Maxsain

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Maxsain
Maxsain
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Maxsain hervorgehoben
Koordinaten: 50° 33′ N, 7° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Selters (Westerwald)
Höhe: 275 m ü. NHN
Fläche: 13,51 km2
Einwohner: 1077 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56244
Vorwahl: 02626
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 046
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Saynbach 5–7
56242 Selters (Westerwald)
Webpräsenz: www.vg-selters.de
Ortsbürgermeister: Willi Löcher
Lage der Ortsgemeinde Maxsain im Westerwaldkreis
Karte
Der Ortskern von Maxsain

Maxsain (mundartlich: Maxään[2]) ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Selters (Westerwald) an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt zwischen der Kreisstadt Montabaur und Hachenburg. Durch sie fließen der Saynbach und der Steinchesbach, welcher in der Ortsmitte in den Saynbach mündet. Die nächste Stadt ist das 3 km südwestlich gelegene Selters.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über den Ortsteil Zürbach

Die Gemeinde Maxsain besteht aus den Orten Maxsain und Zürbach (mundartlich: Zerwisch[2]). Zürbach liegt etwa 3 km weiter östlich und hat ca. 80 Einwohner. Sehenswert ist die evangelische Kirche und das 1860[3] errichtete Gemeindehaus Backes im Dorfzentrum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maxsain wird erstmals 1194 im Lehnsbuch der Herren von Bolanden urkundlich erwähnt. Die Schreibweise des Namens wechselte im Laufe der Jahrhunderte von Machseine nach Maxeine und Makeseyne. Heutige Flurnamen lassen vermuten, dass sich in der Gemarkung einst mehrere längst untergegangene Siedlungen befanden, so an der heutigen Straße nach Hartenfels und im Tal des Steinchesbachs Richtung Weidenhahn. Der Ortsteil Zürbach wird erstmals 1315 als Zurlinbach erwähnt.[3]

Maxsain war im Mittelalter Zentrum des Bannes Maxsain, ein Herrschaftsgebiet, das zugleich von den Grafen von Sayn und Wied beansprucht wurde, welche die Hoheitsrechte untereinander aufteilten. Erst 1615 kam es durch einen Vergleich zu einer klaren Aufteilung des Gebietes unter den beiden Grafschaften. Um 1600 umfasste der Bann den Bereich der heutigen Gemarkungen Freilingen, Goddert, Maxsain, Selters, Wölferlingen sowie Teile Steinens und Weidenhahns.[3]

Vermutlich erhielt Maxsain nach dem Dreißigjährigen Krieg eine Schule, belegt ist diese jedoch erst ab 1767. Geschlossen wurde die Schule aufgrund stark rückläufiger Schülerzahlen im Sommer 1973. Am 24. Oktober 1719 kam es zum Ausbruch eines Feuers, das den überwiegenden Teil des Dorfes zerstörte. Überliefert ist die Angabe von 115 bis 120 Gebäuden.[3]

Im Zeitraum von 1671 bis 1799 gehörte Maxsain zur Grafschaft Sayn-Hachenburg, daraufhin bis 1806 zum Fürstentum Wied und bis 1866 zum Herzogtum Nassau, bevor es bis 1871 im Königreich Preußen lag, das im Deutschen Reich aufging.[3] Am 1. März 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Zürbach mit 80 Einwohnern eingemeindet.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Maxsain, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[5]

Jahr Einwohner
1815 553
1835 861
1871 905
1905 842
1939 759
Jahr Einwohner
1950 886
1961 905
1970 888
1987 945
2011 1.068

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfgemeinschaftshaus und Bürgermeisteramt Backes

Der Gemeinderat in Maxsain besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein goldener blaubewehrter und -gezungter Löwe mit beiden Tatzen eine Keule haltend.“[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche und alte Schule im Vordergrund
Haus Sahm, ältestes Haus im Dorf, erbaut 1688

Im Zentrum von Maxsain steht auf einem Felsvorsprung die evangelische Kirche. Das breite Querschiff des Baus mit einem vor 1500 errichteten Turm wurde 1786 im Barockstil ergänzt. Die Existenz einer zuvor am gleichen Ort bestehenden Kapelle ist ab 1399 belegt. Diese wurde jedoch bereits 1589 als Folge eines durch die Einführung der reformierten Konfession ausgelösten Streits zwischen den Grafen von Sayn und Wied zerstört. Daraufhin wurde mutmaßlich ein provisorisches Kirchengebäude errichtet, das schließlich dem heutigen Bau wich.[3]

Am Zusammenfluss von Steinchesbach und Großem Saynbach steht das 1687/88 errichtete Fachwerkhaus „Sahm“, ein Musterbeispiel der fränkischen Bauweise mit ungewöhnlich starken Holzbalken und viel Schnitzarbeiten.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 wurde die Maxsainer Blaskapelle e. V. gegründet. Der Verein mit seinen 90 Musikern in 3 Orchestern (Ausbildungs- und Jugendorchester, Erwachsenenorchester) ist ein fester Bestandteil der Ortsgemeinde. Neben Auftritten innerhalb Maxsains, wie auf der traditionellen Kirmes, ist die Maxsainer Blaskapelle auch bei großen Schützenfesten, Kirmesumzügen und Konzerten zu hören. Zu den jährlichen Höhepunkten zählen die beiden Konzerte in der Heidehalle Maxsain, die immer im November stattfinden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlen, Hütten und Steinbrüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Jahrhunderte existierten in der Gemarkung Maxsain verschiedene Wassermühlen. Die erste überlieferte Beschreibung eines Mühlenbaus für das Jahr 1552 bezieht sich vermutlich auf die ehemalige Erbleihmühle westlich des Dorfes. Um 1870 wurde diese Mühle in eine Korkfarbik umgebaut, der Betrieb lief jedoch nur sechs Jahre. Etwa zwischen 1885 und 1900 befand sich dort ein holzverarbeitender Betrieb. Am heutigen östlichen Ortsrand befand sich ab etwa 1668 die Obere Mühle, eine Schneid- und Ölmühle, die 1831 um eine Mahlmühle erweitert wurde. Um 1900 endete der Betrieb als Schneidmühle, um 1950 auch der Mahlbetrieb. Etwas westlich der heutigen Dorfmitte stand die erstmals 1816 erwähnte Lohmühle, eine Gerbermühle, die mit Umbauten bis über den Ersten Weltkrieg hinaus betrieben wurde.[3]

Etwa eineinhalb Kilometer westlich des Dorfs befindet sich im Verlauf des Großen Saynbachs die Hammermühle. Bereits 1729 gründete Johann Martin Bachem hier eine Eisenhütte. 1857 wurden die Anlagen in eine Mahlmühle umgebaut, 1901 erfolgte die Umrüstung in ein Elektrizitätswerk, das noch heute Strom produziert.[8] Aus dem Jahr 1829 ist die Existenz einer Ölmühle im Ortsteil Zürbach überliefert, die später um eine Mahlmühle ergänzt wurde.[3]

Für das Jahr 1714 ist eine erste Eisenhütte im Dorf am Steinchesbach belegt, die jedoch 1717 bereits aufgegeben war. Ein Stück bachaufwärts wurde ab 1723 für einige Jahre ebenfalls eine Eisenhütte betrieben.[3]

In der Gemarkung befanden sich ab dem Jahr 1919 mehrere Steinbrüche zur Ausbeutung der vulkanischen Gesteine Basalt, Trachyt und Andesit. Die meisten dieser Vorkommen waren schnell erschöpft oder nicht abbauwürdig, darunter auch Funde von Tuffstein und Grauwacke. Noch heute in Betrieb ist der Andesit- und Basaltsteinbruch Bittersberg nahe der Straße Richtung Rückeroth. Das seltene Mineral Offretit kommt in der Gemarkung Maxsain am Bittersberg vor.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemarkung Maxsain liegt ein Campingplatz mit einem als Freibad eingerichteten Weiher.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Schiller: Der Bann Maxsain im 16. Jahrhundert. Die Wirkung herrschaftlicher Konkurrenz auf das bäuerliche Alltagsleben im Westerwald der Frühen Neuzeit. Münster (Westfalen) 2004, 519 S. [Zugl.: Göttingen, Univ., Diss., 2003], ISBN 3-00-013247-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maxsain – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. a b Hermann-Josef Hucke: Ortsnamen im Westerwaldkreis in ihrer mundartlichen Aussprache sowie Ortsneckereien, 2010, Seite 17 (PDF; 132 kB)
  3. a b c d e f g h i j 800 Jahre Maxsain: Die Geschichte unseres Dorfes, 1994, ohne ISBN
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis Rheinland-Pfalz 2006, Seite 186 (PDF; 2,1 MB)
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  7. Hessisches Wappenbuch, 1959; (Bewehrung und Zunge des Löwen: blau)
  8. Maxsain im Wanderatlas Deutschland