Bundesautobahn 47

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Bundesautobahn 47 in Deutschland
Bundesautobahn 47
Karte
Verlauf der A 47
Basisdaten
Betreiber: DeutschlandDeutschland Bundesrepublik Deutschland

Bundesland:

Nordrhein-Westfalen

Status: teilweise als B55 & B61 ausgeführt

Bundesautobahn 47 (Abkürzung: BAB 47) – Kurzform: Autobahn 47 (Abkürzung: A 47) – war die mit Wirkung ab 1. Januar 1975 eingeführte Bezeichnung einer geplanten regionalen Schnellstraßenverbindung, die von Bielefeld (A 35) über Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück (A 2), Lippstadt zur Anschlussstelle Erwitte/Anröchte (A 44) verlaufen sollte.[1][2][3] In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre war zudem die Fortführung der A 47 bis nach Herford mit Anschluss an die B 239 vorgesehen.[4][5] Ein Teil der geplanten A 47-Trasse wurde im Zuge des Ausbaues der Bundesstraßen 55 und 61 realisiert. Die A 47 ist nicht identisch mit der „Werretalautobahn“.

Planungsgeschichte und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anfang der 1970er Jahre aufgestellte Plan zum Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 sah den autobahnähnlichen Neubau der Bundesstraßen 55 und 61 im Abschnitt Herford – Bielefeld – Gütersloh – Rheda-Wiedenbrück – Lippstadt – Raum Anröchte vor. Dabei sollte die B 61 bei Wittel von der zunächst unter der internen Bezeichnung „Autobahn 100“, später als A 5 geplanten Strecke BremenGießen abzweigen. Nördlich Herford war der Abzweig der ebenfalls autobahnähnlich auszubauenden B 239 nach Kirchlengern vorgesehen. Auf gemeinsamer Trasse für die B 61 und die B 239 war die Ortsumfahrung Herford geplant. Südlich Herford sollte die vierstreifige B 239 in Richtung Detmold und Horn-Bad Meinberg geführt werden, die B 61 weiter nach Bielefeld. In Bielefeld war ein Knoten mit der autobahnähnlich zu errichtenden B 66 geplant, die später als A 35 bezeichnet wurde. Bei Brackwede war ein Kreuz mit der vierstreifigen B 68n vorgesehen, der heutigen A 33. Im Zuge der nordwestlich anzulegenden Ortsumgehung Gütersloh sollte die autobahnähnliche B 513 nach Münster abzweigen, die später als Verlängerung der A 43 bezeichnet wurde. Bei Wiedenbrück war das Kreuz mit der A 2 angelegt. Südlich Wiedenbrück sollte die B 55 nahtlos den Streckenzug der B 61 aufnehmen und über die bereits fertiggestellte OU von Lippstadt zur damals als Autobahn 16 bezeichneten, heute als A 44 benannten Strecke bei Anröchte führen.[6] Mit der ab 1. Januar 1975 eingeführten neuen Nummerierung der Bundesautobahnen wurde jedoch lediglich der Abschnitt Bielefeld – Gütersloh – Rheda-Wiedenbrück – Lippstadt – Anröchte als A 47 bezeichnet. Für die nördlich Bielefeld gelegenen Teile der B 61 war zwar weiterhin die Ausführung als Bundesautobahn vorgesehen, jedoch zunächst nicht im Zuge der A 47. Erst in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wurde der Abschnitt Bielefeld – Herford ebenfalls als A 47 in Planungen bezeichnet.

Südlich der AS Erwitte/Anröchte war erstmals mit dem Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 (BGBl. 1976, Teil I, S. 2093) ein durchgängiger zweistreifiger Neubau als B 55n von Anröchte über Warstein, Meschede, Lennestadt bis in den Raum Kreuztal (direkter Anschluss an die Hüttentalstraße) vorgesehen. Eine Ausführung als A 47 sollte hingegen nicht erfolgen.

Die A 47 war damit nahezu durchgängig als eine parallel zu vorhandenen oder noch zu errichtenden Bundesautobahnen verlaufende Strecke angelegt. Zwischen Bielefeld, Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück verlief die Trasse als Parallelautobahn zur A 2. Für den Abschnitt zwischen Rheda-Wiedenbrück und Erwitte/Anröchte gab es im Netzplan die parallel geplanten Autobahnen 5, 33 und 445, wobei diese in deutlich größerer Entfernung lagen, als die A 2 im Bereich Gütersloh - Bielefeld. Die Planung einer Autobahn mitten durch eine Großstadt entsprach der Verkehrspolitik der 1960er Jahre und spiegelte sich im Generalverkehrsplan der Stadt Bielefeld aus dem Jahre 1971 wider.[7] Begünstigt wurden diese Planungen durch die stadtferne Trassierung der A 2 HannoverRuhrgebiet, wie sie in den 1930er Jahren erfolgt war.

Die A 47 wurde schließlich im Stadtgebiet Bielefeld bis nach Brackwede autobahnähnlich als B 61 (Ostwestfalendamm) zwischen 1977 und 2012 und trotz erheblicher Proteste realisiert. Insbesondere Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre rief der Bau der B 61 Widerstand hervor. Es wurden der Abriss von Häusern in einer angespannten Wohnungssituation, die zusätzlichen Lärm- und Abgasemissionen, die Zerschneidung gewachsener urbaner Räume und die Fortsetzung einer einseitigen Verkehrspolitik kritisiert. Letztlich wurde in der Durchführung des Projektes auch die Ursache für den Einzug der „Bunten Liste“ in das Bielefelder Stadtparlament gesehen.[8][9][10]

Verwerfen der Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesverkehrswegeplan 1980 spiegelte die veränderte Verkehrspolitik in der Bundesrepublik Deutschland wider. Diese stand nunmehr unter dem Einfluss anhaltender Bürgerproteste gegen Autobahnneubauten und finanzieller Sachzwänge. Im Straßenbaubericht 1980 der Bundesregierung heißt es, dass die Vorhaben „den veränderten Bedingungen, insbesondere dem gegenwärtigen und künftig zu erwartenden Finanzrahmen angepaßt werden“ müssen. Als Prioritäten gelten nunmehr die stärkere Berücksichtigung der umwelt- und energiepolitischen Ziele, die Intensivierung des Dialogs mit dem Bürger, die Vermeidung von Parallelplanungen, der Vorrang von Investitionen zur Substanzerhaltung und die Modernisierung des vorhandenen Netzes einschließlich der Erhöhung der Sicherheit vor reinen Neubaumaßnahmen.[11] Das Zweite Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 vom 25. August 1980 (BGBl. 1980, Teil I, S. 1614) führte zur Streichung der A 47 aus dem Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen. Enthalten waren lediglich noch folgende Projekte:

Kurzbezeichnung Abschnitt Ausbau Stand
B 55 OU Erwitte zweistreifig Stufe I)
B 61 OU Rheda-Wiedenbrück, südlicher Bauabschnitt vierstreifig in Bau
B 61/B 64 OU Rheda-Wiedenbrück, nördlicher Bauabschnitt zweistreifig Stufe I
B 61 OU Gütersloh zweistreifig Stufe II
B 61 OU Ummeln zweistreifig Stufe I)
B 61 Brackwede - Bielefeld vierstreifig in Bau
B 61 Bielefeld - Herford zweistreifig Stufe I

Während die A 47 im Bedarfsplan nicht mehr enthalten war, fand sich weiterhin die Planung einer B 55n als zweistreifiger Neubau Anröchte - Warstein - Meschede - Lennestadt - Raum Kreuztal.

Auch der Bundesverkehrswegeplan 1985 sah die A 47 nicht mehr vor. Das Dritte Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen vom 21. April 1986 (BGBl. 1986, Teil I, S. 557) enthielt nur noch folgende Vorhaben:

Kurzbezeichnung Abschnitt Ausbau Stand
B 55 OU Erwitte zweistreifig vordringlicher Bedarf
B 61/B 64 OU Rheda-Wiedenbrück, nördlicher Bauabschnitt zweistreifig laufendes Vorhaben
B 61 OU Ummeln zweistreifig vordringlicher Bedarf
B 61 Brackwede - Bielefeld vierstreifig laufendes Vorhaben
B 55 OU Lippstadt, südlicher Bauabschnitt vierstreifig weiterer Bedarf

Auch die B 55n zwischen Anröchte und dem Raum Kreuztal wurde aus der Vorhabenliste gestrichen. Stattdessen waren im weiteren Bedarf nur noch einzelne Ortsumgehungen geplant (Warstein, Bremke, westlich Lennestadt).

Fertiggestellte Abschnitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der geplanten Trasse der A 47 wurden fertiggestellt:

Abschnitt Jahr km Bemerkung
Ortsumgehung (OU) Lippstadt Mitte der 1960er Jahre 10,7 km
Erwitte (B 1) - AS Erwitte/Anröchte 1975 2,5 km
Bielefeld - Brackwede 1977 ca. 3,3 km
Ostwestfalendamm in Bielefeld 1986 3,5 km; B 68 - Brackwede
Zubringer A33 - Brackwede 2012 1,3 km
Abschnitt Rheda-Wiedenbrück 1979 4,2 km
1. Bauabschnitt OU Wiedenbrück 1980 3,8 km
2. Bauabschnitt OU Wiedenbrück 1988 5,2 km davon 2,8 km auf ursprünglich geplanter A 47-Trasse; AK Rheda-Wiedenbrück - B 64

Aktuelle Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bundesverkehrswegeplan 2003 sind folgende Vorhaben enthalten, die auf der ursprünglich geplanten Trasse der A 47 liegen:

Kurzbezeichnung Abschnitt Ausbau km Stand Fertiggestellt
A 33 / B 61 Neubau Zubringer Bielefeld/Brackwede; vierstreifig 1,3 km vordringlicher Bedarf fertiggestellt
A 33 / B 61 Neubau Zubringer Bielefeld/Ummeln; zweistreifig 3,9 km vordringlicher Bedarf nicht fertiggestellt
B 55 Ausbau OU Lippstadt vierstreifig 10,7 km weiterer Bedarf nicht fertiggestellt
B 55 Neubau OU westlich Erwitte zweistreifig 7,4 km vordringlicher Bedarf nicht fertiggestellt

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Struktur und Numerierung der Bundesautobahnen. Vorgesehenes Gesamtnetz. Stand 15. Juni 1974. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau; abgerufen am 11. April 2013 (Kartenausschnitt).
  2. Netz der Bundesautobahnen und Bundesstraßen. Stand 1. Januar 1976. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau; abgerufen am 11. April 2013 (Kartenausschnitt).
  3. Unterrichtung durch die Bundesregierung. Straßenbaubericht 1975. Bundestagsdrucksache 7/5677, S. 29. Deutscher Bundestag, 7. Wahlperiode, 6. August 1976; abgerufen am 7. April 2013 (5,4 MB, PDF-Datei).
  4. Plenarprotokoll 10/104, S. 9500. Landtag Nordrhein-Westfalen, 10. Wahlperiode, 15. März 1989; abgerufen am 25. April 2013 (PDF-Datei).
  5. Stadt Bielefeld (Hrsg.): Generalverkehrsplan der Stadt Bielefeld, Fortschreibung 1976/77, Pläne. Verkehrsuntersuchung Bielefeld. Plan 41 (Straßenbauprogramm 1975-1985, Gesamtstadt) und Plan 47 (Verkehrsstraßennetz 1985, Planungsfall 5), Bielefeld o. J.
  6. Bauleistungen auf Bundesfernstraßen im Jahre 1972. Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985. Anlage zum Straßenbaubericht 1972. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau; abgerufen am 31. März 2013 (Kartenausschnitt).
  7. Ueli Haefeli: Der finanzielle Handlungsspielraum städtischer Verkehrspolitik. Eine akteurorientierte Analyse am Beispiel Bielefeld 1950 - 1994. Wuppertal Papers Nr. 85, S. 9. Wuppertal Institut fŸür Klima, Umwelt und Energie, September 1998; abgerufen am 11. April 2013 (PDF; 573 kB, Internetpublikation).
  8. WebWecker-Redaktion, Es roch nach Abriss. (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive)
  9. Verkehrsfreigabe A 33, AK Bielefeld (A 2) - AS Bielefeld/Brackwede, Pressemitteilung Nr. 288/2012. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 5. Dezember 2012, archiviert vom Original am 29. Oktober 2013; abgerufen am 15. Mai 2016 (Pressemitteilung).
  10. Dieter Gerth: Die Geschichte Bielefelds im Internet. Chronik 1949-1999 n. Chr. Abgerufen am 12. April 2013 (Internetbeitrag).
  11. Unterrichtung durch die Bundesregierung. Straßenbaubericht 1980. Bundestagsdrucksache 9/812, S. 4. Deutscher Bundestag, 9. Wahlperiode, 15. September 1981; abgerufen am 13. April 2013 (5,5 MB, PDF-Datei).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]