Alitalia

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Alitalia

IATA-Code: AZ
ICAO-Code: AZA
Rufzeichen: Alitalia
Gründung: 1946/2008
Sitz: Mailand (CAI), Rom
Drehkreuz:

Flughafen Rom-Fiumicino

Heimatflughafen: Flughafen Rom-Fiumicino
Unternehmensform: Aktiengesellschaft
ISIN: IT0003918577
Leitung: Roberto Colaninno, Rocco Sabelli
Mitarbeiterzahl: 11.172 (31. Dez. 2007) [1]
Umsatz: 4,856 Mrd. Euro (2007) [1]
Allianz: SkyTeam
Vielfliegerprogramm: Mille Miglia
Flottenstärke: 153 (+72 Bestellungen)
Ziele: national und international

Alitalia ist eine italienische Fluggesellschaft mit Sitz in Rom. Sie ist Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam. Das Drehkreuz der Alitalia ist Rom-Fiumicino. Der Name der Gesellschaft leitet sich von le ali – die Flügel und Italia – Italien ab.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Ein Dienstfahrzeug der Alitalia auf dem Stuttgarter Flughafen
Alitalia MD-82

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Ala Littoria Italiens nationale Fluggesellschaft. Nach Aufhebung des durch die Alliierten verhängten Flugverbots wurde Alitalia am 16. September 1946 von der italienischen Regierung und der BEA unter dem Namen Aerolinee Italiane Internazionali gegründet. BEA und das italienische Regierungsinstitut für den industriellen Wiederaufbau (IRI) brachten den größten Teil des Kapitals auf. Nur 12 % entfielen auf Privatleute. Etwa zur gleichen Zeit kam es in Zusammenarbeit mit der Trans World Airlines zur Gründung der Linee Aeree Italiane SpA (LAI). Der LAI wurden die Inlandsdienste übertragen. Aerolinee Italiane Internazionali bekam den Auftrag zum Aufbau eines internationalen Flugnetzes.

Am 5. Mai 1947 begann der Flugbetrieb mit einer Fiat G.12 auf der Linie Turin-Rom-Catania. Daneben setzte sich die Flotte aus Savoia Marchetti SM.95 und Avro Lancastrian zusammen. Bis Jahresende führte die Gesellschaft auf ihren sieben Linien 821 Flüge durch und erreichte 1.985 Flugstunden. Das Streckennetz hatte eine Länge von 9.185 km. Die Belegschaft bestand aus acht Direktoren, 55 Besatzungsmitgliedern, 94 Angestellten und 136 Arbeitern. Bei der Gründung der Gesellschaft standen nur einige hundert Millionen Lire zur Verfügung. Kapitalaufstockungen ermöglichten den Ausbau des Streckennetzes, der Flotte und der Organisation.

1948 nahm man den internationalen Verkehr mit der Verbindung Rom-Oslo auf. Am 1. September 1957 fusionierte die Fluglinie mit der Linee Aeree Italiane SpA und firmierte danach offiziell als Alitalia – Linee Aeree Italiane oder nur Alitalia. Im April 1961 verzichtete BEA auf ihren 40-prozentigen Aktienanteil, der daraufhin dem italienischen Staat zufiel. Alitalia nahm den Service mit Düsenflugzeugen am 28. April 1960 mittels einer Douglas DC-8 auf; tags darauf wurde die erste Caravelle in Dienst gestellt. Ab den 1970er Jahren erreichte das Streckennetz alle bewohnten Kontinente. 1994 gliederte sich Alitalia ihre Tochtergesellschaften, die Inlandsfluggesellschaft ATI und die Chartergesellschaft Aermediterranea ganz ein. Die Tätigkeit der früheren Regionalfluggesellschaft Avianova führt heute Alitalia Express fort. Im Chartergeschäft kooperierte Alitalia einige Zeit mit Eurofly, später mit Volare und Air Europe. Ab 1998 verlagerte Alitalia den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit wegen des höheren Aufkommens an Business-Class-Passagieren vom traditionellen Drehkreuz in Rom-Fiumicino schrittweise auf den Flughafen Mailand-Malpensa. Der gewünschte Erfolg blieb aus, weil der stadtnahe alte Flughafen Mailand-Linate nicht geschlossen wurde und weil potenzielle Kunden aus anderen norditalienischen Städten wegen zahlreicher Direktverbindungen zu anderen europäischen Hubs auf lange Anfahrtswege nach Malpensa verzichteten. Da auch Rom-Fiumicino als Drehkreuz beibehalten wurde, verzettelte sich Alitalia zwischen zwei Hubs. In diesem Zusammenhang spielte auch die Einflussnahme politischer Kreise auf das damalige Staatsunternehmen eine sehr nachteilige Rolle.

[Bearbeiten] Privatisierung

Alitalia wirtschaftete seit den 1990er Jahren mit enormen Verlusten, 2006 wies die Unternehmensgruppe einen Verlust in Höhe von 625 Millionen Euro aus. [2] Im Januar 2007 leitete die italienische Regierung den Verkauf von mindestens 30,1 Prozent des von ihr noch gehaltenen Aktienpaketes (49,9 %) ein, mit dem Ziel, mittelfristig eine volle Privatisierung durchzuführen. Der SkyTeam-Partner Air France-KLM beteiligte sich an diesem Bieterverfahren nicht.[3]

Im April 2007 wurde bekannt, dass Alitalia komplett von einem Unternehmen übernommen werden sollte. Als Interessenten galten: die russische Fluggesellschaft Aeroflot gemeinsam mit der Bank Unicredit, die italienische Investmentbank Mediobanca mit dem US-Beteiligungsunternehmen Texas Pacific Group (TPC) und der US-Vermögensverwalter Matlin Patterson sowie die Ap Holding von Carlo Toto, dem Eigentümer des Lufthansa-Partners Air One. Der Preis der Übernahme wurde auf 3 Milliarden Euro geschätzt. Bis Juli 2007 hatten jedoch alle Interessenten ihre Offerten zurückgezogen.

Im Oktober 2007 begann die Käufersuche erneut. Dabei galten Air France-KLM und Air One als mögliche Käufer. Am 21. Dezember 2007 sprach sich der Vorstand von Alitalia einstimmig für das Übernahmeangebot von Air France-KLM aus. Das letzte Wort hatte allerdings die italienische Regierung als Mehrheitsaktionär. Diese gab am 28. Dezember 2007 bekannt, sich ebenfalls zugunsten von Air France-KLM für die anstehenden exklusiven Verkaufsverhandlungen entschieden zu haben. Das Angebot von Air France-KLM sah vor, Alitalia mittels Aktientausch zu 100 Prozent zu übernehmen. Als Sofortmaßnahme zur Stabilisierung der prekären Finanzlage von Alitalia wollte Air France-KLM 100 Prozent der ausstehenden Wandelanleihen kaufen und eine für alle derzeitigen Aktionäre offen stehende Kapitalerhöhung von 750 Millionen Euro durchführen. Der langfristige Businessplan sah zudem Investitionen von 6,5 Milliarden Euro vor. Dabei sollte die Mittel- und Langstreckenflug-Flotte wesentlich erneuert werden. Die in den Kurz- und Mittelstreckenflügen verwendete MD-82-Flotte und die für Langstrecken eingesetzten Boeing 767 sollten durch modernere Flugzeuge ersetzt werden. Der Rettungsplan sah auch einen Abbau von bis zu 1700 Arbeitsplätzen vor und die Konzentration auf Rom als internationales Luftfahrt-Drehkreuz.

Die Übernahme von Alitalia durch Air France-KLM stieß in politischen Kreisen auf teils heftigen Widerstand. Insbesondere in Norditalien stieß die Degradierung des Flughafens Mailand-Malpensa auf heftige Kritik. Die Übernahme durch einen ausländischen Konkurrenten wurde zudem als Ausverkauf der eigenen Heimat kritisiert. Der Verkauf beziehungsweise die Rettung von Alitalia wurde damit zu einem heiß umkämpften Wahlkampfthema bei den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 13. und 14. April 2008.[4]

Boeing 777 in Buenos Aires

Als größte Hürde für die Übernahme durch Air France-KLM galt allerdings der Widerstand der in Italien sehr einflussreichen Gewerkschaften, die jede Art von Arbeitsplatzabbau ablehnten. Diese bestätigten ihre Haltung bei den am 18. März 2008 stattgefundenen Verhandlungen mit Air France-KLM. Bei ihrem Übernahmeangebot machte die Air France-KLM die Übernahme von einer Einigung mit den Gewerkschaften abhängig. Laut Medienberichten äußerte sich Air-France-Präsident Jean-Cyril Spinetta zu den Widerständen der Gewerkschaften mit den Worten „Wir sind interessiert, aber nicht zu einer Übernahme verpflichtet“. Damit kamen wieder starke Zweifel auf, ob die Übernahme auch tatsächlich stattfinden würde. Die Aktien von Alitalia brachen daraufhin um über 31 Prozent ein und erreichten einen neuen historischen Tiefstwert, nachdem diese bereits am Vortag um 26 Prozent eingebrochen waren.[5]

Am 2. April 2008 gab Air France-KLM in einer Medienmitteilung das definitive Scheitern der Übernahmeverhandlungen bekannt. Laut Air France-KLM waren die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Verhandlungen mit den Gewerkschaften aufgrund deren veränderten Forderungen nicht mehr gegeben.[6] In einer gleichentags veröffentlichten Medienmitteilung bestätigte Alitalia den Abbruch der Verhandlungen und erklärte die Übernahme für gescheitert. Alitalia gab zudem den sofortigen Rücktritt von Maurizio Prato, Vorstandsvorsitzender von Alitalia, bekannt.[7]

Am 26. August 2008 wurde bekannt, dass zur Sanierung der Alitalia die neue Betreibergesellschaft Compagnia Aerea Italiana (CAI) gegründet wird. Die aus 16 Investoren bestehende Gruppe unter der Regie der italienischen Bankengruppe IntesaSanpaolo sollte mit einer Investition von einer Milliarde Euro sowie der Übernahme der rentablen Bereiche der Airline die operativen Aktivitäten von Alitalia retten. Des Weiteren sollten die defizitären Bereiche davon getrennt sowie etwa 5.000 der 20.000 Angestellten entlassen und mehrere Dutzend Flugzeuge ausgemustert werden. Geführt wird CAI vom Unternehmer Roberto Colaninno.[8] Zur Umsetzung der geplanten Sanierung stellte der Verwaltungsrat von Alitalia am 29. August 2008 Antrag auf Insolvenz[9]. Als Sonderkommissar wurde Augusto Fantozzi eingesetzt.

Die Details und die Umsetzung des Sanierungsplans waren danach Gegenstand von Verhandlungen. An diesen nahmen Sonderkommissar Fantozzi, Vertreter der neu gegründeten CAI Compagnia Aerea Italiana, Regierungsvertreter, die vier großen nationalen Gewerkschaften CGIL, CISL, UIL und Unione Generale del Lavoro teil, sowie fünf äußerst einflussreiche autonome Gewerkschaften der Piloten, des Kabinenpersonals und des Bodenpersonals, die zwischenzeitlich jedoch von den Verhandlungen ausgeschlossen wurden. Nachdem auch nach fast drei Wochen andauernden Verhandlungen keine Einigung erzielt werden konnte und ein von Roberto Colaninno gestellte Frist für die Vertragsunterzeichnung erfolglos verstrichen war, zog das Investorenkonsortium CAI am 18. September 2008 seine Offerte zurück. Wegen der Drohung der italienischen Flugaufsicht Enac, die Fluglizenz zu entziehen, wurden die Verhandlung jedoch wenige Tage später wieder aufgenommen. Am 29. September 2008 unterschrieben schließlich sämtliche neun Gewerkschaften den Sanierungsplan.[10]

Die so genannte „bad company“ flog bis zum 12. Januar 2009 weiter. Danach wurden die im Sanierungsplan definierten Unternehmensteile und auch die zweitgrößte italienische Fluggesellschaft Air One von der Compagnia Aerea Italiana übernommen.[11] Die neue Fluggesellschaft firmiert nunmehr unter dem Namen Alitalia - Compagnia Aerea Italiana S.p.A..[12] Air France-KLM hält 25 Prozent an dem neuen Unternehmen und ist damit größter Einzelaktionär. Die restlichen Aktien hält die italienische Investorengruppe um Roberto Colaninno.

Nachdem Anfang April 2009 durch die Tageszeitung Corriere della Sera bekannt wurde, dass bei Air One 800 der 3000 Stellen abgebaut werden sollen, erklärten die Einzelgewerkschaften der Piloten und der Flugbegleiter, dass die abgeschlossenen Vereinbarungen mit der CAI nicht eingehalten würden. Daher erklärten sie für den 8. April 2009 Streiks. [13][14]

Die neue Alitalia hat über ein Viertel der internationalen Flüge gestrichen. Dennoch wird 2009 ein Verlust von über 200 Mio. Euro erwartet. [15]

[Bearbeiten] Ziele

Shepherd One

Alitalia bedient Ziele in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien. Flüge nach Australien werden schon seit einigen Jahren nur noch im Codesharing angeboten. Ende Januar 2008 beschloss Alitalia definitiv, Mailand-Malpensa als internationalen Hub zugunsten von Rom-Fiumicino aufzugeben. Alitalia streicht mit dem Sommerflugplan 2008 über 150 der bisher rund 360 Flüge pro Tag ab Malpensa. Als Langstreckenziele werden von Mailand aus nur noch die drei Destinationen New York City, Tokio und São Paulo angeflogen. [16]

Die Auslandsflüge des Papstes führt Alitalia durch. „Das Vertrauen des Heiligen Stuhls in Alitalia geht auf 40 Jahre Geschichte zurück“, betont das Unternehmen. Alitalia hat einen Großteil der Auslandsreisen des Papstes per Charter durchgeführt; das Rufzeichen bei internationalen Flügen ist Shepherd One („Hirte eins“).

[Bearbeiten] Flotte

(Stand: Juni 2009, nach Neugründung und Eingliederung von Air One und anderen Tochtergesellschaften)[17][18][19][20]

Flugzeug Aktiv Bestellungen Anmerkung
Airbus A319-100 12 0 von Alitalia - Linee Aeree Italiane
Airbus A320-200 44 48 11 von Alitalia - L.A.I., zwei von Volare, 31 von Air One
Airbus A321-100 23 0 von Alitalia - L.A.I.
Airbus A330-200 2 12 von Air One, Ersatz für Boeing 767
Airbus A350-800XWB 0 12 von Air One
Boeing 737-300 3 0 von Air One; Nachfolger ist Airbus A320
Boeing 737-400 14 0 von Air One; Nachfolger ist Airbus A320
Boeing 767-300ER 6 0 von Alitalia - L.A.I.; Nachfolger ist Airbus A330
Boeing 777-200ER 10 0 von Alitalia - L.A.I.
McDonnell Douglas MD-82 22 0 von Alitalia - L.A.I.; Nachfolger ist Airbus A320
Avro RJ-70 1 0 von Air One, betrieben von Transwede Airways
Bombardier CRJ-900 10 0 von Air One CityLiner
Embraer E170-100 6 0 von Alitalia Express
Gesamt 153 72

Alitalia flottet gegenwärtig ihre ehemals knapp 100 MD-82 aus, daneben wurde auch die Boeing 747 zugunsten der Boeing 777 ganz aus der Flotte genommen. [21] Alitalia - Compagnia Aerea Italiana S.p.A. hat die Flotte von Air One übernommen, zum Teil auch die anderer Tochtergesellschaften.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Geschäftsbericht 2007
  2. Alitalia: Jahresbericht 2006
  3. fdt.net, „Rothschild bereitet Alitalia-Kauf vor“, 10. Januar 2007
  4. Corriere della Sera, 21. März 2008
  5. Repubblica, 18. März 2008
  6. Medienmitteilung Air France-KLM, 2. April 2008
  7. Medienmitteilung Alitalia, 2. April 2008
  8. aero.de Gesellschaft zur Rettung von Alitalia gegründet
  9. Spiegel Online, 29. August 2008 Alitalia meldet Insolvenz an
  10. Repubblica, 29. September 2008
  11. Repubblica, 30. September 2008
  12. ENAC, 13. Januar 2009
  13. http://www.boerse-express.com/pages/763234
  14. http://www.airline-bewertungen.eu/airlinenews/airlinenews-1542.html
  15. http://www.airline-bewertungen.eu/airlinenews/airlinenews-1542.html
  16. Corriere della Sera, 01.02.2008 - Da Malpensa restano 3 voli a lungo raggio
  17. ch-aviation.ch: Flotte der Alitalia 12. Juni 2009
  18. ch-aviation.ch: Flotte der Air One 12. Juni 2009
  19. ch-aviation.ch: Flotte der Air One CityLiner 12. Juni 2009
  20. ch-aviation.ch: Flotte der Alitalia Express 12. Juni 2009
  21. aero.de: Alitalia stellt 46 Flugzeuge zum Verkauf 30. Dezember 2008

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Alitalia – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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