Klimaskeptizismus

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Klimaskeptizismus bezeichnet eine zweifelnde oder ablehnende Haltung bezüglich der vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung zur globalen Erwärmung. Bei Klimaskeptizismus handelt es sich im Allgemeinen nicht um Skeptizismus im eigentlichen Sinn, sondern vielmehr um die organisierte Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung. So existiert mittlerweile eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass Widerstand gegen Klimaschutzmaßnahmen entweder politisch organisiert, ideologisch motiviert oder auch beides ist.[1]

Personen, die in der Kontroverse um die globale Erwärmung einen menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bestreiten, nicht für relevant halten oder die Folgen nicht für relevant halten, bzw. (insbesondere bis in die 1990er Jahre) einen Klimawandel überhaupt bestreiten, werden als Klima(wandel)skeptiker, Klima(wandel)leugner und Klimawandelcontrarian bezeichnet. Die Begriffe werden in der Forschung häufig synonym verwendet, wobei intensiv debattiert wird, welcher der Begriffe Personen am treffendsten beschreibt, die den wissenschaftlichen Konsens bezüglich des menschengemachten Klimawandels ablehnen.[2] In diesem Zusammenhang wird daneben zwischen „Trend-“, „Ursachen-“ und „Folgenskeptiker“ unterschieden: Ein Trendskeptiker leugnet den Erderwärmungstrend generell, ein Ursachenskeptiker zweifelt an der Ursächlichkeit menschlicher Aktivität an der gegenwärtigen globalen Erwärmung und ein Folgenskeptiker zweifelt an den in der Wissenschaft für wahrscheinlich angegebenen Folgen der globalen Erwärmung.[3] Allerdings ist z.B. der Begriff Klimawandelskeptiker problematisch für Personen, die einen weithin anerkannten wissenschaftlichen Konsenses bezweifeln, da echter Skeptizismus ein Kernbestandteil wissenschaftlichen Arbeitens ist, während er für das ungerechtfertigte pseudoskeptische Bezweifeln von irgendetwas aus jedem beliebigen Grund unangebracht ist und damit zur Verwirrung der Öffentlichkeit beiträgt.[4]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während innerhalb der Wissenschaft ein starker Konsens hinsichtlich der menschengemachten globalen Erwärmung herrscht[5][6][7], lehnen Teile der Öffentlichkeit, insbesondere in manchen angelsächsischen Staaten weiterhin deren Existenz ab. Deutlich ausgeprägt ist die Ablehnung in Staaten, in denen mit großem finanziellen Einsatz durch Unternehmen, v. a. aus der Branche der fossilen Energien, eine einflussreiche Kontrabewegung geschaffen wurde, deren Ziel es ist, die Existenz des wissenschaftlichen Konsenses durch bewusstes Säen von Zweifeln zu untergraben. Besonders erfolgreich waren diese Aktionen unter konservativen Bevölkerungsteilen in den USA.[8] Eine wichtige Rolle bei der Verschleierung des Standes der Wissenschaft spielen konservative Denkfabriken, deren Rolle in der öffentlichen und politischen Klimadebatte mittlerweile immer stärker in den Fokus der Forschung rückt.[9] So stammen z.B. in den USA mehr als 90 % der Paper, die klimaskeptische Positionen äußern, von diesen Denkfabriken.[10]

Zu den wichtigsten Kräften der organisierten Klimaleugnerbewegung, die die Existenz der menschengemachten Globalen Erwärmung durch gezielte Attacken auf die Klimaforschung abstreiten, zählen das Cato Institute, das Competitive Enterprise Institute das George C. Marshall Institute sowie das Heartland Insititute, allesamt konservativ ausgerichtete Think Tanks. Ihr Ziel war und ist es, mittels der Fear, Uncertainty and Doubt-Strategie in der Bevölkerung Unsicherheit und Zweifel an der Existenz der Globalen Erwärmung zu schaffen, um anschließend zu argumentieren, dass es nicht genügend Belege dafür gebe, konkrete Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Zuvor war diese Kommunikationsstrategie bereits bei der Schädlichkeit des Tabakrauchens sowie des Passivrauchens, der Existenz des Ozonloches und des Sauren Regens angewendet worden.[11][12] Ebenfalls sehr bedeutsam bei der Leugnung der Globalen Erwärmung ist die Rolle von Internetblogs.[13]

Die bewusste Verbreitung von Falschinformationen, die dem wissenschaftlichen Konsens widersprechen, geschieht sowohl aus ideologischen Gründen als auch aus finanziellem Interesse von Unternehmen. Beispielsweise investierte die US-Industrie rund 500 Millionen US-Dollar in die erfolgreiche Bekämpfung eines Antrages, der die Einführung eines Emissionsdeckels für die Emissionen der Vereinigten Staaten vorsah.[14] Insgesamt stehen der US-Klima-Contrarian-Bewegung rund 900 Millionen Dollar pro Jahr für Kampagnenzwecke zur Verfügung. Die überwältigende Mehrheit der Mittel stammt von politisch konservativen Organisationen, wobei die Finanzierung zunehmend über Donors-Trust-Organisationen verschleiert wird.[15] Als besonders einflussreiche Sponsoren wurden ExxonMobil und die Koch family foundations identifiziert.[16]

Daneben spielt der Glauben an Freie Märkte sowie die Ablehnung des Staates und von staatlichen Regulierungen eine wichtige Rolle für klimaskeptische Ansichten. Prominente Klimaleugner wie Frederick Seitz, Fred Singer, William Nierenberg und Robert Jastrow, während des Kalten Krieges noch angesehene Wissenschaftler, bezogen ihre Motivation für ihre Ablehnung der Schädlichkeit des Passivrauchens sowie der Existenz des Ozonlochs oder des Klimawandels aus marktfundamentalistischen und staatsskeptischen Positionen. Umweltschutzmaßnahmen wie Klimaschutz stellen ein Marktversagen dar, das nur mit staatlichen Eingriffen gelöst werden kann; diese Eingriffe erfordern jedoch staatliche Regulierung, die sie als schleichenden „Pfad zum Sozialismus“ kategorisch ablehnten.[17] Während persönliche und individuelle Aspekte für die Klimaskepsis bisher bereits viel Aufmerksamkeit in der sozialwissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel erhalten haben, sind die Netzwerke, die hinter der Produktion von klimaskeptischen Texten stehen, jedoch noch relativ schlecht erforscht.[18]

Obwohl zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht nur die geophysikalischen Grundlagen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststand, sondern auch die Erwärmung und ihre Folgen sich abzuzeichnen begann, dauerte es bis Ende 2015, bis auf der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 einstimmig beschlossen wurde, Maßnahmen zu ergreifen, die die globale Erwärmung auf unter 2 Grad begrenzen. Jedoch leugnen selbst in der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 die Bewerber der Republikanischen Partei, unterstützt von umfangreichen Spenden durch Energiekonzerne, weiterhin den menschlichen Einfluss auf das Klima bzw. dass es sich überhaupt ändert.[19]

Maßnahmen und Aktionen gegen Klimaskepsis und Klimaskeptiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Broschüre[20] des deutschen Umweltbundesamtes enthält ein Kapitel über Publizisten in Deutschland, die Ursachen und Folgen des Klimawandels bestreiten. Vorgestellt werden Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning; Dirk Maxeiner und Michael Miersch, Günter Ederer und das „Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE)“. Henryk M. Broder, der mit Maxeiner und Miersch ein gemeinsames Weblog betreibt, bezeichnete diese Veröffentlichung als ein Anprangern und staatlichen Eingriff in die Pressefreiheit, die ihn an die Reichskulturkammer erinnern würden.[21]

ClimateNameChange ist eine Initiative in Kooperation mit der Organisation 350.org, die die Offenlegung der Namen von Politikern, die den Klimawandel bezweifeln, zum Inhalt hat.[22] Die Initiative veröffentlichte Ende August 2013 ein humoristisches Video, in dem vorgeschlagen wird, Wirbelstürme nach bekannten Klimawandelleugnern zu benennen. Namentlich benannt werden die US-Politiker Michele Bachmann, John Boehner, Paul Broun, James Inhofe, Darrell Issa, Rick Perry, Collin Peterson, Marco Rubio, Paul Ryan, Jeff Sessions, Lamar Smith und David Vitter. Auf der Homepage werden zusätzlich Martha Roby, Mo Brooks, Robert Aderholt, Spencer Bachus, Richard Shelby, Don Young, Trent Franks, Paul Gosar, Rick Crawford, Tim Griffin, John Boozman, Ken Calvert, Jeff Denham, Devin Nunes, Dana Rohrabacher, John Campbell, Mario Diaz-Balart, Rand Paul, Steve Scalise, Bill Cassidy, Mary Landrieu, Fred Upton, Joe Heck, Michael Grimm, Tim Scott, Joe Barton, Ted Poe, und Morgan Griffith genannt.[23] Das Video wurde bis Ende September 2013 über zwei Millionen Mal abgerufen.[24] Der Journalist Andrew Revkin merkte in der New York Times kritisch an, dass er das Video trotz guter Absichten als problematisch ansehe, weil der Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und zunehmenden Wirbelstürmen noch nicht eindeutig erwiesen sei.[25]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stellungnahmen von wissenschaftlichen Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Argumente von Skeptikern und Stellungnahmen dazu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reportagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephan Lewandowsky: Future Global Change and Cognition. In: Topics in Cognitive Science. Band 8, 2016, S. 7–18, hier 11 f., doi:10.1111/tops.12188.
  2. Wouter Poortinga et al., Uncertain climate: An investigation into public scepticism about anthropogenic climate change. In: Global Environmental Change 21, (2011), 1015–1024, S. 1016, doi:10.1016/j.gloenvcha.2011.03.001.
  3. Stefan Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. C. H. Beck, 6. Auflage 2007, S. 42 ff
  4. Lawrence Torcello: The Ethics of Belief, Cognition, and Climate Change Pseudoskepticism: Implications for Public Discourse. In: Topics in Cognitive Science. Band 8, 2016, S. 19–48, doi:10.1111/tops.12179.
  5. Naomi Oreskes: The Scientific Consensus on Climate Change. In: Science. Band 306, Nr. 5702, 2004, S. 1686, doi:10.1126/science.1103618.
  6. Anderegg et al.: Expert credibility in climate change. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 107, Nr. 27, 2010, S. 12107–12109, doi:10.1073/pnas.1003187107.
  7. Cook et al.: Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature. In: Environmental Research Letters. Band 8, 2013, doi:10.1088/1748-9326/8/2/024024.
  8. Paul C. Stern: Sociology. Impacts on climate change views. In: Nature Climate Change. Band 6, 2016, S. 341–342, doi:10.1038/nclimate2970.
  9. Constantine Boussalis, Travis G. Coan: Text-mining the signals of climate change doubt. In: Global Environmental Change. Band 36, 2016, S. 89–100, doi:10.1016/j.gloenvcha.2015.12.001.
  10. Jordi Xifra: Climate Change Deniers and Advocacy: A Situational Theory of Publics Approach. In: American Behavioral Scientist. Band 60, Nr. 3, 2016, S. 276–287, hier S. 284, doi:10.1177/0002764215613403.
  11. Riley E. Dunlap and Peter J. Jacques: Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 699–731, doi:10.1177/0002764213477096.
  12. Naomi Oreskes, Erik Conway, Die Machiavellis der Wissenschaft (Original:Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming), Weinheim 2014.
  13. Lewandowsky et al.: NASA Faked the Moon Landing—Therefore, (Climate) Science Is a Hoax: An Anatomy of the Motivated Rejection of Science. In: Psychological Science. Band 24, Nr. 5, 2013, S. 622–633, doi:10.1177/0956797612457686.
  14. Nick Watts et al.: Health and climate change: policy responses to protect public health. In: The Lancet. Band 386, 2015, S. 1861–1914, S. 1901, doi:10.1016/S0140-6736(15)60854-6.
  15. Robert J. Brulle: Institutionalizing delay: foundation funding and the creation of U.S. climate change counter-movement organizations. In: Climatic Change. 2013, doi:10.1007/s10584-013-1018-7.
  16. Justin Farrell, Corporate funding and ideological polarization about climate change. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 113, 1, 2015, S. 92-97, doi:10.1073/pnas.1509433112.
  17. Vgl. Naomi Oreskes, Erik Conway, Die Machiavellis der Wissenschaft (Original:Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming), Weinheim 2014, insb. S. 318f.
  18. Justin Farrell: Network structure and influence of the climate change counter-movement. In: Nature Climate Change. Band 6, 2016, S. 370–374, doi:10.1038/nclimate2875.
  19. Oil and gas industry has pumped millions into Republican campaigns . In: The Guardian, 3. März 2016. Abgerufen am 7. April 2016.
  20. Und sie erwärmt sich doch – Was steckt hinter der Debatte um den Klimawandel? (PDF; 3,4 MB)
  21. Henryk M. Broder: Eine Behörde erklärt die Klimadebatte für beendet, DIE WELT vom 19. Mai 2013
  22. Satire of climate skeptics becomes viral hit. Auf philly.com, 10. September 2013, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  23. Climate Name Change (mit Video, 2 min 38 sek) auf climatenamechange.org, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  24. 2 Climate Change Efforts Hope To Impact Policy, Public Auf: Media Post, 27. September 2013, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  25. Andrew Revkin: '‘Hurricane Marco Rubio’ – A Winning Climate Campaign?' In: The New York Times, 30. August 2013, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  26. Brandon Keim: The Psychology of Climate Change Denial. Interview mit Kari Marie Norgaard. In: Wired, 12. September 2009, abgerufen am 11. November 2013.
  27. Irene Quaile: Warum wir den Klimawandel nicht wahrhaben wollen. In: Deutsche Welle. 17. Februar 2014.