Ebernhahn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Ebernhahn
Ebernhahn
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Ebernhahn hervorgehoben
50.4727777777787.77295Koordinaten: 50° 28′ N, 7° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Wirges
Höhe: 295 m ü. NHN
Fläche: 3,31 km²
Einwohner: 1238 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 374 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56424
Vorwahl: 02623
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 012
Adresse der Verbandsverwaltung: Bahnhofstraße 10
56422 Wirges
Webpräsenz: www.wirges.de
Ortsbürgermeister: Rüdiger Gemmer
Lage der Ortsgemeinde Ebernhahn im Westerwaldkreis
Karte

Ebernhahn ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Wirges an.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind Siershahn, Wirges, Dernbach und Ransbach-Baumbach

Geschichte[Bearbeiten]

Urkundlich zum ersten Mal eindeutig im Jahre 1324 als Evernhan erwähnt, gehört Ebernhahn zu den jüngeren Westerwalddörfern und tritt im Verlauf des Mittelalters kaum in Erscheinung. Nach den verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) zählte es zusammen mit dem benachbarten Siershahn gerade noch 42 Einwohner.

Ebernhahn, dessen Name sich aus dem althochdeutschen Wort hag für „Gehege“ oder „Hain“ herleitet (übersetzt also etwa: „zum Gehege des Ebers gehörig“), stand bis 1803 unter kurtrierischer, dann unter nassauischer, ab 1866 schließlich unter preußischer Verwaltung und zählt seit 1971 zur Verbandsgemeinde Wirges, seit 1974 zum Westerwaldkreis mit der Kreisstadt Montabaur.

Mitte des 19. Jahrhunderts hielt die Industrie Einzug in die Gemeinde, allen voran die tonfördernden Betriebe. Mit der Industrialisierung nahm der Ort, wie alle Gemeinden des Kannenbäckerlandes, eine rasante Aufwärtsentwicklung: Zählte Ebernhahn im Jahre 1818 gerade einmal 241 Einwohner, so waren es um die Jahrhundertwende schon etwa 500.

Da die großen Tonbetriebe allesamt von außen nach Ebernhahn drangen, entwickelte sich als notwendige Reaktion darauf am Ort selbst das Fuhrgewerbe, das über das Ende des Tonabbaus in der Gemarkung hinaus bis heute in Form von großen Personenverkehrs- und Lasttransportunternehmen den wichtigsten Träger der örtlichen Wirtschaft darstellt.

Am 11. März 1945 fiel der Ort einem schweren Bombenangriff durch die US Air Force zum Opfer, bei dem 52 Menschen ums Leben kamen und 32 Gebäude völlig zerstört wurden.

Der größte Döppekooche der Welt, eine rheinische Spezialität, an dessen Herstellung elf Amateurköche beteiligt waren, wurde 1983 in einer Ebernhahner Brotfabrik gebacken. Er ergab etwa 4000 Portionen bei einer Oberfläche von fast 5 m².[2]

Religion[Bearbeiten]

Katholische Pfarrei und Pfarrkirche „Maria Empfängnis“[Bearbeiten]

Geschichte der Pfarrei[Bearbeiten]

1902 wurde Ebernhahn zur eigenständigen Kapellengemeinde ernannt. 1921 wurde Ebernhahn zur Pfarrvikarie, 1964 zur Pfarrei erhoben. Bis April 1984 hatte die Pfarrei einen eigenen Seelsorger. Danach teilte sich Ebernhahn den Ortspfarrer mit dem benachbarten Dernbach. Angesichts des fortschreitenden Priestermangels musste Ebernhahn im Jahr 1996, ebenso wie Dernbach, unter Erhalt des Status einer Pfarrgemeinde dem Pfarreienverband Wirges eingegliedert werden.

Geschichte der Pfarrkirche[Bearbeiten]

1871 wurde in Ebernhahn die erste Kapelle errichtet. Diese wurde 1911 niedergelegt und die Kirche Maria Empfängnis errichtet. Die Kirche wurde 1958 erweitert und 1965 durch den heutigen Glockenturm (statt des früheren Zwiebelturms) ergänzt. Im Jahr 1978 erfolgte eine Renovierung des Kircheninnern. 1997 fanden umfangreiche Außenarbeiten statt. Außerdem wurden Pfarrheim und Sakristei umgebaut. Im Jahre 2006 erfolgte dann eine grundlegende Renovierung und Neugestaltung des Innenraumes der Pfarrkirche „Maria Empfängnis“. Entscheidendes architektonisches Merkmal ist dabei die Verlagerung des Altares aus dem Chorraum heraus nach vorne in das Zentrum eines aus vier Segmenten bestehenden Halbkreises, der von den Bänken für die Gottesdienstbesucher gebildet wird. Am 4. November 2006 wurde der neu errichtete Altar, dessen Deckstein aus dem alten Altar gefertigt ist, von Abt emeritus Dr. Thomas Denter feierlich geweiht.

Patrozinium und Kirchweih[Bearbeiten]

Das Patrozinium der Pfarrei ist am 8. Dezember, dem „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria“. Sein Kirchweihfest feiert Ebernhahn alljährlich am ersten Sonntag im Mai.

Evangelische Christen[Bearbeiten]

In Ebernhahn leben etwa 100 evangelische Christen, die zur Evangelischen Martin-Luther-Kirchengemeinde Wirges gehören.[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Ebernhahn besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[4]

Wahl CDU FWG WGR BLE Gesamt
2014 6 10 16 Sitze
2009 4 9 3 16 Sitze
2004 5 7 4 16 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Ebernhahn e.V.
  • BLE = Bürgerliste Ebernhahn e.V.

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „Von Rot und Silber stufenförmig schräglinks geteilt; oben ein silbernes Wagenrad mit acht Speichen, unten ein neunblättriger grüner Ebereschenzweig“.

Rot und Silber stehen für die kurtrierischen Farben. Die gezeigten Symbole beschreiben drei besondere Merkmale der Gemeinde Ebernhahn: die Stufen weisen auf den Tonbergbau hin, das Wagenrad auf das ansässige Fuhrgewerbe und der Ebereschenzweig auf die etymologische Herkunft des Ortsnamens.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit 1973 besteht eine Partnerschaft zwischen Ebernhahn und der französischen Gemeinde Marolles-les-Braults im Département Sarthe. Die offiziellen Partnerschaftstreffen finden alljährlich am Pfingstwochenende statt; bei geraden Jahreszahlen in Ebernhahn, bei ungeraden in Marolles-les-Braults. Am 22. April 2007 erhielt der Platz vor der Mehrzweckhalle in Ebernhahn nach einer grundlegenden Neugestaltung als Ausdruck der partnerschaftlichen Verbindung den Namen „Place Marolles“.

Verkehr[Bearbeiten]

Ebernhahn liegt an der A 3 auf der Höhe des Dernbacher Dreiecks. Bis zur Anschlussstelle Ransbach-Baumbach sind es rund 3 km, bis Montabaur rund 8 km. In gleicher Entfernung liegt der ICE-Bahnhof Montabaur. Die Gemeinde Ebernhahn hat einen Haltepunkt an der teilweise im Touristikverkehr betriebenen Bahnstrecke Engers–Au.

Dorfleben[Bearbeiten]

Über die Grenzen des Westerwaldes hinaus ist Ebernhahn bekannt durch seine rund 30 ortsansässigen Firmen und seine zahlreichen Vereine, darunter der 1913 gegründete Musikverein und die seit 1980 bestehenden Wanderfreunde Ebernhahn. Der Musikverein bestreitet als markantes Ereignis in jedem Herbst mit drei anderen Orchestern an wechselnden Orten ein Ringkonzert. Am letzten Wochenende vor den Sommerferien gibt der Musikverein alljährlich eine Serenade unter freiem Himmel an der alten Dorflinde im Ortszentrum. Die Wanderfreunde sind allwöchentlich national, teilweise international bei zahlreichen Wanderveranstaltungen vertreten. Im August jeden Jahres veranstalten die Wanderfreunde ihre eigene „Internationale Volkswanderung“.

Der im Jahr 1880 gegründete, national wie international vielfach ausgezeichnete Männergesangverein "Thalia" wurde im Jahr 2011 in einen gemischten Chor umgewandelt. Der 1949 gegründete Kirchenchor Ebernhahn hat sich 2013 aufgelöst.

Im sportlichen Bereich sind zwei Tennisvereine (TC Blau Weiß, TC 77) sowie der 2008 gegründete Fußballsportverein aktiv.

Dorfhymne[Bearbeiten]

Seit Juni 2006 hat Ebernhahn unter dem Titel „Dou bess dott Dorf“ (Ebernhahner Dialekt für „Du bist das Dorf“) eine eigene Hymne.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ebernhahn – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Marliese Birk, Friedel Schweitzer: Westerwälder Rezepte, gewürzt mit Geschichten und Gedichten. Alte Original-Rezepte aus vielen Regionen des Westerwaldes – mit Heimatgedichten rund ums Jahr, eine Schriftenreihe der Westerwald-Brauerei H. Schneider Hachenburg, Bd. 1. Westerwald-Brauerei H. Schneider, Hachenburg/Ww. 1985.
  3. Evangelische Martin-Luther-Kirchengemeinde Wirges. Abgerufen am 8. Januar 2011.
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen