Juan Carlos I.

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Juan Carlos I. (Spanien))
Wechseln zu: Navigation, Suche
König Juan Carlos I. (2009)
Unterschrift von Juan Carlos I.
Ähnlich der Position der britischen Monarchin im Commonwealth of Nations, ist der spanische König Oberhaupt der Organisation der Ibero-Amerikanischen Staaten, hier gemeinsam mit dem damaligen argentinischen Präsidenten Néstor Kirchner. (2004)

Juan Carlos I. [ˈxu̯an ˈkaɾlɔs] (* 5. Januar 1938 in Rom als Juan Carlos Alfonso Víctor María de Borbón y Borbón-Dos Sicilias; die deutsche Form Johann Karl I. ist im Gegensatz zu historischen Monarchen ungebräuchlich) ist seit dem 22. November 1975 König von Spanien. Der aus dem Haus der Bourbonen stammende Monarch ist Mitglied im Club of Rome und der Bruderschaft St. Christoph.

Er ist der älteste Sohn von Juan de Borbón y Battenberg und somit Enkel von König Alfons XIII. von Spanien. Bekannt ist der spanische König vor allem für seine Rolle während der Transition in Spanien, der Übergangszeit aus der franquistischen Diktatur in die Demokratie nach dem Tode Francisco Francos.

Leben[Bearbeiten]

Für die Sicherung der Nachfolge des spanischen Diktators Francisco Franco war bereits 1947 die Wiedereinführung der Monarchie vorgesehen worden. Eigentlicher Thronfolger war Juan Carlos' Vater, Juan de Borbón; dieser war aber seit dem Tod seines seit der Zweiten Republik exilierten Vaters Alfons XIII. im Jahr 1941 von Estoril in Portugal aus insofern zum Gegenspieler Francos geworden, als dass er von diesem unablässig die Restauration der Monarchie in Spanien gefordert hatte. In einer langen Unterredung am 25. August 1948 einigten sich der Diktator und das Oberhaupt des Königshauses darauf, den ältesten Sohn Juans, Juan Carlos, durch Franco zu dessen Nachfolger ausbilden zu lassen und so die Monarchie nach Francos Tod zu restaurieren.

Juan Carlos kam daraufhin im Alter von zehn Jahren nach Spanien, wo er 1952 an der San Isidro Schule in Madrid das Abitur ablegte und danach die Militärakademien von Saragossa (allgemein, 1955–57), Marín (Provinz Pontevedra, Marine, 1957/58) und San Javier (Murcia, Luftwaffe, 1958/59) besuchte. Anschließend studierte er von 1960 bis 1961 an der Complutense Universität in Madrid (Alcalá de Henares) die Fächer Verfassungsrecht, Internationales Recht, Wirtschaftswissenschaften und Besteuerung.

Am 29. März 1956 starb Juan Carlos' 14-jähriger Bruder Alfonso im königlichen Exil in Estoril bei einem Unfall mit einer Schusswaffe.[1] Der damals 18-jährige Juan Carlos war der einzige Zeuge. Die offizielle Erklärung lautete, dass sich während der Reinigung der Waffe ein Schuss gelöst habe. Die Kugel traf Alfonso in die Stirn; er starb wenige Minuten später an den Folgen der Verletzung. Vermutlich handelte es sich bei dieser in Spanien selten erwähnten Tragödie um einen Unfall. Gerichtlich untersucht, wie auch von Juan Carlos’ Onkel Jaime, dem älteren Bruder des Vaters, gefordert, wurde der Vorfall jedoch nie. Es wurde auch nie geklärt, wer von den beiden Jugendlichen den Schuss ausgelöst hatte. Die Waffe, aus welcher der tödliche Schuss stammte, wurde von Juan Carlos' Vater Juan persönlich im Meer versenkt.[2]

Am 14. Mai 1962 heiratete Juan Carlos in Athen die Prinzessin Sophia von Griechenland. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Elena (* 20. Dezember 1963), Cristina (* 13. Juni 1965) und Felipe (* 30. Januar 1968).

Seit der Eheschließung wohnt und arbeitet die königliche Familie im Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid.

Franco setzte schließlich 1969 per Gesetz fest, dass nach seinem Tod Juan Carlos der Regierung als König vorsitzen solle. Mit dem Tod Francos am 20. November 1975 war der Weg für die Thronbesteigung durch Juan Carlos vorgezeichnet. Bereits zwei Tage nach dem Tod Francos, am 22. November 1975, wurde Juan Carlos zum König proklamiert. Aus legitimistischer Sicht wurde seine Herrschaft jedoch erst 1977 anerkannt, als sein Vater formell auf den Thron verzichtete. In seiner Thronrede betonte Juan Carlos I., dass „eine freie und moderne Gesellschaft die Beteiligung aller in den Entscheidungszentren, den Medien, den unterschiedlichen Ebenen des Erziehungswesens und der Kontrolle des nationalen Wohlstands“ erfordere[3]. Er sah sich, wie er weiter ausführte, als „König aller Spanier, Wächter der Verfassung und Kämpfer für die Gerechtigkeit“[4].

Juan Carlos’ Rolle gilt als wesentlich für die in den Folgejahren stattfindende Demokratisierung Spaniens. 1978 nahm die spanische Bevölkerung mit 88-prozentiger Mehrheit die Verfassung an, die Spanien zu einer parlamentarischen Monarchie machte. Erster Ministerpräsident des demokratischen Spaniens wurde Adolfo Suárez.

Am 23. Februar 1981 versuchten Angehörige der Armee, die der Franco-Diktatur nachtrauerten, unter General Milans del Bosch und der paramilitärischen Polizeitruppe Guardia Civil unter Oberstleutnant Antonio Tejero einen Militärputsch. Tejero stürmte dabei das Parlament, wo Leopoldo Calvo-Sotelo gerade zum Regierungschef gewählt werden sollte. Mit dem entschlossenen Auftreten des Königs als Oberbefehlshaber der Armee, der sich im Rahmen einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache eindeutig für die Demokratie aussprach und das Militär auf seine Seite zog, konnte der Staatsstreich noch in der Nacht vereitelt werden. Dieses Datum wird von den Spaniern als der „23-F“ bezeichnet.

Spanien profitierte vom EU-Beitritt im Jahr 1986 wirtschaftlich stark. 1992 eröffnete Juan Carlos als spanisches Staatsoberhaupt die Weltausstellung in Sevilla und die Olympischen Spiele in Barcelona.

Im Jahr 1995 wurde ein Attentatsplan der ETA auf den König aufgedeckt. Katalanische Separatisten sehen in Juan Carlos den Vertreter des verhassten Zentralstaates und verbrannten im Jahr 2007 Bilder des Königs. In weiten Kreisen der Bevölkerung gilt der König als Freund des direkten Wortes. Sein an Hugo Chávez gerichtetes ¿Por qué no te callas? (Warum hältst du nicht die Klappe?) auf dem Iberoamerika-Gipfel November 2007 in Santiago de Chile machte Schlagzeilen.[5]

Nach dem Finanzskandal um seine jüngste Tochter Cristina und Schwiegersohn Iñaki Urdangarin, der Elefantenjagd während der Luxussafari 2012 inmitten der Rezession, die die Affären um seine Geliebte, der deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein, ins Licht der Öffentlichkeit rückten, litt sein Ansehen sehr. Anfang 2014 waren Umfragen zufolge 62 % der Spanier für seine Abdankung und die Unterstützung für die Monarchie rutschte erstmals unter 50 %.[6][7]

Interessen und Hobbys[Bearbeiten]

Spanische Königsfamilie
Coat of Arms of Spanish Monarch.svg

SM König Juan Carlos
IM Königin Sophia

IKH Infantin María del Pilar, Herzogin von Badajoz
IKH Infantin Margarita, Herzogin von Soria

Amateurfunk[Bearbeiten]

Juan Carlos I. ist aktiver Funkamateur und Ehrenpräsident der Unión de Radioaficionados Españoles. Sein Rufzeichen ist EAØJC.

Segeln[Bearbeiten]

Ebenso ist er Segler mit eigener Yacht Bribon (51 Fuß IMS Racer) und nahm mehrfach an Regatten teil, u. a. bei der Copa del Rey vor Mallorca und am Sardinia Cup vor Sardinien. Bei den Olympischen Sommerspielen 1972 startete er im Drachen und belegte den fünfzehnten Rang.

Jäger, WWF-Ehrenvorsitzender und Kritik an der Jagd[Bearbeiten]

Juan Carlos ist Jäger. Er befand sich im April 2012 auf einem Jagdausflug in Botswana, wobei er in seiner Jagdhütte über eine Stufe stolperte und einen Hüftbruch erlitt, der im Krankenhaus in Madrid behandelt werden musste; Juan Carlos wurde eine Hüftprothese eingesetzt. Durch den Unfall wurde die Reise öffentlich bekannt. Der König wurde für seine kostspielige Reise kritisiert, insbesondere deshalb, weil sich Spanien in einer Wirtschaftskrise befindet.[8] Auch wurde bekannt, dass er Elefanten jagte.[9] Die spanische Sektion des WWF, deren Ehrenpräsident Juan Carlos ist, sammelte tausende Unterschriften per Online-Petition, die seine Absetzung als Ehrenpräsident forderte. WWF Deutschland forderte Juan Carlos auf, sein Amt niederzulegen.[10][11] Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus entschuldigte sich Juan Carlos für sein Verhalten.[12] Am 21. Juli 2012 wurde der Monarch seines Ehrenamtes enthoben, indem dieses bei einer außerordentlichen Hauptversammlung des WWF Spanien abgeschafft wurde.[13]

Titel[Bearbeiten]

Juan Carlos I. verfügt über eine auch für Monarchien ungewöhnlich lange Titelliste. Da gemäß der spanischen Verfassung auch historische und erloschene Titel aufgezählt werden, ist Seine Majestät Don Juan Carlos I. de Borbón y Borbón

Unter dieser Titulatur kommen auch habsburgische Titel vor. Diese sind ein Relikt aus der Herrschaft der Habsburger bis 1700, das von den nachfolgenden Bourbonen übernommen wurde. Außerdem ist er Träger verschiedener anderer Ordenstitel.

Ehrungen (Auszug)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Vorfahren und Nachkommen[Bearbeiten]

Ahnentafel Juan Carlos I., König von Spanien
Ururgroßeltern

Infant Franz d’Assisi von Spanien (1822–1902)
∞ 1846
Heraldic Royal Crown of Spain.svg
Königin Isabella II. (1830–1904)


Erzherzog Karl Ferdinand von Österreich (1818–1874)
∞ 1854
Erzherzogin Elisabeth Franziska Maria (1831–1903)

Prinz
Alexander von Hessen-Darmstadt (1823–1888)
∞ 1851
Gräfin Julia Hauke (1825–1895)

Prinz
Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861)
∞ 1840
Königin Victoria von Großbritannien und Irland (1819–1901)

König
Ferdinand II. beider Sizilien (1810–1859)
∞ 1832
Prinzessin Maria Christina von Savoyen (1812–1836)

Prinz
Franz de Paula von Beiden Sizilien, Graf von Trapani (1827–1892)
∞ 1850
Erzherzogin Maria Isabella von Österreich (1834–1901)

Herzog
Ferdinand Philipp von Orléans (1810–1842)
∞ 1837
Herzogin
Helene zu Mecklenburg-Schwerin (1814–1858)


Antoine von Orléans, Herzog von Montpensier (1824–1890)
∞ 1846
Infantin Maria Luisa von Spanien (1832–1897)

Urgroßeltern

Heraldic Royal Crown of Spain.svg
König Alfons XII. (1857–1885)
∞ 1879
Erzherzogin Maria Christina von Österreich (1858–1929)

Prinz
Heinrich Moritz von Battenberg (1858–1896)
∞ 1885
Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland (1857–1944)

Prinz
Alfons Maria von Neapel-Sizilien, Graf von Caserta (1841–1934)
∞ 1868
Prinzessin Maria Antonia von Neapel-Sizilien (1851–1938)

Prinz
Louis Philippe Albert von Orléans, Graf von Paris (1838–1894)
∞ 1864
Prinzessin Maria Isabella von Orléans-Montpensier (1848–1919)

Großeltern

Heraldic Royal Crown of Spain.svg
König Alfons XIII. (1886–1941)
∞ 1906
Prinzessin Victoria Eugénie von Battenberg (1887–1969)

Prinz Carlos Maria von Bourbon-Sizilien (1870–1949)
∞ 1907
Prinzessin Louise Françoise von Orléans (1882–1958),

Eltern

Juan de Borbón y Battenberg, Graf von Barcelona (1913–1993)
∞ 1935
María de las Mercedes de Borbón y Orléans, Prinzessin Beider Sizilien (1910–2000)

Heraldic Royal Crown of Spain.svg
König Juan Carlos I. von Spanien (* 1938)
∞ 1962
Prinzessin Sophia von Griechenland (* 1938)

Kinder

Elena Maria Isabel Dominica de Silos de Borbón y Grecia, Infantin von Spanien, Herzogin von Lugo (* 1963)
∞ 1995
Jaime de Marichalar y Sáenz de Tejada (* 1963)

Cristina Federica Victoria Antonia de Borbón y Grecia, Infantin von Spanien, Herzogin von Palma de Mallorca (* 1965)
∞ 1997
Iñaki Urdangarin (* 1968)

Heraldic Crown of the Prince of Asturias.svg
Felipe Juan Pablo y Alfonso de Todos los Santos de Borbón y Grecia, Fürst von Asturien, Fürst von Girona (* 1968)
∞ 2004
Letizia Ortiz Rocasolano (* 1972)

Enkel
  • Felipe Juan Froilán de Todos los Santos de Marichalar y Borbón (* 1998)
  • Victoria Federica de Marichalar y de Borbón (* 2000)
  • Juan Valentín de Todos los Santos Urdangarin y de Borbón (* 1999)
  • Pablo Nicolás Sebastian Urdangarin y de Borbón (* 2000)
  • Miguel de Todos los Santos Urdangarin y de Borbón (* 2002)
  • Irene Urdangarin y de Borbón (* 2005)
  • Infantin Leonor de Borbón Ortiz (* 2005)
  • Infantin Sofia de Borbón Ortiz (* 2007)

Gedenken[Bearbeiten]

Nach ihm benannt wurden das Mehrzweckkriegsschiff Juan Carlos I (L-61) sowie der Juan-Carlos-I.-Preis für Wirtschaftswissenschaft .

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Preston: Juan Carlos, El rey de un pueblo. Barcelona 2003.
  • José Luis de Vilallonga: El Rey. Conversaciones con D. Juan Carlos I. Barcelona 1993.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Juan Carlos I. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Tierschützer, der Elefanten jagt, in: SpiegelOnline, 15. April 2012.
  2. Vgl. Trauriger Prinz, glücklicher König. In: Berliner Zeitung vom 30. Mai 2003, abgerufen am 19. April 2012.
  3. zit. nach: Karin Schneider-Ferber, M. A., in: Geschichte 2/2001, S. 40
  4. zit. nach: Karin Schneider-Ferber, a. a. O.
  5. vgl. Spiegel-Meldung vom 11. November 2007
  6. Unterstützung sinkt unter 50 Prozent, orf.at, 7. Februar 2014
  7. Infantin Cristina sagt vor Gericht aus, SZ 8. Februar 2014
  8. vgl. Spiegel-Meldung vom 15. April 2012
  9. Kritik an König Juan Carlos' Elefantenjagd derstandard.at; Kritik an König Juan Carlos spiegel.de, abgerufen am 9. Mai 2012
  10. WWF legt König Juan Carlos Verzicht auf Ehrenamt nahe. In: RP Online vom 16. April 2012
  11. Offener Brief des Generalsekretärs der spanischen WWF-Delegation an Juan Carlos. Abgerufen am 24. April 2012 (englisch, PDF-Format; 27 kB)
  12. König Juan Carlos bittet sein Volk um Verzeihung
  13. WWF Spanien entthront König Juan Carlos. In: Spiegel Online. 21. Juli 2012.
  14. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  15. Jean Schoos: Die Orden und Ehrenzeichen des Großherzogtums Luxemburg und des ehemaligen Herzogtums Nassau in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag der Sankt-Paulus Druckerei AG. Luxemburg 1990. ISBN 2-87963-048-7. S. 344.
  16. Ansprache von Amadou Mahtar-M'Bow anlässlich der Verleihung des Simón-Bolívar-Preises, 20. Juni 1985 (PDF; 171 kB), zuletzt abgerufen: 15. Februar 2012
Vorgänger Amt Nachfolger
Francisco Franco (Diktator) König von Spanien
seit 1975 amtierend