Sender Kiel

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Sender Kiel
Sender im September 2010 bereits ohne MW-Reservemast
Sender im September 2010 bereits ohne MW-Reservemast
Basisdaten
Ort: Kronshagen
Land: Schleswig-Holstein
Staat: Deutschland
Höhenlage: 26 m ü. NHN
Verwendung: Fernmeldeanlage, Rundfunksender
Zugänglichkeit: Sendeanlage öffentlich nicht zugänglich
Besitzer: Norddeutscher Rundfunk
Daten der Sendeanlage
Anzahl der Türme/Masten: 2
Höhe der Türme/Masten: 191 m
Bauzeit der Sendeanlage: 1964
Betriebszeit der Sendeanlage: seit 1964
Wellenbereich: UKW-Sender
Rundfunk: UKW-Rundfunk
Sendetypen: DAB, Mobilfunk
Positionskarte
Sender Kiel (Schleswig-Holstein)
Sender Kiel
Sender Kiel
54.332710.068Koordinaten: 54° 19′ 57,7″ N, 10° 4′ 4,8″ O

Der NDR-Sender Kiel ist eine Sendeeinrichtung des Norddeutschen Rundfunks für UKW-Rundfunk und DAB, bis 2004 auch für Mittelwelle und TV.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Am 7. März 1926 begann der „Nordmarksender“[1] in Kiel-Kronshagen am Heischberg seinen Sendebetrieb auf Mittelwelle 1288 kHz mit nur 1,5 kW (später 1292 kHz; 0,3 kW)[2]. Die konkurrierende NORAG betrieb zu diesem Zeitpunkt schon seit zwei Jahren einen Mittelwellensender in Hamburg. Bereits 1931 fehlte der Sender Kiel wieder in offiziellen Frequenzlisten.[3] Nach der „Luzerner Wellenkonferenz von 1933“[4] zur Festlegung der Frequenzen in Europa ab 15. Januar 1934 war der Kieler Sender im Verbund des damaligen „Großrundfunksendernetzes“ überflüssig. Der „Reichssender Hamburg“ umfasste zwei starke 100-kW-Mittelwellensender (904 kHz).[5]

In der Nachkriegszeit waren infolge des Kopenhagener Wellenplans 1948 in der Britischen Besatzungszone[6] nur sehr geringe Sendeleistungen im Gleichwellennetz zulässig. Erst nach 1950 betrieb der Sender Kiel wieder einen eigenen schwachen MW-Sender (1586 kHz; 5 kW).[7] Diese Frequenz wurde 1966 kurzzeitig auf 1570 kHz verändert um dann 1970 entsprechend dem Genfer Wellenplan von 1974/75 auf 827 kHz mit nur noch 0,5 kW Sendeleistung reduziert zu werden. Der Sender wurde 1993 vom NDR endgültig abgeschaltet.

Stattdessen wurde die Sendeanlage zuletzt von 1998 bis 2004 an den Privatsender „Power 612“ (612 kHz, 10 kW Leistung) vermietet.[8] Der Mittelsender wurde mittlerweile demontiert.

Sendeanlagen[Bearbeiten]

Der Rundfunksender Kronshagen besteht aktuell aus einem Sendemast:

  • Ein 191 Meter hoher, gegen Erde isolierter Stahlfachwerkmast mit quadratischem Querschnitt. Er stand von 1949 bis 1963 auf dem Areal des Senders Billwerder-Moorfleet in Hamburg, wurde 1964 demontiert und in Kronshagen wiedererrichtet.
  • Dazu gesellt sich noch ein Mobilfunkturm in Fertigbetonbauweise.

Ein etwa 50 Meter hoher, gegen Erde isolierter Stahlrohrmast, der als Mittelwellen-Reserveantenne diente, wurde im Sommer 2010 abgerissen. Ein 1955 errichteter 104 Meter hoher, geerdeter Stahlfachwerkmast, der zuletzt als Reserveantenne für UKW diente und bis 2004 auch ein Mittelwellenprogramm abstrahlte, wurde ab dem 23. Oktober 2012 wegen zu hohen Instandhaltungskosten demontiert.[9]

Zwischen den beiden größten Masten bestand eine Leitungsverbindung. Durch Höhenverschiebung des Koppelseils ließ sich eine optimale Fußpunktimpedanz erzielen, die sich gut auf die Kabelimpedanz transformieren ließ.

Der Rundfunksender Kronshagen diente auch zur Verbreitung von TV bis zur Umstellung auf DVB-T im November 2004. Seitdem wird das Fernsehprogramm für den Raum Kiel nur noch über den Fernmeldeturm Kiel der Deutschen Telekom AG verbreitet.

Frequenzen und Programme[Bearbeiten]

Wegen des küstennahen Standorts war ein guter Mittelwellen-Empfang in Schleswig-Holstein, Dänemark und Südschweden möglich.

Analoger Hörfunk (UKW)[Bearbeiten]

Programmname ERP Frequenz
NDR 1 Welle Nord 15 kW 91,3 MHz
N-Joy 15 kW 94,5 MHz
NDR Kultur 1 kW 95,7 MHz
NDR 2 15 kW 98,3 MHz
NDR Info 0,4 kW 99,7 MHz

Digitaler Hörfunk (DAB/DAB+)[Bearbeiten]

Bis August 2011 wurden im Kanal 12D folgende Programme im DAB-Modus gesendet: NDR 1 Welle Nord, NDR 2, NDR Info, NDR Traffic, NDR Musik Plus, DRadio Wissen, Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk. Seit November 2011 wird der neue Multiplex des NDR auf Kanal 9C gesendet.

Block Programme ERP 
(in kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Gleichwellennetz (SFN)
5C
DRDeutschland
(D__00188)
DAB+ Block der Media Broadcast: 10 ND


9C
NDR SH9C
(D__00242)
DAB+ Block des Norddeutschen Rundfunk [10] 8 D Kiel-Kronshagen

Analoger Hörfunk (MW)[Bearbeiten]

Bis zur Abschaltung der Mittelwellensenders im Jahr 2004 wurden folgende Programme übertragen:

Programmname ERP Frequenz
Power 612 10 kW 612 kHz

Digitales Fernsehen (DVB-T)[Bearbeiten]

Die DVB-T-Ausstrahlungen laufen im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Standorten.

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP 
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate 
(MBit/s)
SFN
21 474 ZDFmobil 32 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Kiel (Kronshagen), Fernmeldeturm Kiel
35 586 ProSiebenSat.1 Media Hamburg/Schleswig-Holstein 50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Kiel (Kronshagen), Fernmeldeturm Kiel
39 618 ARD regional (NDR) 50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Kiel (Kronshagen), Fernmeldeturm Kiel
45 666 RTL Group Hamburg/Schleswig-Holstein 50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Kiel (Kronshagen), Fernmeldeturm Kiel
47 682 ARD Digital (NDR) 40 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Kiel (Kronshagen), Fernmeldeturm Kiel
57 762 Gemischt Privat Schleswig-Holstein 20 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Kiel (Kronshagen), Fernmeldeturm Kiel

Analoges Fernsehen (PAL)[Bearbeiten]

Bis November 2004 wurden folgende Programme in der PAL-Norm übertragen:

Sendefrequenz Kanal ERP Programmname
175,25 MHz E05 12 kW Das Erste

Seit der Umstellung der Fernsehbetriebs auf DVB-T werden die Programme in der Region Kiel vom Fernmeldeturm Kiel ausgestrahlt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nordmarksender 1926
  2. Mittelwellensender Kiel
  3. Freqenzliste 1931
  4. Luzerner Wellenkonferenz 1933
  5. Rundfunkchronik 1934
  6. Kopenhagener Wellenplan ab 1950
  7. Frequenzlisten 1954 und 1962 (PDF; 33 kB)
  8. Kiel 612 kHz
  9. Demontage kleiner Sendemast
  10. http://www.ndr.de/unternehmen/technik/digitalradio/karten131.pdf