Roberto Baggio

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Roberto Baggio
Roberto Baggio (2013)
Personalia
Geburtstag 18. Februar 1967
Geburtsort CaldognoItalien
Größe 174 cm
Position Hängende Spitze
Offensives Mittelfeld
Junioren
Jahre Station
1974–1980 Caldogno Calcio
1980–1982 Lanerossi Vicenza
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1982–1985 Lanerossi Vicenza 36 (13)
1985–1990 AC Florenz 95 (39)
1990–1995 Juventus Turin 141 (78)
1995–1997 AC Mailand 51 (12)
1997–1998 FC Bologna 30 (22)
1998–2000 Inter Mailand 42 (11)
2000–2004 Brescia Calcio 95 (45)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1984 Italien U-16[1] 4 0(3)
1988–2004 Italien 56 (27)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Roberto Baggio (* 18. Februar 1967 in Caldogno, Provinz Vicenza) ist ein ehemaliger italienischer Fußballprofi. Der Offensivspieler erhielt 1993 die Auszeichnung als FIFA-Weltfußballer des Jahres und belegt aktuell mit 205 Toren den siebten Platz der Rekordtorschützenliste der Serie A. Seine erfolgreichste Zeit im Vereinsfußball erlebte er mit Juventus Turin.

Aufgrund seiner Fähigkeiten und der Zopf-Frisur, die Baggio über die meiste Zeit seiner Karriere trug, bekam er den Spitznamen „Il Divin Codino“ (Das göttliche Zöpfchen).

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roberto Baggio stammt aus der oberitalienischen Kleinstadt Caldogno (Region Venetien) und ist das zweitjüngste von insgesamt acht Kindern der Eheleute Matilde und Florindo Baggio. Beim örtlichen Verein Caldogno Calcio begann er als Siebenjähriger mit dem Jugendfußball und „Roby“ erwarb sich den Ruf eines Ausnahmetalents. Sein jüngerer Bruder Eddy (* 1974) war später ebenfalls Fußballprofi in der Serie B.

Zu dem gleichnamigen Fußballer Dino Baggio besteht keine Verwandtschaftsbeziehung.

Vereinskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lanerossi Vicenza[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baggio in der Saison 1984/85

Mit 13 Jahren wechselte Baggio in die Nachwuchsabteilung des Drittligisten Lanerossi Vicenza aus der nur zehn Kilometer entfernten Provinzhauptstadt. Schon als Jugendlicher gehörte er zum Kader der Seniorenmannschaft und gab am letzten Spieltag der Serie C1 (5. Juni 1983) mit 16 Jahren sein Debüt. Nachdem Baggio es in der folgenden Saison 1983/84 auf sechs Einsätze (ein Tor) gebracht hatte, gelang ihm in seiner dritten Saison endgültig der sportliche Durchbruch. Unter Trainer Bruno Giorgi entwickelte er sich zu einem Leistungsträger und hatte mit zwölf Saisontoren großen Anteil an Vicenzas Aufstieg in die zweitklassige Serie B. Baggio war das Aushängeschild des Vereins und wurde im gleichen Jahr für die U-16 Juniorennationalmannschaft nominiert. Nach dem ersten Erfolg seiner Karriere hatte Baggio das Interesse verschiedener Vereine aus der Serie A auf sich gezogen und am 5. Mai 1985 unterschrieb er einen Profivertrag bei der AC Florenz. Der Klub aus der Toskana ließ sich den Transfer stattliche 2,7 Milliarden Lire (umgerechnet 1,39 Millionen Euro) kosten.[2] Doch in seinem letzten Spiel für Vicenza, zwei Tage nach der Vertragsunterzeichnung mit Florenz, zog sich Baggio einen Kreuzband- und Meniskusriss im rechten Knie zu.[3]

AC Florenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der schweren Knieverletzung befürchtete man sogar ein frühzeitiges Karriereende und Baggio musste in einer aufwendigen Operation mit insgesamt 220 Stichen genäht werden. Somit verpasste er seine komplette Premierensaison und obwohl der AC Florenz die Möglichkeit zum Rücktritt von dem bereits geschlossenen Vertrag hatte, hielt die Vereinsführung an Baggio fest, der seinerseits auf einen Teil des Gehalts verzichtete. In dieser Phase der Ungewissheit und erzwungenen Ruhe geriet der Spieler in eine tiefe persönliche Krise, die ihn schließlich zum buddhistischen Glauben brachte. Erst am 21. September 1986 konnte Baggio im Heimspiel gegen Sampdoria Genua (2:0) sein Debüt in Italiens höchster Spielklasse feiern. Doch schon eine Woche nach seinem Comeback folgte der nächste Rückschlag, als er sich erneut schwer am Meniskus verletzte und auch einen Großteil der Saison 1986/87 ausfiel. Nach hartem Aufbautraining kehrte Baggio gegen Ende der Rückrunde in die Mannschaft zurück und konnte die Saison versöhnlich abschließen: Am vorletzten Spieltag erzielte er beim 1:1 gegen den neuen italienischen Meister SSC Neapel um Diego Maradona seinen ersten Treffer in der Serie A.[4]

Nach zwei von Verletzungen geprägten Jahren war Baggio vollständig genesen, was ihn endlich in die Lage versetzte, sein enormes fußballerisches Talent abzurufen.[5] Unter Trainer Sven-Göran Eriksson schaffte er in der Saison 1987/88 mit konstanten Leistungen den Sprung zum Stammspieler und er zahlte das ihm entgegengebrachte Vertrauen zurück. Neben seiner Abschlussstärke zeichnete sich Baggio durch Torgefahr bei Standardsituationen aus und er avancierte 1988/89 zum Shootingstar der Serie A, die zu dieser Zeit als beste Liga der Welt angesehen wurde. Der elegante und spielstarke Edeltechniker erzielte 15 Tore und bildete mit Stefano Borgonovo ein torgefährliches Angriffsduo, das 29 der insgesamt 44 Saisontreffer des AC Florenz beisteuerte. Im Entscheidungsspiel um die UEFA-Pokal-Qualifikation gelang Baggio der umjubelte 1:0-Siegtreffer gegen den punktgleichen AS Rom. In der folgenden Spielzeit (1989/90) konnte sich Baggio nochmals steigern und belegte mit 17 Saisontoren hinter Marco van Basten den zweiten Platz der Torschützenliste (sog. Capocannoniere). Obwohl die Violetten in der Liga lange Zeit gegen den Abstieg kämpften und die Saison nur auf dem 12. Platz beendeten, sorgte die Mannschaft international für Aufsehen und erreichte das Finale des UEFA-Pokals. In der 3. Runde gegen Dynamo Kiew war Baggio sein erstes internationales Tor gelungen und in Anerkennung seiner Leistungen zeichnete ihn die Sportzeitschrift Il Guerin Sportivo mit der Trofeo Bravo als besten Nachwuchsspieler Europas aus. In den Endspielen des UEFA-Pokals war Florenz allerdings chancenlos und unterlag dem favorisierten Juventus Turin (1:3 und 0:0).

Nach dieser Niederlage verkündete Vereinspräsident Flavio Pontello am 19. Mai 1990 den Transfer Baggios zu Juventus, das die damalige Rekordsumme von 25 Milliarden Lire (umgerechnet 12,9 Millionen Euro) zahlte.[6][7] Die Nachricht vom Verkauf ihres Starspielers an den verhassten Erzfeind löste in Florenz gewalttätige Ausschreitungen der Ultra-Gruppierungen aus, bei denen etwa 50 Menschen verletzt wurden.[8] Baggio selbst hielt sich in der Angelegenheit zurück und vermied unbedachte Äußerungen in der Öffentlichkeit. Später sagte er zu seinem spektakulären Vereinswechsel:

„Ich wollte in Florenz bleiben, aber ich wurde gegen meinen Willen zu diesem Transfer gezwungen. Mein Herz wird immer violett bleiben.“

Roberto Baggio[9]

Juventus Turin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baggio im Trikot von Juventus Turin

Nach der Weltmeisterschaft 1990 nahm Baggio den Spielbetrieb bei Juventus Turin auf und die Erwartungen an den teuersten Fußballer der Welt waren dementsprechend hoch. Baggio erhielt das prestigeträchtige Trikot mit der Rückennummer 10 und wurde von der ambitionierten Vereinsführung des Rekordmeisters als legitimer Nachfolger von Michel Platini angesehen. Der Umstand, dass er bei seiner Präsentation ohne den obligatorischen Juventus-Schal erschien, kam bei den Fans seines neuen Arbeitgebers allerdings nicht gut an.[10] Sein offizielles Debüt gab er am 1. September 1990 bei der 1:5-Niederlage in der Supercoppa Italiana gegen den SSC Neapel und erzielte den Ehrentreffer. Die Alte Dame befand sich in einer Phase der sportlichen Neuorientierung und Trainer Luigi Maifredi setzte auf die offensive Durchschlagskraft des Sturmtrios Roberto Baggio, Salvatore Schillaci und Pierluigi Casiraghi.[11] Doch nach der durchwachsenen Saison 1990/91 erreichte der Klub nur einen enttäuschenden siebten Platz, womit man erstmals seit 1962 die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verpasste. Auch mit dem frühzeitigen Ausscheiden in der Coppa Italia (Viertelfinale) und dem Scheitern am FC Barcelona im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger blieb Juve deutlich hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Während Baggio mit neun Treffern bester Torschütze des Pokalsiegerwettbewerbs war, verlief sein erstes Jahr in der Liga mit 14 Toren und vier Vorlagen zufriedenstellend. In der Rückrunde kam es am 7. April 1991 zur lang erwarteten Rückkehr bei der AC Florenz. Die Stimmung im Stadio Artemio Franchi war regelrecht feindselig und Baggio wurde bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgepfiffen. Obwohl er als einer der besten Elfmeterschützen Italiens galt, ließ er Luigi De Agostini in der Partie gegen seinen Ex-Klub den Vortritt. Als Baggio nach seiner Auswechselung einen Fiorentina-Schal vor die Füße geworfen bekam, nahm er diesen auf und winkte sogar in Richtung der Ultras. Daraufhin erschienen zwei Tage später etwa 300 Juve-Anhänger beim Training und stellten Baggio zur Rede. Sie kritisierten die Szene mit dem Schal und warfen ihm Feigheit vor, weil er nicht zum Elfmeter angetreten war und Juventus dadurch mit 0:1 verloren hatte.

Im Sommer 1991 übernahm Giovanni Trapattoni den Trainerposten und unter seiner Verantwortung stabilisierten sich die Leistungen der Mannschaft wieder. Trapattoni setzte Baggio zumeist hinter den beiden Stürmern ein, womit er das Angriffsspiel auf ihn zuschnitt und seinen trequartista zum unumstrittenen Fixpunkt in der Offensive machte. Dabei stattete er Baggio mit zahlreichen Freiheiten aus und entband ihn weitgehend von Defensivarbeit.[12] Mit 18 Saisontoren belegte Baggio hinter Marco van Basten erneut den zweiten Platz der Torschützenliste und als „Meister des ruhenden Balles“ zählte er mittlerweile zu den besten Elfmeter- und Freistoßschützen der Welt.[13] Juventus Turin kehrte in die Spitzengruppe der Serie A zurück und wurde hinter dem übermächtigen AC Mailand Vizemeister der Saison 1991/92. In den Endspielen der Coppa Italia unterlag Juve dem AC Parma (1:0 und 0:2). In der folgenden Spielzeit 1992/93 präsentierte sich Baggio, der von Trapattoni zum neuen Mannschaftskapitän ernannt worden war, in absoluter Topform und er spielte den wohl besten Fußball seiner Karriere. Wenngleich Juves Offensive durch die Neuzugänge Gianluca Vialli, Fabrizio Ravanelli und Andreas Möller verstärkt wurde, erreichte Baggio seine persönliche Bestmarke von wettbewerbsübergreifend 30 Toren.[14] Ihm gelang beim 5:1-Sieg über Udinese Calcio ein Viererpack und er belegte mit 21 Treffern zum dritten Mal den zweiten Platz der Torschützenliste. Obwohl Juventus im Meisterschaftskampf als Viertplatzierter erneut das Nachsehen hatte, war der Gewinn des UEFA-Pokals ein versöhnlicher Saisonhöhepunkt – der erste Titel für die Bianconeri seit drei Jahren. Der formstarke Baggio hatte sich im Halbfinale gegen Paris Saint-Germain mit drei Toren als Matchwinner erwiesen und stellte seine Klasse mit einem vorentscheidenden Doppelpack auch in den Finalspielen gegen Borussia Dortmund (3:1 und 3:0) unter Beweis. Der Gewinn des UEFA-Pokals sollte sein einziger internationaler Erfolg bleiben. Folgerichtig erhielt Baggio nach der für ihn überragenden Saison 1993 den Ballon d’Or als Europas Fußballer des Jahres und von der FIFA die Auszeichnung als Weltfußballer.

1993/94 untermauerte Baggio mit 17 Saisontoren seinen Status als führender Offensivspieler Italiens und belegte bei der Wahl zum Weltfußballer 1994 hinter Romário und Christo Stoitschkow den dritten Platz.[15] Beim 4:0-Sieg gegen Genua 1893 erzielte er am 31. Oktober 1993 einen Hattrick, darunter sein 100. Tor in der Serie A und am 5. Dezember 1993 bestritt er sein 200. Ligaspiel. Auch in seiner vierten Saison mit der Alten Dame verpasste Baggio die ersehnte Meisterschaft und Juventus wurde mit drei Punkten Abstand hinter dem AC Mailand Vizemeister.

Zur Saison 1994/95 übernahm Marcello Lippi das Traineramt von Trapattoni. Lippi wollte der Mannschaft mehr Variabilität verleihen und die Offensive weniger abhängig von Baggio machen, den er in seiner neuen 4-3-3-Formation auf der ungewohnten Position als linker Flügelstürmer einsetzte. Infolge einer Knieverletzung fiel Baggio drei Monate aus und konnte erst im März 1995 wieder in den Spielbetrieb einsteigen. In der Zwischenzeit ersetzte ihn der aufstrebende Jungstar Alessandro Del Piero. In nur 17 Einsätzen verhalf Baggio seiner Mannschaft mit 8 Toren und 7 Vorlagen zum Gewinn der Meisterschaft – der erste Scudetto für Juventus seit 1986. Beim vorentscheidenden 4:0-Sieg über den AC Parma am 21. Mai 1995 hatte Baggio drei Torvorlagen beigesteuert. Juventus gewann auch die Coppa Italia (Baggio ohne Einsatz in den Endspielen) und erreichte das Finale des UEFA-Pokals, verpasste jedoch durch die Niederlage gegen den AC Parma das „kleine“ Triple. Nach der Saison scheiterten die Vertragsverhandlungen zwischen Baggio und Manager Roberto Bettega sowie Ehren-Präsident Umberto Agnelli, da Juventus das Gehalt seines Stars, der als einer der am besten bezahlten Fußballer der Welt galt, halbieren wollte. Trainer Lippi teilte mit, zukünftig auf Del Piero bauen zu wollen, weshalb der Verein Baggio im Juni 1995 schließlich auf die Transferliste setzte.

Mit insgesamt 115 Toren (bei 200 Pflichtspielen) liegt Baggio derzeit auf dem 9. Platz der Rekordtorschützen von Juventus Turin.

AC Mailand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 1995 einigte sich Baggio mit dem AC Mailand auf einen Vertrag und wechselte für die Ablösesumme von 18 Milliarden Lire (9,6 Millionen Euro) zu den von Medienunternehmer Silvio Berlusconi geführten Rossoneri. Um in Italien bleiben zu können, hatte Baggio Angebote ausländischer Klubs wie Real Madrid, Manchester United oder den Blackburn Rovers abgelehnt. Milan hatte in den vorherigen Jahren sowohl den italienischen als auch den europäischen Spitzenfußball dominiert und im Kader standen Ausnahmespieler wie Franco Baresi, Paolo Maldini, Demetrio Albertini, Dejan Savićević oder George Weah. Obwohl Baggio zu Saisonbeginn mit Verletzungen zu kämpfen hatte und sich erst in das taktische Konzept von Trainer Fabio Capello einfinden musste, steigerten sich seine Leistungen und er etablierte sich als Sturmpartner von Weah. Dabei agierte Baggio zumeist als hängende Spitze und konnte sich in seiner neuen Rolle mit sieben Treffern weniger als Torjäger, denn als Vorlagengeber profilieren. Mit 12 Torvorlagen war Baggio zwar bester Vorbereiter der Serie A, doch er genoss auf dem Spielfeld nicht mehr die gewohnten Freiheiten und Capello wechselte ihn wegen mangelnder Fitness in der zweiten Halbzeit regelmäßig aus.[16] Gleich in seiner Premierensaison 1995/96 gewann Baggio mit dem AC Mailand den Meistertitel. Damit ist er einer von nur sechs Spielern, die den Scudetto in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit verschiedenen Vereinen gewinnen konnten.

Die folgende Saison 1996/97 verlief für den Titelverteidiger katastrophal, da Milan unter dem neuen Trainer Óscar Tabárez in eine sportliche Krise geriet und sich zwischenzeitlich sogar im Abstiegskampf wiederfand. Auch Baggio war formschwach und verlor seinen Stammplatz an Marco Simone. Im Dezember 1996 trat Tabárez zurück und wurde durch den bisherigen italienischen Nationaltrainer Arrigo Sacchi ersetzt, mit dem Baggio bereits während der WM 1994 zusammengearbeitet hatte. Doch auch unter Sacchi kam Baggio auf verhältnismäßig wenig Einsatzzeiten und brachte es in der Liga nur auf 23 Spiele (fünf Tore). Das Verhältnis war derart schlecht, dass sich Baggio im Februar 1997 in der Öffentlichkeit negativ über den Trainer äußerte und bei der historischen 1:6-Niederlage gegen Juventus Turin am 6. April 1997 seine Einwechselung verweigerte. Erst nach Zureden durch den Assistenztrainer war er zu einem Einsatz bereit, wodurch er die letzten beiden Saisonspiele überhaupt nicht mehr im Kader stand.[17] Am Saisonende belegte Milan einen enttäuschenden 11. Platz und war in der Vorrunde der UEFA Champions League vorzeitig ausgeschieden. In diesem Wettbewerb hatte Baggio am 11. September 1996 gegen den FC Porto seine erste Partie absolviert. Als sich im Sommer 1997 eine Rückkehr Fabio Capellos zum AC Mailand abzeichnete, bat Baggio den Verein um die vorzeitige Freigabe.

Bologna, Inter und Brescia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem man ihn beim AC Mailand mehr oder weniger ausgemustert hatte, ging Baggio zum FC Bologna. Er schnitt sich das Zöpfchen, sein bisheriges Markenzeichen, ab und brachte sich körperlich durch hartes Training in Form. Entgegen allen Erwartungen erzielte er in 30 Spielen 22 Tore. Eine erneute Rückkehr nach Mailand, diesmal zu Inter, verlief unglücklich. Häufig verletzt, konnte Baggio den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Auch kam er nicht mit Trainer Marcello Lippi zurecht. Sein letztes Spiel mit Inter gegen den AC Parma sollte zum Symbolspiel werden. Durch zwei Tore schoss er den Mailänder Club in die Champions League.

Mit 33 Jahren nahm er ein Angebot von Brescia Calcio an. Diese Entscheidung ermöglichte ihm auch, bei seiner Familie zu bleiben. Bei Brescia Calcio hatte Baggio Carlo Mazzone als Trainer, der an seinem Können nicht zweifelte und ihm erlaubte, zu spielen, wo er wollte. Baggio schaffte mit Brescia Calcio vier Mal den Klassenerhalt und überschritt in dieser Zeit die Grenze von 200 Toren in der Serie A.

Am 16. Mai 2004, beim Auswärtsspiel gegen den AC Mailand, verabschiedete Baggio sich von der nationalen Fußballbühne; er wurde in der 84. Minute ausgewechselt und erhielt von den rund 80.000 Zuschauern im Giuseppe-Meazza-Stadion minutenlang stehenden Applaus. Ohne Baggio, dessen Rückennummer „10“ Brescia nicht mehr vergibt, schaffte der Verein im darauffolgenden Jahr den Klassenerhalt nicht und stieg in die Serie B ab.[18]

Insgesamt absolvierte Baggio in der Serie A 452 Spiele und erzielte dabei 205 Tore.

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roberto Baggio (1990)

Sein erstes Länderspiel für die italienische Nationalmannschaft absolvierte Baggio am 16. November 1988 beim 1:0-Sieg über die Niederlande. Gegen Uruguay (1:1) erzielte er am 22. April 1989 das erste Tor. 1990 berief ihn Nationaltrainer Azeglio Vicini in den italienischen Kader für die anstehende Heim-WM, doch Baggio wurde in den ersten beiden Partien der Vorrunde nicht berücksichtigt. Erst in der Partie gegen die Tschechoslowakei erhielt er seine Chance als Sturmpartner von Salvatore Schillaci und traf nach einem sehenswerten Dribbling zum 2:0-Endstand. Für seine Entscheidung, Baggio trotz guter Leistungen im Halbfinale (3:4 nach Elfmeterschießen) gegen Argentinien zunächst wieder auf die Reservebank zu beordern und stattdessen auf Gianluca Vialli zu setzen, erhielt Vicini von den Tifosi und der Sportpresse viel Kritik. Im Spiel um Platz drei (2:1-Sieg über England) gelang Baggio mit seinem zweiten Turniertreffer ein versöhnlicher Abschluss.

Bei der WM 1994 in den Vereinigten Staaten erreichte Baggio mit der Nationalmannschaft das Finale, das man gegen Brasilien nach Elfmeterschießen verlor. Nachdem er Italien fast im Alleingang mit fünf Toren vom Achtelfinale ins Finale gebracht hatte, verschoss er den letzten Elfmeter und wurde zur tragischen Figur dieser Weltmeisterschaft. Von den fünf italienischen Schützen konnten nur zwei ihren Elfmeter verwandeln. Seine Leistung und die ständigen Aufforderungen seiner Tifosi an den damaligen Nationaltrainer Cesare Maldini verhalfen ihm zur Teilnahme an der WM 1998 in Frankreich. Nach durchwachsenen Leistungen bei Inter Mailand wurde er nicht zur EM 2000 mitgenommen. Trotz konstant guter Leistungen in Brescia wurde er weder für die WM 2002 noch für die EM 2004 nominiert. Unter Giovanni Trapattoni bestritt er am 28. April 2004 im Freundschaftsspiel gegen Spanien sein Abschiedsspiel in der Nationalmannschaft.

Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationalmannschaft

Vereine

Individuelle Erfolge/Ehrungen

Saisonstatistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verein Liga Saison Liga Pokal Europapokal Andere Gesamt
Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore
Lanerossi Vicenza Serie C 1982/83 1 0 - - - - - - 1 0
1983/84 6 1 6 1 - - - - 12 2
1984/85 29 12 5 2 - - - - 34 14
Gesamt 36 13 11 3 - - - - 47 16
AC Florenz Serie A 1985/86 0 0 5 0 - - - - 5 0
1986/87 5 1 4 2 1 0 - - 10 3
1987/88 27 6 7 3 - - - - 34 9
1988/89 31 15 10 9 - - - - 41 24
1989/90 32 17 2 1 12 1 - - 46 19
Gesamt 95 39 28 15 13 1 - - 136 55
Juventus Turin Serie A 1990/91 33 14 5 3 8 9 1 1 47 27
1991/92 32 18 8 4 - - - - 40 22
1992/93 27 21 7 3 9 6 - - 43 30
1993/94 32 17 2 2 7 3 - - 41 22
1994/95 17 8 4 2 8 4 - - 29 14
Gesamt 141 78 26 14 32 22 1 1 200 115
AC Mailand Serie A 1995/96 28 7 1 0 5 3 - - 34 10
1996/97 23 5 5 3 5 1 - - 33 9
Gesamt 51 12 6 3 10 4 - - 67 19
FC Bologna Serie A 1997/98 30 22 3 1 - - - - 33 23
Gesamt 30 22 3 1 - - - - 33 23
Inter Mailand Serie A 1998/99 23 5 6 1 6 4 - - 35 10
1999/00 19 6 5 1 - - - - 24 7
Gesamt 42 11 11 2 6 4 - - 59 17
Brescia Calcio Serie A 2000/01 25 10 3 0 - - - - 28 10
2001/02 12 11 1 0 2 1 - - 15 12
2002/03 32 12 - - - - - - 32 12
2003/04 26 12 - - - - - - 26 12
Gesamt 95 45 4 0 2 1 - - 101 46
Karriere Gesamt 490 220 89 38 63 32 1 1 643 291
Nationalmannschaft
Jahr Spiele Tore
1988 1 -
1989 6 3
1990 9 4
1991 2 1
1992 7 6
1993 7 5
1994 12 5
1995 1 -
1996 - -
1997 2 1
1998 6 2
1999 2 -
2000 - -
2001 - -
2002 - -
2003 - -
2004 1 -
Gesamt 56 27

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baggio ist Anhänger der neuen religiösen Bewegung Sōka Gakkai.

Am 26. Mai 2021 veröffentlichte der Streaming-Dienst Netflix ein biographisches Filmdrama über Baggio mit dem Titel Baggio: Das göttliche Zöpfchen, in welchem er von Andrea Arcangeli dargestellt wird.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Roberto Baggio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.transfermarkt.de/roberto-baggio/nationalmannschaft/spieler/4153/verein_id/23243
  2. https://www.transfermarkt.de/roberto-baggio/transfers/spieler/4153
  3. https://web.archive.org/web/20140528011232/http://www.fantasista10.co.uk/roberto-baggio/
  4. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010.
  5. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 189
  6. https://www.transfermarkt.de/roberto-baggio/transfers/spieler/4153
  7. https://www.bbc.com/sport/football/23903470
  8. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 190
  9. Raffaele Nappi: Roberto Baggio. Divine ponytail. Giulio Perrone Editore. Rom, 2018
  10. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 192
  11. Raffaele Nappi: Roberto Baggio. Divine ponytail. Giulio Perrone Editore. Rom, 2018. S. 153
  12. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 193
  13. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 193
  14. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 194
  15. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 193
  16. Raffaele Nappi: Roberto Baggio. Divine ponytail. Giulio Perrone Editore. Rom, 2018
  17. John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 197
  18. fifa.com: Geheiligte Rückennummern