Stein-Wingert

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Stein-Wingert
Stein-Wingert
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Stein-Wingert hervorgehoben
Koordinaten: 50° 43′ N, 7° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Hachenburg
Höhe: 182 m ü. NHN
Fläche: 3,5 km2
Einwohner: 225 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner je km2
Postleitzahl: 57629
Vorwahl: 02688
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 296
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Gartenstraße 11
57627 Hachenburg
Webpräsenz: www.hachenburg-vg.de
Ortsbürgermeister: Christian Funk
Lage der Ortsgemeinde Stein-Wingert im Westerwaldkreis
Karte

Stein-Wingert ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Die Wohngemeinde gehört der Verbandsgemeinde Hachenburg an. Stein-Wingert ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Stein-Wingert, Luftaufnahme (2017)

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Westerwald zwischen Limburg und Siegen, an der Nister inmitten der Kroppacher Schweiz.

Ortsteile sind Wingert, Stein, Alhausen und Altburg. Nachbarorte von Stein und Wingert sind im Nordosten Burbach (Mörsbach), im Osten Mörsbach, im Süden Giesenhausen und Kroppach. Das 1 km entfernt bereits im Kreis Altenkirchen gelegene Idelberg ist nur zu Fuß zu erreichen. Die Ortsteile Alhausen und Altburg liegen im Nordwesten von Stein-Wingert und sind zu Fuß über Wanderwege bzw. über die Straße nach Burbach erreichbar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stein-Wingert gehörte im 12. Jahrhundert zunächst zur Grundherrschaft Nister. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts kam der Ort zur saynischen Landesherrschaft, 1649/71 zu Sayn-Hachenburg mit dem er 1799 an Nassau-Weilburg fiel. 1806 kam Stein-Wingert an das Herzogtum Nassau, ab 1866 in Preußen dann zur Provinz Hessen-Nassau.

Wingert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rodungsname Wingenrod hat sich im 18. Jahrhundert zu Wingert abgeschliffen, Bestimmungsort ist wohl ein Personenname. 1579 hatte Wingert elf und 1793 nur noch neun Häuser. 1764 wird in Wingert ein Bergwerk (Erzgrube Silberschnur) erwähnt. Noch bis 1913 arbeiteten hier einige Bergleute. Auf der Halde der Grube hat man später ein Armenhaus errichtet. 700 m nördlich von Wingert befand sich das Blei- und Eisenerzbergwerk Concordia.

Stein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm, Herr zu Reichenstein schenkte 1451 der Abtei Marienstatt den Zehnten, u. a den „zom Steyne“. Diese Benennung ist wohl auf die Bebauung der ersten Hütten auf felsigem Untergrund zu deuten. Stein bildete schon 1635 mit Wingert zusammen eine Gemeinde; 1579 hatte Stein vier und 1793 sechs Häuser. Als Bannmühle für die Ortschaften Stein-Wingert, Giesenhausen und Mörsbach wurde 1744 die 100 m nordwestlich Steins gelegene Steiner Mühle errichtet.[3] Anfangs wurde die Mühle mit dem teilweise noch vorhandenen Mühlengraben mit Wasser versorgt. Später trieb man einen Stollen durch den Berg zur Nister. Die Mühle war in herrschaftlichem Besitz und wurde ständig verpachtet.[4] Sie war bis 1950 als Kundenmühle in Betrieb und dient heute noch der Stromerzeugung. Die alte Linde an der Mühle ist ein Naturdenkmal.

Alhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem gleichen Anlass wie Stein wurde der Ortsteil 1451 als Aldeshausen erstmals genannt. Als -hausen-Siedlung ist er sehr alt (8. bis 9. Jahrhundert). Nach Alhausen führte von alters her nur ein Weg; deshalb wird er am Ende der Welt genannt. 1579 gab es hier vier und 1793 fünf Häuser. Im Ort stehen drei Fachwerkhäuser und eine Scheune aus dem 18. Jahrhundert. 700 m nördlich von Alhausen befand sich am Grenzbach zum Kreis Altenkirchen ein ehemaliges Eisenerzbergwerk, an die noch Abraumhalden und Schlacken erinnern.

Altburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie Stein und Alhausen wird der Weiler erstmals 1451 als „zor Alderburgh“ genannt; die Ortsbezeichnung festigte sich über Altenburg im 18. Jahrhundert zu Altburg. Der Name weist auf eine alte Befestigungsanlagen hin.[5] Altburg bestand 1579 aus zwei und 1793 aus drei Häusern. In dem Ort stehen zwei alte Fachwerkhäuser, eines trägt die Jahreszahl 1780.[6]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Stein-Wingert, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 104
1835 135
1871 152
1905 152
1939 179
1950 187
Jahr Einwohner
1961 159
1970 161
1987 163
1997 203
2005 217
2015 225

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Stein-Wingert besteht aus sechs Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Backtrog-Rennen in Stein-Wingert

Seit 1984 findet zweijährlich am letzten Wochenende im Juni das Backtrog-Rennen statt. Dieser aus Süddeutschland importierte Brauch besteht darin, in Holztrögen einen Abschnitt der Nister runter und wieder herauf zu paddeln. Ab 2007 wird das Fest in ungeraden Jahren veranstaltet, da es 2006 auf Grund der Fußball-Weltmeisterschaft nicht stattgefunden hat.

Die Felsformation Spitzlei 200 m nördlich von Wingert ist eine Felsformation 40 m oberhalb der Nister und dient als Aussichtspunkt (Naturdenkmal). Weitere Naturdenkmäler sind alte Eichen am Ortsrand von Wingert; die Eiche am Weg Ehrlich-Spitzlei-Stein ist über 400 Jahre alt.

Der Naturpfad Weltende führt von Alhausen über Flögert nach Stein-Wingert durch das Tal der Nister; nahe liegt die Erhebung Spitze Ley (265 m). In unmittelbarer Nähe kann man „Auf dem Burghardt“ oberhalb des Ortsteils Altburg noch die Reste einer keltischen Fliehburg erkennen.

Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Stein-Wingert

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 414, die von Altenkirchen (Westerwald) nach Hachenburg führt. Die nächsten Autobahnanschlussstellen sind in Siegen, Wilnsdorf oder Herborn an der A 45 (DortmundGießen). Der nächstgelegene ICE-Halt ist der Bahnhof Montabaur an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Idelberger: Die Mutung des Heinrich Schüler zu Wingert, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 41 (1998), S. 149–151.
  • Norbert Langenbach: Die Grube „Ludwig“ bei Stein-Wingert, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 35 (1992), S. 180–183.
  • Walter Marenbach: Aus der Geschichte der Herrschaftlichen Steiner Mahl- und Ölmühle im Nistertal, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 54 (2011), S. 243–244.
  • Christian Möller: Stein-Wingert. Die Altburg, in: Hans-Helmut Wegner (Bearb.): Der Westerwald, (Führer zu den archäologischen Denkmälern in Deutschland, Bd. 26), Stuttgart 1993, ISBN 3-8062-1093-4, S. 174–179.
  • Kurt Pfeifer/Horst Schumacher/Dieter Trautmann: Die Flurnamen der Gemeinde Stein-Wingert, in: Von Land und Leuten an der Nister 26 (2008), S. 1–27.
  • Daniel Schneider: Das Mühlengewerbe in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 59 (2016), S. 219–237.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stein-Wingert – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Zur geschichtlichen Entwicklung der Mühlen in der Grafschaft Sayn vgl. Daniel Schneider: Das Mühlengewerbe in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen, S. 219-239.
  4. Vgl. Walter Marenbach: Aus der Geschichte der Herrschaftlichen Steiner Mahl- und Ölmühle, S. 243-244.
  5. Vgl. Christian Möller: Die Altburg, S. 174-179.
  6. Hinweise zur Geschichte der vier Ortsteile bei: Walter Kwasnik und Dieter Trautmann: Landschaftsmuseum Westerwald Hachenburg: Westerwälder Beiträge 1 – Naturkundliche und kulturhistorische Denkmäler im Westerwald: Kroppacher Schweiz und Hachenburg, Hachenburg 1981, S. 92 ff.
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen