Lavarone

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Lavarone
Wappen
Lavarone (Italien)
Lavarone
Staat Italien
Region Trentino-Südtirol
Provinz Trient (TN)
Koordinaten 45° 56′ N, 11° 17′ OKoordinaten: 45° 56′ 16″ N, 11° 16′ 32″ O
Höhe 1100 m s.l.m.
Einwohner 1.115 (31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl 38046
Vorwahl 0464
ISTAT-Nummer 022102
Ortsschild am Eingang von Gionghi (Lavarone)

Lavarone (zimbrisch Lavròu, deutsch Lafraun) ist eine Gemeinde mit 1115 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) auf der gleichnamigen Hochebene in der Provinz Trient in Italien. Es gibt keinen eigentlichen Ort, der Lavarone genannt wird. Vielmehr besteht die Gemeinde aus den 19 Fraktionen Albertini, Azzolini, Bertoldi, Birti, Cappella, Chiesa, Gasperi, Gionghi, Lanzino, Lenzi, Longhi, Magrè, Masetti, Nicolussi, Oseli, Piccoli, Rocchetti, Slaghenaufi und Stengheli. Die Bezeichnung Lavarone ist (vor-)romanischen Ursprungs und leitet sich vermutlich von „làvara“ („flacher Stein“, „Felsplatte“) her. Die Gemeinde grenzt an die drei Trentiner Gemeinden Caldonazzo, Folgaria und Lusern sowie im Süden an die Provinz Vicenza.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde lebt hauptsächlich vom Tourismus. Im Winter eignet sich die Hochfläche sehr gut für den Skilanglauf, im Sommer zum Wandern und für Mountainbiking. Außerdem spielt in Lavarone die Käseproduktion eine Rolle (Vézzena DOP).

Lavarone und die Psychoanalyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindebibliothek in Gionghi ist nach Sigmund Freud benannt, der 1904, 1906, 1907 und 1923 Urlaube in Lavarone verbrachte und Spaziergänge rund um den See von Lavarone machte.[2] 1990 wurde in Gionghi das Studienzentrum Gradiva für angewandte Psychoanalyse gegründet, das jährliche Kongresse unter dem Motto "Die Grenzen der Psychoanalyse" organisiert.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erste Weltkrieg stellt in der Geschichte Lavarones einen bedeutenden Einschnitt dar, nicht nur weil die Gemeinde nach 1918, wie das übrige Trentino auch zu Italien fiel, sondern weil Lavarone insbesondere von 1915 bis 1916 unmittelbares Frontgebiet war.

Nach dem Verlust Venetiens nach dem Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg 1866 grenzte Lavarone direkt an das Königreich Italien. Der österreichisch-ungarische Generalstab unter Franz Conrad von Hötzendorf errichtete entlang dieser Grenze im Gemeindegebiet von Lavarone zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Panzerwerk Gschwent das Bestandteil der Werkgruppe Folgaria und Lavarone war.

Nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 wurden die Bewohner Lavarones aus Sicherheitsgründen, aber auch, weil die österreichische Führung Verrat befürchtete[3], unter anderem nach Braunau am Inn deportiert.

Bis zur österreichisch-ungarischen Südtiroloffensive im Mai 1916 lagen die Grenzbefestigungen unter ständigem italienischen Artilleriefeuer konnten diesem aber trotz zum Teil schwerer Schäden standhalten. Von April 1915 bis zu seiner Verwundung 1916 war Luis Trenker im Werk Verle stationiert, ebenso wie der österreichische Schriftsteller Fritz Weber. Während des ersten Kriegsjahres wurden die meisten Orte ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Offensive lag das Gemeindegebiet bis zum Kriegsende im Fronthinterland und diente als Etappe.

Als die Einwohner nach dem Krieg aus ihrer erzwungenen Diaspora zurückkehrten, fanden sie ihre Heimat zum Großteil zerstört und verwüstet vor.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lavarone war bis ins 20. Jahrhundert hinein gemeinsam mit der Nachbargemeinde Folgaria Teil einer heute nur noch aus der Gemeinde Lusern bestehenden Zimbrischen Sprachinsel im Trentino. Es wird angenommen, dass die Siedler aus den Dreizehn Gemeinden oder eher aus den näher gelegenen und siedlungsgeschichtlich älteren Sieben Gemeinden auf der Hochfläche von Sleghe / Asiago kamen. Heute ist der deutsche Dialekt als Muttersprache durch die italienische Sprache vollständig verdrängt. Zahlreiche Flurnamen und lokale Bezeichnungen lassen noch die zimbrische Geschichte der Orte erkennen.

In Lavarone und Folgaria wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch zimbrisch gesprochen, doch während des Faschismus (1922–1943) wurden alle zimbrischen Traditionen und die Sprache im öffentlichen und privaten Bereich infolge der Politik der Italianisierung durch Mussolini und Ettore Tolomei unterdrückt und verboten.

Seitdem 2006 die Volksschule von Lusern wegen zu geringer Schüleranzahl schließen musste, besuchen die Luserner Kinder die Volksschule in Lavarone. Hier wird die zimbrische Sprache als Wahlfach unterrichtet: Von diesem Angebot machen auch viele Kinder aus Lavarone und aus den Nachbardörfern Gebrauch, obwohl das Zimbrische hier schon seit Jahrzehnten ausgestorben ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. Ernest Jones: The Life and Work of Sigmund Freud. (1953)
  3. Florian Kotanko auf Braunauer Zeitgeschichte Tage - hrb.at

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lavarone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien