Großseifen

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Wappen Deutschlandkarte
Großseifen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Großseifen hervorgehoben

Koordinaten: 50° 38′ N, 7° 58′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Bad Marienberg (Westerwald)
Höhe: 454 m ü. NHN
Fläche: 1,52 km2
Einwohner: 633 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 416 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56472
Vorwahl: 02661
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 227
Adresse der Verbandsverwaltung: Kirburger Straße 4
56470 Bad Marienberg (Westerwald)
Website: www.bad-marienberg.de
Ortsbürgermeister: Jürgen Steup
Lage der Ortsgemeinde Großseifen im Westerwaldkreis
Ansicht von Großseifen

Großseifen (mundartlich: Großseife[2]) ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bad Marienberg (Westerwald) an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Westerwald zwischen Limburg und Siegen. Die Nister, die zum Einzugsbereich der Sieg gehört, fließt in ost-westlicher Richtung in direkter Nähe zum Ort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in der Nähe von Marienberg gelegene Ort wurde am 6. Januar 1307 erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Heinrich von Nassau mit seiner Frau Adelheid dem Abt und Konvent des Zisterzienserklosters Marienstatt die bestehenden Einkünfte in Velde (= Fehl / Fehl-Ritzhausen) und Graynsiven bestätigte. Der Name des Ortes war bis zum heutigen Namen Großseifen vielen Wandlungen unterworfen. Man schrieb Gransifen, Grassyffen, Grassifen, Graensüffen, Graseiffen und schließlich den heutigen Namen Großseifen.

Erklärung der Namensgebung: Die Endsilbe „siven – sifen – seifen“ beschreibt ein in dieser Gegend liegendes sumpfartiges Gelände. Die Vorsilbe „Grayn – Gran“, könnte so viel wie „Krähn“ bedeuten. Etymologisch sind die vielfältigen Schreibweisen nicht zu erklären. Als Ursache kommen daher auch Schreib- und Hörfehler in der Überlieferung in Betracht.

1511 führt das Einnahmeverzeichnis der Herrschaft Beilstein sieben Haushalte in „Graynsyfe“ auf. 1534 sind es 10, 1565 sechs und 1569 sieben Haushalte. Das Pestjahr 1613 führte zu Bevölkerungsverlusten: 1621 waren es noch vier Familien, die sich nach dem Dreißigjährigen Krieg auf zwei im Jahr 1650 reduzierten. Danach erholten sich die Bevölkerungszahlen langsam 1665 waren es vier, 1697 neun Familien. Am Ende des 18. Jahrhunderts beginnt die Bevölkerungszahl stark zu wachsen. Ursache waren die Braunkohlegruben der Umgebung, die neben der Landwirtschaft nun zum Lebensunterhalt der Bevölkerung beitrugen. 1780 waren es 15 Familien, 1809 bereits 24 Familien oder 115 Personen, die in Großseifen wohnten.

In den Jahren 1875/76 wurde ein Schulhaus (an der Stelle des heutigen Bürgerhauses) errichtet. Seit 1860 besuchten die Kinder die Schule in Eichenstruth. Diese Schule (das Gebäude steht heute noch) verfügte über einen einzigen Raum mit völlig unzureichender Größe und Dämmung. Aber auch das 1875/76 errichtete Schulhaus wurde dem Bevölkerungswachstum nicht gerecht, so dass 1929 eine neue Schule (das heutige Anwesen Kirchstein) errichtet wurde. 1966 wurde der Schulbetrieb aufgegeben und die Schüler besuchen nun die Schulen in Bad Marienberg. 1976 wurde die alte Schule abgerissen und ein Dorfgemeinschaftshaus an dessen Stelle errichtet. In den Jahren 1996/97 wurde es saniert.

Seit 1911 hatte Großseifen Eisenbahnanschluss durch die Bahnstrecke Erbach–Fehl-Ritzhausen. Der Bahnhof wurde 1948 zum Haltepunkt herabgestuft, die Betreuung der Reisenden erfolgte durch eine „Agentur“.[3] Das ließ sich aber nicht halten, da das Verkehrsaufkommen zu hoch war. Noch im gleichen Jahr wurde die Maßnahme wieder rückgängig gemacht.[4] Der Personenverkehr wurde auf der Strecke 1971 aufgegeben, Güterverkehr gab es noch bis in die 1990er Jahre. Anschließend wurde die Strecke stillgelegt.

Neben den erwähnten Braunkohlegruben wurde in Großseifen in der „Gewerkschaft Albert“ Basalt abgebaut. Diese Grube stellte 1963 den Betrieb ein. Heute bestehen im Ort nur noch ca. 50 Arbeitsplätze. Jedoch verfügt der Nachbarort Eichenstruth über ein großes Gewerbegebiet, in dem auch Einwohner von Großseifen Arbeit finden.

Die Einwohnerzahl ist seit 200 Jahren kontinuierlich gestiegen. Aus dem 115 Einwohnern 1809 wurden 1890 bereits 249. 1949 sind es 365 und 1987 bereits 484 Einwohner. Nach der Erschließung des Baugebiets „In der Staar“ stieg die Bevölkerungszahl 2006 auf 602 Einwohner.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Großseifen besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[5]

Gemeindebürgermeister von Großseifen seit 1946[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946–1954: Wilhelm Hoffmann
1954–1969: Walter Utsch
1969–1979: Hermann Wollenweber
1979–1992: Jürgen Steup (erneut ab 2009)
1992–1994: Günter Thiede
1994–1996: Günther Uhr
1996–1999: Günter Thiede
1999–2009: Thomas Stalp
seit 2009: Jürgen Steup

Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde Jürgen Steup mit einem Stimmenanteil von 71,81 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

→ siehe Liste der Kulturdenkmäler in Großseifen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Schmidt (1899–1969), Verwaltungsbeamter und Politiker

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 700 Jahre Großseifen (1306–2006). Eigenverlag der Gemeinde, 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Großseifen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2020, Kreise, Gemeinden, Verbandsgemeinden (Hilfe dazu).
  2. Hermann-Josef Hucke: Ortsnamen im Westerwaldkreis in ihrer mundartlichen Aussprache sowie Ortsneckereien. (PDF; 129 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) 2010, S. 3, archiviert vom Original am 9. Januar 2014; abgerufen am 26. April 2021.
  3. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Eisenbahndirektion Mainz vom 17. September 1948, Nr. 45. Bekanntmachung Nr. 285, S. 179.
  4. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Eisenbahndirektion Mainz vom 2. Dezember 1948, Nr. 60. Bekanntmachung Nr. 407, S. 277.
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen.
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. Abgerufen am 2. Juni 2020 (siehe Bad Marienberg, Verbandsgemeinde, fünfte Ergebniszeile).