Le Thillot

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Le Thillot
Wappen von Le Thillot
Le Thillot (Frankreich)
Le Thillot
Region Grand Est
Département Vosges
Arrondissement Épinal
Kanton Le Thillot (Hauptort)
Gemeindeverband Ballons des Hautes-Vosges
Koordinaten 47° 53′ N, 6° 46′ OKoordinaten: 47° 53′ N, 6° 46′ O
Höhe 468–950 m
Fläche 15,14 km2
Einwohner 3.513 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 232 Einw./km2
Postleitzahl 88160
INSEE-Code

Lage der Stadt Le Thillot
im Département Vosges

Le Thillot ist eine französische Gemeinde mit 3513 Einwohnern (1. Januar 2015) im Département Vosges in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie gehört zum Arrondissement Épinal, ist Hauptort (chef-lieu) des Kantons Le Thillot und Sitz des Gemeindeverbandes Communauté de communes des Ballons des Hautes-Vosges.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt Le Thillot an der oberen Mosel liegt in den Vogesen im äußersten Südosten Lothringens und grenzt im Süden an die Region Franche-Comté. Remiremont, die nächstgrößere Stadt ist 24 Kilometer von Le Thillot entfernt.

Das Gemeindegebiet von Le Thillot erstreckt sich vom Tal der Mosel, das hier ca. 1000 Meter breit ist, bis zu den Kammlagen nordöstlich und südlich des Ortes. Im Nordosten wird mit 950 Metern die höchste Erhebung in der Gemeinde erreicht. Im Süden erfolgt mit dem Col du Croix auf 679 Metern Höhe der Übergang zu einem Hochplateau, das die Wasserscheide zum Einzugsgebiet der Saône bildet. Im Gemeindegebiet münden die aus Süden kommenden Gebirgsbäche Ruisseau Le Vacceux und Ruisseau de Couard; der den Norden der Gemeinde prägende Ménil mündet in der Nachbargemeinde Ramonchamp in die Mosel.

Die Wälder, die knapp die Hälfte des 15,14 km² großen Gemeindegebietes ausmachen, gehören den Forstarealen Bois du Hinguenet und Forêt Domaniale du Géhand. Die Höhe von fast 500 Metern über dem Meer lässt im oberen Moseltal keinen wirtschaftlichen Ackerbau zu, so dass Viehweiden dominieren, die sich über die Hänge bis in die hohen Lagen hinziehen.

Der Stadtkern mit der Kirche Saint-Jean-Baptiste liegt am rechten Moselufer. Die Siedlungsachsen von Le Thillot und dem östlich anschließenden Fresse-sur-Moselle sind entlang der Mosel inzwischen zusammengewachsen. Eine weitere Achse, die quer zum Moseltal verläuft, bindet den Ortsteil Le Prey ein. Weitere Ortsteile sind Les Ves im Nordosten und Les Mines im Süden. Es handelt sich hierbei um Ansammlungen von Bergbauernhöfen.

Nachbargemeinden von Le Thillot sind Le Ménil im Norden, Fresse-sur-Moselle im Osten, Haut-du-Them-Château-Lambert sowie Ramonchamp im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Römerzeit führte der Weg von Metz nach Basel über das obere Moseltal und somit durch Le Thillot. Vor der Französischen Revolution gehörte die verstreute Siedlungsstruktur um Le Thillot zum Besitz der Äbtissinnen des Chapitre de Remiremont. Die heutige Gemeinde Le Thillot entstand durch die Abspaltung aus dem Ban de Ramonchamp am 30. Juni 1860 per Ministerdekret. Der Name Thillot stammt vermutlich vom französischen Wort tilia (Linde) ab, die auch als zentrales Symbol des Wappens auftaucht.[1]

Zwischen 1560 und 1760 wurden von den Lothringer Herzögen südlich von Le Thillot Kupferminen betrieben. An diese Periode erinnert noch der Name des Ortsteiles Les Mines. Einige der Stollen und Mundlöcher wurden in jüngster Zeit gesichert und Besuchern zugänglich gemacht (Schaubergwerk).[2]

Rathaus
Kirche Saint-Jean-Baptiste
See am Stadtrand von Le Thillot

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die Einwohner von der Land- und Viehwirtschaft, daneben verdienten sich die Bauern als Holzfäller, Handwerker, Schreiner, Holzschuhmacher oder Gespannführer ihren Unterhalt. Nach 1870 erlebte die Textilindustrie eine neue, verstärkte Blüte durch die Ansiedlung von Betrieben elsässischer Besitzer, die vor den Deutschen geflohen waren. In den 1970er Jahren begann der Niedergang der Textilindustrie. Erst allmählich konnten neue Arbeitsplätze geschaffen werden, unter anderem in der Kunststoff- und Metallverarbeitung sowie im Maschinenbau.

Siehe auch: Jüdische Gemeinde Le Thillot

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2014
Einwohner 4464 4577 5114 4860 4246 3945 3760 3571

Die Einwohnerzahlen der Gemeinde Le Thillot zeugen vom Aufschwung und dem Verlust vieler Arbeitsplätze in der Textilbranche seit den 1970er Jahren. Die Ansiedlung neuer Unternehmen konnte die Abwanderungsrate nicht kompensieren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche Saint-Jean-Baptiste aus dem 19. Jahrhundert
  • Schaubergwerk Hautes-Mynes du Thillot
  • Standbild von Jules Ferry, 1813 errichtet

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur noch wenige Einwohner von Le Thillot sind in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Nördlich des Ortskerns wurde das Gewerbegebiet le Prey (Zone d’aménagement concerté le Prey) eingerichtet. Zu den heute in Le Thillot ansässigen Betrieben mit über 100 Mitarbeitern zählen:

  • S.A. Curien (Hoch- und Tiefbau)
  • Neotec France S.A. (Blechbearbeitung, Oberflächentechnik)
  • SOVOS - Tanneries Grosjean (eine der größten Gerbereien Frankreichs)
  • Tissage Mouline Thillot (1926 gegründete Weberei)

Darüber hinaus pendeln viele Erwerbstätige in andere Gewerbegebiete des oberen Moseltales.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Le Thillot setzte in den letzten Jahren zunehmend auf den Fremdenverkehr und ist inzwischen durch Hotels, Pensionen, Ferienhäuser und einen Campingplatz touristisch erschlossen. Ein Fremdenverkehrsbüro (Office de tourisme) im Ort koordiniert die Aktivitäten.

Mit 3745 Einwohnern (2006) ist Le Thillot die größte Kommune im Moseltal oberhalb von Remiremont und mit seinen Einkaufsmöglichkeiten sowie Kulturangeboten ein urbanes Zentrum in der Region. Le Thillot ist mit drei Grund- und einer Realschule sowie einem Kindergarten auch Bildungsstandort.

Der Verkehr in Le Thillot ist durch die stark frequentierte Route Nationale 66 (Europastraße 512) von Épinal über den Col de Bussang nach Mülhausen geprägt, die mitten durch die Kleinstadt führt, was insbesondere im Berufsverkehr zu erheblichen Behinderungen führt. Seit vielen Jahren ist eine Ortsumgehung der RN 66 geplant. Die Hauptverkehrsachse wird in Le Thillot von der Départementsstraße 468 gekreuzt, die von Gérardmer nach Lure in der Franche-Comté führt.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude und der Straßenname Rue de la Gare erinnern an die stillgelegte Bahnlinie von Remiremont nach Bussang.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. genealogie-lorraine.fr/info/blasons (französisch)
  2. Schaubergwerk Le Thillot

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Le Thillot – Sammlung von Bildern