg. Systemproduktion, die dann im Bereich Jagdwaffenproduktion mit geringeren Toleranzen und höherer Oberflächengüte als die Systeme der militärischen Fertigung weiter verarbeitet wurden. Sie erhielten zudem andere Kammerstengel mit dem für Zivilmauser bis heute charakteristischen birnenförmigen Abschluss.

Alle Systeme der zivilen Produktion wurden fortlaufend durchnummeriert. Diese Nummernfolge endet mit der Nummer 126.417 für die letzte bekannte Zivilmauserbüchse aus dem Oktober 1944.

Mauser produzierte die Systeme bzw. System-Lauf-Kombinationen auch für andere Waffenhersteller und Büchsenmacher, insbesondere in Deutschland und Großbritannien. Auch diese Systeme reihen sich in die fortlaufende Nummerierung der eigenen zivilen Jagdwaffen mit ein. Diese zur Weiterverarbeitung abgegebenen Systeme werden heute als „action only“ bezeichnet.

Unmittelbar nach Vorstellung dieses neuen Verschlusssystems kam es zu ersten Kontakten zu den Londoner Firma Rigby, die das Potential dieses Systems erkannt hatten. Für die damals im Vereinigten Königreich und seinen Kolonien gebräuchlichen groß-kalibrigen und großvolumigen Jagdbüchsenpatronen war das System jedoch zu kurz. So kam es bereits 1899 zur Entwicklung des sogenannten Mauser Magnum Systems mit einem um rd. 15 mm verlängertem System. Die Firma Rigby wurde der Generalvertreter von Mauser in Großbritannien und blieb dies bis 1912.

Um die Jahrhundertwende erweitere Mauser die Produktion um ein Kurzsystem für die eigenen Kurzpatronen (6,5x54 Mauser, 7x54 Mauser, 8x51 Mauser). Dieses System war rd. 15 mm kürzer als das Standardsystem und wies wieder die schmale Hülse und das kleinere Gewinde der Versuchsgewehre auf.

In Anlehnung an das Kurzsystem entwickelte die Suhler Firma Schmidt und Habermann mit dem Mod. 21 ein eigenes Kurzsystem, welches in Abmessung und Ausführung sich an dem Mauser Kurzsystem orientierte. 

Speziell auf Wunsch der Firma Rigby wurde um die Jahrhundertwende ein weiteres System eingeführt, dass sich in der Gesamthülsenlänge nicht vom Standardsystem unterschied, jedoch eine 5 mm kürzere Kammer und dementsprechend einen 5 mm nach hinter verlängerten Hülsenkopf bei Verwendung eines (längeren) 25 mm Gewindes. Dieses System wird als „Intermediate-System“ bezeichnet. Der Vorteil liegt in einem kürzeren Repetierweg. Die Firma Rigby hat dieses System speziell für die Patrone .275 Rigby geordert, die identisch mit der Mauser Patrone 7x57 ist. Mauser selbst hat dieses System dann ebenfalls  für eigene Jagdwaffen im Kal. 7x57 verwendet. Bekannter ist das System dann jedoch durch die Verwendung in der militärischen Infanteriewaffenproduktion geworden. Mauser hat für den Exportauftrag für das türkische Militär 1903 und das peruanische Militär 1909 dieses System verwendet.

System dieser Waffen stellen heute das non-Plus-Ultra für hochwertige Jagdwaffenumbauten dar.

Speziell für die Patrone .303 British wurde dieses Intermediate-System im Auftrag von Rigby dann nochmal modifiziert. Es erhielt eine 5 mm kürzere Verschlusshülse und eine speziell für die Randpatronen .303 British gefertigten, rückwärts angeschrägten Magazinkasten. Dieses System wird als Short Intermediate-System bezeichnet.

Die genannten Systeme wurden zum Teil in vier verschiedenen Systemmodifikationen gefertigt. Neben den normalen Systemausführungen (runde Hülse, Daumenloch) wurden Single Square Bridge (Hülsenbrücke mit quadratischer Erhöhung) und Double Square Bridge Ausführungen (Hülsenbrücke und Hülsenkopf mit quadratischer Erhöhung) produziert, letztere wiederum in den Variationen mit und ohne Daumenloch. Die Single Square Bridge konnte dabei mit der Verriegelung für die Mauser Einhakmontage vorgesehen werden.

Die genannten unterschiedlichen Systeme wurden mit verschiedenen Magazinformen kombiniert.

Zunächst wiesen auch die zivilen Jagdwaffen von Mauser die von den militärischen Systemen bekannten Bodengruppen mit einem nicht ohne Hilfsmittel zu öffnenden, losen Magazindeckeln auf.

In der Mitte des ersten Jahrzehnts des letzten Jahrhunderts tauchen erstmals Magazindeckel mit drehbaren Hebeln auf. Bei diesen ersten Versionen ließ sich nach linksseitigem Ausschwenken des Hebels der gesamte Magazindeckel entnehmen, eine Lagerung mit einem Scharnier gab es zunächst nicht. Denkbar ist es, dass diese Konstruktion keine mausereigene Entwicklung war, sondern vielmehr eine Entwicklung Suhler Büchsenmacher, die zu dieser Zeit Repetierbüchsen auf Basis von original Mausersystemen (action only) in großer Stückzahl fertigten. Sie ersetzten die damals ausgelieferten militärischen Magazindeckel durch diese leichter entnehmbare Variante.

Ab 1908 tauchen dann auch die mit Schwenkhebel ausgestatteten Magazindeckel mit Scharnierlagerung auf.

Ab Mitte der 1910er Jahre wurden dann Magazindeckel mit einem in die Abzugsbügel integrierte Drücker verbaut. (Diese waren bereits im Jahr 1909 auch bei den Infanteriegewehren für Argentinien zur Anwendung gekommen).   

Mauser verbaute die Systeme in sieben unterschiedlichen Jagdwaffenausführungen.

Die Modellreihe „B“ war die häufigste und verbreitetste Büchsenvariante und zeichnete sich durch einen schlanken Nussbaum-schaft und Fischhaut nur am Pistolengriff, Lauflängen von 60 cm und birnenförmigen Kammerstengeln aus.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg kamen die ersten Stutzen auf den Markt. Diese wiesen Lauflängen von 50 cm und einen Ganzschaft mit Metallabschluss und zunächst auch birnenförmigen Kammerstengeln auf. Nach dem 1. Weltkrieg wurden die Stutzen in zwei Ausführungen weiter produziert. Der bereits vor dem Krieg eingeführte Stutzen mit Ganzschaft und Metallabschluss an der Mündung erhielt nun einen Kammerstengel in Anlehnung an die Mannlicher-Schönauer-Systeme mit einem flach geschweiften Kammer-stengel („Butterknife“). Diese Variante wurde fortan als M-Modell bezeichnet.

Daneben stand das S-Modell mit einem Ganzschaft ohne Metallabschluss und einem herausgearbeiteten Schnabel im vorderen Schaftbereich. Diese Variante wurde mit birnenförmigen Kammerstengeln produziert.

Die Modellreihe „A“ (bzw. mauserintern auch als „E“ bezeichnet) waren die hochwertigeren Jagdwaffen, die überwiegend für den Export gedacht waren. Sie wurden kurz vor dem 1. Weltkrieg vorgestellt. Die mit diesen Waffen entwickelten stilistischen Merkmale und Proportionen sind bis heute maßgebend für den Bau exklusive handgefertigter Repetierbüchsen auf Mauser 98 Basis. Die Waffen wiesen bessere Schäfte mit Edelholzabschlüssen und Fischhaut an den Vorderschäften auf.

Darüber hinaus gab es in den ersten Jahren des letzten Jahrhunderts auch noch das einfache Modell C. Dieses waren Jagdwaffen, die im Wesentlichen aus militärischen System- und Laufkomponenten mit einfachen Jagdschäften gefertigt wurden.

Das Modell „G“ war eine vollgeschäftete Büchse mit 60 cm Lauflänge.

Das Modell „L“ war die African-Rifle mit 70 cm Läufen, wahlweise auch mit Handschutz auf dem Lauf.

Neben den Original-Zivilmauserbüchsen der Mauser Waffenwerke Oberndorf hatten bereits vor dem 1. Weltkrieg alle namhaften deutschen Jagdwaffenproduzenten Repetierbüchsen auf Basis originaler Mauer 98 Systeme (action only) im Programm (Sauer&Sohn Suhl, Krieghoff, Merkel, Greifelt und andere).

Aber auch die meisten anderen Büchsen auf 98-Basis aus dieser Zeit stammten aus Suhl, wo andere Händler sich ihre Waffen (gleich mit Händlersignatur) fertigen ließen.

Neben einfachen Ausführungen mit runden Läufen waren in dieser Zeit insbesondere die von diesen Herstellern gefertigten hochwertigen Ausführungen stilprägend. Sie waren häufig mit Läufen ausgestattet, die eine achtkantige in rund übergehende Laufkontur aufwiesen. Diese Läufe waren aus dem vollen Rohling gefräst, also Schiene, Kornsattel und Laufhaken für die Verriegelung im Vorderschaft wurden aus dem „Vollen“ gefräst.

Diese Repetierbüchsen stellen bis heute hinsichtlich ihrer fertigungstechnischen und handwerklichen Ausführungen den Zenith des Repetierbüchsenbaus dar.

Nach dem 1. Weltkrieg stellten viele Hersteller ihre Repetierbüchsenproduktion auf die nun zahlreich und kostengünstig zur Verfügung stehenden Mausersysteme militärischen Ursprungs um (z. B. Sauer&Sohn Suhl).

1966 wurde von Mauser mit dem M66 ein spezielles Repetiersystem für Jagdwaffen eingeführt. Konstruiert wurde dieses System von Walter Gehmann, einem Waffenhändler, international profilierten Sportschützen und späterem Sportfunktionär aus Karlsruhe. Das M66 bestand aus zwei Teilen: der Drehkammer, ähnlich der im G98 verwendeten, und einem zusätzlichen Schlitten auf einer Führungsschiene. Beim Öffnen bewegten sich Kammer und Schlitten zunächst gemeinsam nach hinten. Dann blieb der Schlitten stehen, und die Kammer glitt weiter heraus, bis der Verschluss vollständig geöffnet war. Diese Teleskopbauweise aus zwei nacheinander heraus- und hineinfahrenden Verschlussteilen erlaubt – bei gleicher Munitionsart – eine um etwa 6 cm kürzere Bauweise als beim M98.

1996 wurde mit dem M96 ein Geradezugrepetierer eingeführt, bei dem für den Repetiervorgang der Kammerstängel nicht mehr angehoben werden muss. Ein einfacher Zug nach hinten reicht aus, um zu repetieren. Die Waffe setzte sich aber gegenüber den Konkurrenzprodukten, allen vorweg dem Geradezugrepetierer R93 der Unternehmung Blaser, nicht durch.

2003 folgte schließlich das M03-System, das die Vorteile des M98 in einer modernen Konstruktion in die heutige Zeit mit übernahm. Vorteilhaft am M03 ist insbesondere, dass der Waffenbesitzer verschiedene Läufe in verschiedenen Kalibern nutzen kann und beim System nur den Verschlusskopf auf der Kammer auswechseln muss sowie eine erhöhte Sicherheit der Waffe in fertiggeladenem Zustand durch das Entspannschloss, das ein Entspannen des Schlagbolzens auch mit einer Patrone im Patronenlager erlaubt.

Die Jagdgewehre wurden bis 1999 in den Mauserwerken in Oberndorf am Neckar produziert. Die Markenrechte für Mauser-Jagdwaffen wurden 2000 an die Unternehmer Michael Lüke und Thomas Ortmeier veräußert. Heute werden Mauser-Jagdwaffen im Blaser-Werk in Isny im Allgäu hergestellt. Hinter Mauser-Jagdwaffen, den Mitbewerbern Blaser-Jagdwaffen und J. P. Sauer & Sohn nebst Pistolenhersteller SIG Sauer steht die L & O Holding, zu der bis ins Jahr 2006 auch das Handelsunternehmen für „Jagd und Natur“ Kettner und der Sportpistolenhersteller SIG Hämmerli gehörten.

Militärwaffen ab 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Militärbereich konnte Mauser nach dem Zweiten Weltkrieg keine Infanteriewaffen mehr an die Bundeswehr liefern, diese Rolle hatte Heckler und Koch übernommen. Dafür konnte Mauser Aufträge für Mauser BK-27-Bordkanonen von Kampfflugzeugen bekommen, zum Beispiel für den Eurofighter Typhoon.

2004 gingen die Mauser-Werke in der neu gegründeten Rheinmetall Waffe Munition GmbH auf, die Marke existiert jedoch weiterhin.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karabiner 98k[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrscheinlich ist der Karabiner 98 eines der zwei am häufigsten gebauten Militärgewehre der Welt, Schätzungen gehen bis zu 100 Millionen gebauten Exemplaren, jedoch sind die genauen Zahlen nicht feststellbar.

Die jedoch eher mäßigen ballistischen Eigenschaften des Gewehrs 98 und des Karabiners 98 resultieren aus der Tatsache, dass das Kaliber eigentlich zu groß ist und die Patronenlager öfter verändert wurden (Umstellung von Rundkopf auf Spitzgeschoss, dann Gewichtsveränderungen beim Geschoss, auch das Kaliber wurde von 8,1 auf 8,2 mm vergrößert). Die Entscheidung für das Laufkaliber 7,9 mm fiel alleine deshalb, weil noch vom Gewehr 88 reichlich Munition vorhanden war, die man weiterverwenden wollte. Das Gewehr 88 seinerseits war für das Kaliber 8 mm eingerichtet worden, weil auch das frühere französische Lebel-Gewehr dieses Kaliber hatte. Nach dem lange vorherrschenden Kaliber 11 mm erschienen 8 mm als unterste Grenze für Schwarzpulvergewehre (8×50R Kropatschek und 8×58RD) und war das modernste Kaliber, als in Frankreich begonnen wurde, erstmals Nitropulver einzuführen. Als nun die Entscheidung anstand, ob das Gewehr 98 zur Ordonnanz angenommen werden sollte, setzte sich vor allem Paul Mauser für eine Kaliberverkleinerung ein, da er in Spanien 1893 mit dem Ordonnanzkaliber 7 mm (7×57) gute Erfahrungen gemacht hatte und auch Schweden mit der Mauserwaffe im Kaliber 6,5 mm sehr zufrieden war.

Das schwedische Infanteriegewehr 1896, typisch ist die gerändelte Schlagbolzenmutter

Die schwedische 6,5-mm-Patrone (entwickelt von einer schwedisch-norwegischen Kommission in Zusammenarbeit mit den Brüdern Mauser) hat eine viel bessere Eigenpräzision als die deutsche 8×57 I (zu diesem Zeitpunkt noch mit Rundkopfgeschoss von 14,7 Gramm Gewicht, erst ab 1905 mit Spitzgeschoss als 8 × 57 IS mit 10,2 Gramm). Paul Mausers Versuche gingen bis hinunter zu einem 5-mm-Geschoss, er fand jedoch bei der GPK kein Gehör. Unglücklicherweise verführte die Rasanz der Patrone 8×57IS dazu, dass das Visier von der Mindestentfernung von 200 Metern auf 400 Meter abgeändert wurde. Dies machte sich negativ allerdings erst im Ersten Weltkrieg bemerkbar, als man feststellte, dass sie viel zu groß gewählt worden war und die Soldaten gezwungen waren, die unmöglichsten Haltepunkte zu wählen. In völliger Verkennung der militärischen Gegebenheiten wurde die GPK durch die Rasanz (flache Flugbahn) der 8 × 57IS dazu verleitet, als geringste Visierentfernung 400 Meter zu wählen, da man annahm, in künftigen Kriegen würden die Kämpfe auf weitere Distanzen geführt werden als bisher. Auch ist die Ausführung des Visiers (Kimme in V-Form, Dachkorn) nicht augenfreundlich ausgeführt. Diese Kritikpunkte sind allerdings nicht dem Konstrukteur anzulasten, sondern den Militärbehörden. Positiv fällt allerdings ins Gewicht, dass das Mausersystem mit hohem Druck des abbrennenden Pulvers (bis 10.000 bar) besser zurechtkommt als konkurrierende Systeme und so auch für stärkere Patronen, wie sie sich bei der Großwildjagd empfehlen, seine Verwendung finden kann. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das System über drei Warzen verriegelt, wovon zwei in die Systemhülse eingreifen und die dritte in die Hülsenbrücke, die dritte ist noch dazu ganz leicht nach hinten versetzt und tritt somit erst in Funktion, wenn die beiden anderen versagen sollten.

Vornehmlich wurde dieses System, das ein schon beim Öffnen spannender Drehkammerverschluss ist, für Militärwaffen eingesetzt. Die Waffen mit 98er-System wurden im Ersten und Zweiten Weltkrieg in Deutschland geführt, vor allem das Gewehr 98 und der Karabiner 98k. Beide Waffen wurden in unzähligen Versionen hergestellt und später auch von vielen anderen Firmen nachgebaut und variiert.

Das System erwies sich als so zuverlässig und fehlerfrei, dass es bis heute in Jagd- und Sportwaffen verwendet wird. Für Jagdrepetierer werden sogar noch oft Originalsysteme aus alten Militärwaffen der Weltkriege wieder aufbereitet und verwendet.

Waffen für die Großwildjagd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Großwildjäger in Afrika benutzen seit über einhundert Jahren das Mauser-98er-System in der verlängerten, sog. „Magnum“-Ausführung mit langem Auszieher, da es einfach aufgebaut ist, zuverlässig mit verschiedenen Munitionssorten auch unter extremen klimatischen Bedingungen funktioniert und vor allem unempfindlich gegen Verschmutzungen ist. Ohne Werkzeug und mit nur wenigen Handgriffen lässt sich ein M 98 zur Reinigung zerlegen und wieder zusammensetzen. Viele Hersteller modifizieren allerdings die sperrige Sicherung, welche die niedrige Montage eines Zielfernrohres beeinträchtigen kann. Verschiedene Hersteller haben über die Jahrzehnte diverse eigene Varianten des Systems entwickelt, die bis heute aus moderner Fertigung oder antiquarisch beschafft Verwendung bei Großwildrepetierern finden.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mauser-Einspurauto von 1923

Das Unternehmen wurde 1920 auf den Einspurwagen von Gustav Winkler aufmerksam, übernahm und verbesserte die Konstruktion, und stellte anlässlich der Berliner Automobil-Ausstellung 1921 das Mauser Einspurauto 2/6 PS vor.

Es war ein Auto auf zwei Rädern, eines vorne, eines hinten, sowie zwei seitlichen Stützrädern, die während der Fahrt hochgeklappt wurden. Der Einzylindermotor mit anfangs 496 cm³, später 510 cm³ Hubraum leistete 6 PS. Die Serienproduktion dieses Modells lief von 1923 bis 1925, einige weitere Fahrzeuge wurden noch bis 1927 produziert. Außerdem gab es zwei konventionelle Modelle, den 6/24 PS Typ M 6 von 1923 bis 1926, und dessen Nachfolger, den 6/24 PS Typ M 7 von 1926 bis 1927. Hier trieb ein vorne eingebauter Vierzylindermotor mit 1.568 cm³ Hubraum und 24 PS über einen Kardanantrieb die Hinterräder an. 1927 wurde die Produktion eingestellt. Die Unternehmung Winkler bot das Winkler Einspurauto noch bis 1929 an.

Werkzeuge und Messwerkzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messschieber von Mauser

Mauser war ab 1920 ebenfalls Entwickler und Hersteller verschiedener Messwerkzeuge wie Mikrometern oder Messschiebern. Diese Messwerkzeuge wurden zum Beispiel auch unter dem Namen Scherr-Tumico für den US-amerikanischen Markt produziert. Mauser meldete im Zeitraum von 1922 bis 1996 über 200 Patente für Handwerkzeuge und Messwerkzeuge an, darunter unter anderem mehrere Patente für „verstellbare Schraubenschlüssel“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen. 1871–1945. 4. Auflage. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-87943-350-X.
  • Wolfgang Seel: Mauser. Von der Waffenschmiede zum Weltunternehmen. Stocker-Schmid, Dietikon-Zürich 1986, ISBN 3-7276-7068-1.
  • David Th. Schiller, Matthias Recktenwald: Einmal um die ganze Welt. Die Mauser-Waffen. In: Ulrich Eichstädt (Red.): Ordonnanz-Gewehr. Das grosse Sonderheft über militärische Langwaffen. Repetierer & Selbstlader, Schiessen & Sammeln, Geschichte & Entwicklung. Visier-Verlag, Nassau u. a. 1996, ISBN 3-931190-04-8, (Visier Special 5), S. 18–39.
  • Dieter Storz: Gewehr & Karabiner 98. Die Schußwaffen 98 des deutschen Reichsheeres von 1898 bis 1918. Herausgegeben von Ernst Aichner. Militaria, Wien 2006, ISBN 3-902526-04-1, (Kataloge des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt 4).
  • Werner Oswald: Deutsche Autos 1920–1945. Alle deutschen Personenwagen der damaligen Zeit. 10. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-87943-519-7.
  • Oldtimer Markt 12/1984, ISSN 0943-7320, S. 56 und 8/2009, S. 166.
  • Frères, G. 1998: Mauser-Gewehr 98 - Das Jahrhundertwerk. DWJ 1/98 – 4/98.
  • Speed, J., Schmid, W. und Herrmann, R. 1997: Original Oberndorf Sporting Rifles. Collector Grade Publications.
  • Speed, J. 2007: The Mauser Archive. Collector Grade Publications.
  • www.zeughaus-goettingen.de
  • Joachim Scholtyseck: Der Aufstieg der Quandts: Eine deutsche Unternehmerdynastie, Kapitel „Der schwierige Neubeginn der Tochterunternehmen Mauserwerke und MfM“ C.H.Beck, 2011, ISBN 978-3-406-62252-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mauser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Wolf: Mit Messwerkzeugen hält sich Mauser nach dem Krieg über Wasser. In: König gibt Startschuss zur Waffenproduktion. Schwarzwälder Bote, 31. Juli 2011, abgerufen am 24. Februar 2014.
  2. a b Joachim Scholtyseck: Der Aufstieg der Quandts: Eine deutsche Unternehmerdynastie, Kapitel „Der schwierige Neubeginn der Tochterunternehmen Mauserwerke und MfM“