Sanofi

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Sanofi
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Rechtsform Société Anonyme
ISIN FR0000120578
Gründung 2004
Sitz Paris FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Serge Weinberg (interim)[1]
Mitarbeiter >110.000[2]
Umsatz 32,9 Mrd. Euro (2013)[3]
Gewinn 6,7 Mrd. Euro (2013)[3]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Branche Pharma
Produkte Medikamente, Impfstoffe, MedizinprodukteVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.sanofi.com, www.sanofi.de
Stand: 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014

Sanofi (früher "Sanofi-Aventis") ist ein 2004 durch Fusion von Sanofi-Synthélabo und Aventis entstandener französischer Pharmakonzern.

Mit einem Umsatz von 32,9 Milliarden Euro im Jahr 2013[3] und mit weltweit mehr als 110.000 Beschäftigten[2] ist Sanofi am Umsatz gemessen der viertgrößte Pharmakonzern der Welt.[4] Kerngeschäft des forschenden Konzerns sind verschreibungspflichtige Medikamente für Therapie und Vorsorge weit verbreiteter Krankheiten. Für Impfstoffe ist das Unternehmen unter dem Markennamen Sanofi Pasteur Weltmarktführer. Der Unternehmensbereich Tiergesundheit firmiert unter dem Namen Merial. Die Generikasparte läuft unter Winthrop/Zentiva.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Sanofi entstand im Juni 2004 aus einer Fusion der beiden französischen Pharma-Unternehmen Sanofi-Synthélabo und Aventis und firmierte als Sanofi-Aventis. Beide Vorgängerunternehmen waren 1999 ebenfalls aus Fusionen hervorgegangen: Sanofi-Synthélabo aus den beiden französischen Unternehmen Sanofi (vorher Teil des Ölkonzerns Elf Aquitaine) und Synthélabo, das zur Kosmetikgruppe L'Oréal gehört hatte, und Aventis aus der Fusion der deutschen Hoechst AG (Frankfurt am Main) mit dem französischen Pharmakonzern Rhône-Poulenc (Lyon).

Dem Zusammenschluss unter Gleichen war im Januar 2004 ein feindliches Übernahmeangebot von Sanofi-Synthélabo an die Aventis-Aktionäre vorangegangen. Obwohl Aventis nach Umsatz mehr als doppelt so groß war wie Sanofi-Synthélabo, lag der Börsenwert beider Unternehmen vor dem Übernahmeangebot etwa gleichauf. Aventis lehnte das Angebot zunächst als unzureichend ab und suchte nach Alternativen. Nach massiven, die deutsch-französischen Beziehungen belastenden Interventionen der französischen Regierung unter Federführung des damaligen frz. "Superministers" für Wirtschaft, Finanzen und Industrie, Nicolas Sarkozy, einigten sich beide Unternehmen am 26. April 2004 schließlich auf ein verbessertes Angebot, das bis August 2004 von über 95 % der Aventis-Aktionäre angenommen wurde.[6] Um Befürchtungen in der deutschen Öffentlichkeit zu zerstreuen, sicherte das Management des neuen Unternehmens den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und Standortstillegungen zu. Nach der Fusion wurde an der Frankfurter Wertpapierbörse die Notierung der Aktien des einstmals größten deutschen Pharmaunternehmens Hoechst AG im Dezember 2004 eingestellt.

Am 29. August 2010 erklärte Sanofi-Aventis, das amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Genzyme für 18,5 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen. Später erhöhte Sanofi-Aventis das ursprüngliche Übernahmeangebot von 69 USD auf 74 USD in bar pro Aktie, das entspricht einem Unternehmenswert von 20,1 Milliarden USD. Am 15. Februar 2011 gaben beide Unternehmen ihre grundsätzliche Einigung auf eine Übernahme bekannt.[7] Die Genzyme-Aktionäre erhielten weitere Zuzahlungen von bis zu 14 Dollar pro Aktie, die an das Erreichen bestimmter Ziele gekoppelt waren.

Am 4. April 2011 gab Sanofi-Aventis den erfolgreichen Abschluss der Übernahme bekannt. In einem Interview mit dem Radiosender BFM TV teilte der damalige CEO Chris Viehbacher aus diesem Anlass mit, dass das Unternehmen ab 1. Juli 2011 nur noch unter Sanofi firmieren werde, sofern die Aktionäre in der Hauptversammlung diesem Vorschlag zustimmten. Am 6. Mai wurde in Paris während der Hauptversammlung die Namensänderung in Sanofi durch die Aktionäre beschlossen und Sanofi-Aventis firmiert von nun an als Sanofi.[8]

Teil des Konzerns sind auch der Generikaanbieter Winthrop und die in Köln ansässige Firma Nattermann und Cie GmbH.

Niederlassungen in Deutschland[Bearbeiten]

Das Hauptkontor der Hoechst AG 1893.

Sitz der deutschen Tochtergesellschaft Sanofi-Aventis Deutschland GmbH ist der Industriepark Höchst in Frankfurt am Main, das ehemalige Stammwerk der Hoechst AG. In Deutschland erzielte Sanofi-Aventis 2012 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro, davon 4,5 Milliarden Euro im Ausland.[9]

Etwa 6.900 der rund 9.000 Mitarbeiter in Deutschland arbeiten im Industriepark Höchst, darunter 1.100 in Forschung und Entwicklung. Der Standort Frankfurt-Höchst ist der größte integrierte Einzelstandort für Forschung & Entwicklung (F&E) und Produktion innerhalb der Sanofi-Gruppe. In Höchst wird auch das Insulinpräparat Insulin glargin (Lantus) hergestellt.[10]

Außerdem ist Sanofi in Deutschland in Berlin (Marketing- und Vertriebszentrale der deutschen Gesellschaft) mit rund 1.200 Mitarbeitern und Köln (Nattermann) mit 440 Beschäftigten vertreten. Beides sind Standorte der früheren Sanofi-Synthélabo.[11]

Forschung[Bearbeiten]

Sanofi hat 2012 weltweit 4,9 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung für neue Medikamente investiert. Die Ausgaben für Verkauf und Vertrieb lagen bei 8,9 Mrd. Euro.[12]

Frankfurt-Höchst ist für Sanofi ein strategischer Forschungsstandort und der einzige konzernweit, der lückenlos alle Schritte der Wirkstoffforschung und -entwicklung, von der funktionalen Genomanalyse bis hin zur klinischen Entwicklung, umfasst. Dennoch erfolgte seit 2010 ein deutlicher Stellenabbau. Dieser sei im Ausbau der Tierarznei-Sparte begründet und in der vermehrten Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, was zu Lasten der hauseigenen Forschung gehe. Von ehemals rund 1700 Stellen in Forschung & Entwicklung wurden rund 600 abgebaut. Zugleich richtete der Konzern in Frankfurt eines von vier Zentren (sogenannte Hubs) für Forschung & Entwicklung ein.[13]

Sanofi konzentriert sich auf sieben Therapiegebiete:

Produkte[Bearbeiten]

Umsatzstärkste Produkte sind Lantus, Plavix, Lovenox, Aprovel, und Eloxatin, auf die 2012 zusammen rund 11 Milliarden Euro Umsatz entfielen.[14]

Herz-Kreislauf[Bearbeiten]

Diabetes/Stoffwechselerkrankungen[Bearbeiten]

Der Appetitzügler Acomplia (Rimonabant) wurde im Oktober 2008 auf Empfehlung der europäischen Arzneimittelagentur zurückgezogen.

Zentrales Nervensystem[Bearbeiten]

Onkologie[Bearbeiten]

Thrombose[Bearbeiten]

Innere Medizin[Bearbeiten]

Dermatologie[Bearbeiten]

Impfstoffe[Bearbeiten]

Die Impfstoffe werden von Sanofi-Pasteur vertrieben

Kritik[Bearbeiten]

Hoechst Marion Roussel (inzwischen Teil des Sanofi-Konzerns) verklagte im Frühjahr 2001 gemeinsam mit 38 anderen Pharmafirmen die südafrikanische Regierung wegen Verletzung des Patentrechts. Sie hatte 1997 ein Gesetz erlassen, das es erlaubte, Aids-Patienten mit billigeren Generika-Medikamenten zu versorgen. Die Klage wurde am 19. April 2001 zurückgezogen. Aids-Aktivisten hatten den Pharmafirmen vorgeworfen, Gewinne vor Menschenleben zu stellen.

Des Weiteren finden sich Hinweise darauf, dass Wikipedia-Artikel zu Sanofi gezielt durch Berater geändert wurden. Sanofi-Aventis bestreitet dies.[16]

Genzyme, ein Unternehmen der Sanofi Gruppe, hat im August 2012 das Krebsmittel MabCampath® (Alemtuzumab) in Europa vom Markt genommen, um die Substanz - unter einem neuen Handelsnamen und einer anderen Indikation, nämlich Multiple-Sklerose (MS) wieder auf den Markt zu bringen.[17][18] Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) kritisiert diese Entscheidung der freiwilligen Marktrücknahme und dem geplanten "Indikations-Hopping" dahin gehend, dass sich der pharmazeutische Unternehmer seiner Verantwortung auf inakzeptable Weise entzieht.[19]

Laut verschiedenen Medienberichten im Herbst 2011 stehen bei Sanofi-Aventis 600 Forscher auf der Kürzungsliste.

Der Betriebsratsvorsitzende Michael Klippel lehnte Sozialplanverhandlungen mit der Geschäftsleitung zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab; er fordert, dass zuerst ein schlüssiges Konzept für die Zukunft des Forschungsstandorts vorliegen sollte.

Derzeit arbeiten in der Frankfurter Forschung und Entwicklung etwa 1.500 Mitarbeiter. Laut Sanofi soll der Standort künftig eins von vier Forschungszentren weltweit werden. Die übrigen rund 6.000 Beschäftigten aus der Produktion sind bis Ende 2014 vor Entlassungen geschützt.

Wie viele andere forschende Pharmaunternehmen, steht Sanofi-Aventis zunehmend unter Druck der Generika-Hersteller. Nach dem Auslaufen des Patentschutz wichtiger Umsatzbringer, können andere Firmen die Wirkstoffe nutzen und sogenannte Nachahmerpräparate preisgünstig auf den Markt bringen. Die Generika-Hersteller ersparen sich hohe Kosten für aufwendige Studien und Dokumentation.[20][21][22]

2014 wurde bekannt, dass der Konzern im Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen als Nebenbeteiligter eine Geldstrafe von 28 Millionen Euro zahlen muss.[23] Jahrelang hatte Sanofi Medikamente mit nahendem Verfalldatum über die Zwischenhändler MTI und Comas zu Niedrigpreisen in den Markt gebracht. Als die Sache aufzufliegen drohte, stellte Sanofi Strafanzeige gegen den ehemaligen Partner. Doch am Ende wendete sich das Blatt gegen den Konzern.[24]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sanofi-Aventis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Querelen bei Pharmakonzern: Sanofi-Chef Viehbacher muss gehen. In: Spiegel Online. 29. Oktober 2014, abgerufen am 29. Oktober 2014.
  2. a b Sanofi: KEY FACTS AND FIGURES. Abgerufen am 10. Juli 2013.
  3. a b c Sanofi: ANNUAL RESULTS 2013. 6. Februar 2014. Abgerufen am 7. Februar 2014.
  4. Pharm Exec's 2013 ranking of the top 50 pharma companies worldwide, www.pharmexec.com, abgerufen am 10. Juli 2013
  5. APOTHEKE ADHOC: Aus Winthrop wird Zentiva
  6. Einigung über Sanofi-Aventis-Fusion
  7. Sanofi-aventis to Acquire Genzyme for $74.00 in Cash per Share Plus Contingent Value Right Website von Sanofi-Aventis (abgerufen am 16. Februar 2011)
  8. Pressemitteilung der Jahreshauptversammlung vom 6. Mai 2011 (PDF; 27 kB)
  9. Sanofi.de: Über uns. 2013. Abgerufen am 7. Februar 2013.
  10. Sanofi.de: In Deutschland. 2013. Abgerufen am 6. Juni 2013.
  11. Sanofi.de: Standorte. 2013. Abgerufen am 6. Juni 2013.
  12. Sanofi: Income statements.
  13. F.A.Z.: Sanofi streicht gut ein Viertel der Forscherstellen. In: FAZ.net. 2. November 2011, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  14. Sanofi: Sales by business and region. Abgerufen am 24. Juni 2013.
  15. ChemManager 11-12/2013: Sanofi stoppt Medikamentenentwicklung, GIT-Verlag Darmstadt.
  16. Zielkonflikt: Wikipedia-Autor arbeitet für Sanofi-Aventis. In: Spiegel Online. 10. Juli 2011, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  17. Marktrücknahme von MabCampath® (PDF; 114 kB) Informationsschreiben von Sanofi / Genzyme vom 10. August 2012
  18. Vom Leukämiemittel zum MS-Präparat Pharmazeutische Zeitung Online
  19. Information und Stellungnahme der AkdÄ zur Marktrücknahme von MabCampath® (Alemtuzumab) Newsletter der AkdÄ vom 24. August 2012
  20. hr-online.de: Proteste bei Sanofi-Aventis
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPeter Dietz: Pharma-Konzern Sanofi: Forscher Abbau der Forschung. In: fr-online.de. 3. November 2011, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  22.  (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.sueddeutsche.de sueddeutsche.de
  23. APOTHEKE ADHOC: Bestechung: Sanofi muss 28 Millionen Euro zahlen
  24. APOTHEKE ADHOC: Das Bauernopfer schlägt zurück

48.87352.3128Koordinaten: 48° 52′ 24,6″ N, 2° 18′ 46,08″ O