Neunhof (Nürnberg)

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Neunhof
Statistischer Bezirk 77
Statistischer Distrikt 770Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/Alternativname falsch
Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 31′ 10″ N, 11° 3′ 0″ O
Höhe: 305 (304–307) m ü. NHN
Fläche: 4,03 km²
Einwohner: 1651 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 410 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 90427
Vorwahl: 0911
Karte
Lage des statistischen Bezirks 77 Neunhof (Nürnberg) in Nürnberg
Neunhof aus der Luft
Neunhof aus der Luft

Neunhof (umgangssprachlich: „Naihōf“[2]) ist ein nördlicher Gemeindeteil von Nürnberg (Statistischer Bezirk 77 – Neunhof, Name der Gemarkung 3448).

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statistische Nachbarbezirke
Großgründlach
Boxdorf Nachbargemeinden
Buch Kraftshof

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil liegt im Knoblauchsland. Unmittelbar nördlich des Ortes fließt der Lachgraben, der ein linker Zufluss der Gründlach ist. Im Nordosten befindet sich der Neunhofer Forst. Im Osten befindet sich die Sooswiesen und die Waldgebiete Soos und Irrhain.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1246 als „Noua Curia“ erstmals urkundlich erwähnt, 1258 als „Niwenhoue“. Aus dem Ortsnamen „zum neuen Hof“ kann geschlossen werden, dass der Ort eine Ausbausiedlung ist, die vermutlich von Kraftshof aus gegründet wurde.[2]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Neunhof 59 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Oberamt Baiersdorf aus, was aber von der Reichsstadt Nürnberg bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatten die Nürnberger Eigenherren von Kreß inne. Grundherren waren die Reichsstadt Nürnberg: Landesalmosenamt (3 Güter), Waldamt Sebaldi (3 Güter, 2 Gütlein); Nürnberger Eigenherren: von Behaim (2 Güter, 1 Gütlein), von Ebner (2 Güter), von Haller (6 Güter), von Kreß (2 Halbhöfe, 1 Viertelhof, 9 Güter, 4 Gütlein, Vogthaus, Hirtenhaus), von Oelhafen (1 Halbhof), von Scheurl (3 Güter), von Tucher (4 Güter), von Volckamer (3 Güter), Dr. Wagler (1 Gut), von Welser (1 Gut); Graf von Bettschart (2 Güter); Rietersche Stiftung Kornburg (1 Gut), Rittergut Röckenhof (5 Güter, 1 Gütlein).[4]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 das Steuerdistrikt Kraftshof gebildet, zu der auch Neunhof gehörte. Im selben Jahr wurde es der Ruralgemeinde Kraftshof zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde Neunhof gegründet. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 2 Anwesen von 1821 bis 1848 dem Patrimonialgericht (PG) Buchschwabach, 4 Anwesen von 1822 bis 1848 dem PG Fischbach, 1 Anwesen von 1821 bis 1848 dem PG Gebersdorf, 3 Anwesen von 1821 bis 1835 dem PG Groß- und Kleingeschaidt, 3 Anwesen von 1823 bis 1835 dem PG Leyh, 1 Anwesen von 1823 bis 1835 dem PG Nemsdorf, 21 Anwesen von 1802 bis 1840 dem PG Neunhof, 8 Anwesen bis 1812 und von 1820 bis 1826 dem PG Röckenhof und 1 Anwesen von 1821 bis 1836 dem PG Weikershof.[5] Ab 1862 wurde Neunhof vom Bezirksamt Fürth verwaltet (1938 in Landkreis Fürth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit ging 1862 an das Landgericht Fürth über, seit 1880 liegt sie beim Amtsgericht Fürth. Die Finanzverwaltung wurde 1872 vom Rentamt Fürth (1920 in Finanzamt Fürth umbenannt) übernommen. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 4,283 km².[6]

Neunhof wurde am 1. Juli 1972 im Rahmen der Gemeingebietsreform aus dem Landkreis Fürth in die Stadt Nürnberg eingemeindet.[7]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kreuzäckerstraße: Steinkreuz
  • Kreuzäckerstr. 1: Wohnstallhaus
  • Kreuzäckerstr. 7: Hofanlage
  • Neunhofer Hauptstr. 2: Bauernhaus
  • Neunhofer Hauptstr. 26: Ehemaliges Landhaus
  • Neunhofer Schloßplatz: Schlossanlage
  • Obere Dorfstraße: Martersäule und Steinkreuze
  • Obere Dorfstr. 32: Ehemaliger Flacheneekerhof
  • Obere Dorfstr. 33, 36: Wohnstallhäuser
  • Obere Dorfstr. 34: Bauernhaus
  • Obere Dorfstr. 44/44a: Hofanlage
  • Soosweg 1: Bauernhaus
  • Soosweg 5: Wohnhaus
  • Soosweg 6: Wohnstallhaus
  • Untere Dorfstr. 4: Hofanlage
  • Untere Dorfstr. 6: Gasthaus Zum Alten Forsthaus
  • Untere Dorfstr. 8: Kleinhaus
  • Untere Dorfstr. 10: Wohnhaus
  • Untere Dorfstr. 15, 23, 32: Wohnstallhäuser

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Nürnberg/Nordwestliche Außenstadt#Neunhof

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2015
Einwohner 384 444 457 448 449 451 438 432 439 398 403 438 451 449 459 451 492 621 720 902 879 881 1013 1162 1247 1651
Häuser[8] 70 70 78 78 81 90 115 162 318
Quelle [9] [10] [11] [11] [12] [11] [13] [11] [11] [14] [11] [11] [15] [11] [11] [11] [16] [11] [11] [11] [17] [11] [6] [18] [19] [1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Georg (Kraftshof) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Thomas (Boxdorf) gepfarrt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlossmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Neunhof mit Barockpark

Das Schloss Neunhof mit dem umgebenden Barockpark (1964 und 1978/79 rekonstruiert) beherbergt heute eine Zweigstelle des Germanischen Nationalmuseums (Jagdsammlung). Bei der Anlage handelt es sich um den ehemaligen Herrensitz der Familie Kreß (später Kreß von Kressenstein). Das Hauptgebäude folgt dem Bautypus des Nürnberger Weiherhauses. Das Fachwerk ist nach Methoden der Dendrochronologie in das Jahr 1479 datiert und ein Giebel trägt die Jahreszahl „1508“.

Mit einem symmetrisch angelegten Park wurde das Adelsanwesen im 18. Jahrhundert in ein Jagdschloss umgestaltet. Im zweiten Obergeschoss ist die kleine Hauskapelle aus der Barockzeit erhalten.

Heimatmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heimat- und Trachtenverein Neunhof (HTV) unterhält das seit 1935 existierende Heimatmuseum für das Knoblauchsland. Neben historischen bäuerlichen Alltagsgegenständen werden die Trachten und die Geschichte des Dorfes, verteilt auf fünf Räume in zwei Etagen anhand von etwa 3000 Exponaten dargestellt. 1969 wurde neben dem Fachwerkbau ein Erweiterungsbau eingeweiht, der durch Eigenleistung der Vereinsmitglieder, Spenden der Bevölkerung, Zuschüsse des damaligen Landkreises Fürth sowie Unterstützung der Gemeinde Neunhof finanziert werden konnte.[20]

Kreuzsteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildstock und Steinkreuze

Am südlichen Ortsrand Richtung Kraftshof sind ein Bildstock (Martersäule) und mehrere Kreuzsteine aufgestellt.[21]

Kirchweih[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirchweih findet in Neunhof alljährlich jedes zweite Wochenende im September statt. Eine Besonderheit der Kärwa in Neunhof ist, dass sich das Dorf dabei in zwei konkurrierende Lager aufspaltet, das Oberndorf[22] und das Unterndorf. Beide Kärwagesellschaften stellen am Kärwasamstag einen eigenen Kärwabaum und im Frühjahr einen Maibaum auf. Der Festumzug am Kärwasonntag wird von beiden Lagern getrennt aufgestellt und durchgeführt. Am Montag wird traditionell der Betzentanz am jeweiligen Kärwabaum getanzt, dabei tragen die drei Vorstände der „Kärwaboum“ sowie die Kärwamädchen die traditionelle Tracht Neunhofs.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort führt die Kreisstraße N 3/ERH 6 (Neunhofer Hauptstraße, Untere und Obere Dorfstraße), die westlich nach Boxdorf zur Bundesstraße 4 führt bzw. nordöstlich nach Kalchreuth. Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft südlich nach Kraftshof.

Die Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt durch die Stadtbuslinie 31.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neunhof – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Neunhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 244–245, S. 245 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  2. a b W. Wiessner, S. 69f.
  3. Neunhof im BayernAtlas
  4. H. H. Hofmann, S. 143f.
  5. H. H. Hofmann, S. 231; Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 31 (Digitalisat).
  6. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 781-781 (Digitalisat).
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  8. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  9. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 63 (Digitalisat). Dort als Neuhof aufgelistet.
  10. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 91 (Digitalisat).
  11. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 172, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  12. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1028, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  13. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1192, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  14. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1123 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1191–1192 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1229 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1063 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 323 (Digitalisat).
  20. Heimat- und Trachtenverein Neunhof – Details zum Heimat- und Trachtenverein Neunhof (HTV) und dem Heimatmuseum Homepage des HTV.
  21. Sühnekreuze.de – Details zur Steingruppe. private Website von Steinkreuzforschern. Abgerufen am 24. September 2013.
  22. neunhof-oberndorf.de – Homepage der Oberndörfer Kärwaboum.