Hattert

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Hattert
Hattert
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Hattert hervorgehoben
Koordinaten: 50° 40′ N, 7° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Hachenburg
Höhe: 295 m ü. NHN
Fläche: 11,53 km2
Einwohner: 1723 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 149 Einwohner je km2
Postleitzahl: 57644
Vorwahl: 02662
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 235
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Gartenstraße 11
57627 Hachenburg
Webpräsenz: www.hattert.de
Ortsbürgermeister: Horst Johanntokrax (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Hattert im Westerwaldkreis
Karte
Blick auf den Ortsteil Oberhattert, von Nordosten aus

Hattert ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie ist einwohnermäßig die größte Ortsgemeinde innerhalb der Verbandsgemeinde Hachenburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hattert liegt zwischen Hachenburg und Altenkirchen, auf der sogenannten Altenkirchener Hochfläche (auch Altenkirchener Hochebene) im Vorderwesterwald. Die Hochmulde Hatterter Grund erstreckt sich auf eine Höhe von 265 m ü. NHN bis 349 m ü. NHN. Der in Gehlert entspringende Rothenbach fließt durch den Hatterter Grund; in Oberhattert wird er durch den Selbach und den Niederbach, in Niederhattert durch den Aggerbach vergrößert und mündet als Hatterter Bach zwischen Winkelbach und Hanwerth in die Wied. Am Rand des Hatterter Grundes verlaufen die Bundesstraßen 413 und 414, deren Schnittpunkt bei Hachenburg liegt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile sind Ober-, Mittel- und Niederhattert sowie Laad und Hütte. Zu Oberhattert gehören auch die Wohnplätze Bahnhof Hattert und Eichhof, zu Mittelhattert der Wohnplatz Sophienthal.[2]

Laad, Luftaufnahme (2016)
Hütte, Luftaufnahme (2016)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhand der historischen Ortsnamen Hatterts wird angenommen, dass der Ort als Siedlung bereits im 11. Jahrhundert bestand. Es wird davon ausgegangen, dass aus einer fränkischen Einzelhofsiedlung die Siedlung Hattenrode entstand. Dieser Teil von Hattert trug später die Flurbezeichnung Auf dem Frankenhof und noch heute wird er von den Einwohnern so genannt. Ab 1180 steht der Hatterter Grund unter der Herrschaft des Grafen von Sayn. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist auf den 13. Dezember 1373 datiert (das Originaldokument befindet sich unter der Archivsignatur Abt. 74, Nr. 484 im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden). Wie bei den meisten umliegenden Ortschaften lässt der Name bzw. dessen historische Vorgänger auf eine Rodungssiedlung schließen, für die Waldstücke abgeholzt wurden.

Im Hatterter Grund entstanden die Orte Niederhattert, Mittelhattert, Oberhattert, Laad und Hütte. Der Hatterter Grund gehörte zu den Kirchspielen Kroppach und Altstadt (letzteres heute Teil von Hachenburg), deren Grenzen der Rothenbach darstellte. So wurden die einzelnen Orte teils Kroppach, teils Altstadt zugeordnet.

In der Zeit vor 1402 entstand der niederadelige Name Nail von Hattenrode (auch Nayl oder Nayll), zu dessen Hof ab 1427 die Mühle[3] im Hatterter Grund gehörte. Der letzte Vertreter dieses Geschlechts, Wilhelm von Hattenrode, starb etwa 1523, worauf wechselnde Besitzverhältnisse des Hofs Hatteroth (später Hof Sophiental) folgten.

Grundherren über das ganze Gebiet waren die Grafen von Sayn. Nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Sayn wurden die Einwohner lutherisch und später reformiert.[4] Nach der Landesteilung der Grafschaft Sayn im 17. Jahrhundert gehörte der Hatterter Grund zur Grafschaft Sayn-Hachenburg bis 1799 Sayn-Hachenburg an Nassau-Weilburg kam, das 1806 im Herzogtum Nassau aufging.

1817 erfolgte der Zusammenschluss von Niederhattert und Laad zu einer Gemeinde, gleiches erfuhren Mittelhattert und Hütte. Letztere wurden 1818 durch Aufnahme der Gemarkung Hof Sophiental weiter vergrößert. 1866 wurde das Herzogtum Nassau als Folge des Deutschen Krieges von Preußen annektiert. So wurden die Ortschaften im Hatterter Grund ab 1867 dem Oberwesterwaldkreis mit Verwaltungssitz in Marienberg zugeordnet.

Ab 1946 gehörten die Ortschaften zu Rheinland-Pfalz, Regierungsbezirk Montabaur, zwischen 1968 und 2000 dann zum Regierungsbezirk Koblenz. Am 7. Juni 1969 wurde aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Niederhattert mit Laad (damals 375 Einwohner), Mittelhattert mit Hütte (439) sowie Oberhattert (793) die Gemeinde Hattert neu gebildet[5] und stellt seitdem die einwohnermäßig größte Ortsgemeinde innerhalb der Verbandsgemeinde Hachenburg dar.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Kulturdenkmäler in Hattert

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1885 wurde das Teilstück Altenkirchen-Hachenburg der sog. Oberwesterwaldbahn eröffnet, mit einem Bahnhof in Hattert, dessen Bauzeit allerdings nicht mehr genau datiert werden kann. Erste Pläne für eine solche Eisenbahnlinie gab es bereits 1842, das letzte Teilstück Altenkirchen–Au/Sieg wurde am 1. Mai 1887 freigegeben. Ab 1. August 1901 verband eine Schmalspurbahn die Orte Hachenburg und Selters (Westerwald) (Kleinbahn-AG Selters-Hachenburg). Der Streckenverlauf führte direkt durch den Hatterter Grund und Niederhattert sowie Oberhattert verfügten über eine Haltestelle. 1950 begann die Demontage der Schmalspurbahn; heute ist nur noch an wenigen Stellen in Hattert der Streckenverlauf sichtbar. Der ehemalige Bahnhof der Oberwesterwaldbahn ist heute eine Bedarfshaltestelle, das dazugehörige Gebäude befindet sich in privatem Besitz.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Schule in Hattert, Ortsteil Hütte

1820 entstehen in Oberhattert und Niederhattert je ein Schulgebäude. Mit der nicht mehr genau datierbaren Schule in Hütte gab es so insgesamt drei Schulgebäude im Hatterter Grund. Die Oberhatterter Schule war auch nach umfassenden Reparaturen bereits 1887 für untauglich befunden worden, aber ein Neu- oder Umbau konnte aus Geldmangel und wegen Meinungsverschiedenheiten der Verantwortlichen nicht durchgeführt werden. Erst am 3. Oktober 1911 wurde ein neues Schulgebäude in Oberhattert fertiggestellt und das vorherige abgerissen. In den 1960er Jahren wurde der Schulbetrieb in Hattert ganz eingestellt. Die Schüler verteilen sich bis heute auf die Grundschule in Müschenbach, die Haupt- und die Realschule in Hachenburg (heute Duale Oberschule bzw. Realschule plus), sowie das Private Gymnasium Marienstatt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchengebäude mit der Kapelle. Über dem Glockenturm der Kapelle ist im Hintergrund der Bahnhof zu erkennen.

1940 wurde eine katholische Filialkirche in Oberhattert gebaut, welche 1948 zur Kapelle erweitert und nach einem Brand 1996 neu aufgebaut wurde. 1957 kam die Pfarrkirche Maria Königin auf gleichem Grundstück hinzu, sowie die Pfarrstelle Hattert-Merkelbach.

Am 1. Januar 2007 wurden die Kirchengemeinden Hachenburg und Hattert-Merkelbach zusammengelegt zur Pfarrgemeinde St. Marien Hachenburg-Hattert. Pfarrkirche ist seitdem Maria Himmelfahrt in Hachenburg und Maria Königin in Hattert Filialkirche.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Hattert bezogen auf das heutige Gemeindegebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[6]

Jahr Einwohner
1815 663
1835 758
1871 794
1905 952
1939 1.206
Jahr Einwohner
1950 1.314
1961 1.406
1970 1.626
1987 1.637
2005 1.719
2013 1.740

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Hattert besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[7]

Wahl SPD CDU Grüne FWG Gesamt
2014 6 6 1 3 16 Sitze
2009 5 6 1 4 16 Sitze
2004 5 6 1 4 16 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Hattert e. V.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „Gespalten von Gold und Rot, vorn drei blaue Nägel, hinten ein goldener blaubewehrter rotgezungter herschauender Löwe.“

Das Wappen nimmt Bezug auf das Familienwappen der niederadeligen Familie Nayl. Deren Angehörige trugen den Titel Denß Monhard Nayl von Hatterode (siehe Geschichte). Die Nägel weisen auf den Namen Nayl hin. Der Löwe steht für die territoriale Zugehörigkeit zur Grafschaft Sayn und zur Grafschaft Sayn-Hachenburg.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhaltepunkt Hattert an der Oberwesterwaldbahn (Limburg an der LahnDiez Ost-Westerburg–Nistertal/Bad MarienbergHachenburgAltenkirchen (Westerwald)Au (Sieg)-Wissen(Sieg)-Siegen-Kreuztal) wird durch die Regionalzüge der Linie RB90 (Westerwald-Sieg-Bahn) der Hessischen Landesbahn (HLB) nach dem Rheinland-Pfalz-Takt bedient. Am Bahnhof Au (Sieg) besteht Anschluss an die Züge in Richtung Köln, Aachen und Siegburg/Bonn. Am Bahnhof Limburg (Lahn) besteht Anschluss an Regionalzüge in Richtung Frankfurt am Main, Wiesbaden, Gießen/Fulda, Koblenz sowie Montabaur/Siershahn.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Denter (* 1936), Abt emeritus der Abtei Marienstatt, ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande (1996) sowie dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz (2008).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frances de Schrevel: Chronik der Gemeinde Hattert. Eine Westerwaldgemeinde im Spiegel der Jahrhunderte. Hattert 1990.
  • Daniel Schneider: Das Mühlengewerbe in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 59 (2016), S. 219–237.
  • Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015). S. 74–80.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hattert – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 47 (PDF; 2,3 MB)
  3. Zur geschichtlichen Entwicklung der Mühlen in der Grafschaft Sayn vgl. Daniel Schneider: Das Mühlengewerbe in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen, S. 219–237.
  4. Vgl. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, S. 74–80.
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 178 (PDF; 2,6 MB).
  6. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen