Lufthansa CityLine

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Lufthansa CityLine
Logo der Lufthansa CityLine
A 340 D-AIGP in STAR ALLIANCE Bemalung
IATA-Code: CL
ICAO-Code: CLH
Rufzeichen: HANSALINE
Gründung: 1958
Sitz: München, DeutschlandDeutschland Deutschland
Drehkreuz:
Unternehmensform: GmbH
IATA-Prefixcode: 683
Leitung: Jörg Eberhart, Carsten Wirths
Mitarbeiterzahl: 2.260 (31. Dezember 2014)[1]
Fluggastaufkommen: 8,6 Mio. (2014)[1]
Allianz: Star Alliance
Vielfliegerprogramm: Miles & More
Flottenstärke: 56 (+ 10 Bestellungen)
Ziele: national und kontinental
Website: www.lufthansacityline.com

Die Lufthansa CityLine GmbH ist eine deutsche Fluggesellschaft mit Sitz in München. Die Tochtergesellschaft der Lufthansa unternimmt in deren Auftrag hauptsächlich Zubringerflüge von europäischen Flughäfen zu den Drehkreuzen München und Frankfurt am Main. Seit September 2015 werden auch Langstreckenflüge von Frankfurt aus durchgeführt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung bis 1970er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Short 330 der DLT im Jahr 1984. Das Logo der DLT ist mit dem der OLT identisch, lediglich die Rundung an der linken Seite des O wurde für ein D zugespitzt.[2]
Eine Hawker Siddeley HS 748 der DLT, 1988

1958 gründeten Jan Jakobs Janssen und Martin Decker den Seebäder-Flugdienst Ostfriesische Lufttaxi – Dekker und Janssen OHG.

1970 wurde der Seebäder-Flugdienst in die Ostfriesische Lufttaxi GmbH (OLT) umfirmiert. Gesellschafter waren die Aktiengesellschaft für Industrie und Verkehrswesen (AGIV) in Frankfurt am Main sowie die Reederei Fisser & van Doornum. Die AGIV übernahm 1973 die Anteile von Fisser & van Doornum und wurde damit Alleingesellschafter der OLT. Erstmals betrieb die OLT ein eigenes Flugzeug, eine zwanzigsitzige Twin Otter. Im Jahr 1974 wurde der Seebäder- vom Regionalflugverkehr getrennt und die Ostfriesische Lufttaxi GmbH in die Deutsche Luftverkehrsgesellschaft mbH (DLT) für den Regionalflug überführt. Die heutige OLT Express wurde gegründet – damit ist die Lufthansa CityLine die direkte Nachfolgegesellschaft der 1958 gegründeten OLT.[3]

1977 wurde erstmals eine 30-sitzige Short 330 eingesetzt. Ein Jahr später wurden die ersten Auslandsverbindungen der DLT eröffnet: Bremen-Kopenhagen und Hannover-Amsterdam. Beide Strecken wurden im Auftrag der Lufthansa betrieben. Im selben Jahr vereinbarte die Deutsche Lufthansa AG mit der AGIV, 26 Prozent des Gesellschaftskapitals der DLT zu erwerben, welches noch 6 Millionen Deutsche Mark betrug. 1979 wurde das innerdeutsche Streckennetz der DLT in Zusammenarbeit mit der Deutschen Lufthansa AG erweitert.

1980er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 erhöhten beide Gesellschafter das Firmenkapital der DLT auf 16 Millionen Deutsche Mark. Im darauffolgenden Jahr flog die erste von später sechs Maschinen des 44-sitzigen Typs HS 748 auf den Strecken der DLT. 1984 wurden die meisten der DLT-Flüge unter LH-Flugnummern im Auftrag von Lufthansa durchgeführt. Im selben Jahr erfolgte die Ausmusterung der letzten der ehemals sechs Maschinen vom Typ Short 330.

Das Firmenkapital wurde 1985 auf 40 Millionen Deutsche Mark erhöht (AGIV hielt 60 Prozent, Deutsche Lufthansa AG 40 Prozent). Im Jahr 1986 stieß die erste Embraer 120 mit 28 Sitzen zur DLT-Flotte. 1987 war die DLT die erste Fluggesellschaft in Europa, die Maschinen des Typs Fokker 50 in ihrer Flotte betrieb. Im selben Jahr gründet die DLT für Triebwerksinstandhaltung die Tochtergesellschaft A.E.R.O. Services GmbH mit Sitz in Alzey. 1988 wurden erstmals sämtliche Flüge der DLT im Auftrag der Lufthansa unter LH-Flugnummern durchgeführt. 1989 erhöhte die Deutsche Lufthansa AG ihren Kapitalanteil um 52 Prozent auf 50 Millionen Deutsche Mark und wurde so Mehrheitsgesellschafterin der DLT.

1990er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Avro RJ85 der Lufthansa CityLine

Seit 1990 wurde die DLT auf Grund eines Kooperationsabkommens mit der Deutschen Lufthansa AG als selbständiges Unternehmen mit eigener Ergebnisverantwortung und Planungshoheit geführt. Innerhalb des Lufthansa-Konzerns wurde die DLT für die Organisation der regionalen Nebenstreckenflüge und Zubringerflüge von kleineren Flughäfen zuständig. Zu diesem Zweck beauftragte die DLT teilweise auch regionale Fluggesellschaften, z. B. Nürnberger Flugdienst, Contact Air und Cimber Air.[4] Als weltweit erste Fluggesellschaft bestellte die DLT den fünfzigsitzigen Regionaljet Canadair CRJ. Die jährliche Beförderungsleistung bezogen auf Passagiere überschritt erstmals die Millionengrenze.

1991 wurde die DLT in Lufthansa CityLine GmbH umbenannt. In Köln wurde eine eigene Werft zur Instandhaltung des Canadair CRJ eröffnet. Im selben Jahr wurde zum Betrieb der CRJ-Simulatoren die CityLine Simulator und Training GmbH mit Sitz in Berlin als Tochtergesellschaft gegründet. Im März 1992 wurde das Logo der Lufthansa zum gemeinsamen Logo der Lufthansa und der Lufthansa CityLine. Das Streckennetz der Lufthansa CityLine wurde ausgebaut auf 200 Flüge täglich zu rund 50 Wirtschaftsmetropolen in 15 europäischen Ländern. Im selben Monat wurde der Canadair CRJ erstmals im kommerziellen Streckendienst eingesetzt.

Die Lufthansa CityLine wurde 1993 hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG. Ende des Jahres umfasste die CRJ-Flotte 13 Maschinen. Seit diesem Zeitpunkt werden die Planungs- und Marketingaufgaben von der Deutschen Lufthansa AG wahrgenommen. Ab 1994 flog die Lufthansa CityLine unter der Marke der Deutschen Lufthansa AG einschließlich LH-Flugzeugbemalung, LH-Schriftzug und LH-Logo. Als neuer Flugzeugtyp stieß im Oktober des Jahres der Regionaljet Avro RJ85 mit drei Flugzeugen zur Flotte der Lufthansa CityLine. Die Canadair-CRJ-Flotte vergrößert sich um zwei weitere auf insgesamt 15 Maschinen. Bis 1995 waren zusätzliche Regionaljets der Typen CRJ und RJ85 vorgesehen.

1995 beschloss der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa AG, sämtliche Fokker 50 bis 1997 an die Stuttgarter Contact Air zu veräußern, so dass die Lufthansa CityLine ausschließlich Düsenflugzeuge betreiben sollte. 1996 wurden ein Simulator des Typs Avro RJ85 und ein Simulator für die CRJ-Flotte im Simulatorenzentrum am Flughafen Berlin-Schönefeld installiert. Das Simulatorenzentrum wurde auch von anderen Fluggesellschaften für das Pilotentraining benutzt.

1997 war die Lufthansa CityLine Europas erste Regionalfluggesellschaft mit ausschließlich strahlgetriebenen Flugzeugen (31 Bombardier CRJ und 18 Avro RJ85). Zum 40. Jahrestag, am 28. Oktober 1998, erwarb die Lufthansa CityLine ihr 50. Düsenflugzeug. Im selben Jahr erfolgte der Umzug der Verwaltung in das neue Gebäude am Flughafen Köln/Bonn, so dass alle Unternehmensbereiche dort zentralisiert wurden.

2000er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Bombardier CRJ200 der Lufthansa CityLine

Am 14. März 2000 wurden CRJ200 gekauft und ab dem 1. Juli 2001 der erste siebzigsitzige CRJ700 im Liniendienst eingesetzt. Seit 2003 wurden die Flüge als Lufthansa Regional vermarktet. Am 17. Juni 2009 feierte di eLufthansa CityLine ihr fünfzigjähriges Bestehen. Im Herbst 2009 kamen die ersten Düsenflugzeuge von Embraer zur Flotte, die bis dahin größten bei der CityLine eingesetzten Maschinen, um älteres und kleineres Fluggerät abzulösen. Aufgrund tarifrechtlicher Bedingungen wurden diese Flugzeuge zunächst in einer anderen Bemalung (Schriftzug „CityLine“) geflogen. Zwischenzeitlich erhielten erste Maschinen die Standardbemalung mit großem Schriftzug „Lufthansa Regional“ und Lufthansa-Logo auf dem Leitwerk sowie dem Zusatz „operated by Lufthansa CityLine“.

2010er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. August 2012 musterte die Lufthansa CityLine ihren letzten Avro RJ85 aus, nachdem sie diesen Typ 18 Jahre lang betrieben hatte.[5] Bis Anfang Oktober 2014 war die Verwaltung von Köln nach München umgezogen.[6]

Im Oktober 2014 gab man bekannt, bis Ende 2015 alle Bombardier CRJ700 auszuflotten und zu verkaufen.[7] Im Dezember 2014 entschied die Lufthansa, bis zu acht A340-300 an Lufthansa CityLine zu übertragen, um ab November 2015 Langstreckenflüge für die Lufthansa anbieten zu können. Die Lufthansa baute die Kabinen der A340-300 auf 298 Sitze um, davon 18 in der Business Class und 19 in der Premium Economy. Die Flugzeuge fliegen zwar für Lufthansa, erhielten aber eine Star-Alliance-Bemalung ohne Lufthansa-Schriftzug.[8]

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Embraer 195 der Lufthansa CityLine
Eine Bombardier CRJ700 der Lufthansa CityLine

Mit Stand August 2016 besteht die Flotte der Lufthansa CityLine aus 56 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 8,5 Jahren:[9]

Flugzeugtyp aktiv bestellt Anmerkungen Sitzplätze Durchschnittsalter[9]
Airbus A340-300 08 betrieben für Lufthansa 298[10] (18/19/261) 16,1 Jahre
Bombardier CRJ900 25 10 betrieben für Lufthansa Regional; werden von Eurowings übernommen 090 08,4 Jahre
Embraer 190 09 betrieben für Lufthansa Regional 100 06,3 Jahre
Embraer 195 14 betrieben für Lufthansa Regional; werden an Austrian Airlines abgegeben[11] 120 05,9 Jahre
Gesamt 56 10 08,5 Jahre

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die verunglückte DHC-8 D-BEAT, Mai 1992

Die Lufthansa CityLine verzeichnet in ihrer Geschichte einen Unfall mit Todesopfern:

Am 6. Januar 1993 stürzte die de Havilland Canada DHC-8-300 (Luftfahrzeugkennzeichen D-BEAT) beim Anflug auf den Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle ab. Der Lufthansa-CityLine-Flug 5634 – ein Linienflug von Bremen nach Paris – wurde durch das beauftragte Unternehmen Contact Air durchgeführt. Die Maschine flog nach einem missglückten Swing-Over-Manöver um 19:20 Uhr Ortszeit 1,8 Kilometer vor der Landebahnschwelle der Landebahn 28 des Flughafens in den Boden, wobei 4 der 23 Insassen ums Leben kamen. Der Landebahnwechsel wurde nötig, nachdem eine Boeing 747 der Korean Air die für LH 5634 vorgesehene Landebahn 27 mit einem Triebwerk berührt hatte und diese infolgedessen gesperrt wurde. Als Ursache des Unglücks wurde – unabhängig von den schlechten Wetterbedingungen bezogen auf Sichtweite und Bewölkung – vor allem das Fehlverhalten der Piloten festgestellt, die ihre zu hohe Sinkrate trotz der Signale des Höhenwarnsystems, das sogenannte Ground Proximity Warning System (GPWS), nicht bemerkten und vergaßen, die Landeklappen auszufahren.[12][13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: DLT Luftverkehrsgesellschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Lufthansa CityLine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Lufthansa – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kurzportrait. Lufthansa CityLine, abgerufen am 23. September 2015.
  2. Karl-Dieter Seifert: Der deutsche Luftverkehr 1955–2000. Weltverkehr, Liberalisierung, Globalisierung (= Die deutsche Luftfahrt. Band 29). Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2001, ISBN 3-7637-6121-7, S. 104.
  3. Geschichte der Lufthanse CityLine im Geschäftsbericht 1997 (PFD)
  4. Flugunfälle: Anflug verpatzt - DER SPIEGEL 10/1993. spiegel.de, abgerufen am 7. August 2016.
  5. LH Cityline verabschiedet letzten Avro-Jet. Airliners.de, 27. August 2012, abgerufen am 27. August 2012.
  6. Lufthansa CityLine hat die Verwaltung von Köln nach München umgezogen. aerosieger.de, 9. Oktober 2014, abgerufen am 12. Dezember 2015.
  7. airliners.de - Lufthansa Cityline verkauft CRJ700-Flotte nach Amerika 24. Oktober 2014
  8. Lufthansa startet Cityline-Langstrecken, abgerufen am 24. Dezember 2015
  9. a b Ch-aviation: Fleet (englisch), abgerufen am 17. August 2016
  10. Airbus A340-300: Spezialist für die Langstrecke, abgerufen am 24. Dezember 2015
  11. Austrian Airlines übernimmt E195. www.austrian.com, 12. März 2015, abgerufen am 12. März 2015.
  12. Rapport Preliminaire (PDF; 12,9 MB). Website des Bureau d'Enquêtes et d'Analyses pour la sécurité de l'aviation civile (BEA). Abgerufen am 6. Januar 2013.
  13. Unfallbericht D-BEAT, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. November 2015