Geschichte der Großen Preise vor 1950

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Gewinner des ersten Grand Prix 1906, Ferenc Szisz auf Renault, während des Rennens.

Die Geschichte der Automobil-Grands-Prix begann nicht erst mit der Einführung der nach den Regeln der Formel 1 ausgetragenen Automobil-Weltmeisterschaft 1950, sondern bereits viel früher. Der erste Große Preis war der Grand Prix von Frankreich im Juni 1906,[1] und das erste Autorennen, damals noch als Zuverlässigkeitsfahrt veranstaltet, fand 1894 zwischen Paris und Rouen statt.

1906 waren zwei der bislang sechs Rennen um den Gordon-Bennett-Cup erneut mit Automobilen aus Frankreich gewonnen worden, aber die meisten Konstrukteure blieben ausgeschlossen, weil aus der Fertigung jedes Staates nur drei Fahrzeuge zugelassen wurden. Der Automobile Club de France entschied sich zur Auslobung eines eigenen Preises. Beim Grand Prix war die Herkunft kein Kriterium mehr.[2]

Erstmals durfte nur der Fahrer und sein Mechaniker während des Wettbewerbs am Fahrzeug arbeiten, sodass die Teams zu üben begannen, so schnell wie möglich Reifen zu wechseln.[3] Die Herausforderung der Teilnehmer und ihrer Fahrzeuge übertraf alles bisherige. Mit Start und Ziel in Le Mans wurden an zwei Tagen je sechs Runden zu 103 Kilometern auf abgesperrten Straßen gefahren, die weit überwiegend die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit erlaubten.[4] Den ersten Grand Prix gewann der Mechaniker Ferenc Szisz als Fahrer eines Renault mit 90 Pferdestärken, indem er 101 Kilometer pro Stunde als Mittelwert seiner Geschwindigkeit erzielte.

In der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg begeisterte der Motorsport die Menschen genauso wie heute, Fahrer wie Tazio Nuvolari, Rudolf Caracciola oder Bernd Rosemeyer waren ebenso beliebt wie die heutigen Champions. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Terminus Formel 1 geprägt und für das Jahr 1950 die Einführung der Weltmeisterschaft beschlossen.

Die Stadt-zu-Stadt-Rennen (1894–1903)[Bearbeiten]

Teilnehmer an der Wettfahrt Paris–Rouen 1894: Graf Albert de Dion und Begleitung mit Dampfgespann „Vicoria“. Die Gelassenheit ist nicht gespielt: De Dion war trotz der längsten Mittagspausen und einem „Abstecher“ in einen Acker fünf Minuten vor dem Zweitplatzierten auf Peugeot im Ziel. Der Sieg wurde nicht anerkannt.

Nach den ersten zaghaften Versuchen 1894 begann die Ära des Motorsports mit der Gründung des Automobile Club de France (ACF) am 12. November 1895. Meist war Paris Ausgangspunkt dieser Stadt-zu-Stadt-Rennen, die auf oft nur mangelhaft gesicherten Landstraßen in andere französische Städte führten (zum Beispiel Marseille, Bordeaux), später dann auch in europäische Metropolen wie Berlin, Wien oder Madrid.

Saisonberichte: 1894, 1895, 1896, 1897, 1898, 1899, 1900, 1901, 1902, 1903

Der Beginn der Rundstrecken-Rennen (1904–1914)[Bearbeiten]

Nach zahlreichen Todesfällen, zuletzt beim abgebrochenen Rennen Paris–Madrid 1903 kam es zum Umdenken. Die Rennen wurden auf abgesperrte Rundstrecken verlegt. Im Jahr 1906 fand mit dem Großen Preis von Frankreich auf einer 103,18 km langen Strecke um Le Mans der erste offizielle Grand Prix der Motorsportgeschichte statt. Es siegte nach über zwölf Stunden Renndauer der Franzose Ferenc Szisz auf Renault vor Felice Nazzaro (Fiat) und Albert Clément (Clément-Bayard). Daneben zählen Georges Boillot, Alessandro Cagno und Christian Friedrich Lautenschlager zu den besten Fahrern dieser Epoche.

Saisonberichte: 1904, 1905, 1906, 1907, 1908, 1909, 1910, 1911, 1912, 1913, 1914

Die bunten 1920er (1919–1933)[Bearbeiten]

Nach der Zwangspause durch den Ersten Weltkrieg begann sich das Interesse am Motorsport wieder zu regen. In den 1920er Jahren wurden in Europa bekannte Rennstrecken wie Monza, der Nürburgring oder Spa-Francorchamps gebaut. Auch das Format der Rennen änderte sich dabei, statt des bisher üblichen Intervallstarts, starteten alle Fahrzeuge nun üblicherweise gleichzeitig. Zu den erfolgreichsten Marken dieser Zeit gehörten Bugatti und Alfa Romeo. Es gab aber keine dominierenden Fahrer in dieser Epoche, viele Rennen waren spannend und abwechslungsreich.

In den Jahren 1925 bis 1927 wurde erstmals eine Marken-Weltmeisterschaft abgehalten. Zur Meisterschaft zählten das Indianapolis 500 sowie der Große Preis von Europa, der Große Preis des ACF und der Große Preis von Italien. Erster Markenweltmeister wurde Alfa Romeo; 1926 ging der Titel an Bugatti, 1927 an Delage.[5] In den USA beherrschten Duesenberg und Miller die Langstreckenrennen. Den Großen Preis von Frankreich 1921 gewann ein Duesenberg; dies war über drei Jahrzehnte lang der einzige US-Sieg an ein einer europäischen Austragung.[6]

Saisonberichte: 1919, 1920, 1921, 1922, 1923, 1924, 1925, 1926, 1927, 1928, 1929, 1930, 1931, 1932, 1933

Die Ära der Silberpfeile (1934–1939)[Bearbeiten]

Mit dem Eintritt der deutschen Marken Mercedes-Benz und Auto Union änderte sich die Gewichtung. Finanziell unterstützt durch das nationalsozialistische Regime, das im Motorsport eine Propaganda-Plattform sah (ähnlich wie bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin), aber auch aufgrund der Genialität der Konstrukteure, der Klasse der Fahrer und nicht zuletzt der dahinter stehenden Wirtschaftskraft der beteiligten Automobilkonzerne dominierten die deutschen Rennwagen diese Zeit fast vollständig.

Saisonberichte: 1934, 1935, 1936, 1937, 1938, 1939

Der Neubeginn nach dem Krieg (1945–1949)[Bearbeiten]

Der Zweite Weltkrieg stoppte den Motorsport in Europa vollständig. Im Herbst 1945 begann der Neustart mit kleinen Rennen im Pariser Park Bois de Boulogne. Etliche Rennfahrer waren jedoch als Kampfpiloten, auf den Schlachtfeldern oder in Konzentrationslagern umgekommen, die jungen Fahrer hatten keine Rennerfahrungen sammeln können, sodass oft über 40 oder 50 Jahre alte Männer die Nachkriegsjahre dominierten. Auch die Autos stammten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, man konnte es sich nicht leisten, neue Fahrzeuge zu bauen. So stammte die Grundkonzeption des Alfa Romeos aus dem Jahr 1937. Nachdem die Motorradfahrer für 1949 die Einführung einer Motorrad-Weltmeisterschaft beschlossen hatten, zog auch der Automobilsport nach und schrieb für 1950 die erste Weltmeisterschaft aus, aus der dann später die Formel-1-Weltmeisterschaft wurde.

Saisonberichte: 1945, 1946, 1947, 1948, 1949

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jon M Bill: Duesenberg Racecars & Passenger Cars Photo Archive; Auburn Cord Duesenberg Museum (Hrsg.), Iconografix, Hudson WI, Photo Archive Series, ISBN 1-58388-145-X (englisch)
  • Griffith Borgeson: The Golden Age of the American Racing Car, 2. Auflage (1998), Herausgeber SAE (Society of Automotive Engineers), Warrendale PA, ISBN 0-7680-0023-8 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chronik 1906. Deutsches Historisches Museum. Abgerufen am 9. Juli 2012.
  2. French Auto Race to-day (PDF; 31 KB) The New York Times. 26. Juni 1906. Abgerufen am 9. Juli 2012.
  3. Autos for french Race (PDF; 66 KB) The New York Times. 15. April 1906. Abgerufen am 9. Juli 2012.
  4. Premier Grand Prix de France. Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 9. Juli 2012.
  5. Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, S. 64 ff.
  6. Bill: Duesenberg Racecars & Passenger Cars Photo Archive, S. 43-44