Hermann von Neuenahr der Jüngere

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Graf Hermann von Neuenahr und Moers, Standbild in Krefeld neben dem Hauptportal der Alten Kirche

Hermann Graf von Neuenahr (Nuenar, a Nvenar, de Nova Aquila1, van Nieuwenar) und Moers (Mörß, Mörsch), Herr von Bedburg (Bedbur), Krefeld und Cracau (* 28. Oktober 1520[1] vermutlich in Köln; † 4. Dezember 1578 vermutlich in Bedburg, Friemersheim oder Moers) war ein deutscher humanistisch gebildeter Staatsmann und Förderer der Reformation am Niederrhein.

Leben[Bearbeiten]

Hermann von Neuenahr war der Sohn von Graf Wilhelm II. von Neuenahr (um 1485/91–1552) und der Erbtochter der Grafschaft Moers, Gräfin Anna von Wied (um 1500–1528), einer Nichte des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Hermann V. von Wied (1477–1552, reg. 1515-1547). Der Kölner Dompropst und Universitätskanzler Graf Hermann von Neuenahr der Ältere (1492–1530) war sein Onkel.

Vorfahren des Hermann von Neuenahr und Moers
Urgroßeltern

Gumprecht II. Graf von Neuenahr (um 1400–1484), Erbvogt zu Köln, Herr zu Alpen, 1459 Mitgraf von Limburg
∞ 1425
Margareta Gräfin von Limburg (vor 1419−um 1459[2]), Herrin zu Bedburg und Hackenbroich

Kuno (Konrad) I. Graf von Manderscheid (um 1444−1489), Herr zu Schleiden, Neuenstein und Kasselburg2
∞ 1459
Walpurgis Gräfin von Horn (um 1443−1476), Herrin von Altena

Friedrich IV. von Runkel († 1487), ab 1454 Graf Friedrich I. zu Wied, Herr zu Braunsberg, Dierdorf und Ysenburg
∞ 1454
Agnes von Virneburg (um 1436–1478)

Friedrich V. Junggraf von Moers und Saarwerden (um 1445–um 1472)
∞ 1462
Elisabeth von Rodemachern (um 1445–nach 1503), Herrin zu Bolchen (Boulay)3

Großeltern

Wilhelm I. Graf von Neuenahr (* um 1447–1497), Herr zu Bedburg
∞ 1484
Walburga Gräfin von Manderscheid (1468–nach 1530), Herrin zu Schleiden4

Wilhelm III. Graf zu Wied (um 1475–1519/26), Herr zu Ysenburg und Runkel
∞ 1481
Margareta Gräfin von Moers (um 1470–1515)

Eltern

Wilhelm II. Graf von Neuenahr (um 1485/91–1552)
∞ 1518
Anna Gräfin zu Wied und Moers (um 1500–1528), Herrin zu Rodemachern und Boulay

Hermann Graf von Neuenahr und Moers (1520–1578)

Ausbildung, Heirat, Kriegsdienst und Reisen[Bearbeiten]

Hermann von Neuenahr genoss eine humanistische Bildung bei Johannes Caesarius (1468–1550) und seinem Onkel Hermann von Neuenahr. Er sprach gut Französisch und hat möglicherweise in Frankreich studiert.

1538 heiratete er Gräfin Magdalena von Nassau-Dillenburg (1522–1567), Tochter von Wilhelm dem Reichen von Nassau (1487–1559), Halbschwester von Wilhelm I. von Oranien (1533–1584) und Cousine des Kölner Erzbischofs Graf Friedrich IV. von Wied (um 1518–1568; reg. 1562–1567).

Am 27. April 1542 immatrikulierte sich „Hermannus Neuenar Coloniensis“ an der Universität Wittenberg. Allerdings war Graf Herrmann von Neuenahr – sofern es sich bei dem Studenten nicht um einen bürgerlichen Namensvetter handelt – zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet und trat noch im selben Jahr in Kriegsdienste, so dass er kaum intensiv studiert, sondern eher Martin Luther (1483–1546) und Philipp Melanchthon (1497–1560) besucht haben wird. Im Mai 1542 hielten sich auch Landgraf Philipp I. von Hessen (1504–1567) und Petrus Medmann (1507–1584) zu Besuchen in Wittenberg auf.[3]

1542 wurde sein Vater Graf Wilhelm II. von Neuenahr von Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg und Geldern (1516–1592) mit Krefeld und der Burg Cracau belehnt. Dieses Gebiet gehörte später auch zu Hermann von Neuenahrs Herrschaftsbereich.

Hermann von Neuenahr diente 1542 bis 1544 Karl V. (1500–1558) im Dritten Feldzug gegen Frankreich. Er führte 200 Lanzenreiter.

1547/48 übernahmen Wilhelm II. und sein Sohn Hermann von Neuenahr Schulden des früheren Erzbischofs Hermann V. von Wied in Höhe von 15.000 Gulden bei Hauprecht von Dinslaken, Bürger von Köln, und seiner Frau Alheid,[4] für die zunächst Ludwig von Stolberg-Königstein (1505–1574) und sein Bruder Heinrich (1509–1572) zusammen mit einigen Kölner Bürgern aus der „Gesellschaft der edlen lebendigen selbst gehenden Wasserkunst“[5] gebürgt hatten, bis sie 1554 von Ludwig von Stolberg bis auf einen Restbetrag von 4000 Gulden abgelöst wurden.[6]

1547/48 besuchte Hermann von Neuenahr den Augsburger Reichstag. Im Frühjahr 1548 trat er die Rückreise an zusammen mit Feldmarschall Johann Hilchen von Lorch (1484−1548) aus dem Gefolge des Grafen Wilhelm von Nassau-Dillenburg, Hermanns Schwiegervater; Johann Hilchen verstarb kurz darauf.[7] 1548 hielt Hermann sich bei dem kaiserlichen Feldherrn Maximilian von Egmond (um 1500–1548), Graf von Buren, einem Stiefcousin seines Vaters, auf.

Wilhelm II. und Hermann von Neuenahr verkauften 1548/49 für insgesamt 5.500 Goldgulden an das Ehepaar Dinslaken jährliche Gülten von 275 Gulden aus den Gefällen und Einkünften ihrer Herrschaften Bedburg und Rösberg sowie aus dem ihnen vom Erzstift Köln verpfändeten Amt Hülchrath.[8] Lic. Konrad Dinslaken, ein Sohn Hauprechts von Dinslaken, versuchte später, diese Schuldforderungen bei Hermann von Neuenahr einzutreiben.[9] 1552 verschrieben Hermann von Neuenahr und sein Vater Wilhelm II. für 3000 Goldgulden eine jährliche Rente von 150 Goldgulden aus einem jülich-klevischen Lehen über 300 Goldgulden auf den Zoll zu Orsoy an den klevischen Rat Dr. Jakob Omphal (1500–1567) und seine Frau Elisabeth von Bellinghausen.[10]

Regierender Graf[Bearbeiten]

Seit 1552 war Hermann nach dem Tod seines Vaters regierender Graf von Neuenahr, Moers und Bedburg sowie Erbhofmeister von Kurköln. Ein Erbfolgestreit wegen der Grafschaft Moers mit den Brüdern Johann III./IV. (1511–1574) und Adolf von Nassau-Saarbrücken (1526-1559) und ihren Erben, in dem ab 1555 im kaiserlichen Auftrag die Pfalzgrafen vermitteln sollten, war bis zu Hermanns Tod nicht abgeschlossen.[11]

1553 verschrieb Graf Hermann eine jährliche Rente von 200 Gulden aus den Einnahmen von Bedburg an den jülisch-klevischen Hofmeister Werner von Hochstaden zu Nothausen († 1558), Amtmann von Kaster, Grevenbroich und Gladbach, und seine Frau Katharina von Hatzfeld (1536–1571).[12]

Aufgrund eines Münzprivilegs ließ Hermann von Neuenahr 1552, 1557, 1562, 1567, 1569 und 1570 silberne Reichstaler und Sechs-Heller-Stücke schlagen. Dies führte 1562 zu einem Konflikt mit dem kaiserlichen Kammermeister, dem das Privileg offenbar zunächst nicht bekannt war.[13] Graf Hermann war Gewerke der Grube Rhonard bei Olpe, an der er, Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg (1536–1606) und Graf Hermann von Hatzfeld (1527–1600) zu je einem Drittel beteiligt waren.[14]

1556 appellierte Hermann an die geldrischen Landstände, ihm die entzogenen Einkünfte aus seinen Pfandschaften in der Grafschaft Kessel und im Amt Krickenbeck sowie den Besitz des Zolls in Tiel wieder zu verschaffen.[11] Die Intervention scheint erfolgreich gewesen zu sein, denn Herrmann verpfändete später Renten im Amt Krickenbeck gegen ein Kapital von 3000 Gulden an den kurkölnischen Kanzler Jakob Omphal (1500-1567).[15] Für Johann Georg I. (1515-1579) und Hans Albrecht von Mansfeld-Vorderort (1522-1586) verbürgte er sich 1556 beim Kölner Domkapitel für eine Schuld von 8000 Gulden und hinterlegte als Sicherheit die Pfandbriefe auf Hüchrath und den Hof Morken.[16] 1557 übergab er Hof Morken gegen einen jährlichen Zins an Jakob von Harff (* um 1534; † 1566/74) zu Empel und Friesheim.[17]

Zusammen mit seinem Schwager Philippe de Montmorency, Graf von Horn (1518/26–1568) führte Hermann von Neuenahr einen Rechtsstreit um das Heiratsgut der Ännchen von Rodemachern, einer Schwester seiner Urgroßmutter, aus ihrer 1467 geschlossenen Ehe[18] mit Graf Ludwig I. von der Marck († 1498), Herrn von Rochefort, in den bereits sein Vater involviert gewesen war, gegen Graf Ludwig von Stolberg-Königstein.[19]

Ab 1556 nahm Graf Hermann die Kinder Amalia (1539–1602) - spätere Kurfürstin von der Pfalz -, Magdalena (1550–1626) - spätere Gräfin von Tecklenburg - und Adolf (um 1554–1589) seines verstorbenen Cousins 2. Grades Graf Gumprecht II. von Neuenahr und Limburg (um 1503–1556) bei sich in Moerser Schloss auf und wurde ihr Vormund.

Nach dem Tod seines Schwiegervaters Wilhelm von Nassau-Dillenburg 1559 war Hermann von Neuenahr zusammen mit ihrem ältesten Bruder Wilhelm von Oranien (1533–1584) auch einer der beiden Vormünder der Grafen Johann (1536–1606), Ludwig (1538–1574), Adolf (1540–1568) und Heinrich von Nassau-Dillenburg (1550–1574) und ihrer Schwestern.[20]

1560 erwirkte Hermann von Neuenahr ein Lehnsgerichts-Urteil gegen das Kartäuserkloster St. Beatus in Koblenz, das ihm den Lehensempfang mit Wein von Gefällen in Maasbommel entzogen hatte.[21]

Der Kölner Erzbischof Gebhard von Mansfeld (1524–1562; reg. 1558) erneuerte 1561 die Belehnung mit Bedburg, Garsdorf, Hof Morken (Mörick), Rösberg und dem Erbhofmeisteramt des Erzstiftes.[22] 1562 verschenkten Hermann und seine Schwester Anna Walburga von Neuenahr (1522–1600) ihre Schlösser und Herrschaften Rodemachern, Reichersberg, Hesperingen, Useldingen und die Hälfte von Esch an der Sauer an Walburgas ersten Ehemann Philippe von Horn. Nach dessen Enthauptung 1568 durch Herzog Alba (1507–1582) in Brüssel nahm Graf Hermann den Titel eines Herrn zu Rodemachern wieder an.

1560 hatte Graf Herrmann von Kaiser Ferdinand I. (1503–1564) ein Privilegium de non appellando limitatum für Prozesse mit Streitwerten unter 100 Gulden erhalten, das nach einem Prozess vor dem Reichskammergericht 1566 von Kaiser Maximilian auf 200 Gulden erhöht wurde.

Nach dem Tod von Johann IX. von Salm-Reifferscheidt-Dyck (1513–1559) unterstützte Hermann 1561 dessen Witwe Gräfin Elisabeth von Henneberg-Schleusingen (1517–1577) und ihre Söhne im Streit mit Wilhelm Scheiffart von Merode († 1577) um den Besitz der Herrschaften Alfter und Bornheim.[23]

1562 nahm Hermann von Neuenahr und Moers in Frankfurt am Main an der Wahl und Krönung von Maximilian II. (1527–1576) teil.[24] 1567 erließ er eine Gerichtsordnung für die Grafschaft Moers. 1570 nahm er am Speyerer Reichstag teil. Nach einem Tagebucheintrag des Grafen Ludwig I. von Wittgenstein (1532–1605) feierte er in Speyer seinen 50. Geburtstag.

Mit Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (1532–1592) unterhielt Hermann von Neuenahr eine ausgiebige Korrespondenz und vermittelte ihm mehrfach Blumen aus den Niederlanden und einen Gärtner.[25]

Hermann versuchte nach dem Tod seines Schwagers Philippe von Horn seit 1571, eine Belehnung mit der holländischen Herrschaft Altena in Nordbrabant zu erreichen,[26] was ihm 1577 auch gelang. Eine seiner Urgroßmütter war Herrin von Altena gewesen. Die Herrschaft wurde 1590 von Hermanns Schwester Anna Walburga von Neuenahr zusammen mit Woudrichem für 92.000 Gulden an die Generalstaaten verkauft.[27]

Von Erzbischof Salentin von Isenburg (1532–1610; reg. 1567–1577) wurde Hermann von Neuenahr 1577 mit 100 Goldgulden auf den Zoll zu Bonn belehnt.[28] 1577 hatte er entscheidenden Anteil an der Wahl von Gebhard Truchseß zu Waldburg (1547–1601; reg. 1577–1583) zum Kölner Erzbischof.

Im August 1578 besuchte Johann Kasimir von Pfalz-Simmern (1543–1592) auf dem Feldzug in die Spanischen Niederlande Graf Herrmann kurz vor dessen Tod mit einem großen Gefolge in Moers.[29]

Förderer der Reformation[Bearbeiten]

Schon Hermanns Vater Wilhelm II. von Neuenahr hatte die Reformation vorsichtig unterstützt. Graf Hermann von Neuenahr bekannte sich immer offener zur evangelischen Lehre.

Der lutherische Prediger Hermann Hamelmann (1526–1595) besuchte 1553/54 Moers und widmete Graf Hermann 1557 die Ausarbeitung De Ecclesia [= Über die Kirche].[30] Hermann von Neuenahr und Moers führte 1560 die Reformation in seinen Gebieten ein und erließ 1561 eine lutherisch-melanchthonische Kirchenordnung für die Grafschaft Moers und die Herrschaft Bedburg5. Er gewährte darüber hinaus auch reformierten Glaubensflüchtlingen aus den Niederlanden Unterschlupf wie ab etwa 1562 dem ehemaligen Genter Bürgermeister Karl von Utenhove d. Ä. (um 1500–1580) auf seinem Jagdschloss Friemersheim.

Seit 1570 traten in Hüchelhoven, später in Bedburg Synoden zusammen, an denen auch Vertreter aus den Herzogtümern Kleve-Jülich-Berg teilnahmen. 1571 veröffentlichte Hermann in einer Sammlung seines Freundes Joachim Camerarius (1500–1574) anonym Nachdichtungen der sieben Bußpsalmen und des 64. Psalms, die von seiner lutherischen Frömmigkeit geprägt sind.

Mit dem Regierungsantritt von Hermanns Neffen Graf Adolf von Neuenahr (um 1554–1589), Herr von Limburg, Hackenbroich und Alpen, dem zweiten Ehemann seiner Schwester Walburga, wurde 1578 das reformierte Bekenntnis in der Grafschaft eingeführt.

Humanismus[Bearbeiten]

1532 gab Hermann von Neuenahr medizinische Schriften des Theodorus Priscianus (um 400) und des Abu l-Qasim (936–1013) aus dem Nachlass seines Onkels Hermann von Neuenahr d. Ä. heraus.

Seite aus dem Codex Argenteus

In Hermann von Neuenahrs Kölner Haus „Neuenahrer Hof“ in der Langgasse (heute: Neven-DuMont-Straße) wohnten seit 1549 für einige Zeit die niederländischen Humanisten Georg Cassander (1513–1566) und Cornelis Wouters (Cornelius Gualterus) (1512-1582/84). Dort entdeckten sie Anfang der 1550er Jahre den gotischen Charakter des Codex Argenteus, der offenbar aus der Abtei Werden in den Besitz von Graf Hermann gelangt war, wie aus Berichten von Philips van Marnix (1540–1598) und Theodor Pütz (Phraraeus)6 († nach 1609) geschlossen werden kann.[31]

Anfang der 1560er Jahre unterstützte Graf Hermann Cassander und Jean Matal (um 1517–1597) bei dem Versuch, die Iguvinischen Tafeln (Tabulae Eugubinae), die in etruskischer Schrift geschrieben sind, zu entziffern.[32] Der Humanist und Pädagoge Franz Fabricius (1527–1573)[33] widmete Hermann von Neuenahr 1563 die Schrift Ciceronis historia per consules descipta et in annos LXIV distincta.[34]

Der schlesische Arzt und Naturphilosoph Balthasar Flöter († nach 1567)[35], der 1567 in Köln drei Ausgaben des Paracelsus (um 1493–1541) im Verlag von Arnold Birckmann Erben besorgte, widmete dem „Kaiserlichen Hofrat“ Hermann von Neuenahr eine Vorrede.[36]

Der humanistische Gelehrte und Dichter Karl von Utenhove (1536–1600), dessen Vater bei Graf Hermann Asyl gefunden hatte, verfasste auf ihn und seine verstorbene Frau Magdalena 1568 sechs Gedichte.[37]

1574 ließ Graf Hermann in Moers eine Lateinschule errichten, aus der nach seinem Tod 1582 eine Schola illustris, das heutige Gymnasium Adolfinum Moers, hervorging. Noch kurz vor seinem Tod hatte Graf Hermann Heinrich Castritius Geldorp (1522–1585) mit der Erstellung eines Gutachtens zu einem solchen Schulprojekt beauftragt, das 1580 veröffentlicht wurde.[38]

Der Kritiker der Hexenprozesse Johann Weyer (1515–1588) lobte 1577 die Klugheit „Comes à Niuwenar D. Hermannus“, weil er eine geständige als Hexe angeklagte Frau - zu ihrem eigenen Schutz - lediglich des Landes verwiesen habe[39], und widmete ihm im gleichen Jahr seine Schrift „De ira morbo“ (= „Über die Zornkrankheit“).[40]

Der niederländische Humanist Gerhard Falkenburg (um 1538-1578) lebte bei Hermann von Neuenahr, bis er bei einem Ritt im dessen Gefolge nach einem Sturz vom Pferd im September 1578 in Steinfurt verstarb.[41]

Tod und Erbfolgestreit[Bearbeiten]

Graf Hermann von Neuenahr und Moers verbrachte einen großen Teil seiner letzten Lebensjahre von schwerer Krankheit gezeichnet[42] im Friemersheimer Jagdschloss (heute: Werthschenhof in Duisburg-Rheinhausen) auf einer ehemaligen Rheininsel.[11] Er hatte Schloss und Herrschaft 1560 seiner Schwester Anna Walburga geschenkt. Hermann von Neuenahr soll sich nach Hermann von Weinsberg (1518–1597) „dem Trunk ergeben“ haben und starb am 2. oder eher 4. Dezember 1578 an „der zehrenden Krankheit, daran er etliche Jahre gegangen“[43] ohne Nachkommen. Sein Grab befand sich in der im 17. Jh. zerstörten Bonifatiuskirche (jetzt steht an dem Ort die Kapelle des Friedhofs an der Rheinberger Straße) in Moers.

Nach seinem Tod kam es zu einem Erbfolgestreit zwischen Graf Wernher von Salm, Herr zu Reifferscheid, Bedburg, Dyck und Alfter (1545–1629) und Graf Adolf von Neuenahr und Limburg.

Quellen[Bearbeiten]

  • Hermann, Graf zu Neuenahr und Mörs schenkt auf seinen kinderlosen Todesfall die Herrlichkeit Friemersheim seiner Schwester Walpurg … - 1560, den 25. März. In: Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Bd. IV. Gustav Hermann Voß, Düsseldorf 1858, S. 706 (Google-Books)

Werke[Bearbeiten]

Darstellung in der Kunst[Bearbeiten]

Ein Gemälde Hermanns von Neuenahr von einem unbekannten Meister (Öl auf Holz, 27,5 x 17,9 cm) befindet sich im Landschaftsmuseum des Niederrhein, Krefeld - Burg Linn, ein weiteres von einem unbekannten Meister im Grafschafter Museum im Moerser Schloss (Kopie um 1900)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

1 Lateinisch „aquila“ ist der „Aar“ (Adler).
2 Kuno I. von Manderscheid heiratete II. 1476 Mechthild von Virneburg († nach 1506).
3 Elisabeth von Rodemachern heiratete II. Diepolt (Thiebolt) II. von Hohen-Geroldseck (1449–1493 oder 1498/1500).
4 Walburga von Manderscheid heiratete II. 1502 Friedrich von Egmond, Graf zu Büren und Leerdam (1440−1521), der zuvor (∞ I. 1464) mit Aleida von Culemburg († 1471) verheiratet gewesen war.
5 Erhalten nur in der – reformierten – Fassung von 1603.
6 Aus Valkenburg aan de Geul, Lic. theol., 1586 bis 1609 Pfarrer an St. Aposteln in Köln, Professor für griechische Sprache.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verschiedentlich wird fälschlich 1514 (vgl. Werner Teschenmacher: Annales Cliviae-Juliae-Montiae, Marchiae, Ravensbvrgiae Antiquae et Modernae. Jacob van Biesen, Arnheim 1638, S. 345 (Google-Books)) oder 1519 als Geburtsjahr angeben.
  2. Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 250 Mariengarten, U 1/76).
  3. Vgl. Philipp Melanchthon: Opera quae supersunt omnia, Bd. IV. (CR 4). C. A. Schwetschke, Halle/S. 1837, S. xiv und Sp. 810f (Google-Books).
  4. Vgl. Urkunden vom 9. Mai 1547, 2. Februar 1548 (beide nicht erhalten) und 26. Mai 1549; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (B 11 Urkunden der Grafschaft Stolberg-Königstein, Nr. 89).
  5. Vgl. Jörg Brückner: Adel und Bergbau. Die Grafen zu Stolberg als frühe Montanunternehmer zu Beginn der Frühen Neuzeit. In: Eva Labouvie (Hrsg.): Adel in Sachsen-Anhalt. Böhlau, Köln 2007, S. 269–292, bes. S. 280f.
  6. Vgl. Urkunde vom 14. Mai 1554; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (B 11 Urkunden der Grafschaft Stolberg-Königstein, Nr. 103).
  7. Vgl. Carl Ludwig Philipp Tross (Hrsg.): Des Grafen Wolrad von Waldeck Tagebuch während des Reichstages zu Augsburg 1548. Literarischer Verein, Stuttgart 1861, S. 43 (Google-Books); Friedrich Otto: Johann Hilchen von Lorch. In: Nassauer Annalen 24 (1892), S. 1-23, bes. S 19.
  8. Urkunden vom 9. Mai 1548 (2mal) und 7. August 1549; vgl. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (B 11 Urkunden der Grafschaft Stolberg-Königstein, Nr. 91, 92 und 112 [falsches Datum: 1558 war Wilhelm II. bereits verstorben, richtig: 1548] = 186); Staatsarchiv Magdeburg (Rep. H, VI Nr. 33).
  9. Vgl. Urkunden vom 16. März und 18. Mai 1560; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 228 Karmeliter, U 3/228 und 229).
  10. Vgl. Hermann Keussen (Bearb.): Urkundenbuch der Stadt Krefeld und der alten Grafschaft Mörs, Bd. I. A. Fürst, Krefeld 1938, S. 46 und 53.
  11. a b c Vgl. Hermann Altgelt: Graf Hermann von Nüenar, 1553–1579. In: Geschichte der Grafen und Herren von Moers. August Bötticher, Düsseldorf / Utrecht 1846, S. 92–103 (Google-Books).
  12. Vgl. Graf Hermanns von Nuenar Verschreibung … aus der Kelnerey Bedbur … 1553. Octobr. 24. In: Justus Friedrich Runde: Ausführliche Darstellung der gerechten Ansprüche des regierenden Herrn Grafen zu Bentheim-Tecklenburg auf die Herrschaft Bedbur. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1788, Beilage S. 25 (Google-Books).
  13. Vgl. Thomas P. Becker: a. a. O., S. 249-251.
  14. Vgl. Karl Wilhelm Nose: Beyträge zu den Vorstellungsarten über vulkanische Gegenstände. Gebhard / Körber, Frankfurt am Main 1792, S. 160.
  15. Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 3100 Reichskammergericht - Buchstabe O, A 11).
  16. Vgl. Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, S. 268.
  17. Urkunde vom 10. Oktober 1557; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg - Rheinische Urkunden, Nr. 107); vgl. G. Aders (Bearb.): Urkunden (a. a. O.), S. 56f.
  18. Vgl. Günter Aders (Bearb.): Urkunden (a. a. O.), S. 200.
  19. Vgl. Akten von 1532, 1557 und 1569 im Staatsarchiv Wertheim (R-Rep. 67r Privata domus. Fürstliche Haussachen, Nr. 62 und Nr. 106; G-Rep. 26 Gemeinschaftliches Archiv, Nr. 19; G-Rep. 36 Grafen von Neuenahr, Nr. 2); Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 171 Fürstentum Nassau-Oranien: Akten (Altes Dillenburger Archiv), M 418).
  20. Vgl. Hauptstaatsarchiv Münster (Fürstentum Siegen, Urkunden Nr. 324 bis 328); Staatsarchiv Ludwigsburg (Bestand 139 a I von Sturmfeder zu Oppenweiler, Urkunde 93).
  21. Vgl. Urkunde vom 25. Oktober 1561; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 108 Koblenz … Kartäuserkloster auf dem Beatusberg, Urkunde 1172 031).
  22. Vgl. Lehnsbrief über die Herrschaften Bedbur Gastorp Mörick etc. sammt dem Erbhofmeisteramte, für Graf Hermann von Nuenaar etc. In: Justus Friedrich Runde: Ausführliche Darstellung der gerechten Ansprüche des regierenden Herrn Grafen zu Bentheim-Tecklenburg auf die Herrschaft Bedbur. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1788, Beilage S. 25 (Google-Books).
  23. Vgl. Thüringisches Staatsarchiv Meiningen (Gemeinschaftliches Hennebergisches Archiv I, 19 Briefwechsel der Grafen mit Beamten und Privatpersonen, 1476 und 2513).
  24. Vgl. Gebhard Florian, Achilles August von Lersner: Der Weit-berühmten Freyen Reichs-Wahl-und Handels-Stadt Franckfurt Chronica. Frankfurt am Main 1706, S. 186 und 192 (Google-Books).
  25. Vgl. Schriftwechsel von 1568 bis 1577; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Staatenabteilung Niederlande 38, 59, 66, 104, 106, 141, 155, 174, 201, 212; Neuenahr 4, 5).
  26. Vgl. Nationaal Archief Den Haag (Inventaris van het archief van de Heren van Altena, 3.19.02-64).
  27. Vgl. Jan Wagenaar: Allgemeine Geschichte der Vereinigten Niederlande, übersetzt von Eobald Toze, Bd. IV. Weidmann, Leipzig 1760, S. 41.
  28. Urkunde von 1577; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (1.1.5.2 Oranien-Moers, 5953).
  29. Vgl. Johann Hildebrand Withof: Die Chronik der Stadt Duisburg - von den Anfängen bis zum Jahre 1742 (1777–1782), hrsg. von Albrecht Blank. Netphen 2008, S. 226f, dort fälschlich „Johann Casimir von Nassau“, wohl eine Verwechselung mit Hermanns Schwager Johann VI. Graf von Nassau-Dillenburg. Vgl. zum Aufenthalt des Pfalzgrafen 1578 in Moers Carl Ludwig Klose: Wilhelm I. von Oranien, hrsg. von Heinrich Wuttke. Friedrich Fleischer, Leipzig 1864, S. 211.
  30. In: Hermann Hamelmann: Cum scriptura sacra consensus undecim Conciliorum, aliquot historiarum … in perpetuo utriusque speciei Eucharistiae … porrigendae usu. Peter Braubach, Frankfurt am Main 1557 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).
  31. Vgl. Peter Arnold Heuser: Zur Geschichte des Codex Argenteus im 16. Jahrhundert. In: Rheinische Viertelsjahrsblätter 69 (2005), S. 133-152, bes. S. 145; Reinhard Staats: Der Codex Argenteus und Philipp Melanchthon in Helmstedt. In: Daphnis 40 (2011), S. 377-409, bes. S. 379-381.
  32. Vgl. Brief von Matal an Cassander in Duisburg vom 6. Juni 1564 (British Library London, Add. MS 5158, Blatt 3).
  33. Zu ihm vgl. Leonhard Ennen: Fabricius, Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 507.
  34. Maternus Cholinus, Köln 1563.
  35. Aus Sagan, auch Philalethes (Pseudonym).
  36. In: Paracelsus: Philosophiae Magnae, Des Edlen, Hochgelährten, Vielerfarnen und weitberhümeten Herrn, D. Aureoli Theophrasti von Hohenhaim, Paracelsi genandt, &c. Tractatus aliquot. Arnold Birckmann Erben, Köln 1567 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); vgl. Wilhelm Kühlmann, Joachim Telle: Corpus Paracelsisticum. Dokumente frühneuzeitlicher Naturphilosophie in Deutschland, Bd. II/2, Tübingen: M. Niemeyer 2004, S. 617ff.
  37. Vgl. Hermannus. Comes à Noua Aquila. & Mursa, D. in Bedbur, &c., Aliud in Aquilam Nieunariae gentis insignia. τετράστικον, Epitaphium in obitum Magdalenae à Nassavv. Illustr. Comitis à Nieunaer & Mursa pientissimae coniugis, &c. quae obijt Anno 1567. Hendecasyllabi, das Akrostichon In eiusdem obitum Acrostichis, und die Chronogramme Distichon Numerum anni 1567 quo Mursae obijt comprehendens = L'Incarnation de l'année qu'elle trespassa. In: Xenia seu Ad illustrium aliquot Europae hominum nomina, Allusionum, Bd. I. s. n. [Thomas Guarinus], Basel 1568, S. 44f, 44, 45f und 46f und 47 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).
  38. Vgl. Heinrich Castritius Geldorp: Scholarvm ex monasticis opibus institvtio. Illvstrissimi et doctissimi principis D. Hermanni Comitis Nuenarici & Morsensis mandato descripta, s. n., Leiden 1580 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).
  39. Johann Weyer: De praestigiis daemonum et incantationibus ac veneficiis. 2. Aufl. Johann Oporinus Nachfolger, Basel 1577, S. 715 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München); vgl. Christoph Meiners: Historische Vergleichung der Sitten und Verfassungen, der Gesetze und Gewerbe des Handels und der Religion, der Wissenschaften und Lehranstalten des Mittelalters mit denen unsers Jahrhunderts, Bd. III, Hannover: Helwing 1794, S. 369.
  40. Ioannes Vuier: De ira morbo, eiusdem curatione Philosophica, Media & Theologica, Liber. Irascimini sine peccato. Johann Oporinus Nachfolger, Basel 1577.
  41. Vgl. Friedrich August Eckstein: Nomenclator philologorum, Leipzig: B. G Teubner 1871, S. 152.
  42. Vgl. Akte Erkrankung Graf Hermanns v. Neuenahr von 1573; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Staatenabteilung, Bentheim 10).
  43. Vgl. Leonard Ennen: Aus dem Gedenkbuch des Hermann Weinsberg. In: Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte N. F. 1 (1872), S. 554—570, 613—636 und 764—775; 3 (1874), S. 46—56, 294—316, 359—368, 489—503 und 731—765, bes. 3 (1874), S. 737.
Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm II. von Neuenahr Graf von Moers
1552–1578
Adolf von Neuenahr